Erich Loest - Durch die Erde ein Riß

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»Durch die Erde eine Riß« ist Erich Loests Autobiographie zwischen seinem zehnten und vierzigsten Lebensjahr. Als er 1980 das Manuskript fertigstellte, war in der DDR niemand bereit, es zu drucken. Um dieses Buches willen gab Loest seine Heimat auf und siedelte von Sachsen nach Niedersachsen über. Was von seinem Leben bislang in »Pistole mit sechzehn«, einer Auswahl von Erzählungen, hier und da bereits anklang, gerät in diesem Buch als Ganzes in den Blick des damaligen Mitfünfzigers aus Leipzig. Schonungslos stellt er sich in seinen Erinnerungen der eigenen Geschichte, die nicht nur die seine ist – vielmehr erweist sich das, was Loest in fünfzehn Kapiteln erzählt, als ein deutscher Lebenslauf von exemplarischem Rang.

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Manche seiner Klassenkameraden schrieben die ersten Feldpostbriefe von der Front. Einer wurde auf die schon abgeschnittene Krim eingeflogen, gefangengenommen und starb später in einem Lager, einer verscholl im Mittelabschnitt der Ostfront. Die Klasse war auf acht Jungen und ein Mädchen zusammengeschrumpft. Zensuren wurden unwichtig. Integral und Differential, Anglizismen, die Erdzeitalter, Lessing: Leider hatte er sich von den Irrlehren der Französischen Revolution zeitweise anstecken lassen und ein fehlerhaftes Stück namens »Nathan« geschrieben. Dennoch war er groß.

Noch einmal brach der Kriegsalltag auf: Leipzig brannte, Mittweida schickte einen Omnibus voll Jungen zu Hilfe, Schaufel und Eßbesteck waren mitzubringen. Zwanzig Jungen organisierte L. und führte sie durch Tage und Nächte, sie kampierten in einem Keller in der Nähe des Bayrischen Bahnhofs auf Fenchelstroh, das sie aus einem Waggon bargen oder stahlen, sie halfen, Fensterrahmen zum Glaser zu bringen und schippten Haustüren frei, sie wurden in einer Schule mit Makkaroni versorgt, die sie von Papptellern aßen und die nach Pappe schmeckten, Soldaten saßen neben ihnen, die stumm löffelten und wieder hinausgingen und Keller freiwühlten, aus denen Klopfzeichen drangen. Manchmal fiel ein Satz: Drei Tage verschüttet, sieben Tote, drei Lebende. Er organisierte Verpflegung für seine Truppe: Die Jacke war mit Jagdwürsten vollgestopft, einmal karrte er zehn Eimer Marmelade heran, wie ein Weihnachtsmann verschenkte er süße Gaben in dem Haus, in dem sie wohnten. Zeitweilig besaß er einen halben Zentner Butter, den größten Teil jagte ihm ein Ortsgruppenfunktionär ab. Sie waren gute Kameraden untereinander, und ehe sie sich abends auf Fenchelstroh betteten, schifften sie zischend in die Glut, die nebenan Ruinenreste verzehrte. Auf dem Stroh unterhielt er sein Völkchen mit Geschichten, die er »Schwänke aus seiner Jugend« nannte.

Nach vier Tagen fuhren die meisten nach Hause, ein harter Kern blieb. Mit einem Malerkarren betrieb ihr Anführer ein privates Fuhrunternehmen zwischen dem Hauptbahnhof und dem Bayrischen Bahnhof, denn Straßenbahnen fuhren nicht. Einmal stand eine weinende Frau mit Koffern und zwei kleinen Kindern vor dem Hauptbahnhof, er fragte, wohin sie wollten, lud die Koffer auf und versicherte, nun ginge alles in Ordnung, und als die Frau noch immer weinte, fügte er hinzu, sie könne ruhig damit aufhören, denn er hätte ja alles in die Hand genommen. Gern entsinnt sich der Chronist seiner guten Tat und täte es reineren Herzens, hätte der edle L. die fünf Mark Trinkgeld verschmäht.

Tags darauf war er krank, Erkältung, Fieber, Grippe. Seine Kameraden organisierten einen Arzt, der stieg in den Keller hinunter und untersuchte ihn auf dem Fenchelstroh, verabreichte landläufige Medizin und empfahl schleunigste Heimfahrt. Aber einer fand, es ginge nicht an, aus bestandener Schlacht mit profaner Erkältung heimzukehren, eine Rauchvergiftung wurde konstruiert: L. hätte in einem brennenden Keller heldisch gewerkt, seine Kameraden hätten ihn mutvoll gerettet. Die Mär mit der Rauchvergiftung brachte ihnen im vollgestopften Zug ein Sonderabteil ein. Mutter L. war froh, ihren Jungen wieder daheim zu haben. »Jaja«, sagte sie nebenher, als sie von Heroentum hörte, und steckte ihren Erich mit einer Wärmflasche ins Bett.

Warten auf die Einberufung, nichts machte Freude. Zu seinem Mädchen verhielt er sich so eklig, daß es sich nach einem anderen umsah. Als er nach dem Krieg in seine Stadt zurückkehrte, war es verheiratet und schob den Kinderwagen.

