Clemens Setz - Die Frequenzen

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Walter und Alexander waren Freunde, als sie noch Kinder waren — nun kreuzen sich ihre Wege wieder
Dies ist die Geschichte von Walter, dem Sohn eines Architekten mit Einfluss. Er will Schauspieler werden — oder will es nur sein Vater? Walter bekommt seine Chance, als ihn Valerie, eine Psychotherapeutin, die bessere Tage gesehen hat, engagiert, um in Gruppensitzungen fiktive Patientenrollen zu spielen. Doch er geht zu sehr in seiner Rolle auf.
Dies ist die Gechichte von Alexander. Er ist Altenpfleger, ein junger Mann mit ausufernder Phantasie, die sich im Schatten einer einsamen Kindheit entwickelt hat. Alexander kündigt seinen Job, und er will seine Freundin loswerden, um mit Valerie zusammenzuleben. Doch die wird eines Tages brutal zusammengeschlagen…
Nach "Söhne und Planeten", seinem Debüt, das ihm einhelliges Lob der Kritik einbrachte, legt Clemens J. Setz ein Werk vor, das alle Erwartungen sprengt: atemberaubend kraftvoll, bunt, sprachgewaltig und zart.

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Die Ampeln schalteten währenddessen immer noch von Rot auf Grün, obwohl sie niemand mehr beachtete, weil sie die notwendigen Signalfarben nicht mehr richtig trafen. Das rote Ampelmännchen war nicht rot, sondern erstrahlte in einem wehmütigen Kupferbraun, das Erinnerungen an altertümliche Türklinken in der Form melancholischer Löwenköpfe heraufbeschwor. Die Proportionen der Gebäude veränderten sich stetig, verschoben sich, manches wurde runder, anderes schien langsam in sich zusammenzufallen, wie ein Ballon, aus dem die Luft entweicht. Die Welt war ein Schachbrett in einem konvexen Karnevalsspiegel.

Meine Mutter ging wieder ein paar Schritte, dann blieb sie stehen, holte ein Taschentuch aus ihrer Handtasche und schnäuzte sich. Selbst dieses Geräusch wirkte verlangsamt.

Das Einzige, was in diesem gottverlassenen Augenblick noch fehlte, waren diese körnigen, flackernden Verunreinigungen alter Stummfilmbilder. Und ein Heer vermummter Liquidatoren, die auf die strahlengeschädigte Sonne zuliefen wie auf eine große, entsetzliche Unglücksstelle im All, im Gepäck große, unförmige Schaufeln, mit gewaltigen Schwimmbewegungen aufwärts strebend, auf den völlig entgeisterten Ort der Verwüstung zu.

Die meisten Menschen waren jetzt ruhig und überwältigt, atmeten still durch den Filter ihrer vor den Mund gehaltenen Hände oder klammerten sich aneinander. Ein Kind versteckte sich hinter seiner Mutter, kam gleich wieder hervor, aber es hatte nichts geholfen, die Welt war immer noch ohne Orientierung und es verschwand wieder hinter den Beinen. Die seltsame Vorstellung, dass diese zerdehnte und zerbeulte Minute Dunkelheit nur ein kurzer Aufenthalt im Schatten des Mondes war, der mit vielen hundert Kilometern pro Stunde übers Land jagte, brachte meinen Gleichgewichtssinn völlig durcheinander. Ich brauchte etwas, an dem ich mich festhalten konnte. Meine Hand tastete vorwärts. Das Brückengeländer war warm wie am Tag.

Ein paar Jugendliche auf der anderen Straßenseite ließen im verzweifelten Bemühen, die Sonne wieder anzuzünden, ein paar Feuerwerksraketen steigen. Die Raketen schwirrten ängstlich davon, erlitten auf halber Strecke einen Herzinfarkt und fielen in den Fluss. Ein paar Schritte von ihnen entfernt entdeckte ich einen Polizisten, der wie ein eben erst erwachter Prinz über die Brücke stolzierte.

Nach sehr, sehr langer Zeit erschien am Rande der Verdunkelung ein gleißendes Loch, aus dem Licht quoll: wie der Stich einer glühenden Nadel in einen Augapfel. Man konnte das Licht nicht ansehen, ohne ein Knirschen im Kopf zu hören, ein mürrisch-vertrautes Geräusch wie beim Verrücken von antiken, zentnerschweren Möbeln. Die wiedererweckte Sonne streckte ihre ersten Strahlen aus, die Fühler eines auf den Rücken gedrehten Goldkäfers.

Es war der Moment, da man sich wieder für längere Zeit von der Sonne abwenden konnte. Bisher hatte ich nur kurze Kontrollblicke in die Runde getan, um mich zu vergewissern, dass die Welt sich nicht plötzlich aufgelöst hatte. Jetzt sah man auch das geheimnisvolle Glühen am Horizont, ein furchtbares, geisteskrankes Licht, wie es bestimmt nur in den Gehirnen von Serienmördern leuchtet. Es war eine Mischung aus Blau und Gelb, ohne auch nur in Ansätzen so etwas wie Grün zu sein. Sosehr es sich auch anstrengte, das Licht blieb wie ein unaufgelöster Dominantseptakkord stehen.

