Clemens Setz - Die Frequenzen

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Walter und Alexander waren Freunde, als sie noch Kinder waren — nun kreuzen sich ihre Wege wieder
Dies ist die Geschichte von Walter, dem Sohn eines Architekten mit Einfluss. Er will Schauspieler werden — oder will es nur sein Vater? Walter bekommt seine Chance, als ihn Valerie, eine Psychotherapeutin, die bessere Tage gesehen hat, engagiert, um in Gruppensitzungen fiktive Patientenrollen zu spielen. Doch er geht zu sehr in seiner Rolle auf.
Dies ist die Gechichte von Alexander. Er ist Altenpfleger, ein junger Mann mit ausufernder Phantasie, die sich im Schatten einer einsamen Kindheit entwickelt hat. Alexander kündigt seinen Job, und er will seine Freundin loswerden, um mit Valerie zusammenzuleben. Doch die wird eines Tages brutal zusammengeschlagen…
Nach "Söhne und Planeten", seinem Debüt, das ihm einhelliges Lob der Kritik einbrachte, legt Clemens J. Setz ein Werk vor, das alle Erwartungen sprengt: atemberaubend kraftvoll, bunt, sprachgewaltig und zart.

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— Okay …

— Einmal zum Beispiel –

— Nein, davor, Sie haben gesagt, der eigentliche Grund

— Ach das. Ja. Das war das, was er mir immer gesagt hat. Der eigentliche Grund, sich von der Familie zu trennen, war seine Krankheit. So hat er’s mir immer erklärt. Er wollte nicht irgendwann als Pflegefall enden, der auf die Hilfe seiner Familie angewiesen ist. Die einzige Hilfe, die er akzeptiert hat, ist fremde Hilfe.

— Ich … Oh! Das tut mir leid, ich –

— Ach, ist schon in Ordnung. Gott sei Dank ist der Kaffee in Cafeterias immer nur lauwarm.

— Warten Sie, ich hole Ihnen eine Serviette.

— Ist doch nur das Knie. Kein Problem. Wo waren wir stehen geblieben?

картинка 30

Und irgendwann ist es drei Uhr morgens, und sie sind beide hellwach vor lauter Schlafbedürfnis und geistern unruhig in der Wohnung umher. Und sie reden von ihren Familien, die fern sind, die eine im zeitlichen, die andere mehr im örtlichen Sinn. Sie kommen zu dem Schluss, dass die zeitliche Dimension stärker ist. Wolfgang sagt etwas Simples, Versöhnliches, um sich selbst zu beruhigen, etwas wie: Im Leben muss man sich immer anstrengen, um Distanzen zu überwinden .

— Weißt du, fragt Georg ihn, was diese elenden Zen-Meister, diese fürchterlichsten aller Diktatoren machen, wenn sie auf ihre Schüler aufpassen? Nein? Sie schlagen sie mit einem Bambusstock, egal, was die Schüler tun. Oder nicht tun. Wenn die Schüler etwas falsch machen, schlagen sie sie, wenn die Schüler alles richtig machen, schlagen sie sie auch. Und das nicht einmal besonders sanft. Ziemlich fest, direkt auf die Schultern, zuerst links, dann rechts. Manchmal sogar auf den Kopf.

Plötzlich steht Georg auf und schleppt sich an den Schreibtisch. Er schaltet die kleine Lampe ein, und ihr helles, irres Licht ergießt sich über seine Hände, seine Knöchel, seine Fingernägel. Scharfe, unwirkliche Schatten ragen aus seiner Hand. Er bewegt die Finger, bildet eine Faust, als würde er sich wundern, dass die Haut an den Knöcheln nicht bei der kleinsten Bewegung aufplatzt.

— Zen-Meister sind die größten Arschlöcher, die es gibt, sagt er. Aber vielleicht gibt es Schlimmeres als das. Zum Beispiel Sandkörner unter den Fingernägeln oder das Geräusch, wenn ein Haus sich ganz leicht nach rechts neigt und das Fundament für immer kaputt geht. Oder Schularbeiten korrigieren und der Stapel wird und wird einfach nicht kleiner, sondern wächst immer nur, wächst, wächst.

Vor Wolfgangs erstaunten Augen löst sich ein Zeigefinger aus Georgs Hand und wandert wie ferngesteuert, die sonst schlaffe Hand und die restlichen Finger im Schlepptau, auf die leuchtende Glühbirne zu. Der brennende Schmerz reißt sie beide endgültig in die Wirklichkeit zurück. Georg zieht die Luft zischend durch die Zähne ein. Er steht auf und eilt in die Küche, um den Finger unter kaltes Leitungswasser zu halten. Wolfgang geht ihm nach, legt ihm eine Hand auf den Rücken.

Georg steckt sich die beleidigt pulsierende Fingerkuppe in den Mund und saugt daran. Mit der freien Hand dreht er den Wasserhahn ab und greift sich eine Weinflasche, auf deren Etikett ein Sonderangebotsaufkleber die Jahreszahl verdeckt.

Bevor er sich ein Glas eingießt — er zögert den rettenden Moment noch ein wenig hinaus —, besieht er sich das dickbauchige Weinglas in seiner Hand.

Ihm sei das vorher noch nie aufgefallen, sagt er, und vielleicht sei das unwirkliche Licht der Glühbirne daran schuld, aber ihre Form erinnere ihn doch sehr an die obere Hälfte einer Sanduhr, eines Stundenglases. Es fehle nur der untere Teil, wo der Sand zur Ruhe kommt, wenn die Zeit um ist.

