Erich Loest - Durch die Erde ein Riß

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»Durch die Erde eine Riß« ist Erich Loests Autobiographie zwischen seinem zehnten und vierzigsten Lebensjahr. Als er 1980 das Manuskript fertigstellte, war in der DDR niemand bereit, es zu drucken. Um dieses Buches willen gab Loest seine Heimat auf und siedelte von Sachsen nach Niedersachsen über. Was von seinem Leben bislang in »Pistole mit sechzehn«, einer Auswahl von Erzählungen, hier und da bereits anklang, gerät in diesem Buch als Ganzes in den Blick des damaligen Mitfünfzigers aus Leipzig. Schonungslos stellt er sich in seinen Erinnerungen der eigenen Geschichte, die nicht nur die seine ist – vielmehr erweist sich das, was Loest in fünfzehn Kapiteln erzählt, als ein deutscher Lebenslauf von exemplarischem Rang.

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Härtetag: Nach dem Frühstück traten die Jungen an, jeder verstaute zwei Doppelstullen im Brotbeutel, der Chefauswähler befahl: Die Stullen durften nur auf Befehl gegessen werden! Mit der Bahn fuhr der Trupp nach Chemnitz und marschierte zum Hallenbad, dort sprangen die Hilfsschleifer ins Wasser und lauerten unter dem Dreimeterbrett, die künftige Elite plumpste herunter, wurde herausgefischt und zur Leiter bugsiert mit Rettungsschwimmergriffen, und L. staunte damals, und den Chronisten kommt Beklemmung an bei der Erinnerung, daß keiner der Jungen auch nur einen Augenblick zauderte, daß keiner heulte und sich sträubte, alle stiegen die Leiter hinauf und liefen auf dem Brett vor und ließen sich fallen, Nichtschwimmer zum Teil, und wurden gerettet und kletterten aus dem Becken, sie hatten die Mutprobe, die viel stärker eine Gehorsamsprobe war, bestanden. Wie viele von ihnen hätten später, wären sie nicht 1945 von sich selber befreit worden, auf Befehl Juden erschossen?

Wieder traten sie an und marschierten aus dem damals noch unzerbombten Chemnitz heraus, jeder der Jungen trug die feuchten Badesachen im Brotbeutel und daneben die Stullen. Nach drei Stunden rasteten sie in einem Wäldchen, ihnen wurde erlaubt, sich ein wenig zu zerstreuen. Listig erinnerte keiner der Verführer an das Eßverbot, die Jungen setzten sich ins Gras oder kletterten über Felsbrocken oder spielten Krieg im Unterholz, und alle, alle hatten Hunger, Mittag war vorbei, es wurde nachmittag, und seit dem Morgen hatte keiner etwas gegessen. Wieder wurde angetreten und weitermarschiert. Vor der Jugendherberge von Hartmannsdorf mußten die Jungen ihre Stullen vorzeigen, und nicht einer hatte auch nur die Wurst heruntergenascht. Der Chefauswähler nickte: Herrliches Menschenmaterial! Für den Rest des Tages war dienstfrei.

Nach dem Ersten Weltkrieg fragte Erich Kästner in einem Gedicht, was geworden wäre, wenn wir den Krieg gewonnen hätten; »zum Glück gewannen wir ihn nicht«, war sein Resümee. Wenn Hitlerdeutschland seinen Krieg gewonnen hätte, wären die meisten der Sieger Wächter geworden zwischen Sizilien und dem Nordkap, hätten immerfort Posten gestanden vor Kasernen und Gefängnissen und Lagern, um die Besiegten in Schach zu halten. Wirkliche Herren wären nur wenige geworden, darunter die Auserwählten von Hartmannsdorf. Zum Glück wurden sie es nicht.

Wieder Alltag. Altpapiersammeln, Schule, Mädchen, Fliegeralarm. In Mittweida hatte sich ein Teil der Berliner Lorenzwerke vor den Bomben verborgen, in rasch errichteten Werkstätten in einem Tal zwischen Stadt und Wald produzierten Berliner Ingenieure mit britischen und kanadischen Gefangenen elektrisches und feinmechanisches Rüstungszubehör. In den Gebäuden eines ehemaligen Erziehungsheims genas frontversehrte Waffen-SS, das Technikum bildete Luftwaffeningenieure aus. Alle Fabriken produzierten für den Krieg oder produzierten nicht; längst hatten sich die Schraubenregale in Alfred Loests Lager geleert. An klaren Abenden hörte L. wieder und wieder verbotene Sender; was er für sich entnahm war Angst vor einem ungeheuren Strafgericht, das nach einer Niederlage auch über ihn hereinbrechen würde. Nach dem Krieg ist weidlich gerätselt worden, ob es klug von den Alliierten war, von Deutschland bedingungslose Kapitulation zu fordern, ob nicht die angedrohten Strafen und die geplante Zerstückelung verzweifelten Widerstand begünstigt haben. Für L. ergab sich aus der Summe der Sendungen, die er hörte, die Gewißheit: Es bleibt uns ja gar nichts übrig , als immer weiter zu kämpfen. Nie hatte er das Gefühl: Da ist jemand, der will dich, Erich Loest, befreien.

Widerstand in Mittweida? Konspiration mit Kriegsgefangenen? Flugblätter? Sabotage? Er hat nie etwas davon gemerkt, er hörte auch im nachhinein nichts von Aufdeckungen, Verhaftungen. Vielleicht meldete die Gestapo durch Jahre hindurch: Keine besonderen Vorkommnisse. Gestapochef war, wie es nach dem Krieg hieß, der Bankdirektor, der L.s Sparbuch verwaltete; seine hübsche Tochter geigte im Schulorchester Mozarts »Kleine Nachtmusik«. Der Kommunist Vogelsang wartete auf seine Befreiung, der HJ-Führer L. nicht.

