Viktor Kolupajew - Die Schaukel des Eremiten

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Die Schaukel des Eremiten: краткое содержание, описание и аннотация

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Die Handlung Die Helden eine Zeitungsverkäuferin, die die Zukunft nicht nur voraussehen, sondern auch beeinflussen kann;
ein Architekt, der eine undankbare Stadt verlassen will und es dennoch nicht vermag;
ein Schriftsteller, dessen Geschichten gegen seinen Willen von anderen geschrieben werden;
ein Mann, dem sich eine Parallelwelt auftut, in der er glücklicher wäre und die tödlich für ihn ist, und die Besatzung eines Raumschiffes, die auf einem fernen Planeten geheimnisvolle Maschinen unirdischer Herkunft vorfindet und sich mit unerklärlichen, gespenstischen Vorgängen konfrontiert sieht.

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„Ich habe alles aufgeschrieben. Wir waren noch eine Stunde in Verbindung. Dann hat er geschwiegen. Ich glaube, er ist tot.“

„Osa!“

„N-n-nein, ich bin nicht Osa. Sie ist vor achtzehn Jahren gestorben. Ich kann mich an sie nicht einmal erinnern. Ich werde euch zeigen, wo man sie begraben hat.“

„Osa, was ist nur mit dir los? Komm zu dir!“ Er schüttelte die zarte Gestalt an den Schultern, doch sie nahm seine Arme herab und sagte: „Stap hat gesagt, Osa habe beständig auf jemanden gewartet.“

„Und auf wen wohl?“

„Auf Henry Wirt… Er hat gesagt, sie habe sehr, sehr gewartet.“

„Ich bin Henry Wirt. Ich verstehe gut, daß du in diesen letzten langen Tagen alles satt bekommen hast. Es müssen fürchterliche Tage gewesen sein. Aber nun ist alles vorbei. Komm zu dir, Osa! Wir fliegen jetzt gemeinsam in die Zentrale. Osa, schau mich nicht so an!“

„Aber ich bin doch nicht Osa. Ich heiße Seona.“

„Seona? Aber so wollten wir doch unsere Tochter nennen!

Osa, du bist ein bißchen krank, doch das wird bald vorüber sein. Wir müssen uns beeilen. Bald geht die Sonne unter. Was willst du alles mitnehmen?“

„Die Sonne? Sie wird noch längst nicht untergehen. Erst in einem halben Jahr. In Büchern habe ich gelesen, daß die Sonne alle vierundzwanzig Stunden auf- und untergeht; wenn sie untergeht, legen sich die Menschen schlafen. Aber hier ist alles völlig anders. Ein Tag dauert hier anderthalb Jahre. Das ist lustig, nicht wahr? Ein Tag ist also länger als ein Jahr. Danach sind dann anderthalb Jahre Nacht, es erfriert hier alles, und natürlich herrscht absolute Finsternis. In dieser Zeit kommen einem dann die Gleitpflanzen und die Säckchen recht sympathisch vor, man möchte direkt mit ihnen spielen. Ja, nachts habe ich mich mitunter sehr elend gefühlt; besonders als Stap weggefahren war. Der Ärmste, eine Stunde später war er schon tot, so denke ich wenigstens.“

Henry wandte sich flehend zu Sven, so als wollte er sagen:

›Nimm es nicht so ernst, sie sagt das nur so.‹

Sven nickte ihm schweigend zu, was nun bedeuten sollte:

›Schon gut. Setzt euch jetzt in die Maschine, wir fliegen zurück.‹

„Was möchtest du mitnehmen, Osa? Wir fliegen gleich los.“

„Seona…“

„Na gut, Seona. Also was?“

„Oh, eigentlich möchte ich alles mitnehmen. In der Zentrale habe ich doch überhaupt nichts. Ich bin noch kein einziges Mal dort gewesen. Doch ich wollte schon immer gern mal dorthin.

Aber ich werde nicht viel mitnehmen, denn ihr habt es wohl eilig? Ein paar Kleider. Aber auch das ist unnütz, denn sie sind sowieso abgetragen. Ich werde das Buch hier mitnehmen und den Anzug. Er ist noch fast neu. Und dir soll ich auf Staps Wunsch das hier übergeben.“ Sie zog einen Ring von ihrer Hand, der anstelle eines Steines eine kleine Scheibe besaß, die zur Aufzeichnung von etwa einer Gesprächsminute eingerichtet war. Diesen Ring hatte Henry einst Osa geschenkt. „Stap meinte, dies sei besonders wichtig. Und dann nehmt doch noch bitte diese Kiste hier mit. Darin sind Tonbandaufzeichnungen und Papiere. Sie steht nun bereits so viele Jahre da, daß ich gar nicht mehr geglaubt habe, sie würde eines Tages geöffnet werden. Stap hat gesagt, daß alles für die Menschen, die einmal hierherkommen werden, sehr aufschlußreich sein wird.“

Henry nahm die Kiste, trug sie zur Wand und überreichte sie Sven. Dann wandte er sich zu Osa. Wie sehr sie sich doch verändert hatte, seitdem er sie das letzte Mal gesehen hatte! Sie war abgemagert, ihre Gesichtszüge hatten sich leicht verändert, waren viel schärfer geworden. Was erzählte sie ihm da alles?

