Bernt Spiegel - Milchbrüder, beide

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Mehr als jeder dritte Bundesbürger, so eine Studie im Jahr 2019, sieht «Parallelen zwischen aktuellen politischen Ent-wicklungen in Deutschland und der NS-Zeit». Wie kommt man dem mit Mitteln der Literatur näher? Der Autor Bernt Spiegel, Jahrgang 1926, zeigt es. Er erzählt davon, wie ein verbrecherisches System in einer Gesellschaft und einem Staat zur Normalität wird. Spiegel erzählt aus der Sicht der Opfer – und aus der Sicht der Täter. Sein Roman erzählt die Geschichte zweier Jungs mit der gleichen Amme, einer arm, einer reich, einer geht zur SS, der andere nicht.

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„Ach, geh mir fort, Strauss! Diese schlauen Taktiker! Die Politiker, so sollte man doch meinen, entscheiden im Parlament aufgrund ihrer Gesinnung, stattdessen sind das alles Interessenvertreter, und ihre oberste Richtschnur ist die eigene Karriere! Das sind zum großen Teil doch reine Wichtigtuer, denen es vor allem darum geht, dass sie an der Macht bleiben, dass sie wiedergewählt werden! Leute mit zweifelhafter Berufsausbildung und von ungewisser Herkunft, die da Morgenluft wittern!“

Inzwischen war, trotz der späten Stunde, der Chauffeur Herkommer vorsichtig eingetreten, um ein verschnürtes Aktenbündel beim Konsul abzuliefern, das er in einer Baseler Kanzlei hatte abholen sollen. Er blieb, solange der Konsul sprach, an der Tür stehen, ganz wohlerzogener Chauffeur, mit unbewegtem, aber aufmerksamem Gesicht, das Aktenbündel in der einen, die abgenommene Dienstmütze in der anderen Hand.

„Ah, Herkommer, guten Abend! Sie sind schon wieder zurück? Ganz schöne Strecke! Hat alles gut geklappt?“, sagte Zabener in einen plötzlich ungleich freundlicheren Ton und nahm die Akten entgegen. „Das hätte auch bis morgen früh noch Zeit gehabt. Sie hätten nach der langen Fahrt nicht erst noch zu Dr. Strauss herüberzukommen brauchen! Aber es ist vielleicht doch besser, wenn ich die Akten jetzt schon bekomme. Vielen Dank, Herkommer, gut gemacht!“

Und weil sie schließlich Kriegskameraden waren, fügte er noch hinzu: „Komm, setzen Sie sich noch auf ein Gläschen zu uns!“

Als Herkommer merkte, dass ihm Lob und Anerkennung begegneten, machte er ein pfiffiges Gesicht, wie er es immer tat, wenn er glaubte, zu einer Unterhaltung etwas beitragen zu sollen. Kaum saß er richtig, ergänzte er die Kanonade des Konsuls auch schon mit seiner ersten Bemerkung, bei der bereits der Ton, in dem er sie vortrug, erkennen ließ, dass das sein endgültig abschließendes Urteil zum Thema Politikerqualifikation sein würde.

„Politiker, das ist der einzige Beruf außer Hausfrau, den man nicht vorher erlernen muss.“

„Überhaupt“, fuhr er nach einer kurzen Pause, in der er die Wirkung seiner Worte prüfte, fort, „was machen die schon im Parlament? Die quasseln und disputieren ununterbrochen. Anstatt was zu tun! Und was das alles kostet! Die, wo die größte Klappe haben, haben den größten Erfolg, das ist ja immer so. Aber mit bloßem Rumquatschen kommen wir weiss Gott nicht voran!“

Er nahm einen Schluck, und man konnte fast sehen, wie ihm im gleichen Augenblick Weiteres zum Thema einfiel, sodass er das Glas rasch wieder abstellte und ohne Zögern fortfuhr.

„Wenn’s nur beim Gequatsche bliebe! Aber die reden ja nur gegeneinander und zanken ununterbrochen und werfen sich die übelsten Schimpfwörter an den Kopf. Da kann nie etwas Gescheites herauskommen. Von meinem Kussäng, der schafft in Berlin bei Grieneisen, hab ich erzählt gekriegt, dass da manchmal im Parlament sogar richtige Prügeleien vorkommen! Das glaubst du nicht, hat er gesagt, wie sich diese Leute, die uns doch regieren sollen, in Wirklichkeit benehmen. Nee, das brauchen wir nicht.“

Herkommer, der sonst seine Unterordnung stets zu erkennen gab und dem Konsul manchmal fast zu devot auftrat, hatte jede Scheu verloren und war nicht mehr aufzuhalten. Dass die Herren offenbar nicht mitreden wollten, beflügelte ihn nur noch.