Allmählich kam das normale Tageslicht zurück, all die eingefrorenen Bewegungen tauten auf, die Augenlider, die sich während der ganzen Zeit tot gestellt hatten, begannen zu flattern, und über das Gesicht meiner Mutter liefen Tränen, sie schluchzte wie ein kleines Mädchen, hielt sich eine Hand unter die Nase, als drohte ihr Gesicht zu schmelzen. Zum ersten Mal seit mein Vater uns verlassen hatte, heulte sie und es wurde immer schlimmer, ihre Hände wussten nicht wohin, kletterten wie verirrte Meerkatzen auf ihrem Oberkörper herum, auf der Suche nach einem Ausschaltknopf.

— Komm, zog ich sie am Ärmel, gehen wir.

Sie gab meinem Drängen nach und ließ sich wie eine Erblindete führen. Niemand beachtete uns, ein seltsam schwankendes Paar, das über die Brücke ging, alle sahen immer noch in den Himmel, denn natürlich war jede Sekunde dieses Spektakels wertvoll. Nach sechzig Sekunden war alles vorbei und der Vorhang im Himmel wurde langsam hochgezogen, damit der zweite Akt des Tages beginnen konnte. Die Jugendlichen auf der anderen Straßenseite schrieen wild durcheinander.

— Arschlöcher, sagte ich, um irgendetwas zu sagen.

Zuhause rollte sich meine Mutter auf der Couch ein und schluchzte weiter. Ihre Schultern bebten. Sie war völlig aufgelöst, umarmte ihre Knie.

— Ist ja schon vorbei. Überstanden. Vorbei, wiederholte ich hilflos und hielt ihre Hand, bis sie sich wieder beruhigt hatte.

Draußen schien die Sonne wieder auf die Straße herab, als wäre nichts vorgefallen. Der Schatten des Mondes raste unterdessen weiter mit atemloser Geschwindigkeit über die Erdoberfläche und schluckte andere Städte, Bauwerke und Betrachter.

Der Zeitelefant

Im Jahr 2000 nach Christus vergaß ein Computer irgendwo auf der Welt, dass die Doppelnull in seinem Betriebssystem, welche Schlag Mitternacht plötzlich in seinem Speicher aufgetaucht war, dass dieses seltsam ursprünglich anmutende Ziffernpaar nicht etwa 1900 bedeutete, sondern die undenkbare Zahl 2000. Der arme Computer konnte sich darauf keinen Reim machen. Das wäre ja ein Zeitsprung von mehr als neunzig Jahren in die Vergangenheit gewesen! Er teilte seine Bedenken daraufhin allen anderen Computern der Welt mit, und das Gerücht vom unerlaubten Zeitsprung verbreitete sich rasend schnell über den ganzen Globus. In wenigen Sekunden verloren Millionen von psychisch labilen Intel-Prozessoren den Verstand. Stromausfälle auf der ganzen Erde waren die Folge, Aufzüge blieben zwischen den Stockwerken stecken und zwangen die in der Finsternis gefangenen Passagiere dazu, sich zögernd miteinander bekannt zu machen und sich ihre Lebensgeschichten zu erzählen. Männer, die sich vorsichtshalber kurz vor Mitternacht zusammen mit Frau und Kindern in den Familienbunker gesperrt hatten, drehten plötzlich durch und schossen auf alles, was sich bewegte; zuletzt auf sich selbst. Die internationale Raumstation ISS verlor das Gleichgewicht, stürzte vom Seil und verglühte beim Eintritt in die Atmosphäre. Alle Bankkonten der Welt wurden auf den Betrag 0,00 gesetzt. Explosionen bedeckten die Landkarte. Atompilze wuchsen majestätisch am Horizont. In der gigantischen Staubwolke, die sich in den folgenden Stunden bildete und Europa und Asien sowie weite Teile Nord- und Südamerikas überzog, erschien ein bärtiges Antlitz und forderte die Seelen der Toten dazu auf, sich zu erheben und sich ohne Umwege auf die Anklagebank zu begeben, wo das lange schon überfällige Kreuzverhör stattfinden sollte. Aber statt der aufgerufenen Seelen kamen lauter Leichen, teilweise oder vollständig verweste Körper, die sich nur mühevoll und schwerfällig fortbewegen konnten. Auch waren darunter ein paar Gliedmaßen, die früher alle zu einem Körper gehört hatten und sich jetzt in verschiedene Richtungen bewegten, wie Asseln, wenn man einen an der Unterseite feuchten Stein im Garten aufhebt.

Steiner seufzte und hörte das unangenehm harte Echo seines Seufzens in den Badezimmerfliesen. In diesem Jahr war das Spektakel zwar etwas ruhiger verlaufen, aber es war dennoch unangenehm und laut. Steiner saß angezogen in der Badewanne und fühlte sich hundeelend. Seine Frau hatte sich in einer Silvesternacht das Leben genommen.

Sein Pyjamaoberteil stank. Missmutig roch er an seiner Schulter.

Ein entsetzlicher Juckreiz hatte von seinem Körper Besitz ergriffen. Er war sich sicher, dass er vom vielen Fernsehen kam, von den Strahlen der Bildröhre. Seine Fingernägel setzten auf der Wange auf, aber er hielt sich zurück, erlaubte seinen Fingern nicht, sich zu kratzen, obwohl alles in ihm danach verlangte.

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