Erich Loest - Durch die Erde ein Riß

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»Durch die Erde eine Riß« ist Erich Loests Autobiographie zwischen seinem zehnten und vierzigsten Lebensjahr. Als er 1980 das Manuskript fertigstellte, war in der DDR niemand bereit, es zu drucken. Um dieses Buches willen gab Loest seine Heimat auf und siedelte von Sachsen nach Niedersachsen über. Was von seinem Leben bislang in »Pistole mit sechzehn«, einer Auswahl von Erzählungen, hier und da bereits anklang, gerät in diesem Buch als Ganzes in den Blick des damaligen Mitfünfzigers aus Leipzig. Schonungslos stellt er sich in seinen Erinnerungen der eigenen Geschichte, die nicht nur die seine ist – vielmehr erweist sich das, was Loest in fünfzehn Kapiteln erzählt, als ein deutscher Lebenslauf von exemplarischem Rang.

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Vom Sommer 1942 an trug er die grünweiße Schnur des Fähnleinführers und Achselklappen und eine silberne Litze um die Mütze wie ein Offizier. Jetzt hörten hundertzwanzig Jungen auf sein Kommando, das heißt, sie hätten hören sollen. Aber zwanzig bis dreißig hörten außerordentlich ungern auf ihn und einige überhaupt nicht. Er probierte den simplen NS-Trick: Ein paar Rauhbeine ernannte er zu Jungenschaftsführern, prompt reagierten sie ihre Energien nicht mehr gegen ihn, sondern gegen ihre ehemaligen Kameraden ab. Etliches, das bisher zum Dienstbetrieb gehört hatte, starb ab: Sommerlager, Wochenendfahrten, dafür fehlte es an Lebensmitteln, an Schuhen. Bezugsscheine für Uniformstücke wurden an die ausgegeben, die sie am dringendsten brauchten, vor allem an die Führer natürlich, und alle aus L.s Klasse trugen den Winter über Hitlerjugendhosen, auch Andrießen, der es im Jungvolk nicht zu Führerehren gebracht hatte und nun unfroh ein rotweißes Schnürchen in der HJ trug. Er konnte sich nicht vorm Dienst drücken, was er liebend gern getan hätte, denn dann hätte er nicht Fußball spielen dürfen beim Mittweidaer Fußballclub 1899, was er mit Leidenschaft und Befähigung betrieb. Sah er sich auf dem Posten des National-Linksaußen als Nachfolger eines Pesser, Urban oder Arlt?

Die Schule spielte eine immer kläglichere Rolle. Längst zweifelte niemand aus dieser Klasse daran, daß nun auch sie für diesen Krieg noch zurechtkämen, und das lange vor dem Abitur. Da lohnte es nicht mehr, sich anzustrengen, und alle Lehrer drückten beide Augen zu, außer dem Rex, der das volle Pensum verlangte: Cäsars gallisches Kriegstagebuch wurde übersetzt in flottes Wehrmachtsberichtsdeutsch, terra hieß Gelände. Ob der Deutschlehrer wirklich meinte (wie er nach dem Krieg feilbot), er erwecke demokratische Gedanken, wenn er die Große Französische Revolution ausführlich behandelte? Aber bei einem Appell in der Aula philosophierte er über den verfluchten Satz, daß es süß sei, für das Vaterland zu sterben.

In diesem dritten Kriegsjahr wurde häufiger gestorben, immer öfter war jemand dabei, den L. kannte, ein Schüler aus einer höheren Klasse, ein ehemaliger Jungvolkführer, bekannt als großartiger Geigenspieler oder Mathematik-As oder Handballgröße oder Schürzenjäger, sie fielen während der Frontbewährung als Fahnenjunkerunteroffiziere oder danach als Leutnants oder erstickten in ihrem zerbombten U-Boot. Verluste im Jahrgang zweiundzwanzig, im Jahrgang dreiundzwanzig, der Jahrgang vierundzwanzig rückte ein. Die Hälfte der Jungen in seiner Klasse gehörte dem Jahrgang fünfundzwanzig an, unter ihnen wurde aus immer aktuellerem Grund diskutiert, zu welcher Waffengattung sie sich melden sollten. L. sehnte sich nicht in die Lüfte und wollte weder in einem Schiffsrumpf noch in einem Panzer eingesperrt sein, aber die brave alte Infanterie, in der schon Großvater und Vater gedient hatten, erschien ihm zu simpel, also meldete er sich zu den Panzergrenadieren. Reserve-Offizierswerber wollte er werden, Offizier für die Dauer des Krieges, dann wollte er Landwirtschaft studieren. Denn ein paarmal hatte er Ferienwochen auf einem Hof in Pommern verlebt, wo Verwandte aus der Linie des Albert L. wohnten, dort hatten es ihm Pferde und Roggenfelder angetan. Auch mit Schmalz gebackene Kuchen, auch geräucherte Gänsebrüste. Es ging die Rede, den dreihundert Jahre lang im Familienbesitz gewesenen, 1928 verschluderten Hof zurückzuerwerben. Das konnte er sich vorstellen: Erbhofbauer in Pommern. Aber erst mußte dieser Krieg gewonnen werden. Daß er ihn überleben würde, stand für ihn fest.

