Clemens Setz - Die Frequenzen

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Walter und Alexander waren Freunde, als sie noch Kinder waren — nun kreuzen sich ihre Wege wieder
Dies ist die Geschichte von Walter, dem Sohn eines Architekten mit Einfluss. Er will Schauspieler werden — oder will es nur sein Vater? Walter bekommt seine Chance, als ihn Valerie, eine Psychotherapeutin, die bessere Tage gesehen hat, engagiert, um in Gruppensitzungen fiktive Patientenrollen zu spielen. Doch er geht zu sehr in seiner Rolle auf.
Dies ist die Gechichte von Alexander. Er ist Altenpfleger, ein junger Mann mit ausufernder Phantasie, die sich im Schatten einer einsamen Kindheit entwickelt hat. Alexander kündigt seinen Job, und er will seine Freundin loswerden, um mit Valerie zusammenzuleben. Doch die wird eines Tages brutal zusammengeschlagen…
Nach "Söhne und Planeten", seinem Debüt, das ihm einhelliges Lob der Kritik einbrachte, legt Clemens J. Setz ein Werk vor, das alle Erwartungen sprengt: atemberaubend kraftvoll, bunt, sprachgewaltig und zart.

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Ich räusperte mich, rückte meinen Sessel näher an den Tisch. Sessel. Tisch. Beides aus Holz, dachte ich. Ein Tischler hatte einen Baum niedergerungen, ihn mit bloßen Händen erwürgt und anschließend diese sonderbaren Objekte daraus geschnitzt, mit denen wir uns jetzt umgeben. Also: Schön, dass ich gekommen bin.

— Sicher, sagte ich, warum nicht.

Ein unangenehmes Gefühl breitete sich aus, noch unbestimmt, aber die Richtung war eindeutig: Ein leiser Countdown begann, leise, irgendwo in der Stratosphäre. Zählerstand Geduld: 65 %. Tendenz fallend.

— Was gibt es, ich meine, was … was machst du so? fragte er.

Das winzige Pferd hatte sich endlich bis zur Pupille durchgebissen. Durch das Loch verschwand es in meinem Auge, es rollte sich zusammen und schlief.

— Ach, nichts Besonderes.

— Krankenpfleger, oder?

— Nein, nicht ganz. In einem Altenheim.

Nein, seit mehreren Monaten nicht mehr. Aber wen interessierte das.

— Altenheim? Ah, interessant. Sicher schwierig, die Arbeit, oder?

— Sicher, warum nicht.

Ich schaute in mein Glas.

Altenheim. Das, wo du einmal enden wirst. Wo man dich demnächst einliefern wird, festgeschnallt auf eine entwürdigende Metallvorrichtung. Deswegen habe ich diese Stelle auch angenommen. Das stimmt zwar nicht, aber es könnte so sein. Deswegen habe ich die bis zur Unkenntlichkeit besudelten Körper fremder Menschen gereinigt und gewaschen, deswegen habe ich mich geprügelt. Könnte so sein. Deswegen habe ich den ausgetrockneten Bewohnern manchmal Szenen vorgespielt. Ein filmreifer Sturz zum Beispiel, du hättest mich sehen sollen. Wie ein echter Stuntman. Du wärst stolz auf mich gewesen. Oder du hättest dich geschämt. Eines von beiden. Wahrscheinlich hättest du dich auf deiner elenden Metallbahre gewunden und gekräht: Schwester! Ein anderes Heim, bitte! Nicht dieses Heim, bringen Sie mich in ein anderes Heim, schnell! Ein entsetzliches Missverständnis! Man sagt, man müsse sich nur ans Ufer eines Flusses setzen und warten, bis die Leiche seines Feindes vorbeischwimmt. Aber man würde an diesem Ufer gar keinen freien Platz mehr finden, denn es ist inzwischen vollkommen überlaufen, die halbe Menschheit sitzt dort zwischen den Ufersteinen, vor einem beinahe ausgetrockneten Flüsschen — und wartet. Knirscht mit den Zähnen, nagt an den Fingernägeln und wartet — auf den Moment der Gerechtigkeit, der schon so lange überfällig ist, ach, wenn er nur endlich käme, sie würde töten für diesen Moment!

— Diese Arbeit härtet bestimmt ab.

— Was?

— Gewissermaßen.

— Vielleicht.

— Doch, doch, sagte er, diese tägliche Begegnung mit dem …

Ich nahm einen weiteren Schluck.

— Wäh!

— Mit dem Tod.

— Was?

— Dem Tod. Die alten Menschen können froh sein, dass sie jemanden wie dich –

Er brach seinen Satz rechtzeitig ab, sprach ihn nicht zu Ende, sodass der unausgesprochene Teil des Satzes tot zu Boden fiel. Das obere Ende, roh und unvollendet, stürzte blind vorwärts, auf der Suche nach einer Bedeutung, verendete aber kläglich auf der Tischplatte.

