Clemens Setz - Die Frequenzen

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Die Frequenzen: краткое содержание, описание и аннотация

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Walter und Alexander waren Freunde, als sie noch Kinder waren — nun kreuzen sich ihre Wege wieder
Dies ist die Geschichte von Walter, dem Sohn eines Architekten mit Einfluss. Er will Schauspieler werden — oder will es nur sein Vater? Walter bekommt seine Chance, als ihn Valerie, eine Psychotherapeutin, die bessere Tage gesehen hat, engagiert, um in Gruppensitzungen fiktive Patientenrollen zu spielen. Doch er geht zu sehr in seiner Rolle auf.
Dies ist die Gechichte von Alexander. Er ist Altenpfleger, ein junger Mann mit ausufernder Phantasie, die sich im Schatten einer einsamen Kindheit entwickelt hat. Alexander kündigt seinen Job, und er will seine Freundin loswerden, um mit Valerie zusammenzuleben. Doch die wird eines Tages brutal zusammengeschlagen…
Nach "Söhne und Planeten", seinem Debüt, das ihm einhelliges Lob der Kritik einbrachte, legt Clemens J. Setz ein Werk vor, das alle Erwartungen sprengt: atemberaubend kraftvoll, bunt, sprachgewaltig und zart.

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Seit Anfang des Winters war ich nicht mehr aus dem Haus gegangen. Draußen war es kalt und ich hatte keine Lust, mir mehrere Lagen Kleider anzuziehen. Das bevorstehende Weihnachtsfest kündigte sich bereits im Oktober an, in Supermärkten und Schaufenstern, und das alles stimmte mich traurig.

Zur Ablenkung machte ich kleine Dinge kaputt. Eine Fernbedienung, eine Uhr, einen tragbaren CD-Player. Und ich aß Schnee vom Fensterbrett, weil ich hoffte, mich zu erkälten, mir eine hartnäckige, aber ungefährliche Krankheit zuzuziehen.

Auch in der Schule wurde ich schwächer, ein Jahr vor der Matura. Als ich eines Tages vor Desinteresse gar nicht mehr aus dem Bett kam, blieb meiner Mutter wohl nichts anderes übrig, als Verstärkung anzufordern. Meine Großeltern erklärten sich bereit, eine Weile bei uns zu wohnen.

Mein Großvater war, seit ich ihn das letzte Mal gesehen hatte, ungewöhnlich aus der Form gegangen. Er war jetzt so dick, dass er unmöglich auf einen Toilettensitz passen konnte, und ich grübelte lange nach, wie er sich seine Schuhe zubinden mochte, und fand keine Antwort. Sein Gang wirkte wie der Ausdruckstanz zu einer melancholisch blubbernden Melodie auf der Bassklarinette. Ein dicker Mann ist immer etwas Witziges, und tatsächlich lachte ich den ganzen ersten Abend, als wir zusammen beim Essen saßen (ich war tatsächlich wieder aufgestanden!). Es war wie ein Slapstick-Stillleben. Ganz im Unterschied zu der Erscheinung meiner Großmutter: Eine dicke Frau ist immer etwas Ernstes, etwas Folgenschweres. Ein Ergebnis, keine Pointe. Ein an irgendeiner Stelle schiefgegangenes Experiment. Ihr dicker Körper verlieh ihr eine ungewöhnlich tiefe Stimme, vor der ich mich anfangs fürchtete. Eines Tages hörte ich sie abends beim Zähneputzen gurgeln und flüchtete entsetzt in mein Zimmer.