Den Blitzsiegen schloß sich verteilter Schlagabtausch an, dann prasselte es hageldicht; 1943 wurde spürbar, daß die anderen am längeren Hebel saßen. Niederlagen um Stalingrad und im Kaukasus, Halbgott Rommel konnte Nordafrika nicht halten, Amerikaner und Engländer landeten in Italien, Hitlers Busenkumpan Mussolini stürzte ab, die Offensive von Kursk rannte sich fest, Radarstrahlen enttarnten die U-Boote, weit mehr Bomben fielen jetzt auf Deutschland als auf England. L. saß am Radio, sah die Wochenschau, las Zeitung. Er lauschte durch das Pfeifen der Störsender hindurch so gut es ging dem Londoner Rundfunk und angeblichen Soldatensendern, ganz selten drang Radio Moskau durch. Er hörte die Namen deutscher Soldaten, die in Gefangenschaft geraten waren, und die Namen befreiter sowjetischer Orte; Fakten über Fakten schlugen auf ihn ein, die beweisen sollten, daß Hitler den Krieg entfesselt und verloren hatte. Längst nicht alles glaubte er, preßte aber immer wieder sein Ohr an den Lautsprecher, gierig auf verbotene Frucht. Im Sommer 1943 wurden die Rationen arg gekürzt, obwohl Göring versichert hatte, von jetzt an ginge es dank eroberten Raumes nur noch aufwärts. Da war L. endlich selbst betroffen, nun hieb ihm der Krieg auf den Magen. Vom Sommer 1943 an war der Hunger sein immerwährendes Problem für die nächsten fünf oder sechs Jahre. In allen Büchern, die er später schrieb, spielt Essen eine lustvolle Rolle.

Nachts heulten nun auch in Mittweida die Sirenen. Über den Hydrierwerken um Leipzig und Halle flammte der Horizont rot und gelb. Nach nächtlichem Alarm begann die Schule eine Stunde später. Fast jeden Nachmittag war Dienst: Heimabend, Sport, Geländedienst, Schießen. Diesen Satz eines Offiziers hatte er gelesen: »Wer nicht schießen kann ist draußen ein toter Mann.« Er wollte kein toter Mann sein, also wurde er Jungschütze im Schützenverein Mittweida e. V., dort und mit seinen Pimpfen gab er ungezählte Kleinkaliberschüsse liegend, kniend und stehend ab. Auf dem Geburtstagstisch dieses Sechzehnjährigen lag eine Pistole, Parabellum 9 Millimeter. Vorher war er oft dabeigewesen, wenn Vater seine Waffe aus dem Ersten Weltkrieg gereinigt hatte, er kannte sich aus mit dem komplizierten Gelenkverschluß. »Du bist nun alt genug«, hieß es, »mach keinen Unsinn damit.« Er freute sich über dieses Geschenk, eine Sensation war es nicht. Mit Freunden schoß er in einem Steinbruch nach Blechbüchsen. Er war ein Mann, der eine Waffe besaß, nun war er endgültig bereit zum Krieg.

Deutschland, Deutschland, über alles! Die Fahne hoch! Die Hymnen wurden gesungen nach jedem Appell, nach Beförderungen, zu Beginn des Schuljahrs, an seinem Ende, zu Führers Geburtstag, vermutlich jede Woche. Deutschland, Deutschland, über alles! Die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen! Dabei alberte keiner, flirtete keiner. L. sang die beiden Strophen tausendmal. Ein Drittel Jahrhundert später hört der Chronist manchmal um Mitternacht die Nachrichten des Deutschlandfunks und zuvor die Hymne der Bundesrepublik Deutschland, textlos. Danach Pause, Stille. Das Ohr des Chronisten wartet. Nach einer Pause von anderthalb Sekunden meint sein Ohr, es müßte weitergehen im Stampfrhythmus, wie es tausendmal weiterging mit dem Horst-Wessel-Lied, härter jetzt, kämpferischer, nicht mehr weihevoll: Tam tam tam tam! Die Dauer dieser Pause ist eingeschliffen wie die Fortsetzung. Vernunft und die Strecke eines halben Lebens kommen dagegen nicht an.

Schneckengrün lag zurück, er fuhr nach Hartmannsdorf, aus Minus wurde Plus, er war wieder oben! Jedes Jahr einmal testete die Jungvolkführung des Kreises Rochlitz die Elf-und Zwölfjährigen, wer von ihnen Fähigkeiten ahnen ließ, in die Führungsspitze aufzusteigen; die Gau- und Kreisleiter der Jahre 1970 und 1980, die Reichskommissare für Krim und Kaukasus, Burgund und Brabant, die Nachfolger für Mutschmann und Dr. Ley, der künftige Reichsjägermeister und der spätere Leiter der deutschen Gerichtsbarkeit im Protektorat Böhmen und Mähren wurden gesucht. Aus Städten und Dörfern des Kreises waren die fünfzig gewecktesten, sportlichsten, klügsten, eifrigsten Jungen in die Jugendherberge von Hartmannsdorf geschickt worden, auf daß aus ihnen zwei, drei ausgesiebt würden, damit sie auf der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt den Eliteschliff erführen. L. war Hilfsauswähler, Hilfsschleifer, er ließ singen und springen, notierte 60-Meter-Zeiten und Zielwurfergebnisse, verteilte Noten für Bettenbau und Schuhputz.

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