Erich Loest - Durch die Erde ein Riß

Здесь есть возможность читать онлайн «Erich Loest - Durch die Erde ein Riß» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.

Durch die Erde ein Riß: краткое содержание, описание и аннотация

Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Durch die Erde ein Riß»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.

»Durch die Erde eine Riß« ist Erich Loests Autobiographie zwischen seinem zehnten und vierzigsten Lebensjahr. Als er 1980 das Manuskript fertigstellte, war in der DDR niemand bereit, es zu drucken. Um dieses Buches willen gab Loest seine Heimat auf und siedelte von Sachsen nach Niedersachsen über. Was von seinem Leben bislang in »Pistole mit sechzehn«, einer Auswahl von Erzählungen, hier und da bereits anklang, gerät in diesem Buch als Ganzes in den Blick des damaligen Mitfünfzigers aus Leipzig. Schonungslos stellt er sich in seinen Erinnerungen der eigenen Geschichte, die nicht nur die seine ist – vielmehr erweist sich das, was Loest in fünfzehn Kapiteln erzählt, als ein deutscher Lebenslauf von exemplarischem Rang.

Durch die Erde ein Riß — читать онлайн ознакомительный отрывок

Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Durch die Erde ein Riß», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.

Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

In Texten dieser Art fehlt nie die Erörterung, was und wieviel der Autor von KZ-Greueln gewußt hat, es gilt als moralisches Kriterium erster Ordnung. In diese Kindheit spielte von ferne der Begriff »Konzert-Lager« hinein. Dort wurden, so hörte er, Kommunisten umerzogen. Ein »Konzert-Lager« war in Sachsenburg, zehn Kilometer von Mittweida entfernt; es wurde bald aufgelöst. Wenn er um sein zehntes Jahr aufgefordert worden wäre, ein »Konzert-Lager« zu zeichnen, hätte er versucht, eine Blaskapelle darzustellen, im Karree standen Männer und hörten zu, am Rande wären da noch niedrige Häuser oder Zelte gewesen. Die Kapelle spielte gewiß einen Militärmarsch. Oder die Männer sangen ein erzgebirgisches Volkslied, vielleicht das vom Vuglbeerbaam. Dann gingen sie an die Arbeit, denn in diesen Lagern brachte man ja Kommunisten das Arbeiten bei. Herr Vogelsang war dort gewesen, nun war er wieder hier. Er war umerzogen, nun ging er morgens in die Fabrik und kehrte abends heim. »Heil Hitler, Herr Vogelsang!« Mit Frau Vogelsang hat er gelegentlich gesprochen, sie war eine kräftige Frau mit lauter, manchmal fröhlicher Stimme. In seiner Familie hörte er auch das: Wirklich anständige Leute. Als Herr Vogelsang im Lager gesessen hatte: Die arme Frau!

Aber vielleicht grüßte er diesen Mann mit »Guten Tag«? Denn in der Familie, im Haus und in der vertrauten Umgebung galten die alten Formeln. »Guten Morgen, Herr Vogelsang!« Hans Vogelsang hütete sich, die Internationale zu pfiffeln. Ein Problem oder gar ein Vorbild war er für L. nicht. Nach dem Krieg wurde er Bürgermeister von Mittweida, Landrat von Döbeln und Vorsitzender der SED-Parteikontrollkommission im Bezirk Leipzig. In dieser Eigenschaft verpaßte er dem Genossen L. im Herbst 1953 eine Rüge.