Er beginnt zu trinken. Er leert das halbe Glas in einem Zug. Bald ist er ganz in Erinnerungen versunken und spielt mit tränennassen Augen und tragisch dargebotener Unterlippe auf seiner Vergangenheit wie auf einem lauten Blasinstrument. Er sitzt auf einem schwarzen Ledersofa, das in dem grellen Licht aussieht wie schmelzende Schokolade, und wiegt seinen Oberkörper vor und zurück, in einem Takt, den nur er hören kann.

Dann verschluckt er sich und wird rot. Sein Oberkörper zieht sich wieder zusammen, und der Rücken wird steif. Schnell sucht er nach seinen Medikamenten. Als der kurze Engpass vorbei ist, als sein Oberkörper das Sekundenkorsett, den Ritt durch das Innere der Sanduhr, überwunden hat, rinnen ihm Tränen übers Gesicht.

— Ich will noch nicht sterben, jammert er.

Aber er sagt nicht sterben . Um das Wort vor seinem Gebrauch ein wenig abzukühlen, spricht er es wie stähm aus. Wolfgang geht zu ihm, verwirrt und fehl am Platz. Längst wünscht er sich fort von hier, fort von diesem Abenteuer zweier unechter Junggesellen. Nach Hause. Und er merkt, dass er langsam wütend wird. Auf diesen wehleidigen Fremden, auf alles. Zur Beruhigung schauen sie sich Familienfotos an.

— Herzig, sagt Wolfgang.

Das verdutzte Gesicht eines Kindes, viel zu nahe, als hätte es sich selbst fotografiert. Funzoniert nicht. Papa helfen . Die Fotos helfen ein wenig und außerdem –

картинка 31

— Reden, reden, reden. Die ganze Nacht lang. Er hat mir damals immer alles lang und breit erzählt. Das war ihm aus irgendeinem Grund sehr wichtig. Und ich hab mir wirklich gedacht, mein Gott, wo bin ich da hineingeschlittert. Ich sollte damit endlich Schluss machen und … und … Außerdem hat er mich andauernd geweckt mit seinem Auf-und-ab-Gehen, nächtelang, mein Gott … Das hat mich manchmal wirklich genervt. Ich meine, da arbeitet man den ganzen Tag und kommt dann nicht einmal zum Schlafen. Da hätte ich auch gleich zuhause bei meiner Frau bleiben können, hab ich mir gesagt. Was zum Teufel machst du hier? Und ich glaube, das war letztendlich auch der Grund, warum ich nach wenigen Wochen wieder zurückgegangen bin.

— Ich leide auch an Schlafstörungen.

— Ehrlich? Interessant.

— Ja.

— Aber ich bin trotzdem immer aufgestanden, ich meine … So ist es ja nicht, dass ich einfach liegen geblieben wäre, ich meine, was ist das für ein Freund, der einfach weiterschläft, wenn es einem anderen dreckig geht? Nein, nein, nein, wir haben immer über alles geredet, und er hat mir gesagt, dass er zum Beispiel sein Haus gesehen hat, wie es in Flammen aufgeht, und dann wieder war alles nur eine Miniatur von dem Haus an einem Strand, aus Sand gebaut, und so weiter. Er hat sich oft lange nicht beruhigt. Dann hat er mir immer richtig leid getan. Auch wenn ich manchmal mit ihm geschimpft habe, wenn sein Selbstmitleid zu stark geworden ist.

— Aha.

— Ich hab ihm sogar geraten, er soll wieder zurückgehen zu seiner Familie. Ich weiß, das war ein schwerer Entschluss für ihn, aber so bin ich nun mal, ein Friedensstifter von Natur aus. Einmal hat er mir deswegen aufs Ohr geschlagen.

— Was?

— Ja, wirklich, aufs Ohr. Es wird einem sofort schwarz vor Augen und der Gleichgewichtssinn spielt verrückt. Ich hab zehn Minuten überhaupt nicht mehr aufstehen können. Wenn er Angst hatte, konnte er fürchterliche Kräfte entwickeln.

Zweiter Eindruck

Wolfgang. Ein erdiger, fetter, dunkelbrauner Name. Das W färbt ihn braun, so wie ein V Wörter in der Regel blau macht. Trotz seines hübschen Namens spielt er in meinem Bericht eine untergeordnete Rolle. Er ist so etwas wie ein fleischgewordener Vorwand, eine lächerliche Attrappe, eine Hilfskonstruktion, ein dressierter Hund, der eine notwendige Wissenslücke ausfüllen darf, indem er ein unentwirrbares Knäuel aus Geschichten apportiert. Auf diese Dienerrolle habe ich ihn heruntergeschraubt, brutal, wie ich zugeben muss, obwohl er mir nie etwas getan hat, im Gegenteil, obwohl er den weiten Weg vom Eingangsbereich der Cafeteria bis zu mir, in meine Enklave an der Seite der großen Panoramafenster, auf sich genommen hat — nur um mir das alles zu erzählen. Obwohl er Wolfgang heißt, also einen Namen hat, der auf beiden Silben betont wird, und einen Ohrring trägt. Obwohl er da noch immer vor mir sitzt und mich mit aufrichtigen braunen Wolfsaugen von unten anstarrt, während er seine Geschichte loswird, Stück für Stück.

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