Robert Silverberg - Über den Wassern

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Über den Wassern: краткое содержание, описание и аннотация

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Auf der Wasserwelt Hydros leben seit Generationen Siedler von der Erde friedlich nebeneinander mit den amphibischen Eingeborenen des Planeten. Als eines Tages ein Fischer ein paar von den intelligenten Fischen im Meer tötet, haben die Menschen ihr Siedlungsrecht verwirkt. Sie müssen ihre kleinen schwimmenden Inseln, die ihnen längst zur Heimat geworden sind, verlassen und sind gezwungen, ein geheimnisvolles dunkles Land zu sucher, das vielleicht nur in den Sagen existiert.

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»Du meinst — Bäume?«

»Ja, Bäume.«

»Ich weiß von Bäumen. Was für wundersame Dinge sie sind. Mit Stengeln, so dick, daß du sie mit den Armen nicht umfassen kannst. Und von oben bis unten von fester, rauher brauner Haut bedeckt. Unglaublich!«

»Du sprichst, als hättest du schon mal welche gesehen.«

»Ich? Aber nein, wie sollte ich? Ich bin eine Hydrosgeborene, wie du. Aber ich habe Leute getroffen, die auf Festlandwelten gelebt hatten. Während meiner Zeit auf Simbalimak war ich ziemlich viel mit einem Mann von Sunrise zusammen, und der erzählte mir von Wäldern und von Vögeln… und von Bergen und all den anderen Dingen, die wir hier nicht haben. Bäume. Insekten. Wüsten. Das alles kam mir recht erstaunlich vor.«

»Das kann ich mir denken«, sagte Lawler. Aber das Gespräch jetzt machte ihn auch nicht fröhlicher als die vorherige Unterhaltung. Er wollte nichts von Wäldern, Vögeln und Bergen hören — und nichts über den Mann von Sunrise, mit dem sie auf Simbalimak so oft zusammen war.

Sie blickte ihn seltsam an. Es gab eine lange zähe Pause. Eine Pause, in der unterschwellig etwas ausgesagt wurde. Aber, verdammt, er begriff den Text nicht.

Dann, mit verändertem, brüskem Ton sagte sie: »Du bist nie verheiratet gewesen, Doktor?« Die Frage kam so überraschend, wie wenn ein Gillie auf einmal Flickflack turnte.

»Doch. Einmal. Aber nicht lange. Es ist schon ziemlich lange her. Ein schlimmer Irrtum. Und du?«

»Nie. Vermutlich weiß ich nicht, wie man so was anstellt. Sich auf ewig an eine einzige Person zu binden. Mir kommt so was dermaßen komisch vor.«

»Man behauptet, daß es möglich ist«, bemerkte Lawler. »Und ich hab es auch mit eigenen Augen erlebt. Aber natürlich hab ich nur sehr wenig persönliche Erfahrung damit.«

Sie nickte unbeeindruckt. Irgendwie schien sie sich mit einem Problem herumzuschlagen. Genau wie er selbst. Und sein Problem kannte er: sein Zaudern, die von ihm selbst errichteten Grenzen zu überschreiten, hinter denen er sein Leben verschanzt hatte, nachdem Mireyl ihn verlassen hatte; seine Weigerung, sich dem Risiko erneuter schmerzlicher Verletzung auszusetzen.

Inzwischen war er sein diszipliniertes zölibatäres Leben gewohnt geworden. Mehr als nur angepaßt eigentlich: Ihm erschien es als das, was er haben wollte, weil es seinen tiefsten Bedürfnissen entsprach. Nichts gewagt und nichts — verloren. Wartete die Frau da darauf, daß er den ersten Zug machte? Allem Anschein nach, ja. Aber würde er ihn machen? Konnte er? Er hatte sich doch selbst in der Falle seiner unbiegsamen Gleichmütigkeit gefangen, und irgendwie sah er keine Möglichkeit, wie er sich mit Anstand aus ihr davonstehlen könnte.

Der leichte Sommerwind aus dem Süden trug ihm den Geruch ihrer seefeuchten Haare zu und ließ ihr Umhängetuch flattern, was Lawler deutlich daran gemahnte, daß Sundira darunter nackt war. Der rötlichgelbe Schein der sinkenden Sonne auf ihrer nackten Haut verwandelte die feinen zarten, fast unsichtbaren Härchen darauf in Gold, das auf ihren Brüsten funkelte. Ihr Körper war noch feucht vom Schwimmen, die kleinen helleren Brustwarzen hatten sich in der Abendkühle aufgerichtet. Sie war geschmeidig und fest und verlockend.

Und er begehrte sie.

Also gut. Dann zimpre nicht so herum. Du bist schließlich keine fünfzehn mehr. Was du jetzt machst, du sagst ihr: »Anstatt auf den Morgen zu warten, komm doch gleich mit mir in meinen Vaargh, dann geb ich dir die Medizin. Und dann laß uns zusammen essen und ein paar Gläschen trinken. Ich würde dich wirklich gern besser kennenlernen.« Und dann die Sache nach Gefühl weiterspielen. Er hörte die Worte in der Luft, fast so, als hätte er sie bereits ausgesprochen.

