Es existieren spezielle Biopsieventile mit einem kurzen Schlauch und einem weiteren Luer-Ansatz, so dass man eine solche Spülung auch durchführen kann, solange das eigentliche Biopsieventil durch ein Instrument blockiert ist (z. B. bei ERCP, OTSC-Clip-Applikation, etc.). Allerdings ist das Spülen an einem eingelegten Instrument vorbei nur begrenzt effektiv.

Luft-Wasser-Ventil:
In der Mitte dieses Ventils befindet sich ein kleines Loch (Abb. 2.7), aus dem kontinuierlich unter Druck stehendes Gas ausströmt (entweder Raumluft aus der „Pumpe“ des Endoskopieturms oder CO2 aus der CO2-Einheit). Wird das Loch mit dem Finger verschlossen, strömt das Gas durch einen eigenen Luftkanal aus der Gerätespitze in den Gastrointestinaltrakt: Es wird „Luft/Gas gegeben“. Der eigene Luftkanal erlaubt es Gas zu insufflieren, während abgesaugt wird, so dass das Lumen nicht kollabiert. Dies ist fast immer zu empfehlen (Ausnahme: prall gefüllter Magen mit Aspirationsrisiko). Das Ventil hat eine zweite Funktion: Wird es eingedrückt, strömt Wasser entweder durch einen eigenen Kanal oder den auch für die Luft verwendeten Kanal. – Es existieren beide Bauweisen. Am Ende des Kanals (also an der Gerätespitze) wird das Wasser durch eine kleine Metallplatte auf die Optik des Endoskops umgeleitet: Es wird „die Scheibe gespült“.

Großes Abwinkelungsrad:
Dieses Rad steuert die Abwinkelung des Gerätes nach oben und unten. Eine Drehung nach links (=“zu sich hin“) hebt die Gerätespitze an bzw. bewegt das Bild nach oben. Eine Drehung nach rechts wirkt umgekehrt.
Arretierung für das große Abwinkelungsrad:
Sie ist eine Art Feststellbremse für das Rad, so dass es während der Untersuchung losgelassen werden kann, um z. B. ein Instrument einzuführen. Die Arretierung blockiert das Rad nicht vollständig. Eine Feinjustierung ist auch bei arretiertem Rad möglich, allerdings gegen deutlich erhöhten Widerstand.
Liegt der Hebel nach links, wirkt die Arretierung. – Das Rad ist „festgestellt“. Nach rechts ist die Arretierung gelöst.
Kleines Abwinkelungsrad:
Dieses Rad steuert die Abwinkelung des Gerätes nach rechts und links. Eine Drehung nach links (=“zu sich hin“) biegt die Gerätespitze nach links, bzw. bewegt das Bild nach links. Eine Drehung nach rechts wirkt umgekehrt.
Arretierung für das kleine Abwinkelungsrad:
Diese Arretierung ist selbst ein kleines Rad und wirkt analog zur Arretierung des großen Rades.
Eine Drehung nach links stellt das Rad fest. Nach rechts wird die Arretierung gelöst.
2.3 Grundlagen der Handhabung
2.3.1 Griff um das Gerät
Bei der Endoskopie des oberen Gastrointestinaltrakts hält der Untersucher das Endoskop stets allein (während bei der Koloskopie meist eine Pflegekraft das Endoskop schiebt).
Das Bedienteil wird in der linken Hand gehalten, und zwar so, dass mit dem Zeigefinger die Absaugung und mit dem Mittelfinger das Luft-Wasser-Ventil bedient werden kann. Diese Haltung ermöglicht außerdem (mit ein wenig Übung) die Bedienung oder (bei kleinen Händen) zumindest die Arretierung des großen Rades mit dem Daumen.
Je nach Bedarf erfolgt mit der rechten Hand die Bedienung beider Räder oder das Einführen/Zurückziehen von Instrumenten im Arbeitskanal (vgl. Abb. 2.8a-c).
Die Instrumente haben eigene Handgriffe, über die sie von einer Pflegekraft bedient werden (z. B. Öffnen und Schließen einer Biopsiezange).

Es sollte darauf geachtet werden, dass man das Gerät „gestreckt“ hält, also dass es möglichst ohne abzuknicken zum Mund des Patienten läuft (vgl. Abb. 2.9).
Wird das Gerät abgeknickt gehalten, kann es zu erhöhtem Verschleiß oder sogar Geräteschäden kommen und die Steuerung wird schwieriger. Insbesondere Drehbewegungen werden nicht mehr richtig auf die Gerätespitze übertragen.

2.3.2 Arten der Steuerung
Abwinkeln der Gerätespitze:
Die Funktion der Abwinkelungsräder wurde bereits unter „Bedienteil/Kontrollkörper“ erklärt. Die Abwinkelung spielt jedoch auch eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit dem Drehen des Gerätes um die eigene Achse (siehe unten).
Vorschieben und Zurückziehen:
Mit der rechten Hand kann das Gerät tiefer in den Mund des Patienten eingeführt oder zurückgezogen werden. Die Wirkung dieser Manöver ist nicht ganz so offensichtlich, wie es zunächst erscheint. Je nach Abwinkelung des Gerätes und Gerätelage kann es sein, dass es nicht zu einer Vorwärtsbewegung der Gerätespitze, sondern zu einer Querverschiebung des Bildes nach oben/unten oder sogar einer Rückwärtsbewegung kommt (z. B. in Inversion oder wenn im Dünndarm Schlingen aufgeschoben werden. Hierzu später mehr).
Sich dies bewusst zu machen, ist erforderlich, um sinnvoll in Inversion arbeiten zu können und um zu verstehen, warum das Gerät erst im Magen aufgeschoben werden muss, um den Bulbus duodeni zu erreichen.
Die Abbildungen 2.10 und 2.11 dienen der Veranschaulichung.
Nach einigen Untersuchungen stellt sich „ein Gefühl für die Gerätebewegung“ ein, so dass in der Regel nicht mehr über diese Vorgänge nachgedacht werden muss.
Allerdings ist es bei komplexeren Interventionen erforderlich, sich über die Gerätelage im Klaren zu sein. Unter Umständen lässt sich sonst kein suffizienter Zugang zum Ziel erreichen oder die Instrumente funktionieren nicht, da sie in einem abgeknickten/durchgeschobenen Gerät „abgeklemmt“ werden. (Hierzu später mehr.)

Drehen des Gerätes:
Das Drehen des Endoskops um die eigene Achse ist bei der Gastroskopie eine wesentliche Art der Gerätesteuerung. Die offensichtliche Wirkung, dass sich das Bild dreht, besteht nur bei gerader Gerätespitze. Ist das Distalende anguliert, führt eine Drehung am Gerät zu einer Verschiebung des Blickfeldes nach rechts oder links.
Für Bewegungen im Magen wird das große Rad etwas zu sich hin gezogen (=nach links gedreht, = die Spitze leicht angehoben) und dann das ganze Gerät gedreht (vgl. Abb. 2.11a-c und 2.12a-c).

Die Drehung des Gerätes lässt sich auf unterschiedliche Art und Weise erreichen.
Feine Drehungen erfolgen aus dem Handgelenk (vgl. Abb. 2.13), gröbere durch eine Drehung aus der Schulter/mit dem Arm (vgl. Abb. 2.14a). Soll das Gerät über einen längeren Zeitraum gedreht gehalten werden, ist es am einfachsten (und ergonomischsten), dass sich der Untersucher selbst dreht (vgl. Abb. 2.15).
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