Rita Brown - Böse Zungen

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Voller Situationskomik ist dieser neue Roman Rita Mae Browns, der in der amerikanischen Kleinstadt Runnymede spielt. Dort leben die beiden ebenso unzertrennlichen wie streitlustigen Hunsenmeir-Schwestern, die immer wieder aufs Neue für allerhand Aufruhr im Ort sorgen.Die Hunsenmeir-Schwestern sind wieder da! Und in der Kleinstadt Runnymede zerreißt man sich einmal mehr herzerwärmend das Maul. Denn: Die ebenso unzertrennlichen wie streitlustigen Schwestern Wheezie und Juts, bekannt aus "Jacke wie Hose" und "Bingo", treiben es wie gewohnt bunt...
Bei Kaffee und Kuchen sitzen die beiden in Cadwalder's Drugstore. Doch bald geraten sie darüber, ob ein grauenhaftes Ereignis in Wheezies Leben (ihr vierzigster Geburtstag) geheim bleiben soll, in ein gnadenloses Handgemenge, bei dem das halbe Lokal zu Bruch geht. Um den Schaden ersetzen zu können, werden die Schwestern unternehmerisch tätig und eröffnen einen Schönheitssalon - bekanntlich ein Ort intimer Geständnisse und äußerster Diskretion. Diskretion? Bald dringt von dort allerhand interessanter Klatsch an die lauschenden Ohren der Mitmenschen.Введите сюда краткую аннотацию

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Heute im Salon hatten Halskette, Armband, Ohrringe und Brosche einen solchen Lärm gemacht, daß Georgine Dingledine sie gebeten hatte, den Schmuck abzunehmen, solange sie sich an ihrem Kopf zu schaffen machte. Mit gequältem Lächeln hatte Louise das Armband vom Handgelenk gestreift - und dabei das Gummiband zerrissen, worauf kleine bemalte Holz- und Metallstückchen auf die Erde flogen. Das hatte ihr die Lau­ne gründlich verdorben.

Juts konnte sich nicht erinnern, daß Chester jemals auf Klei­dung geachtet hätte. Sie mußte ihn ins Bon-Ton schleppen, um ein Sakko oder eine Krawatte zu kaufen.

Tatsächlich konnte sie sich an keinen Mann erinnern, der Wert auf Kleidung legte. Sogar Millard Yost, der immer wie aus dem Ei gepellt aussah, wurde von Lillian eingekleidet.

Worüber sprach sie mit ihrem Mann? Hausarbeit, Geld, die Leute in der Stadt und ihren jeweiligen Tagesablauf. Sie fand das ausreichend, aber vielleicht sollte sie die Mühe auf sich nehmen, etwas über Stockcar-Rennen zu lernen. Chester und Paul waren beide begeisterte Anhänger der Rennen. Autos im Kreis herumfahren zu sehen, machte sie schwindlig, aber die beiden konnten sich stundenlang über das Thema auslassen.

Vielleicht fände er sie anziehender, wenn sie etwas über Stockcars lernte. Sie hatte gehört, daß die sexuelle Begierde von Männern mit solchen Taktiken neu entfacht werden konnte. Vielleicht hatten sie deswegen kein Kind.

Die Patience war aufgegangen, als er zur Hintertür hereinkam. Buster rappelte sich auf, um ihn zu begrüßen.

»Hallo, Schatz.«

»Hallo.« Sie hielt ihm ihre Wange zum Kuß hin. »Weißt du was, ich kann mit Zwischengas fahren.«

Er blinzelte. »Tatsächlich?«

»Ich kann auch eine Kurve auf zwei Rädern nehmen. Ich mei­ne, ich sollte an Stockcar-Rennen für Damen teilnehmen.«

»Juts, du kannst Stockcar-Rennen nicht ausstehen.«

Sie sah auf ihre Karten, die jetzt in vier säuberlichen Häuf­chen lagen. »So - und was muß ich tun, um - hm - begehrens­wert für dich zu sein?«

»Du bist begehrenswert für mich.«

»Schwarzer Unterrock?«

»Du brauchst keinen schwarzen Unterrock.« Er lächelte. »Was hat dich auf diesen Trichter gebracht?«

»Ich weiß nicht.« Sie hob die Karten auf und richtete die Kan­ten, indem sie mit dem Stapel auf die Tischplatte klopfte. »Du bist in letzter Zeit sehr abwesend.«

»Ach, Schatz, ich hab so viel im Kopf.«

»Ja, ich weiß, und ich bin scheint's nie drin.«

»Bist du wohl.« Er küßte sie auf den Mund.

47

Die Benzinrationierung tat Mary Miles Mundis' Drang zum Angeben keinen Abbruch. In einem neuen 1941er Pontiac V-8 Torpedo Coupe in sanftem Burgunderrot mit hellbraunem Zier­streifen und hellbrauner Innenausstattung kutschierte sie durch die Stadt. Harold hatte das Auto in Baltimore günstig erstanden, weil es seit Ende 1941 herumstand und der Händler, der für sein Inventar Steuern zahlte, es loswerden wollte. Die Benzinratio­nierung machte Autoverkäufern den Garaus, und die Autoher­steller wandelten ihre Fabriken für Kriegsanstrengungen um. Neue Autos gab es keine.

Freilich fuhr Mary Miles Mundis mit dem Torpedo nur in der Stadt herum. Es gab nicht genug Benzin für weite Strecken, aber das war durchaus in ihrem Sinne. Der Hauptzweck des Automobils bestand nicht darin, als Transportmittel zu dienen, sondern den Neid ihrer Freundinnen zu schüren. Und das war ihr gelungen.

