Bernt Spiegel - Milchbrüder, beide

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Mehr als jeder dritte Bundesbürger, so eine Studie im Jahr 2019, sieht «Parallelen zwischen aktuellen politischen Ent-wicklungen in Deutschland und der NS-Zeit». Wie kommt man dem mit Mitteln der Literatur näher? Der Autor Bernt Spiegel, Jahrgang 1926, zeigt es. Er erzählt davon, wie ein verbrecherisches System in einer Gesellschaft und einem Staat zur Normalität wird. Spiegel erzählt aus der Sicht der Opfer – und aus der Sicht der Täter. Sein Roman erzählt die Geschichte zweier Jungs mit der gleichen Amme, einer arm, einer reich, einer geht zur SS, der andere nicht.

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„Ich bin sicher, das hat man ihm irgendwo eingetrichtert. Der ist scharf gemacht worden!“

„Meine Frau hat früher manchmal bestimmte Herkommer-Ansichten, über die ich mich vielleicht etwas mokiert habe, beschwichtigend kommentiert, das sei eben die Stimme des Volkes. Da hatte sie nicht unrecht – was wissen wir denn schon, was in den Köpfen der Leute vor sich geht. Aber da war er eben immer viel besonnener als heute Abend.“

„Entweder haben ihn die Linken oder die ganz Rechten geimpft. Genau da sitzen doch die Verächter des Parlaments und die Republikfeinde!“

„Eher die Rechten, wahrscheinlich die Hakenkreuzler, wenn ich daran denke, was er zu den Kolonien gesagt hat. Mich interessierten übrigens früher bei seinen Reden während der Fahrt gar nicht so sehr die Meinungen, die in der Bevölkerung herrschen und die ja zum Teil äußerst gegensätzlich sind. Sondern mir ging es vor allem darum, etwas über die allgemeine Stimmung in der Bevölkerung zu hören; die ist ja viel einheitlicher.“

„Ja, das begreife ich. Das ist richtig, die herrschende Stimmung ist fast noch wichtiger als die einzelnen Meinungen. Die sind immer kontrovers“, sagte Strauss.

„Herkommer verstand es dann auch immer sehr schön, klar zwischen seiner eigenen Gestimmtheit und der allgemeinen Grundstimmung in der Bevölkerung zu unterscheiden. Das finde ich bemerkenswert für einen Chauffeur! Natürlich wollte er mir dabei auch schmeicheln, wenn er betonte, dass es ihm bei uns ja nicht schlecht gehe und er deshalb gut lachen habe, aber die allgemeine Stimmung in der Bevölkerung sehe halt doch anders aus.“

„Und wie sah er sie?“, sagte Strauss etwas ungeduldig.

„Bemerkenswert beständig war sie, ziemlich unverändert über all die Jahre hinweg. Diese Grundstimmung, das ist wie ein Teich, wie ein See ohne rechten Zufluss und Abfluss. Nur besondere Ereignisse, die es ja wahrhaftig zur Genüge gab, wühlen ihn auf. Denk’ nur an solche Katastrophen wie die Ermordung Rathenaus! Für kurze Zeit herrschte auf breiter Linie und über fast alle Parteien hinweg Empörung, aber die Geschlossenheit der Demokraten hielt nicht an. Ich habe oben noch das Extrablatt von der Vossischen Zeitung, man sollte es einrahmen lassen. – Wie bin ich jetzt gleich auf Rathenau gekommen? Ach ja, die besonderen Ereignisse. Die stürzen dann wie Steine oder Felsen in diesen See und wühlen das Wasser auf, aber immer nur für kurze Zeit. Dann stellt sich der alte Zustand wieder ein.“

„Aber nun sag’ endlich, was war denn der alte Zustand?“

„Die Grundstimmung – das, was sich über alle Lager hinweg ziemlich gleichmäßig ausbreitete –, das war in den Nachkriegsjahren die bis heute noch spürbare Aussichtslosigkeit und politische Hoffnungslosigkeit. Nach außen wurde das sichtbar als ein gewisser Trotz – vom ‚Nachkriegstrotz‘ sprachen ja auch manche. Das hat Herkommer freilich nicht so ausgedrückt, aber so interpretiere ich seine Worte in all den Jahren. Immer wieder, wenn wir auf längeren Fahrten einmal über Politisches sprachen, fiel mir dieser unheimliche, dieser verstockte Trotz auf, nicht einmal so sehr sein eigener, sondern vor allem der Trotz derer, von denen er sprach. Dieser Trotz richtete sich – je nach Zugehörigkeit zu dieser oder zu jener Gruppe in der Bevölkerung – gegen den tatsächlichen oder vermeintlichen Feind der Gruppe. Aber der Feind war da mehr oder weniger auswechselbar.“