Zu wem also schaute er auf, da nicht zum Kommunisten Vogelsang? »Loest, was haben Sie getan bis heute?« So begann jede zweite Lateinstunde, er saß im Blickfeld seines Rektors und konnte es sich nicht leisten, ungenügend vorbereitet zu sein. Ein großgewachsener, dünner Mann, der sich sehr gerade, geradezu steif hielt, schmaler Kopf mit angebürstetem Haar, Bärtchen, Falten zum Kinn hinab, goldgefaßte Brille: Rektor Lehnert. Sein Vorname? Er ist vergessen, damals spielte er keine Rolle. Dieser Mann hatte in der ersten Lateinstunde angeordnet, das Arbeitsmaterial habe griffbereit an der linken Pultseite zu liegen; er brauchte sich nicht zu wiederholen. In seinen Stunden wurde gearbeitet von der ersten bis zur letzten Minute. »Loest, was haben Sie getan bis heute?« Er hatte Vokabeln gelernt und Grammatik gebüffelt und wieder ein Stück aus Cäsars »Gallischem Krieg« präpariert. Die Sitte, in der Stunde vor den Ferien einigen Ulk zu treiben, hatte für Lehnert keine Gültigkeit; er war Preuße bis zum letzten Klingelzeichen. Als der Krieg begann, schaffte er den Begriff »hitzefrei« ab, denn an der Front gäbe es ihn für den deutschen Soldaten auch nicht. Nie hob er die Stimme, das hatte er nicht nötig. Nie lachte er, wahrscheinlich hat er nicht ein einziges Mal gelächelt. In seinen Stunden schielte niemand zum Nachbarn.

Die Schüler verehrten ihn. An diesem Mann war alles eindeutig, es gab nichts Halbherziges, Verwaschenes. Vorsagen galt in seinen Stunden nicht als läßliches Vergehen, bei dem der Lehrer rügend die Braue hob, Lehnert nannte es Betrug. Einmal, schon im tiefen Krieg, vertrat er den Vertreter des Sportlehrers, zog die Jacke aus und öffnete das Hemd, da sahen seine Schüler eine tiefe Narbe auf einer Brustseite, eine Einbuchtung, in die man hätte eine Faust legen können. Deswegen könne er Übungen am Reck nicht vormachen, sagte Lehnert, eine Verwundung aus dem Ersten Weltkrieg. Dieses Gespräch von wenigen Sätzen empfanden seine Schüler beinahe als Intimität.

Sein Spitzname: Der Rex. Er war Nazi; es geht nicht an, ihm nachträglich eine Mitläuferbescheinigung auszustellen. Er war schon vor 1933 Mitglied der NSDAP gewesen, sicherlich begünstigte das seinen Aufstieg zum Direktor. Er war Politischer Leiter. Einen Winter über dozierte er in einem Kursus, in dem Mittweidas Hitlerjugendführer auf ihre geplante Mitgliedschaft in der NSDAP vorbereitet wurden. Den Marxismus erklärte er so: Er wolle alle Menschen gleichmachen, aber es gäbe verschiedene Begabungen und Temperamente, es gäbe Fleißige und Faule, da müßten also die Fleißigen für die Faulen mitarbeiten, und alles würde im Chaos enden. Den Materialismus definierte er so, und das war kein geistiger Eigenbau, das wurde landauf, landab so gelehrt und entstammte zentralen Schulungsbriefen: Der Materialismus schätzte alles nur nach seinem materiellen Wert ein, das herrlichste Gemälde bedeutete den Materialisten nur den Preis für Leinwand, Farbe und Rahmen. Mittweidas Nazinachwuchs schmunzelte: Wie überlegen war man doch diesem jüdisch-bolschewistischen Blödsinn! Arier waren schlauer, man war Arier, Gott sei Dank.

Lehnert war Nazi. Er war nicht der fette grölende Säufer, den Bücher und Filme mit kleiner Münze darstellen, und nicht der Saalschlachttyp der Kampfzeit. Er war korrekt, gerecht, spartanisch. Für diesen Mann ging eine ganze Schule durchs Feuer. Er war Kathedertäter.

Fast alle Lehrer überlebten den Krieg. L. hatte nie das Bedürfnis, mit einem von ihnen über das zu sprechen, was sie ihm anerzogen hatten; sicherlich wäre er Ausflüchten und Halbheiten begegnet. Mit einem hätte er für sein Leben gern gesprochen, mit dem Rex. Aber Lehnert wurde mit zwei Dutzend anderer Mittweidaer Faschisten interniert, im Herbst 45 mußten sie unter Bewachung ehemaliger polnischer KZ-Häftlinge auf schlesischen Äckern Kartoffeln roden. Die Bedingungen waren so hart, daß Lehnert den ersten Nachkriegswinter nicht überlebte.