Doch in eben diesem Moment kam Gabe Kinverson direkt von seiner Tagesarbeit auf See über den Pfad daher. Er trug noch seine Fangausrüstung, schwere zeltähnliche Schutzkleidung, die ihn vor den scharfen Hieben der Fleischfischtentakeln bewahren sollte. Unter einem Arm trug er ein gefaltetes Segel. Er machte halt und stand riesenhaft eine Weile ein Dutzend Meter entfernt da, eine klobige Gestalt, gespenstisch wie ein scharfkantiges Riff, und von ihm strahlte wie immer diese merkwürdige Aura einer großen Kraft aus, von versteckter Gewalt, von Gefährlichkeit, die nur mit äußerster Schwierigkeit unter Kontrolle gehalten werden konnte.

»Da bist du ja«, sagte er zu Sundira. »Hab dich schon gesucht, ’n Abend, Doc.« Seine Stimme klang ruhig, ausdruckslos, rätselhaft. Aber Kinverson klang auch nie so bedrohlich, wie er aussah. Er nickte Sundira zu, und sie kam ohne Zögern zu ihm.

»War nett, mal mit dir zu reden, Doktor«, sagte sie über die Schulter zu Lawler.

»Aber gewiß.«

Kinverson will ja bloß, daß sie ihm das Segel flickt, beruhigte Lawler sich selber.

Na sicher, was sonst.

* * *

Wieder hatte er einen seiner ERDEN-Träume. Eigentlich waren es zwei, der eine sehr schmerzlich, der andere war nicht so übel. Lawler wurde mindestens einmal im Monat von einem heimgesucht, manchmal auch von beiden.

Diesmal war es der gemütlichere Traum, und er wanderte tatsächlich eigenfüßig und auf festem Boden über die ERDE. Er trug keine Schuhe, und es hatte vor kurzem geregnet, und der Boden war weich und warm, und wenn er die Zehen spreizte und sie in die Erde grub, sah er den feuchten Boden wie Ranken zwischen ihnen heraufsprießen, ähnlic h wie es beim Sand war, wenn er im seichten Teil der Bucht umherstakte. Der Boden der ERDE aber war ein dunkleres Material als Sand und viel schwerer. Und er gab unter dem Tritt in sehr unvertrauter Weise nach, nur ganz wenig.

Er ging durch einen Wald. Überall um ihn herum waren Bäume, Gewächse wie Holzkelp-Pflanzen mit langen Stämmen und dichten Laubkronen weit droben, aber viel, viel massiver als irgendein Holzkelp, den er je gesehen hatte, und das Laub stand so weit über ihm, daß er die Gestalt der Blätter nicht erkennen konnte. In den Wipfeln flatterten Vögel umher. Sie produzierten seltsame melodische Laute, eine Musik, die er nie zuvor gehört hatte und an die er sich nach dem Erwachen nie erinnern konnte. Allerart fremdartiger Geschöpfe strichen durch den Wald, manche gingen auf zwei Beinen wie ein Mensch, manche krochen auf ihren Bäuchen dahin, und manche standen auf sechs oder acht kleinen Stelzen. Er nickte ihnen im Vorübergehen grüßend zu, und sie erwiderten seinen Gruß, diese irdischen Geschöpfe.

Dann kam er an einen Ort, wo der Wald sich auftat, und er sah vor sich einen Berg aufragen. Er sah aus wie aus dunklem Glas mit Einsprengseln von spiegelhellen Unebenheiten, und in dem warmen goldenen Sonnenlicht war sein Strahlen wunderbar. Er füllte das halbe Firmament aus. Und Bäume wuchsen darauf. Sie wirkten so klein, daß er einen mit der Hand hätte umfassen können, doch er wußte, daß dies nur deshalb so wirkte, weil der Berg so weit von ihm entfernt war, und daß diese Bäume in Wirklichkeit mindestens so hoch waren wie jene in dem Wald, aus dem er gerade gekommen war, vielleicht sogar größer.

Er umwanderte irgendwie den Fuß des Berges. Auf dessen anderer Seite befand sich ein langer, abfallender Einschnitt, ein Tal, und jenseits dieses Tales sah er etwas Dunkles sich breiten, und er wußte, das war eine Stadt; eine Stadt voller Menschen, mehr Menschen, als er sich ohne Mühe vorzustellen vermochte. Er schritt darauf zu, er gedachte sich unter diese irdischen Menschen zu begeben und ihnen zu erklären, wer er sei und von woher er gekommen war, und er wollte sie nach ihrem Leben fragen, und ob sie seinen Ur-Urgroßvater kannten, Harry Lawler, oder vielleicht seinen Vater oder Großvater.

Doch so eifrig er auch gehen mochte, er rückte der Stadt nicht näher. Sie blieb unentwegt drüben am Horizont, dort unten am Ende des Tales. Stundenlang ging er, tagelang, er ging wochenlang… und stets blieb die Stadt unerreichbar, entzog sich ihm beharrlich, und wenn er dann schließlich erwachte, war er erschöpft und verkrampft wie von einer gewaltigen körperlichen Anstrengung und war müde, als hätte er überhaupt keinen Schlaf gefunden.

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