Clemens Setz - Die Frequenzen

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Walter und Alexander waren Freunde, als sie noch Kinder waren — nun kreuzen sich ihre Wege wieder
Dies ist die Geschichte von Walter, dem Sohn eines Architekten mit Einfluss. Er will Schauspieler werden — oder will es nur sein Vater? Walter bekommt seine Chance, als ihn Valerie, eine Psychotherapeutin, die bessere Tage gesehen hat, engagiert, um in Gruppensitzungen fiktive Patientenrollen zu spielen. Doch er geht zu sehr in seiner Rolle auf.
Dies ist die Gechichte von Alexander. Er ist Altenpfleger, ein junger Mann mit ausufernder Phantasie, die sich im Schatten einer einsamen Kindheit entwickelt hat. Alexander kündigt seinen Job, und er will seine Freundin loswerden, um mit Valerie zusammenzuleben. Doch die wird eines Tages brutal zusammengeschlagen…
Nach "Söhne und Planeten", seinem Debüt, das ihm einhelliges Lob der Kritik einbrachte, legt Clemens J. Setz ein Werk vor, das alle Erwartungen sprengt: atemberaubend kraftvoll, bunt, sprachgewaltig und zart.

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Es tut mir aufrichtig leid. Am liebsten möchte ich dir zurufen: Vergib uns, denn wir wissen nicht, was wir tun. Wir wissen nicht, wer wir sind, was wir anrichten, was wir in eurem Leben bedeuten. Wir zerstören euch, dringen in eure Körper ein, spießen euch lachend auf, als wärt ihr irgendeine Leben spendende Frucht, setzen euch fremde Lebewesen in den Bauch, die ihr, in mühsamer monatelanger Selbsthypnose, irgendwann als eure Kinder erkennt — spätestens dann ist alles kaputt .

Als Wolfgang zuhause ankam, fiel ihm Gabi nicht um den Hals. Sie fragte ihn auch nicht, wo er gewesen war. Sie saß am Tisch und hielt einen Zettel in der Hand.

— So wenig bedeute ich dir, sagte sie und hielt das Papier in ihren kraftlos verkrümmten Fingern hoch. So entsetzlich wenig bedeute ich dir?

Wolfgangs Kopf brauchte ein paar Sekunden, um ihre paradoxe Reaktion zu verarbeiten, dann floh er aus der Küche. Sie stapfte ihm nach, brüllte die Badezimmertür an, hinter der er sich verschanzt hatte, um niemandem wehzutun. Ich bin in der Hölle, sagte er sich leise, während er seinen Kopf unter das wohltuend kalte Wasser hielt, ich bin in der Hölle, was soll ich denn noch tun, was verlangt sie von mir, ich bin doch zurückgekommen, ich bin in der Hölle, in der Hölle –

— Sprich mit mir! hämmerte es an die Tür.

Sie ist erst zufrieden, wenn ich tot bin, das wurde ihm klar, als er sich aufrichtete. Von seinen Stirnfransen lief Wasser, sein Gesicht starrte rot und verletzt in den Spiegel. Sie will Blutrache. Sie will mich tot sehen, gepfählt, bestraft. Sie will mich zerstören.

— Bitte, bitte, bitte, weinte und schrie sie vor der Tür.

— Verschwinde, schrie er zurück, verschwinde! Oder ich schneide mir die Pulsadern auf! Hier und jetzt, in der Badewanne!

Und zum Beweis seiner Entschlossenheit ließ er Wasser einlaufen. Mit angewinkelten Beinen blieb er neben der Badewanne sitzen. Er bemerkte eine Ameise, die über die Bodenfliesen wanderte, dann noch eine und noch eine. Sie hatten Ungeziefer. Da bin ich einmal vier Wochen nicht zuhause und schon, dachte er. Aber der Rest des Satzes verhallte dumpf in seinem Kopf. Er hatte sie im Stich gelassen, allein mit dem Baby. Es war alles seine Schuld. Er verfolgte den Weg der kleinen, schwarzen Punkte. Von dem Gewusel wurde ihm schwindlig. Er würde sich später darum kümmern.

Nach zehn Minuten traute er sich aus dem Bad. Gabi saß, die Knie eng unter ihr Kinn gepresst, auf dem Fernsehsessel und schaukelte sich. Auf seine reuevolle Anrede reagierte sie nicht. Von ihren Mundwinkeln lief Spucke.

Er rüttelte sie, flüsterte:

— Mein Gott, was machst du mit mir! Was zum Teufel machst du mit mir!

Aber ihr Blick blieb starr. Ihr Atem ging so schnell wie der einer Feldmaus.

Wenig später telefonierte er mit dem Notarzt, der auf einen epileptischen Anfall tippte. Aber Wolfgang wusste, dass es das nicht war.

Sie würde wieder in Ordnung kommen, hieß es. Nach einer Schwangerschaft war alles möglich. Man musste einfach abwarten.

Gabi schien das irgendwie einzuleuchten.

Wolfgang entschuldigte sich mehrmals bei ihr. Das mit dem Brief sei eine Dummheit gewesen, aber das alles liege jetzt hinter ihnen.

— Verstehst du? Hinter uns. Alles.

Sie nickte. Auf eine gewisse Art.

Wieder hatte er das Gefühl, sein Kopf müsste implodieren. Ich bin in der Hölle, ich bin — nein. Ich muss vernünftig bleiben, dachte er. Sie braucht mich jetzt. Als Verrückter kann ich ihr nicht helfen und erst recht nicht meinem Kind.