Im Sommer 1942, L. war sechzehn, ging die Rede, eine neue Waffen-SS-Division sollte aufgestellt werden, die Division »Hitlerjugend«. Die Werber argumentierten: Ein Dilemma bestünde darin, daß die Ausbildungszeiten zu kurz seien; deshalb würde diese Elite länger trainiert werden, nicht drei oder vier Monate, sondern anderthalb Jahre. Bewährte Führer aus anderen Waffen-SS-Einheiten sollten die Division befehligen, die Mannschaften würden ehemalige HJ-Führer sein, das Beste vom Besten, fanatisch, hart. Diese Division sollte geschliffen werden für den entscheidenden Schlag.

L. und sein Klassenkamerad Joachim Barthel wurden sich schnell einig: Da gehen wir hin! Nicht zur stupiden Infanterie, die Waffen-SS hatte beste Waffen, beste Verpflegung! Wer schon nicht in einen Panzer kriechen wollte, konnte dort auch Panzergrenadier werden oder Panzerabwehr-Kanonier oder Funker. Also auf zum Rex, denn der mußte die Genehmigung geben.

Er saß, als L. und Barthel die Hacken knallten und die Rechte reckten, schief auf dem Stuhl, den Arm seitlich auf der Lehne. Die beiden SS-Willigen sagten ihr Sprüchlein auf und baten ihren Rektor, er möge ihnen die Erlaubnis und vor allem den Notreifevermerk geben, den Abitur-Ersatz. Der Rex schüttelte ihnen keineswegs anerkennend die Hände. Ob ihn des Nachts bisweilen das Grauen packte, wenn ihn die Erkenntnis überfiel, daß er einen Jahrgang nach dem anderen in den Tod entlassen hatte, daß aufgerieben wurde, was bei ihm um Ovid und Tacitus bemüht gewesen war? Da standen nun wieder zwei, er sollte ihnen das Recht auf besonders frühen Heldentod bescheinigen, und da sagte er: Ihr kommt auch nächstes Jahr noch zurecht.

Die Waffen-SS-Division »Hitlerjugend« wurde ohne Barthel und Loest aufgestellt, wurde gründlich ausgebildet und im Juni 1944 gegen einen Brückenkopf der Alliierten in der Normandie in Marsch gesetzt. Elite krachte auf Elite. Diese Division wurde aufgerieben. Der Rex hat L.s Lebenserwartung entscheidend erhöht und sein Hirn freigehalten von zweijährigem SS-Einfluß, der nach dem Krieg schwierig herauszuwaschen gewesen wäre. L. wäre in die Ecke gedrängt worden und hätte sich mit belastenderen Schuldgefühlen herumschlagen müssen. Der Rex hat ihm womöglich das Leben gerettet und mit Sicherheit sein Wesen von Verkrustung bewahrt, hat ihm Sensibilität erhalten in einem Maße, daß später aufgehellt werden konnte, der Rex, der Nazi, der Preuße, doch nach dem Warum konnte er im Frieden nicht befragt werden. Barthel und L. meldeten sich enttäuscht ab. Aber Barthel kam dennoch ums Leben, er geriet als Heeresartillerist in Mähren in die letzten Kanonaden, seitdem fehlt von ihm jede Spur. Seine Mutter stand jahrelang nach dem Krieg jeden Abend am Bahnhof, ihr Junge stieg nicht aus dem Zug. Darüber verlor sie den Verstand und verlosch. L. träumte hundertmal die gleiche Geschichte: Achim war wieder da, war schon lange da und wohnte im alten Haus und hatte sich verwunderlicherweise nicht bei ihm eingefunden. Allmählich wurden diese Träume seltener, Mitte der fünfziger Jahre blieben sie aus.

Читать дальше
Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Похожие книги на «Durch die Erde ein Riß»

Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Durch die Erde ein Riß» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.


Отзывы о книге «Durch die Erde ein Riß»

Обсуждение, отзывы о книге «Durch die Erde ein Riß» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.

x