Erich Loest - Durch die Erde ein Riß

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»Durch die Erde eine Riß« ist Erich Loests Autobiographie zwischen seinem zehnten und vierzigsten Lebensjahr. Als er 1980 das Manuskript fertigstellte, war in der DDR niemand bereit, es zu drucken. Um dieses Buches willen gab Loest seine Heimat auf und siedelte von Sachsen nach Niedersachsen über. Was von seinem Leben bislang in »Pistole mit sechzehn«, einer Auswahl von Erzählungen, hier und da bereits anklang, gerät in diesem Buch als Ganzes in den Blick des damaligen Mitfünfzigers aus Leipzig. Schonungslos stellt er sich in seinen Erinnerungen der eigenen Geschichte, die nicht nur die seine ist – vielmehr erweist sich das, was Loest in fünfzehn Kapiteln erzählt, als ein deutscher Lebenslauf von exemplarischem Rang.

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Es war ein bildschöner März. Jeden Montag wurde Plauen gebombt, Flugzeuggeschwader paradierten über einen blanken Himmel und klinkten schulmäßig aus, dabei wurden sie von keinem Geschütz und keinem Jäger behelligt. Nach dem Angriff zogen Soldaten in die Stadt und versuchten zu retten und zu bergen. In die Kaserne floß weder Strom noch Wasser, die Klos wurden abgeschlossen, und einige hundert Landser entleerten sich in Latrinen jenseits des Zauns. Die Rationen wurden abermals gekürzt, nie mehr wurde jemand satt. Ein Gerüchtgespenst ging um: Plauens Soldaten sollten im Fußmarsch die Ostfront bei Görlitz erreichen, denn Transportmittel für ein paar hundert Soldaten gab es nicht mehr.

Da tauchte eines Tages ein Heldenwerber auf, ein Hauptmann mit dem Deutschen Kreuz in Gold und der Goldenen Nahkampfspange, und hielt eine Rede, die in der These gipfelte, noch seien die wundervoll kriegsentscheidenden Waffen nicht ganz fertig, eine winzige Spanne müsse der Feind noch hingehalten werden, diese Galgenfrist müßten die Jungen erkämpfen, die Unerbittlichen, Besten, Härtesten. Werwolf! Hagen von Tronje, Schlageter, Horst Wessel! Eine Woche, einen Monat noch, wir werden weitermarschieren, werden siegen, weil wir den Führer haben.

Da meldete L. sich, unter anderem weil er den Fußmarsch, Hungermarsch nach Görlitz fürchtete und weil er wußte, daß es keine Lebenschance für ihn gab, wenn gerade an seinem Abschnitt der russische Sturm losbrach. Noch einmal würde er ausgebildet werden und schließlich im Rücken des Feindes kämpfen, verschworen mit wenigen, die schlau und zäh waren wie er, auf deren Findigkeit es ankam, die die Initiative auf ihrer Seite hatten, hervorragend trainiert, bewaffnet und ernährt waren. Von Einmanntorpedofahrern hatte er gehört und von Kamikazefliegern, Old Shatterhand und Tarzan lockten, jetzt war die Stunde da, in der er sich bewähren konnte wie die Helden eines Lettow-Vorbeck, wie Graf Luckner, Max Schmeling, wie jener Pionier Klinke, der die Schanzen von Düppel gesprengt hatte. Der Heldenwerber fragte: Wer stammte aus dem Elsaß, aus Oberschlesien, der Zips, dem Banat? Wer sprach polnisch, flämisch, eine baltische Sprache? Die meisten waren Sachsen und Egerländer, da suchte er die heraus, die ihm am sportlichsten erschienen.

Für die Ausgewählten war der Dienstalltag vorbei. Sie wurden neu gekleidet, einen Tag lang liefen sie eitel in hellbraunen Schuhen umher, dann schmierten sie sie schwarz. Montags grollten wieder die Bomber. Der Wehrmachtsbericht meldete schwerste Kämpfe um Danzig, in Pommern, Kurland und an der mährischschlesischen Grenze. Berlin brannte. Eine Zuteilungsperiode wurde von vier auf fünf Wochen gedehnt. Auf das Feld vor der Kaserne sank ein Flugblatt, in ihm stand, die Hungerrationen von 1918 wären höher gewesen als die vom März 1945. In einigen Tagen also war er Werwolf. In Gedanken öffnete er seinen Spind, der konnte die Konserven kaum fassen.

2

Für sein Leben gern war er Moralist. Bei abendlichen Wegen mit einem Freund hatte er es als Höhepunkt an Offenheit und Klarheit empfunden, wenn er aussprach, was er von diesem Freund hielt, und hörte, was er selbst galt. Seine größte Angst war, er könne für feig gehalten werden. Immerzu wünschte er, jemandem das Leben zu retten; sein Alptraum: Ein Kind war von Flammen eingeschlossen, er wußte, daß er selbst kaum eine Chance besaß, aber er mußte es herausholen, um sich nicht ins Gesicht spucken zu müssen. Dabei kam er um. Das Begräbnis hatte er sich bildstark ausgemalt. Der Grabstein: Granit. Nichts auf ihm als sein Name.

Sie waren sechzehn zukünftige Werwölfe und hockten an den Wänden eines Waggons, der nach Süden rollte. Das Gegengleis war mit Zügen voller Kriegsmaterial und Flüchtlingen verstopft; sie standen ohne Lokomotiven. Es war ein heller Frühlingstag mit einem unendlichen Himmel und klarer ruhiger Luft. Meist blickten die sechzehn nach Osten, denn dorthin mußten und wollten sie, von dort drängte die Front auf sie zu. Am Horizont vermuteten sie Wolken, merkten, daß es ein Gebirge war, und einer mutmaßte, das wären die Kleinen Karpaten. Da sprach keiner mehr.