„Das hatte gerade noch gefehlt, dass wir zu allem auch noch die Regierungsform dieser Siegesstaaten auf die Dauer übernehmen! Oder? – Demokratie heißt immer auch Unordnung und Durcheinander!“

Zabener war es plötzlich peinlich, sich vorhin in Herkommers Gegenwart so unbeherrscht über die Politik geäußert zu haben. Man hätte Herkommer doch nicht in das Gespräch mit einbeziehen dürfen, denn was er jetzt, offenbar nicht ohne Behagen, von sich gab, das waren Stammtischparolen von irgendwelchen ominösen Parteitreffen in Hinterzimmern. Vielleicht würde man noch heraushören können von welchen.

Herkommer ließ sich dann noch lang und breit über die Rheinlandbesetzung und die Ruhrinvasion aus, wie er das nannte, durch die Franzosen und Belgier, kam ausführlich auf den Zerfall aller Ordnung (‚wo du auch hinschaust!‘) zu sprechen, wobei unter Ordnung, wie er betonte, auch Anstand und Sitte zu verstehen sei. ‚Da war ich doch neulich mit meinem Kussäng in Berlin ganz zufällig abends in die Kleiststraße gekommen, in der Nähe vom Nollendorfplatz, da ist auch das Kleist-Kasino und so – au Backe, kann man da nur sagen! Mein lieber Mann!‘ und er nickte dazu bedeutungsschwer; und schließlich nahm er sich zum Schluss noch ausführlich die ehemaligen deutschen Kolonien vor (‚die hätte man niemals aus der Hand geben dürfen‘) – alles, was er sagte, war zwar mit bemerkenswerten Details versehen, doch alles in der einseitigen Verzerrung einer Stammtischperspektive und natürlich stets vorgebracht in einem Ton höchster Gewissheit. –

Später dann, als Herkommer wieder abgezogen war, fragte Strauss, etwas erschöpft von dessen langem Monolog: „Was hat er wohl mit seiner Hand gemacht? Das ist mir noch nie aufgefallen, ich bin im ersten Moment beinah erschrocken, als er nach seinem Glas griff!“

„Verwundung im Krieg. Ihm fehlen drei Finger fast in ihrer ganzen Länge, er hat nur noch den Daumen und den kleinen Finger. Für ihn war das der Heimatschuss. Ich habe ihn dann erst ein paar Jahre nach dem Krieg zufällig wieder getroffen und sofort als Chauffeur eingestellt, er war im Krieg einer meiner besten Leute.“

„Und wie ist das passiert?“

„Herkommer war unser Spezialist, wenn es darum ging, in der Nacht vor einem geplanten Sturmangriff den Stacheldrahtverhau vor den feindlichen Gräben an bestimmten Stellen passierbar zu machen. Dazu musste er eine möglichst unauffällige Schneise schneiden, was aber ohne jedes Licht und absolut lautlos zu geschehen hatte, denn man befand sich nicht mehr weit von den feindlichen Gräben entfernt. Eine Sache von Stunden mit ganz langsamen Bewegungen – keine leichte Aufgabe! Die gingen immer zu zweit raus, als Werkzeug hatten sie einen großen Bolzenschneider von den Pionieren dabei, das ist so etwas wie eine übergroße Hebelzange, die der zweite Mann mit beiden Händen betätigte, während Herkommer – alles nur mit dem Tastsinn! – den Stacheldraht erfasste und in das geöffnete Maul des Bolzenschneiders schob. Dabei musste er auch während des Schnittes noch den Draht auf beiden Seiten des Bolzenschneiders gut festhalten, nur so lässt sich ein lautloser Schnitt erzielen und vermeiden, dass beim Abzwicken der ganze Drahtverhau zu sirren anfängt. Durch irgendein Missverständnis, sie waren schon fast fertig, ist dann das Unglück passiert: Herkommer hatte seine Hand, mit der er den Draht führte, noch nicht zur Seite genommen und die Finger waren ab.“

„Meine Güte, entsetzlich!“

„Aber was das Bemerkenswerte dabei war, Herkommer hat nicht den geringsten Laut von sich gegeben, sonst wären die beiden augenblicklich erledigt gewesen. Sie sind genauso lautlos wieder zurückgekrochen, wie sie hingekrochen waren.“

„Dieser Herkommer!“, sagte Strauss nicht ohne Respekt.

„Der Durchbruch an eben dieser Stelle ist uns übrigens dann im Morgengrauen gelungen“, fügte Zabener nicht ohne Stolz hinzu. „Heute lachen wir nur noch über die grauenhafte Geschichte. Herkommer hat nämlich zum Entsetzen meiner Frau die Angewohnheit, manchmal während der Fahrt in Gedanken eines seiner Nasenlöcher mit dem Stummel seines Zeigefingers zuzuhalten und zum anderen Nasenloch einen leichten Luftstoß herauszublasen. Wenn er dabei zufällig den Kopf zur Seite dreht, haben die Passagiere im Fond des Wagens der Eindruck, als sei er mit der Fingerspitze bis ins Gehirn hinaufgefahren.“

„Herkommer schien mir vorhin merkwürdig aggressiv“, meinte Strauss.

„Ja! Und auch so radikal in seinen Ansichten! So etwas kenne ich gar nicht an ihm.“

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