»Sieh mal einer an. Gondelt hier einfach durch die Gegend.« Louise schlug sich mit einem Kamm auf den Schenkel. »Mir würde das Auto besser stehen als ihr. Ihre Haare haben die fal­sche Farbe.«

»Sie wird sie passend färben«, sagte Toots Ryan.

Juts, die neben Louise und Toots am Fenster stand, sah dem schönen Wagen wehmütig nach. »Muß toll sein, so viel Geld zu haben.«

»So reich ist sie gar nicht. Wir sollen bloß glauben, daß sie reich ist. Harold ist Bauunternehmer. Seine Finanzlage muß die reinste Achterbahn sein.«

»Chessy sagt, am Krieg mit allem Drum und Dran wird Ha­rold ein Vermögen verdienen. Er ist im Rennen um Regierungs­aufträge in ganz Maryland, und weil wir so nah an Washington sind, hilft er persönlich mit ein paar Aufmerksamkeiten nach.«

»Das muß man Harold Mundis lassen, er hat Ehrgeiz«, be­merkte Toots.

»Ich wäre froh, wenn Pearlie ein bißchen mehr Biß hätte«, klagte Louise.

»Eins steht fest, mein Mann hat keinen und wird nie welchen haben. Er sagt, sobald man andere Leute einstellt, geht der Är­ger richtig los.« Sie sah Mary Miles bremsen und die Rücklich­ter rot aufleuchten. »Was sind schon ein paar Sorgen gegen so viel Geld?«

»Wir kommen gut zurecht. Wir haben soweit keine Sorgen«, erklärte Louise. »Wir haben Flavius fast vollständig abbezahlt.«

»Frauen sind vernünftig.« Toots fuhr rasch mit der Zunge über die Zähne. »Männer verschwenden ihre Zeit damit, sich vorein­ander aufzublasen. Ich behaupte, sie sind mehr damit beschäf­tigt, sich gegenseitig zu imponieren als uns.«

Louise seufzte. »Ist eben eine Männerwelt.«

»Ja, und deswegen haben wir wieder Krieg«, erwiderte Juts spitz. »Mir ist es völlig schnuppe, wer an welchem Hebel sitzt. Ich meine, wenn man etwas kann, soll man es tun. Warum es in Männersache und Frauensache aufgeteilt ist, geht über meinen Verstand. Ich habe mehr Unternehmungsgeist als Chester. Ich liebe ihn über alles, aber er ist nicht der Typ, der anpackt, stimmt's?« Sie nickten, und sie fuhr fort: »Ich könnte wie Ha­rold Mundis um Regierungsaufträge kämpfen, aber ich bekäme nicht mal einen Fuß in die Tür.«

»Du verstehst nichts vom Baugeschäft.« Louise blähte sich mächtig auf.

»Nein, aber es würde mir auch nichts nützen.«

»Deshalb ist es ja so wichtig, daß man eine gute Partie macht, Julia. Das hast du nie kapiert. Es kommt nicht drauf an, wie klug eine Frau ist. Wenn sie nicht mit dem richtigen Mann ver­heiratet ist, kann sie ihn auch nicht groß rausbringen. Dein gan­zer Ehrgeiz kann Chester Smith kein Feuer unter den Hintern machen. Das habe ich dir schon 1927 gesagt.«

»Richard hat auch kein Feuer im Leib«, sagte Toots. Ihr Mann arbeitete beim Clarion an der Laderampe.

»Sein Herz kann man nicht ändern.« Julia gab Louise unbeirrt Kontra.

»Ändern. Ignorieren. Männer sind wie Straßenbahnen, der nächste kommt bestimmt um die Ecke.« Theatralisch hielt sie inne. Sie senkte die Stimme. »Die Liebe spielt dabei die gering­ste Rolle - wirklich.«

»Bei dir.«

»Ich liebe meinen Mann, aber ohne Aussichten hätte ich ihn nicht geheiratet.« Sie kniff die Lippen zusammen. »Ich hatte Mommas Beispiel vor Augen. Ich wollte keinen Nichtstuer heiraten.«

»Ich habe eher den Eindruck, daß Hansford zu viel getan hat«, versetzte Juts bitter.

»Wir werden es nie erfahren. Sie halten alle dicht«, sagte Louise höhnisch. »Ach, wen kümmert's? Mich nicht. Bloß ein Haufen alte Leute, die rumsitzen und in Erinnerungen schwel­gen. Erinnerungen sind das Einzige, was sie haben.«

»Louise, niemand weiß, was die Zukunft bringt. Es ist leich­ter, zurückzublicken.« Juts verschränkte die Arme.

»Das ist wahr.« Toots nickte. »Rillma sagt, manchmal fragt sie sich, ob Washington bombardiert wird. Man kann nie wis­sen.«

»Die Männer in Washington stehen doch bei ihr bestimmt Schlange.« Für einen flüchtigen Augenblick hätte Louise gern mit ihr getauscht.

»Sie hat ein Mitglied der Freien Franzosen kennengelernt. Er sieht gut aus, sagt sie. Bullette. Pierre? Louis? Ich hab's ver­gessen. Sie sagt, sie arbeitet rund um die Uhr, und Francis ist ein guter Chef. Er erinnert sie an Miss Chalfonte. >Mach es richtig oder mach es gar nicht.<���«

»Da kommt sie wieder.« Juts lachte, als Mary Miles vorüber­glitt.

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