Meine Großmutter trug immer dasselbe dunkelblaue Jäckchen, von dem große, ovale Knöpfe perlten. Diese Knöpfe berührte sie ausschließlich mit den Fingerspitzen, als wären sie sehr kostbar und zerbrechlich; und wenn man sie einmal einen ganzen Tag lang beobachtete, konnte man nicht umhin zu bemerken, dass die Knöpfe sie genauso zärtlich behandelten wie sie die Knöpfe. Als sie bei uns einzog, stellte sie als erstes ein Bild ihres Vaters auf ein Fensterbrett. Niemand hatte etwas dagegen. Sie musste es um sich haben, auch wenn sie verreist war. Das Bild, das einen Mann mit strengem Blick und einem weißen Auge zeigte, hatte schon viele Hotelzimmer gesehen. Manchmal, wenn sie sich unbeobachtet glaubte, nahm meine Großmutter das Bild vom Fensterbrett und drückte es an sich, als wollte sie ihm die Brust geben.

Wir wohnten seit einiger Zeit nicht mehr im Haus (der Riss erschien uns, da mein Vater nicht mehr da war, als zu unberechenbar), sondern in einer billigen, kleinen Wohnung mitten in der Stadt. Die Wohnung gehörte zu einem alten Mietshaus, in dessen Hinterhof eine Menge Glas lag. Glassplitter. Wer weiß, woher es stammte.

Manchmal zerbrach ein Stück Glas, wenn eine Katze oder irgendein anderes nachtaktives Tier über den Scherbenhaufen stieg. Das mürrische Knirschen des Glases weckte mich oft aus dem Halbschlaf und brachte letzte Sequenzen von bedeutungsvollem Unsinn mit an die Oberfläche. Die Autoentführung lief dabei in unermüdlichen Variationen immer wieder von Neuem ab.

Der seltsame Moment, da der Entführer bekommt, was er will, und endlich die Autotür aufstößt und aussteigt. Stille. Freiheit. Die Welt existiert mit einem Schlag wieder. Es gibt Geschäfte und Straßennamen, Verkehrsschilder und Menschen. Aber er, der Entführte, kann nicht mehr in diese Welt zurück. Er blickt verwirrt auf das Armaturenbrett, betastet den Hebel der Handbremse, auf dessen Unterseite ein getrockneter Kaugummi klebt, und schaltet nach ein paar misslungenen Versuchen, mit seinem käsig weißen Gesicht im Rückspiegel zu sprechen, das Radio ein. Und tatsächlich funktioniert es noch, es hat den Weltkrieg offenbar überlebt, sendet weiter Musik und Kommentare, darunter auch ein paar bekannte Melodien, die man wie im Traum mitpfeifen kann. Natürlich, sie stammen zwar aus einem anderen Jahrhundert, einem fernen Jahrhundert des Friedens, aber vertraut sind sie doch.

Der Moment, da man einsam ist, unendlich weit entfernt von den zwei Menschen, die einen retten könnten, an einem Bahnübergang steht, und vielleicht übertönt der vorüberdonnernde Zug die albernen und pathetischen Hilfeschreie, die man in die eisige Winterlandschaft ausstößt, und im Auto winkt eine kleine Handfeuerwaffe: Komm wieder ins Auto, los, einsteigen … aber schön langsam

Der Moment, da man gefragt wird: Wie ist dein Name? Und man antwortet, nennt den Familiennamen, den Namen der Familie, die es nicht mehr gibt, die man in der Sekunde ausgelöscht hat.

Die ganze Nacht das Knirschen und Klirren der Glassplitter.

In den Morgenstunden wachte ich oft auf und war wieder einmal hinter einem Auto hergerannt, das sich rasch von mir entfernte. Selbst damals war mir dieses Traumbild ein wenig zu deutlich, zu explizit. Ich war enttäuscht und den ganzen Tag lang sehr gereizt. Ich hatte ein wenig mehr Verschleierung und Symbolik von meinen Träumen erwartet statt dieser fantasielosen Verhöhnung: Ich, ein kleines, gegen einen weichen, membranartigen Sonnenuntergang anrennendes Etwas, dem seine viel zu kleinen Hände vor den Augen flimmerten, wenn es versuchte, die Stoßstange des Fluchtwagens zu erhaschen, der manchmal noch eine neckische Schnur mit scheppernden Aluminiumdosen hinter sich her schleifte.