Dieses Kapitel wurde schon einmal gedruckt, 1977 in der DDR-Literaturzeitschrift ›Sinn und Form‹. Vorher hatte es zwei Jahre lang in einem Schubfach des Herausgebers Wilhelm Girnus geschmort. Damals war der gewöhnliche Hitlerjugendalltag noch kein literarisches Thema, Christa Wolfs »Kindheitsmuster« war noch nicht erschienen. Hartnäckig legte ein Lektor das Manuskript immer wieder Girnus auf den Schreibtisch, denn er selbst, wenige Jahre älter als L., stammte aus Hainichen, 15 km von Mittweida entfernt, und an jenem Tag, als L. an der Autobahn dem Führer hatte zujubeln sollen, schrie und winkte er auf der anderen Seite. Schließlich bestellte Girnus den Autor zu sich und hielt ihm einen ausschweifenden Vortrag über die eigenen Umtriebe vor der Nazizeit, er war Vorsitzender des Kommunistischen Hochschulbundes gewesen. Girnus hatte zehn Jahre lang im KZ gesessen, L. wußte es. Am Ende brachte Girnus einige beherzigenswerte Einwände zum Text und die große Verwunderung: Eine Stadt wie Mittweida ohne antifaschistischen Widerstandskampf, das könne er sich gar nicht vorstellen! Der Held der Geschichte, dieses sanfte Fleisch, er verstünde ihn nicht. So ohne jede Auflehnung … L. sagte: So wie ich waren neunzig Prozent. Girnus mochte es nicht glauben. Schließlich willigte L. in nützliche Vorschläge ein und versprach, darüber nachzudenken, ob es in Mittweida nicht doch aktiven Widerstand gegen den Faschismus gegeben hätte. Dabei blieb es. Girnus druckte.

Der Kriegsalltag schleppte sich hin mit zermürbender Arbeit, der Sorge um das tägliche Brot, dem Einteilen der Rationen. Als bedrückend wurden nicht so sehr die Rückzüge an immer noch weit entfernten Fronten empfunden wie die Zerstörung deutscher Städte. Diese Namen klangen wie Abteilungen der Hölle: Köln, Kassel, Dortmund, Aachen. Aus dem zerbombten Hamburg und dem sirenendurchheulten Rheinland kamen Jungen in die Klasse und ins Fähnlein, einer lebte in der Familie, für ein Jahr besaß L. einen jüngeren Bruder. In der Schule waren zwei Klassen aus Krefeld mit ihren Lehrern untergebracht für ein halbes Jahr, danach wurden sie gegen andere Klassen ausgewechselt, und er bekam den Auftrag, sie unbeschadet nach Hause zu bringen in überfüllten Zügen, beim Umsteigen in Leipzig, Kassel und Düsseldorf keinen abhanden kommen zu lassen, und er bewältigte diesen Transport mit Schläue und Findigkeit. Diese Jungen brachte er unversehrt nach Krefeld und übergab sie ihren Müttern, die ihm aus Dankbarkeit Geld zusteckten. Von diesem Geld fuhr er nach Köln und stand vor dem Dom und fuhr weiter nach Bad Godesberg, wo er zum Siebengebirge hinaufschaute, er aß Stammgerichte und sah Ruinen und Bunker und Flak an den Rheinbrücken, mißachtete die Losung, die da befahl, erst zu siegen, dann zu reisen, aber in Düsseldorf hatte er nichts anderes zu tun, als an Schlageters Grab in der Golsheimer Heide den Arm zu recken.

Die Freunde des Jahrgangs 1925 rückten ein. Für den Zurückbleibenden folgten Monate voller Unrast, Nervosität. Während der Chronist schreibt, grassiert unter der Jugend das Schlagwort »sinnlos«. In diesem Sommer und Herbst 1943 fand L. alles sinnlos. Mutterseelenallein trat er sein Fahrrad über sächsische und brandenburgische Straßen nach Pommern zum Bauernhof seiner Verwandten. Drei Tage lang aß er sich satt, fuhr weiter an die Küste nach Dievenow, wurde von Berliner Jungen in einer Laube aufgenommen, schwamm ein einziges Mal und streunte wieder landeinwärts. In Kamin umringten ihn in einer Jugendherberge Berliner Mädchen, die hierher verschickt waren und sich tödlich langweilten. Sie flehten ihn an zu bleiben und versicherten, ihm die halben Rationen abzutreten, und ihre Rädelsführerin, die ohne Zögern daranging, sich ihn unter den Nagel zu reißen, gelobte, sich von ihrem Vater, einem Bäckermeister, Aschkuchen sonder Zahl schicken zu lassen. Wie die Made im Speck hätte er leben können, Hahn mit dreißig Hennlein, aber am nächsten Morgen, noch ehe die Schönen erwacht waren, schnallte er sein Bündel aufs Rad, durchquerte Berlin und sah ausgebrannte Stadtviertel und verzweifelte auf heißer Straße über Jüterbog nach Riesa, von dort mogelte er sich mit der Eisenbahn bis Erlau, die letzte Station vor Mittweida, denn niemand sollte ihn mit dem Zug ankommen sehen, und mit bemühtem Schwung bog er hoch zu Stahlroß wieder in seine Stadt ein. Am nächsten Tag fragte er sich: Was sollte er hier?

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