Clemens Setz - Die Frequenzen

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Walter und Alexander waren Freunde, als sie noch Kinder waren — nun kreuzen sich ihre Wege wieder
Dies ist die Geschichte von Walter, dem Sohn eines Architekten mit Einfluss. Er will Schauspieler werden — oder will es nur sein Vater? Walter bekommt seine Chance, als ihn Valerie, eine Psychotherapeutin, die bessere Tage gesehen hat, engagiert, um in Gruppensitzungen fiktive Patientenrollen zu spielen. Doch er geht zu sehr in seiner Rolle auf.
Dies ist die Gechichte von Alexander. Er ist Altenpfleger, ein junger Mann mit ausufernder Phantasie, die sich im Schatten einer einsamen Kindheit entwickelt hat. Alexander kündigt seinen Job, und er will seine Freundin loswerden, um mit Valerie zusammenzuleben. Doch die wird eines Tages brutal zusammengeschlagen…
Nach "Söhne und Planeten", seinem Debüt, das ihm einhelliges Lob der Kritik einbrachte, legt Clemens J. Setz ein Werk vor, das alle Erwartungen sprengt: atemberaubend kraftvoll, bunt, sprachgewaltig und zart.

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Was, wenn er Gabi nun einfach in einen Rollstuhl setzen und in die Stadt fahren würde? Wenn er sie vor ihrem Lieblingsrestaurant wecken, den Rollstuhl stehen lassen und mit ihr durch die Passage gehen würde, in die Geschäfte, die sie am liebsten hatte? Würde sie irgendwas Verrücktes machen, alle Bücher in einem Geschäft wie wild zu ordnen beginnen, nach Farben oder sonst irgendeiner zwanghaften inneren Logik? Würde sie wieder einen Anfall bekommen?

Natürlich würde er nichts dergleichen unternehmen. Er saß hier mit ihr fest und wurde unter der Last immer schwächer. Aber er musste sich beherrschen. Sie war eine zarte, filigrane Qualle, die an dieses blaue Sofa gespült worden war und die man nicht berühren durfte, wenn man nicht riskieren wollte, dass sie einem unter den Fingern zu Staub zerfiel.

Am nächsten Tag in der Früh, als Wolfgang die ohnehin nicht besonders fest geschnürten Fesseln von ihren Handgelenken entfernte, sagte Gabi, dass sie heute mit dem Kind spazieren gehen wolle. Wolfgang fragte, ob es nicht vielleicht ein bisschen zu früh sei, allein mit dem Kind.

Nein, sie war sich sicher. Und sie musste unbedingt wieder raus. Es war September, der Sommer war schon so gut wie vorbei.

Ein wunderbarer Anblick: Parkbänke im Sonnenlicht. Und unter ihnen, am Kiesboden, die Schattenrisse ihrer Sitzflächen, wie ein doppelter Boden, Ersatzbretter für den Fall, dass jemand durchbricht. Bänke, die Verkörperung absoluter Bewegungsunfähigkeit. Nichts scheint so unverrückbar wie eine Wartebank, in einem Bahnhof, an einer Haltestelle, in einer Klinik, ein Objekt völlig ohne den Wind der Zeit, der an allem zerrt und nagt.

Gabi ging mit dem Kinderwagen über den Parkweg. In der Ferne hörte man jenes halb verstimmte Glockenspiel, das immer um diese Tageszeit in einem der vielen Kirchtürme der Umgebung gespielt wurde. Gerade hatte sie eine seltsame Begegnung mit einem kleinen, rötlichen Hund gehabt. Er hatte einen Stock im Maul getragen. Und Gabi hatte den Kinderwagen losgelassen und ihn entgegengenommen. Jetzt schlief das Baby neben dem Stock.

Der Hund war zu seiner Besitzerin, die eine Lederjacke trug und sich in einiger Entfernung mit einem Mann unterhielt, zurückgerannt. Es war — sie war sich sicher — jener ältere Mann mit dem runden, freundlichen Gesicht, den sie vor längerer Zeit einmal im Park getroffen hatte. Sie hatte ihm von ihrem Kindersegen erzählt und er ihr von seiner Frau, die an einem Silvesterabend gestorben war. Er erschien ihr verständnisvoll, und sie unterhielten sich sehr ausführlich und vernünftig über das Wetter.

Etwas Großes kam hinter ihr näher, sie hörte einen anschwellenden Lärm, bestimmt eines dieser albernen Parkfahrzeuge, diese Miniaturen von echten Straßenräummaschinen, die man zum Plattfahren des Herbstlaubs oder zum Säubern der Gehwege verwendete. Und drinnen saß meist ein hagerer, ungesund aussehender Mann, der auf dem Kopf eine Mütze trug und darüber einen Lärmschutz-Kopfhörer.

Das musste es sein, und dem Anschwellen des Motorengeräuschs nach zu urteilen, kam das Räumfahrzeug nur sehr langsam näher. Trotzdem wich sie mit dem Kinderwagen aus und trat an den Wegrand, wo die Wiese endete.

Sie wollte sich nicht umblicken, wollte nicht den Eindruck erwecken, sie fühle sich verfolgt oder gestört.