Zu dem Mietshaus gehörte ein steinalter Aufzug, der für gewöhnlich außer Betrieb war. Wenn er doch für wenige Tage im Jahr wieder einmal funktionierte und man sein stöhnendes Steige- und Fallgeräusch in den Wänden hören konnte, wirkte er so gequält, dass nur unwissende Besucher oder Menschen, die beruflich in unserem Haus zu tun hatten, ihn verwendeten. Doch die würdevollgebrechliche Schwerfälligkeit, mit der die Schwebekabine in dem gewählten Stockwerk ansetzte, einrastete und zum Stehen kam, erweckte selbst in ihnen so etwas wie Mitleid für diesen alten, müde gewordenen Hauslift, der sich nach nichts mehr sehnte als nach Ruhe und Stillstand.

Eines Morgens entdeckte ich beim Verlassen der Wohnung, dass sich unsere Klingel über Nacht in ein menschliches Ohr verwandelt hatte. Als ich näher trat, wurde mir klar, dass nur der Klingelknopf herausgefallen war. Er fand sich auf dem Boden, schmutzig und kalt, wie ein ausgeschlagener Zahn. Ich drückte ihn zurück in das Loch. Es klingelte.

Meine Mutter öffnete die Tür. Ihr Gesicht fragte mich, warum ich immer noch hier, was denn jetzt wieder los und warum ich nicht schon längst –

— Die Klingel war kaputt, sagte ich.

— Jetzt geht sie, oder? sagte sie. Du musst in die Schule, geh jetzt.

War das Musik, was ich im Hintergrund aus der Wohnung hörte? Ein laut aufgedrehtes Radio, gedämpft durch die Wände mehrerer Räume? Wenn ja, wo? Das einzige Radio befand sich in meinem Zimmer, der Weltempfänger.

Meine Mutter hatte die Tür schnell wieder geschlossen, und es war zu spät, sie zu fragen. Was machte sie, wenn ich nicht da war? Vielleicht hörte sie den Polizeifunk ab, auf der Suche nach dem verlorenen Mann.

Verdächtiges Individuum … in einem schäbigen Wagen … Kennzeichen unleserlich … steht hier schon ein paar Tage, ohne sich zu rühren … da ist jemand neben ihm … so ein vermummter … mit einer … Achtung, an alle Einheiten … bewaffnete Entführung in der KSGRTRPST! — Straße … Was? … Ich wiederhole SCHSCHTRTRSCHPPKR-Straße … der Entführer trägt eine Skimaske … und das im Juli …

Am Schulhaus wehte eine schwarze Fahne, schon seit zwei Tagen, ein ehemaliger Lehrer war gestorben. Ich kannte ihn nicht und auch die meisten Junglehrer wussten von Professor Leitgeb nur, dass er früher an unserer Schule Mathematik und Deutsch unterrichtet hatte. Er war im Stadtpark tot aufgefunden worden, in der Nähe des Spielplatzes. Manche besonders gut informierten Schüler munkelten, man habe ihn auf dem Spielplatz gefunden, in der Nähe der Schaukeln. Angeblich war sein toter Körper nach dem Herzinfarkt einfach so auf dem kleinen Schaukelbrett sitzen geblieben, die Arme in die Seile verwickelt, und der Wind hatte ihn sanft hin und her — nein, von Wind war keine Rede, das kam mir nur so in den Sinn, weil es mich zum Lachen brachte. Der Wind, der das spärliche graue Haar auf dem Kopf des toten Lehrers zaust. Der Windstoß, der ihm die Brille vom Gesicht bläst. Und die Brille, endlich befreit von ihrer Knechtschaft, flattert im Aufwind davon, wird zu einer kleinen spindeldürren Krähe und verliert sich über den Dächern der Stadt.

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