Aber in der Nacht hatte er eine quälende Vision von einem Schrumpfkopf, einem verschrumpelten Ding, das schon mehr einer faulen Zwiebel als einem menschlichen Gesicht glich. Und er zwängte diesen Schrumpfkopf unter Zuhilfenahme beider Daumen zwischen die Hinterbacken seiner Frau. Es gab ein schmatzendes Saugschluckgeräusch und schon sah der Homunculus aus seinem neuen Versteck hervor, rosig und verwandelt, ein frisch geschlüpftes Kindergesicht.

Ich bin nicht normal, sagte er sich immer wieder. Er hatte das bestimmte Gefühl, dass der schwarze Raum dort oben unter der Zimmerdecke weiter war, als es schien. Er nahm eiskalte Bäder. Er gab sich Ohrfeigen und weinte.

Danach fühlte er sich ein bisschen entspannter und gereinigt. Aber bald schon stellten sich die quälenden Träume wieder ein, und er bemerkte, dass er seinen Blick jedes Mal ängstlich abwandte, wenn sich seine Frau neben ihm im Schlafzimmer umzog.

Er musste sich eingestehen, dass er schreckliche Angst vor ihr hatte.

In seinen schlimmsten Träumen nahm sie manchmal die Form eines rätselhaften Gegenstands an, der gleichzeitig ein Glockenturm und ein Pfefferstreuer war. Was ihm daran genau Angst machte, konnte er gar nicht sagen. Er wusste nur, dass er Todesangst hatte und sich wünschte, sehr weit weg zu sein.

Falschfarben

Im Zimmer meines Vaters gab es Schränke, die so alt waren, dass sich die flacheren Schubladen, jene, die ohnehin nicht viel enthalten konnten, langsam aufgelöst hatten und nun mit dem Holz verschmolzen waren. Es war völlig zwecklos, an ihnen zu rütteln oder zu zerren, sie blieben verschlossen wie der Mund eines Kindes, vor dem ein Löffel mit Lebertran schwebt.

Meine Mutter traute sich lange nicht in sein Arbeitszimmer. Als sie es zusammen mit mir an einem verregneten Vormittag endlich betrat, war die Tafel das Erste, was uns auffiel. Auf ihr wartete nicht etwa eine Nachricht, im Gegenteil, sie war gelöscht worden mit einem Schwamm, dessen Wischspuren zu weißen, bauschigen Wolken erstarrt waren.

Meine Mutter ging langsam und mit hochgezogenen Schultern durch das verlassene Zimmer, als erwarte sie eine Falle, einen Pfeil, der plötzlich aus einem Winkel geschossen kam, oder dass eine Alarmsirene losginge.

Nichts geschah und sie entspannte sich. Dann wurde ihr Blick glasig und sie begann zu wühlen, als gälte es, ein verschüttetes Kind aus dem Sand zu buddeln. Ich half ihr. Meine Mutter verzweifelte allerdings bald an der Ziellosigkeit dieser Tätigkeit, da sie weder wichtige Papiere noch sonst irgendwelche Dinge von Bedeutung fand. Sie habe das zwar schon erwartet, aber es überrasche sie trotzdem aufs Neue, hier nur diese entsetzliche Leere vorzufinden. Wann hatte er das alles fortgeschafft? Hatte er es langsam gemacht, Schritt für Schritt, wie ein Schmuggler? Oder hatte er diese Leere einfach plötzlich entstehen lassen, wie ein Zauberkünstler, der eine signierte Banane verschwinden lässt?

Ich verstand nicht, was sie meinte. Leere? Diese Unordnung, diese vielen Bücher, diese Schubladen voll mit alten Rechnungen, Kalendern und Magazinen. Natürlich, besonders faszinierend waren diese Dinge alle nicht, aber man musste sie zumindest einmal durchsehen.

Hinter ein paar Büchern entdeckte meine Mutter zu ihrer Überraschung eine Flasche ohne Etikett, die halb leer war. Sie roch daran und blinzelte stark. Dann stellte sie sie wieder zurück.

Ein kleiner Karton neben dem Mistkübel enthielt ein gelbliches Paket Briefe, die in verschiedenen unleserlichen Handschriften geschrieben waren. Ich versuchte etwas zu entziffern, aber es ergab nur Unsinn. Als ich schon nicht mehr glaubte, etwas Interessantes zu finden, fiel wie auf ein Stichwort eine Dose mit Tennisbällen um. Ich öffnete die Dose, die Bälle darin waren pechschwarz. Schwarze Tennisbälle? Ich stürzte die Dose, und die Bälle hüpften über den Parkettboden, dann dumpfer über den Teppich davon.

Während wir in seinem Zimmer waren, wurde ich das Gefühl nicht los, dass wir uns vor einer Art Kulisse bewegten. Vielleicht war das alles nur gestellt, einstudiert, und mein Vater lebte in Wirklichkeit noch immer irgendwo im Haus, in einer Geheimkammer hinter all diesen Schubladen, Schachteln und Bücherattrappen, in einem Raum ohne Türen und Fenster, und nahm so an unserem Leben teil, während er intensiv an irgendetwas Wichtigem arbeitete, an einem Buch vielleicht, das seine ganze Zeit beanspruchte. Er beobachtete uns durch Gucklöcher und zwinkerte uns zu, wenn wir etwas Schönes gesagt oder getan hatten. Er war das Gesicht, in das sich mein eigenes verwandelte, wenn ich es lange im Spiegel anstarrte. Und vielleicht handelte sein Buch von uns, von dem Leben, das wir führten, seit er fort war. Er schrieb an einer Studie über allein erziehende Mütter, an einem Roman über ein kompliziertes Mutter-Sohn-Verhältnis, an einer Meditation über seinen eigenen Tod und das Bild, das die dazugehörige Nachwelt abgeben würde.

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