„Und was nannte er an Feinden?“

„Oh, alles Mögliche, da gab’s keinen Mangel! Das waren mal die Siegermächte, die ja in der Tat mit den unerfüllbaren Forderungen des Versailler Vertrags alle Hoffnung zerstört haben und dazu noch die deutsche Delegation tief demütigten; dann wieder die Demokraten, die die alten gottgegebenen Ordnungen auflösen wollten; und halt immer wieder die Franzosen und Belgier, die das Ruhrgebiet besetzt und niedergeknebelt gehalten hätten; und die ostelbischen Junker, die Schlotbarone, die ganz Rechten, die Linken, das Zentrum, die Bischöfe und kreuz und quer –“

„– und die Juden“, setzte Strauss die Reihe fort, „die im Niedergang schon immer als Sündenböcke taugten.“

„Ja, gewiss, die Juden, die hat er natürlich auch immer wieder genannt.“

„Ich weiß durch einen tragischen Vorfall in meiner Schulzeit“, erinnerte sich Strauss, „ein versteckter Trotz, der sich nicht allmählich wieder auflöst, Trotz, der im Verborgenen andauert, kann eines Tages gefährlich werden.“

„Vor allem, wenn er weit verbreitet ist, wenn er als Massenphänomen auftritt. Da ballt sich dann eine unheimliche Kraft zusammen!“

„Und wenn die sich dann eines Tages alle darüber einig sein sollten, wer der Feind ist es – da bricht was los!“

„Jajaa –“, sagte Zabener, „es ist wie immer, starke Feinde machen einig, und je bedrohlicher ein Demagoge den Feind darstellt – verstehst du? –, desto enger schließen sich seine Anhänger zusammen.“

Zabener und Strauss beschäftigten sich in ihrem Gespräch noch eine Weile mit Herkommer. Es ging ihnen dabei nicht einmal so sehr um seine Person, es war vor allem die Art seiner politischen Bemerkungen, die ihnen zuwiderlief. Aber je mehr sie gewisse Ansichten von ihm verwerfen wollten, desto eindringlicher spürten sie, dass die mit ihren eigenen Ansichten im Grunde mehr übereinstimmten, als sie wahrhaben wollten.

„Eigentlich hat er nicht einmal ganz unrecht“, sagte Zabener, „Herkommer fallen natürlich als Erstes die Verbalinjurien und der Krawall im Parlament auf, aber wohin das führt, dieses dauernde Herabwürdigen des Gegners, jahraus jahrein, das beunruhigt mich viel mehr. Da beklagen die doch dauernd ihr geringes Ansehen in der Bevölkerung und rufen ‚Weimar wird nicht akzeptiert‘ – ja, da sind die doch selber schuld!“

„Diese Pöbeleien haben seit dem Einzug der Nationalsozialisten ins Parlament immer mehr zugenommen.“

„Das sind die Schlimmsten. Aber ich dreh’ da die Hand nicht um!“

„Allen voran dieser fanatische Schreihals Göbl oder Göbele oder wie er heißt.“

„Goebbels heißt er, Joseph Goebbels, promovierter Germanist – gefährlich, dieser Bursche!“

„Er ist es nicht allein. Als Einzelner hätte er sich im Parlament wahrscheinlich bald selbst isoliert. Wenn da aber nur einige mitmachen, breitet sich so etwas rapide aus und wird zum allgemeinen politischen Stil. Es müssen gar nicht alle mittun. Die in der Mitte, die vielleicht den Anstand wahren und ihre Gegner eben nicht verächtlich machen, fallen gar nicht weiter auf.“

„Ihr Juristen sprecht ja zum Beispiel bei Prozessen ganz klar vom Gegner, wie du gerade auch, aber dieses Wort kennen die nicht, Strauss, die kennen nur Feinde. Hat man einen Gegner, dann bekämpft man dessen Meinungen, dessen Vorschläge, dessen Ideen und setzt die eigenen dagegen. Sieht man im politischen Gegner aber einen Feind, dann bekämpft man eben diesen, und das geschieht am besten dadurch, dass man ihn erst einmal tüchtig herabsetzt und verächtlich macht, sich über seine Moral entrüstet und ihn mit Verdächtigungen oder gar Verwünschungen überzieht. Herkommer regt sich natürlich vor allem über die Ausdrücke aus der Gosse auf – welche hat er genannt? – verkommene Schweine, hinterhältige Gangster, hätten sie sich beschimpft, Lumpen, Heuchler, Lügner, Halunken und so weiter. Aber sie nennen sich gegenseitig halt auch – und das ist wahrscheinlich noch viel schlimmer für das Ansehen des Parlaments – Giftmischer, Fallensteller, Intriganten, Brunnenvergifter, Betrüger, Fälscher. Und wie oft fiel das Wort Vaterlandsverräter!“

Strauss nickte: „Da geht es tatsächlich nur noch um Personen und nicht mehr um die Verhandlungsgegenstände!“

„Am krassesten bei den Verwünschungen: Die Hände sollen ihm abfaulen, die Augen sollen ihm aus dem Kopf fallen, die Zunge ihm im Munde verdorren. Alles im Reichstag so schon zu hören gewesen!“

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