Daraus ging doch wohl eindeutig hervor, daß sie den Verstand verloren hatte… Die Ärmste! Was hatte dem alles vorausgehen müssen, ehe das hatte geschehen können!

„Osa-Seona, fürchte dich jetzt vor nichts mehr.“ Er drückte sie fest an seine Brust. „Alles wird gut werden.“

„Ich habe auch früher keine Angst gehabt. Immer habe ich auf die Menschen gewartet. Und jetzt, wo ihr hier seid, fürchte ich mich überhaupt nicht mehr.“

Sie gingen zu dem Wanddurchbruch in der Kuppel. Henry stützte behutsam die zartzerbrechliche Osa-Seona. Tief in seinem Herzen war die Freude gepaart mit großem Schmerz.

„Sven, hilf ihr“, sagte er. Sven hatte aber bereits seine Hände ausgestreckt, um der Frau zu helfen.

Als der Hubschrauber von der Kuppel abgesetzt hatte, nahm Henry den Flammenwerfer und goß den Rest der brennenden Flüssigkeit über die unten umherwimmelnden und — kriechenden Gleitpflanzen und Schleimsäckchen.

„Das ist doch zwecklos, Henry“, meinte Sven.

„Ich weiß“, entgegnete Wirt.

„Ja, das macht ihr nicht gut“, sagte Osa. „Sie haben mich so viele Jahre vergnügt und gut unterhalten!“

„Hmmm.“ Henry klopfte sich mit den Händen an den Kopf.

Unter ihnen dehnte sich wieder die verhaßte schmutziggrüne Selva.

Sven flog den Hubschrauber mit Höchstgeschwindigkeit.

Man mußte so rasch wie irgend möglich die Zentrale erreichen.

Sie kamen sowieso bereits zu spät zur fälligen Funkverbindung. Erli und Nik würden jetzt wer weiß was denken!

„Was ist denn nun eigentlich hier vor sich gegangen?“ fragte Henry. Seine Zunge wollte die Laute noch nicht zu „Seona“

formen.

„Ich weiß es nicht. Das ist alles noch vor mir gewesen, ehe ich da war. Aber Stap hat mir erzählt, daß es einen Sturm gegeben hat, einen fürchterlichen Sturm. Und die Selva ist bei uns eingedrungen. Damals sind sie auf der Basis vier Mann gewesen. Der Pilot Jürgens ist sofort umgekommen. Sie haben nicht einmal seine sterblichen Überreste aus dem Hubschrauber herausziehen können. Dann starb Osa.“ Als Henry das hörte, begann es ihn zu würgen. „Dann war noch ein Mann da.

Er hieß Wytschek, aber an ihn kann ich mich auch nicht erinnern. Er hat gesagt, daß Osa begraben werden soll, wie es bei den Menschen Sitte ist, damit die Gleiter nicht an sie herankönnen. Und sie haben sie also begraben. Aber Wytschek ist danach nicht mehr zurückgekehrt. Stap hatte — die Gleitpflanzen nicht zurückhalten können. Dann waren wir nur noch zu zweit. Später ist auch Stap fortgegangen. Er wollte versuchen, zur Zentrale durchzukommen. Das hätte er wohl besser im Winter tun sollen. Aber er ist im Hochsommer losgezogen, als die Sonne schon ein halbes Jahr lang nicht hinter dem Horizont untergegangen war.“

„Schon wieder die Sonne“, flüsterte Henry.

„Nimm dich zusammen“, sagte Sven leise.

Eine Minute später sagte Sven zu Henry: „Übrigens hat sich die Sonne in diesen viereinhalb Stunden tatsächlich nicht von der Stelle gerührt.“

„Und du ebenfalls nicht“, brummte Henry müde.

„Kannst dich ja selbst überzeugen.“

Doch Henry drückte lediglich Osa fester an sich.

„Wie angenehm die Wärme eines menschlichen Körpers ist“, sagte sie.

Der Hubschrauber näherte sich der halb durchsichtigen Membran.

16

Erli lief den Korridorring entlang, als vor ihm ein Schuß abgegeben wurde. Er fiel im Verbindungsabschnitt. Dort war nur Eva. Ob sie nun doch nicht mehr durchgehalten hatte?

Erli sprang zur Tür und blieb stehen. In der Tür war ein Loch, auch die gegenüberliegende Korridorwand war beschädigt. Erli drückte vorsichtig die Türklinke herunter. Es war alles still.

Behutsam machte er einen Schritt vorwärts und sagte im Flüsterton: „Eva, ich bin’s, Erli.“

Niemand antwortete.

Er machte noch ein paar Schritte. Vor ihm stand Eva mit dem Blaster in der Hand. Sie ließ ihn langsam sinken, er fiel polternd auf den Boden.

„Erli, bring mich von hier weg. Es fehlt nicht mehr viel, und ich halte nicht mehr durch.“

„Dazu habe ich kein Recht.“

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