Sie kam an einer Parkbank vorbei, auf der ein Bettler schlief. Sein Nacken ruhte auf der Armlehne. Der verwahrloste Mann musste stocktaub sein, wenn er bei so einem Krach schlafen konnte. Vielleicht war auch sein Genick im Schlaf gebrochen, sanft und leise; es konnte unmöglich angenehm sein, in einer solchen Stellung zu schlafen. Und dann auch noch unter freiem Himmel. Alkohol schraubte eben alles herunter, die Wahrnehmung wie die Wünsche und Ansprüche. Der Mann stank fürchterlich.

Sie ging weiter und war einige Male kurz davor, sich nach dem kriechenden Fahrzeug umzudrehen, das sich scheinbar einen Spaß daraus machte, ihr auf die Nerven zu gehen.

Das Kind lag mit geschlossenen Augen im Kinderwagen, ein Daumen steckte zwischen den winzig kleinen, Speichel glänzenden Lippen. Gleich würde er herausfallen, da niemand mehr an ihm lutschte. Das Bild war so wunderschön, dass sie sich beherrschen musste, nicht laut aufzulachen. Auch wenn sie ihr Lachen vermutlich gar nicht hören würde.

Der Lärm schwoll weiter an, jetzt musste ihr der Witzbold schon fast auf den Fersen kleben. Gabi stieß einen wütenden Seufzer aus, den sie nicht einmal mehr hörte, so laut war es inzwischen — und wandte sich um.

Der Riss, zweiter Akt

Im Nachhinein war mir, als wäre meine große Winterdepression nur gespielt gewesen. Ich meine, ich hätte natürlich zu jeder Zeit aufstehen können. Ich ging ja auch zur Toilette. Und mit dieser Einsicht ging eine andere, sehr seltsame, einher. Es schien mir, dass ich im Grunde nie etwas anderes getan hatte als vorzutäuschen. So zu tun als ob . Diese zwei unscheinbaren Wörter, als ob — vielleicht waren sie das Schlüsselloch, durch das man mein Leben betrachten musste.

Nicht nur in den üblichen Dingen der Kindheit, die ein gepflegtes Als-ob erfordern — Fleiß in der Schule oder die sonderbaren Verrichtungen der Religion, mit der man aufwächst und die so gut ist wie jede andere —, nein, in beinahe allen Situationen gab es diese erdabgewandte Seite von mir, die immer ein wenig schlauer war als die sichtbare.

Ich bin vier Jahre alt. Mein Vater bringt mir bei, wie man einen Fotoapparat bedient. Damals gibt es noch diese unförmigen Zauberkästen, die ehrfurchtsvoll SofortbildKamera genannt werden und die einem, sobald man auf den Auslöser gedrückt hat, die Zunge rausstrecken: ein weißes, glänzendes Quadrat.

— So, da ist der Auslöser, und durch dieses Loch da … probier mal … Siehst du mich?

Er winkt. Ich sehe ihn, ja, aber irgendetwas in mir will noch nicht zugeben, dass alles bereits durchschaut ist, dass die Lektion, kaum hat sie begonnen, ausgelutscht ist und leer — ich senke die Kamera, mein Gesicht verformt sich im Ausdruck kindlichen Zweifels, und ich — sehen Sie nur: ich schüttle die Kamera, nach Art eines Kleinkinds, das wissen will, was in seinem Geschenkpaket ist, eine lächerliche Bewegung, die bedeuten soll: Funzoniert nicht, Papa helfen .

Warum tue ich das? Ich habe meinen Vater gesehen, mein Zeigefinger streicht über den Auslöser, geht schwebend in Position. Es wäre so einfach gewesen, die Lektion für beendet zu erklären, zu demonstrieren, dass ich kein Kind mehr war. Ihn einfach zu fotografieren. Aber stattdessen –

— Schau, lass mich, ich mach’s dir noch mal vor.

Spätestens als ich meine Matura hinter mich brachte, erkannte ich, dass ich ein vollkommener Heuchler geworden war, jemand, der nichts, absolut gar nichts Aufrichtiges mehr an sich hatte.

Ich sah mich in die ernsten Gesichter der Reifeprüfungskommission blicken, sah mich die richtigen Gesten zu meinen lückenlosen Erklärungen ausführen — eine Hand, die würdevolle Purzelbäume macht, während ich die wichtigsten Eigenschaften des Epischen Theaters aufzählte, oder der zum Zeigestock umfunktionierte Folien-marker, mit dem ich den hügeligen Verlauf einer Interpolationskurve nachzeichnete —, sah mich ein ernstes Gesicht zu der ganzen Komödie machen, zu den Angabezetteln, der Sitzordnung, den Konzeptpapieren, sah mich das Lob entgegennehmen, mit den charakteristischen Gebärden der Bescheidenheit, einem etwas schüchternen Zu-Boden-Schauen, einem nicht zu kräftigen Händedruck beim Verabschieden der Prüflinge.

Ich schämte mich nicht einmal. Denn vor wem hätte ich mich schämen sollen, wenn mein Marionettentheater das war, was von allen Alexander Kerfuchs genannt wurde. Ich war ein Komödiant, über den ein einziger Mensch lachte — und der war für alle unsichtbar und wohnte als finsterer, rechthaberischer Einsiedler hinter meiner Stirn.

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