»So eine verfluchte Idiotin. Caesura Frothingham ist wirklich eines der dämlichsten Weiber, die ich je gekannt habe. Wenn sie ein Hirn hätte, wäre sie gefährlich. So ist sie nur mäßig amüsant.«
»Aber, aber, Fannie.«
»Ach, Celeste, verteidige sie nicht auch noch.«
»Tu ich nicht, aber.«
Pastor Neely, der ihnen nicht die Hände gedrückt hatte, wie es nach jedem Gottesdienst Brauch war, kam mit ausgestreckten Händen zu ihnen. »Er ist auferstanden.«
»Amen.« Fannie drückte ihm feierlich die Hand.
Pastor Neely trat sodann zur Hunsenmeir-Gruppe. »Louise Trumbull, welch freudige Überraschung, Sie auf den Treppenstufen der lutherischen Christuskirche anzutreffen.«
Am Ostermontag um halb sieben klingelte im Hause Smith das Telefon. Buster hob den Kopf von den Pfoten, legte ihn dann wieder hin. Das Telefon klingelte jeden Morgen um halb sieben.
Juts, die sich ihre erste Tasse Kaffee machte, während Chessy sich rasierte, nahm den schweren schwarzen Hörer ab. »Klingeling.«
»Gott sei Dank sind wir nicht auf der Titelseite«, sagte Louise erleichtert. »Hast du deine Zeitung?«
»Ja. Buster hat sie geholt. Ich schlag sie gerade auf. Du hast Recht.« Dann blätterte Juts die Zeitung um. »Wir sind nicht auf der Titelseite. Wir sind auf Seite zwei.«
»O nein.« Louise hatte in ihrer Aufregung die Titelgeschichte durchgelesen, einen Kriegsbericht, der auf der letzten Seite fortgesetzt wurde. Sie hatte die Zeitung noch nicht aufgeschlagen. Sie las rasch: »Buster Smith und Yoyo Smith, ein Irish Terrier und eine große langhaarige Straßenkatze, gesellten sich am Ostermorgen zur Gemeinde der lutherischen Christuskirche. Möglicherweise angeregt von Pastor Neelys Predigt über die Auferstehung als Wiedergeburt aus unserem animalischen Ich, leisteten Katze und Hund ihren Beitrag zum Gottesdienst. Yoyo Smith zeigte sich geschickt im Umgestalten von Blumenarrangements, und Buster Smith war für Erfrischungen zuständig.
Der Gottesdienst erreichte seinen Höhepunkt, als Yoyo die Orgel spielte. Mrs. Smith erklärte, ihre Katze sei schon immer musikalisch gewesen, was von Sevilia Darymple, der Kirchenorganistin, bestätigt wurde. Mrs. Smith, geborene Julia Ellen Hunsenmeir, wird mit ihrer Schwester, Mrs. Paul Trumbull, auf der Frederick Road hinter dem Strand Theater einen Friseursalon mit Namen Curl 'n' Twirl eröffnen. Die große Eröffnungsfeier findet am 15. Mai statt. Mrs. Smith zufolge werden Buster und Yoyo ebenfalls im Salon beschäftigt sein.«
Als Louise innehielt, um Atem zu holen, sagte Julia: »Ganz gute kostenlose Reklame, was?« »Ich erinnere mich nicht, daß du Popeye ein Interview gegeben hast.«
»Ich hab ihn angerufen, als wir von Moms Osteressen nach Hause kamen. Jetzt sind wir wohl quitt«, sagte Juts.
»Nein, sind wir nicht. Der gräßliche Artikel über dich und mich mit dem schrecklichen Bild auf der Titelseite. Ich meine, ich sah aus wie ausgespuckt, und du sahst, na ja, nicht aus wie du selbst.«
»Okay - aber das hier ist ein guter Anfang, Louise. Popeye kann ruhig noch ein bißchen mehr Buße tun.«
»15. Mai.« Sie senkte die Stimme. »Glaubst du, wir schaffen es bis dahin?«
»Wir müssen. Außerdem, da Junior McGrail nicht mehr im Clarion inseriert, laß uns das Eisen schmieden, solange es heiß ist.«
»Sie wird in der Trumpet inserieren.«
»Aber zu uns kommen dann all die neuen Leute in Süd- Runnymede.«
»Julia, es gibt keine neuen Leute in Süd-Runnymede.« .
»Louise, du bist so eine Pessimistin. Außerdem habe ich ein paar wirklich gute Ideen.«
»Genau das habe ich befürchtet.«
Die Ereignisse der letzten zwei Tage hatten Louise geschlaucht, aber das wurde ihr erst bewußt, als sie sich mit Juts in ihrem Laden traf, um Tapeten auszusuchen. Mit einem dumpfen Knall ließ sie sich auf dem Boden nieder. Doodlebug, ihr Boston Bullterrier, hockte sich neben sie und ignorierte Busters Aufforderung zum Spielen.