Der Tisch war aus Holz. Ich legte meine Hand darauf, als wollte ich fühlen, wie angenehm er vibrierte, die ganze Zeit schon. Kühles, unversehrtes Holz. Tatsächlich. Früher einmal ein Baum, und ein einsamer Mensch geht durch den Wald und bricht ausgerechnet an diesem Baum zusammen, erleidet einen Herzinfarkt. Der Herzinfarkt, an einen Baumstamm gelehnt, die implodierende Brust mit einer Hand umklammernd, stöhnt er ein letztes Mal. Dann sinkt er ins Gras, verwest, wird zu Erde, zu Nahrung für den Baum, der mit seinen Millionen und Abermillionen Hochleistungsstrohhalmen seine Überreste aufsaugt, gierig, denn so eine Mahlzeit bekommt man nicht jeden Tag. Und daraus bestand dieser Tisch. Man sah es an der Art, wie er das Licht der Deckenlampen spiegelte.

— Man gewöhnt sich daran, oder?

— Ja, sagte ich.

— Aha, sagte er.

Ich ballte meine Hand, die noch immer auf der Tischplatte lag, zu einer Faust, die Fingernägel gruben sich in die Hautrunzeln der verschwitzten Handfläche. Jeder konnte sie sehen: Hier lag eine Faust. Ich starrte mein Gegenüber an, bohrte ihm mit meinem Blick ein mikroskopisch kleines Loch in das braune Muttermal, das sich unter seinem Auge befand und in Form und Farbe an ein winzig kleines Wespennest erinnerte, und stellte mir vor, wie sich ein stumpfer, runder Gegenstand, eine Billardkugel etwa oder eine Mingvase, durch seine Nase schob, so wie in dieser schrecklichen Szene aus Total Recall , bis die Nase zu platzen drohte und mit ihr das halbe Gesicht –

— Ich wollte dich persönlich zu meiner Hochzeit einladen. Einfach weil ich …

— Sicher, natürlich, warum nicht.

Ich sprach so laut, dass der Raum wieder ein wenig Stille brauchte, um nicht in Flammen aufzugehen.

— Ja, ich kann mir schon denken, dass das abhärtet, sagte er verloren.

— Sicher, sagte ich.

— Der Tod ist ja, begann er wieder zu sprechen, im Grunde nur eine Art unglücklicher Zustand, unverstanden und schwierig … Aber wenn man bedenkt, wie viele Transformationen eine Pflanze durchmachen muss, weil … also allein, wenn sich ein Blatt vom Baum löst, dann ist es technisch gesehen ja schon tot, zumindest ist es mit Sicherheit gestorben …

Er sprach, indem er seinen Mund, seine Lippen und die Zunge bewegte. Alle Menschen taten das so, aber ich hasste ihn dafür. Sein weißes Haar war ordentlicher und strenger gescheitelt als früher, und er trug eine große Brille in dem unangenehm vertrauten Gesicht, das aussah wie das einer Maus, die ihr halbes Leben als Wärter in einem Gefängnis gearbeitet hat.

Er begann von einer Reise zu erzählen. Gerade sei er von einer kleinen Entdeckungsfahrt nach Südamerika zurückgekommen, die ihm geholfen habe, gewisse religiöse Krisen zu überwinden. Ich saß vor meinem Glas, tauchte hin und wieder einen Zeigefinger in das Wasser, um die Temperatur zu prüfen. Er hatte sich seinen zweiten Kaffee bestellt. Er ertränkte gerade ein Zuckerstück mit gnadenlosen Paddelschlägen seines Löffels, als er sagte:

— Ich hab wirklich erfahren, was Leiden bedeutet … weißt du, in Mexiko, da gibt es ein Grenzgebiet, wo immer wieder jede Menge Frauen verschwinden … und zu Beginn habe ich gedacht, in Ordnung, Frauen, dann kann ich mich dort also mehr oder weniger gefahrlos bewegen. Allerdings habe ich mich geirrt. Mir ist zwar nichts passiert, aber –

Ich verschluckte mich an meinem Wasser, um mir das Ende der Geschichte zu ersparen. Während ich prustete und mit offenem Mund nach Luft rang, langte er plötzlich über den Tisch und klopfte mir auf den Rücken, sehr fest, natürlich, warum sollte er sich zurückhalten. Als ihm klar wurde, was er da gerade tat, warf er einen ungläubigen Blick auf seine Hand und sank zurück auf seinen Platz. Auch ich war ein wenig perplex.

Aber es hatte funktioniert, er wechselte das Thema.

— Ich war übrigens auch in den Staaten, nur kurz, in New York, weil es mir wichtig war, die Kehrseite der Medaille zu sehen.

— Ja.

Falls ich es noch nicht erwähnt habe: An meinem Körper gab es zwei Sprengsätze, zwei Telefone. Eines in meiner linken Jackentasche, worin es lässig baumeln konnte, ein mechanischer Tourette-Patient in der Hängematte, das andere in der Gesäßtasche, ein wenig kleiner als das andere und farblos.

Das Telefon, mit dem ich mich anrufen wollte, durfte natürlich keinerlei Geräusche verursachen (viele Modelle geben nach dem Wählen der Nummer ein bestätigendes Piep-Signal von sich) und musste außerdem mit einer Vorrichtung ausgestattet sein, die blindes Wählen erlaubt. Glücklicherweise können Mobiltelefone heutzutage alles; nur an einen eingebauten PEZ-Spender oder an eine kleine Öffnung zum Produzieren von Seifenblasen hat noch niemand gedacht.

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