Malacky, der Zug hielt, auf einmal war Stille um sie, sie lauschten nach Osten und in den Himmel hinauf; die Stille blieb, die Gefahr schien weit. Der Gefreite, der die Marschpapiere trug, war selbst nicht überzeugt, daß er durch sie Befehlsgewalt besaß. Jemand fand eine Verpflegungsstelle, wo man am Packen war und Knäckebrot und Leberwurstbüchsen wegschenkte. Ihr Marschbefehl wies sie an, bis Zohor hinunterzufahren und im Winkel nach Jablonove hinauf, aber die slowakischen und deutschen Eisenbahner schüttelten die Köpfe: Dorthin fuhren keine Züge mehr. L. sagte: Wir marschieren los, weit kann’s nicht sein. Da unkte jemand, dort, wohin sie sollten, wäre bestimmt schon der Iwan, dann klügelte einer, unter solchen Umständen könne man an Ausbildung nicht denken, aber sie sollten ja auf dem Truppenübungsplatz Türkenberg ausgebildet werden, und der zuerst einwarf, sie kehrten am besten nach Plauen zurück, hieß Knauthahn.

Debatte: Wir haben den Befehl, aber es hat doch keinen Zweck, warum habt ihr euch freiwillig gemeldet, verdammt unklare Lage, da könnt ihr mal zeigen, was in euch steckt, es geht doch nicht nach dir, nach dir schon lange nicht! L. fühlte Wut in sich aufsteigen, und den Ausschlag gab der Gedanke, Feigheit könnte Knauthahn und einige andere zu ihren Ansichten treiben. Große Schnauze in Plauen, aufgesprungen und die Hacken geknallt und die Brust gereckt, jawohl, ich will im Rücken des Feindes kämpfen, jawohl, will sprengen, schießen, würgen! Zwei waren in Prag, zwei in Brünn aus dunklen Gründen verlorengegangen, nun saßen die übrigen auf Baumstämmen am Bahnhof von Malacky, und Knauthahn argumentierte, sie hätten einen Marschbefehl für alle zusammen und müßten folglich zusammenbleiben, dann fügte er noch etwas von Mehrheit und Abstimmung hinzu. Und L., der nicht gelernt hatte, etwas zur rechten Zeit zu beenden, abzubiegen, der dies auch in den nächsten dreißig Jahren zu seinem Schaden nicht lernen wollte und konnte, erklärte, er würde notfalls allein zum Türkenberg gehen, und dann sprach er es doch aus: »Du bist feig.«

Natürlich hatte Knauthahn mit diesem Argument gerechnet. Er errötete, weil er nach dem Brauch seines Alters und seiner Erziehung hätte zuschlagen müssen, aber das war hier unmöglich, und so maulte er, sie hätten ja nicht einmal Waffen, aber L. konterte lässig, die würden sie schon irgendwo finden. Er hätte jetzt gern gewußt, ob er wirklich allein auf diese Berge zu marschieren mußte, er sehnte sich fast danach, wenn er auch wahrscheinlich vor Wut geheult hätte, aber jetzt gab es kein Zurück mehr. Drei Jahre später erfand er bei einer seiner häufigen Darstellungen die Variante, er hätte gerufen: »Ich gehe zum Türkenberg, und wenn aus jeder Pfütze ein Russe züngelt«, aber so blumig drückte er sich nicht aus, er war bleich und schwitzte vor Aufregung und Zorn, doch das legte sich, als einer vorschlug, jeder solle sagen, wohin er wolle, vor oder zurück, Türkenberg oder Plauen. Immerhin schlugen sich vier auf L.s Seite; Fritz Gietzel, von dem hatte er es nicht anders erwartet, Steinbach, zwei andere, auf deren Namen sich der Chronist nicht zu besinnen vermag, und diese beiden verdienten vor allem, daß er ihre Namen wüßte. Einer stammte aus Heidenau bei Dresden, der andere aus dem Thüringer Wald, einer war blond und großnäsig und immer mit der Klappe vorneweg, der andere dunkel und bedächtig, er merkte erst nach einer Weile, wenn man ihn aufzog, nie nahm er etwas übel. Elf fuhren zurück in Richtung Plauen, neun kamen dort an, zwei fielen im Fichtelgebirge im Kampf gegen die Amerikaner. Knauthahn war nach dem Krieg Gewerkschaftssekretär, und auf Leipzigs Straßen trafen sich L. und Knauthahn 1950 und hieben sich auf die Schultern: Mensch, wie bist du durchgekommen, Junge? Und 1973 trafen sie sich noch einmal in Berlin und erkannten sich zu ihrer gewaltigen Verwunderung und erzählten sich, daß ihre Kinder nun schon verheiratet wären, und Knauthahn war durch einen Herzinfarkt aus der Bahn geworfen. Aber in Malacky, am 2. April 1945, da sagten sie Feigling und Idiot zueinander und hatten beide recht, wobei Knauthahn von kluger Feigheit war und L. von heldischer Idiotie, und dann marschierten fünf Tapferkeitssüchtige eine schlechte Straße entlang nach Osten, sahen Frühlingsgras an den Seiten, Kühe und pflügende Bauern, glaubten kriegsverdächtige Laute zu hören: Grollen über den Bergen wie Gewitter, aber dort standen keine Wolken, und so begriffen sie: Zum erstenmal in ihrem Leben hörten sie die Front. Da waren Dutzende Millionen Menschen schon tot, da waren Fronten über Hunderte Millionen hinweggerollt, da lebten immer noch fünf Kerle in Europa, die die Front nie gehört hatten und meinten, sie müßten dorthin.

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