Im März 1944 gab die Postfrau einen Einschreiber ab: Einberufung nach Leipzig zu einem Grenadier-Ersatzbataillon. Also doch Infanterie. In dieser Kaserne hatte schon Großvater Albert gedient. Ehe L. Soldat wurde, verstaute er die grünweiße Schnur, das Braunhemd mit den Schulterklappen, Fahrtenmesser und Koppelschloß in einer Schublade und wies seine Mutter an, nichts davon unter keinen Umständen wegzuschenken. Als im April 1945 Shermanpanzer auf den Feldern vor Mittweida auftauchten, steckte die Mutter das Brennbare in den Ofen und das Nichtbrennbare in die Aschengrube. Die Pistole warf der Vater Teil für Teil in einen Teich.

Hin und wieder sieht der Chronist in einem Museum ein Fahrtenmesser. Blut und Ehre. Die grünweißen Schnuren sind damals wohl alle verbrannt.

III. Kleiner Krieg

1

L. hatte zwischen 1947 und 1949 an Feierabenden und Sonntagen gelbgraues Papier, Rückseiten von Briefen und nicht genutzte Schulhefte mit Buchstaben bedeckt, hatte zaudernd vor sich, der Schwester, dem Vater und Freunden tapfer laut werden lassen, einen Roman schreiben zu wollen, hatte Erlebtes mit Gehörtem gemischt und so gut wie nichts erfunden, vielmehr seine Figuren Wege gehen lassen, die von ihm bekannten Menschen gegangen worden waren, und bei einem Drittel hatte er noch nicht einmal die Namen geändert. Rekruten, Unteroffiziere und Leutnants agierten in diesem Buch unter Namen aus der Wirklichkeit, bestenfalls änderte er Schlosser in Klempner, und es ist schwer begreiflich, daß diese Methode, einen Schlüsselroman zu schreiben und den Schlüssel steckenzulassen, kein Dutzend Beleidigungsklagen eingebracht hat.

Der Name der Hauptperson ist erfunden: Walther Uhlig. Ein Oberschüler ist das mit Eigenschaften, die L. gern nachträglich an sich gesehen hätte: Schlau, zäh, seinen Ausbildern geistig überlegen, ein trefflicher Schütze, gerissen in den Winkelzügen des feldgrauen Alltags, eifrig im Gefechtsdienst, sonst undiszipliniert, mehr Raufbold als Paradestück. Uhlig ist ein schnellerer Hundertmeterläufer, als sein Autor es je war, Uhligs Hauptkonflikt aber ist L.s Dilemma in diesem Ausbildungsjahr, und so gesehen, kann Uhlig für seinen Erfinder stehen.

Er rückte im März 1944 in Leipzig-Gohlis ein. Eine Ausbildungsformation von Reserve-Offiziersbewerbern wurde zusammengestellt, fast alle waren Oberschüler, alle HJ- oder Jungvolkführer gewesen. Was in diesem fünften Kriegsjahr von der Rüstungswirtschaft produziert wurde, ging an die Front, das Ersatzheer fuhr Reste und Abfall auf Verschleiß. Uniform- und Ausrüstungsstücke waren erbärmlich, die Kasernen heruntergewirtschaftet von immer neuen Schüben, die notdürftig ausgebildet und in Marsch gesetzt worden waren, seit vier Jahren unablässig nach Osten; wer ein weiteres Mal hier auftauchte, tat es auf dem Umweg übers Lazarett.

Nach einer Woche zog eine scheckige Schar zum Hauptbahnhof, in den Abteilen eines Personenzuges fuhren hundert junge Landser von einer Garnison zur anderen. Tornister oder Rucksäcke besaßen sie nicht, so klemmten sie Kartons unter den Arm, mancher hatte sich ein Kommißbrot mit Bindfaden ans Koppel geschnürt. Wie die Zigeuner rückten sie in Weißenfels ein. Vom nächsten Tag an waren sie Rekruten, die um fünf aus den Betten sprangen und abends um zehn todmüde hineinfielen, die nur eine Bewegungsart kannten, den Laufschritt, die das Gebrüll der Ausbilder und das Schrillen ihrer Pfeifen von früh bis spät hörten und die eine Gewißheit aufrechterhielt: In vier Wochen war die Grundausbildung vorbei. Sie waren ganz unten und wollten hinauf; wenn’s gutging, konnte jeder von ihnen in anderthalb Jahren Leutnant sein. Jetzt solidarisierten sie sich gegen den Hilfsausbilder, den Gruppenführer, den Leutnant. Wieder war diese Spaltung im Spiel, die L. in seinen Pimpfjahren und im Führerlager Schneckengrün durchlitten hatte, doch abermals begriff er sie nicht als Kehrseite einer Medaille, deren blanke Hälfte sein Ziel war.

L. wurde vereidigt auf den Führer. Jede zweite, dritte Nacht wurde von Fliegeralarm zerhackt. Auf anderen Kasernenhöfen sah er Soldaten in neuen Uniformen und ungefärbten Schuhen, sie wurden formiert für die Front. Wenn er gefragt worden wäre, ob er mit ihnen hätte ausrücken wollen, er hätte keine Sekunde gezögert. Die Front, sogar die Ostfront, erschien ihm als die Freiheit.

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