»Julia, nach dem, was gestern passiert ist, meine ich, du solltest Buster eine Ruhepause gönnen.«
»Du bist es, die eine Ruhepause braucht. Du siehst aus wie vom Hund gebissen.«
Louise knurrte: »Tausend Dank.«
»Herrje, Louise, wenn ich es dir nicht sagen kann, wer dann?« Juts beugte sich über das Tapetenmusterbuch. »Diese Farben sind schön, aber das Muster ist zu unruhig. Chinesinnen unter Weiden. Hm, mal sehen. «
»Blätter nicht so schnell um. Weißt du, Juts, ich halte das immer noch nicht für so eine gute Idee. Die Tapete wird abblättern. Wir sollten die Wände streichen und fertig. Mit Hochglanzfarbe.«
Julia zeigte auf die vielen Risse in den Wänden. »Weißt du, wie lang das dauert, die auszubessern?«
»Pearlie hat gesagt, er kommt am Abend her und spachtelt sie zu, jeden Einzelnen.«
»Wirklich?«
»Er war sehr entgegenkommend. Fortschritte bei Chessy?«
Mit einer Stimme, die höher und dünner war als sonst, antwortete Juts: »Er ist dabei.«
Louise seufzte. »War eine hektische Woche, nicht?«
»Hektisch? Es ging zu wie im Irrenhaus. Muß irgendwas in der Luft liegen.« Sie hob das dicke Musterbuch von ihrem Schoß und gab erstaunlich schnell nach. »Wenn Pearlie die Risse ausbessert, nehmen wir Hochglanzfarbe.«
»Eine, auf der man den Schmutz nicht so leicht sieht.« Louise war froh, daß ihre Schwester ihr zur Abwechslung mal Recht gab. »Eine schöne kräftige Farbe.« »Schwarzer Untergrund.«
»Wirst du dich wohl konzentrieren?«
»Tu ich ja. Ich hab schließlich das Buch hergeschleppt, oder? Weißt du was, wir brauchen unbedingt ein Radio hier drin. Wir werden stundenlang auf den Beinen sein, also laß uns ein bißchen Musik machen. He, vergiß den Ball dieses Wochenende bei Dingledines nicht.«
»Ich bin zu müde, um an Tanzen zu denken.«
Jedes Jahr veranstaltete die Gärtnerei vor der alten Scheune auf dem Grundstück einen großen Ball. Wenn es regnete, gingen sie hinein, wenn nicht, tanzten sie im Freien auf einem eigens errichteten Tanzboden. Die Dingledines wußten, die Festteilnehmer würden durch die Pflanzungen gehen, die Frühjahrssträucher und Blumen sehen und vielleicht im Laufe des Tages wiederkommen, um sich ein paar zu holen.
»Louise, willst du nicht nach Hause gehen und dich hinlegen? Ich mach das hier schon.« Juts zog ein Maßband aus ihrer Tasche.
»Ich bin hier besser aufgehoben. Zu Hause gibt es bloß noch mehr zu tun. Mary und Maizie rühren dieser Tage keinen Finger. Mary tut nichts als schmachten, heulen oder singen. Maizie läßt sich von Mary ablenken, dann fängt sie zu spät mit ihren Schularbeiten an, also bleibt der Haushalt.« Sie brach ab.
Juts, von Berichten über Haushaltsquerelen nicht gerade gefesselt, durchquerte den Laden. Sie hielt das Maßband mit dem Daumen am Fußboden fest und zog es dann einen Meter in die Höhe. »Frisiertische in dieser Höhe.«
»Moment mal.« Louise rappelte sich auf und tippelte ein paar Schritte hinüber. Dann stellte sie sich neben das Maßband, machte imaginäre Frisierbewegungen, griff nach Scheren und Kämmen. »Eine Handbreit höher.«
Juts hielt das Band eine Handbreit höher. »Gut so?«
»Ich denke, ja. Warte, ich halt es für dich.« Louise nahm das Ende des Bands und hielt es fest.
Juts vollführte ihrerseits imaginäre Handgriffe. »Für mich ist es gut so. Sollte auch hinhauen, falls wir andere Friseusen einstellen, wenn nicht gerade ein Zwerg dabei ist.« Sie griff nach dem Band. »Also, ich denke, hier drüben sollten wir eine Wand einziehen, damit wir hinten einen kleinen Privatraum haben.«
»Wir haben da hinten eine Vorratskammer. Setz dich da rein, wenn du allein sein willst. Sie ist groß genug.«
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