Mirjam Aggeler - FLEXEN

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Flex|en, das, – kein Pl.: 1. trennschleifen 2. biegen 3. Sex haben 4. das Variieren der Geschwindigkeit beim Rap 5. die Muskeln anspannen 6. seine Muskeln zur Schau stellen 7. Flâneuserie
In 30 verschiedenen Texten mit 30 verschiedenen Perspektiven auf Städte, alle geschrieben und erlebt von Frauen*, PoC oder queeren Menschen. Texte, die beweisen, dass das Flexen, die Flâneuserie endlich ernst genommen werden muss. Die Figuren in der Anthologie streifen durch Berlin, Paris, Jakarta, Istanbul und Mumbai. Sie erzählen uns u.a. davon, wie eine Frau mit Kinderwagen die Großstadt erlebt, eine Frau eine Großdemonstration in Dresden miterlebt, wie Flanieren in Indien schon Aktivismus bedeutet, wie sich die Geschichte in den Ort einschreibt und manchmal wird die Stadt sogar selbst zur Figur.

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Man bezahlt für alles. Ich habe bei der Lotterie am Anfang meiner Empfängnis viel gewonnen und vieles bekommen, das nicht wünschenswert ist. Ich habe die Exsowjetunion noch in der Gebärmutter meiner Mutter verlassen, was wahrscheinlich das Beste war, das hatte passieren können. Ich habe viel Glück und viel Pech gehabt, und manche Rechnungen wurden mir nie gestellt. Deshalb bezahle ich in Raten, vorsorglich. Ich weiß, dass noch viele unbezahlbare Rechnungen auf mich zukommen, aber ich war auch schon oft Millionärin, dank diverser Inflationen – in indonesischen Rupiah, iranischen Rials und vietnamesischen Dong.

Umer schickte mir auf Whatsapp Bildchen mit motivierenden Sprüchen und darüber, wie man sich von Liebeskummer zu heilen hatte. Dann wollte er, dass ich in sein Business einstieg, aber ich hatte keine Ahnung von Import und Export und Skalpellen. Das australische Visum kam. Ich buchte den nächsten Flug. Es war August.

Nadire Y. Biskin

Borderline

O[1] wird zu spät kommen. Der Grund dieser Verspätung lässt sich mit der Fußballfeldtheorie erklären. Man spielt ehrgeizig auf dem Feld, ein Tor schießen und noch ein Tor schießen. Man begehrt das Tor. Eines Tages stolpert man auf dem Fußballfeld, weil zum Beispiel die Schnürsenkel offen sind. Nicht mal Zeit für eine Schleife bleibt auf dem Fußballfeld. Das hat man davon und muss außerhalb des Feldes stehen, um die anderen beim Spielen nicht zu behindern. Schnell die Schnürsenkel zusammenbinden. Die tägliche Routine des Schnürsenkelschnürens bietet die Möglichkeit des Multi-Tasking. Man bindet sich die Schuhe zu und beobachtet dabei die anderen Spieler auf dem Feld. Man beginnt zu lachen, so viele Menschen rennen einem Ball hinterher, halten sich an die Regeln, die vorgegebene Zeit, singen Nationalhymnen und lassen sich vorschreiben, wie ihr Trikot auszusehen hat. Man geht wieder aufs Feld. Doch die Außenperspektive auf das Spielfeld lässt nicht mehr zu, dass man jemals wieder so ehrgeizig und angepasst mitspielt. O nimmt sich also an diesem Tag die Zeit auf dem Weg zum Ziel und stillt den Durst seiner Augen. O schaut sich die Backwaren in der Vatan Bäckerei an. Laugenstangen, Laugenbrötchen, Schrippen, Backwaren vom Vortag zum reduzierten Preis, Simit und Müslibecher. Die Waren erinnern o an die deutschen Nachbarn, die in den ersten Wochen nach der Eröffnung der Bäckerei des Deutschländers Umut stirnrunzelnd daran vorbeigingen. »Wozu diese Sesamringe? Wir haben doch Schrippen.« Nachdem das fremde Simit bekannt wurde, wurde es vertraut und gegessen. Die Deutschländerläden waren eine Bereicherung ohne einen Nachteil für die Deutschen. Die Preise blieben gleich. Die Läden der Deutschen mussten nicht schließen. Die Deutschländer lernten Deutsch, weil die Deutschen die Sprache der Deutschländer nicht lernen wollten. Sie konnten ihre Kunden auf Türkisch, Deutschländisch und Deutsch bedienen und beendeten ihre Fragen mit »wa«. Obendrein vertrieben die Deutschländer-Bäckereien die Einsamkeit der Deutschen. Stundenlang saßen Deutsche in den Bäckereien und wurden von den Deutschländern unterhalten.

O verlässt die Bäckerei Vatan ohne etwas gekauft zu haben, denn os[2] Portemonnaie liegt zu Hause. O läuft zur U-Bahn Afrikanische Straße im Afrikanischen Viertel. Der Name hält nicht, was er verspricht. Es fliegen höchstens nach zehn Uhr immer noch Flugzeuge über das Viertel nach Tegel, die aus Afrika kommen. Noise pollution ist ein Fremdwort hier. Nur die Kolonialherren machten ihren Namen alle Ehre und hauchten die Straßen mit ihren deutschen Namen afrikanisch an. O selbst wohnt auf der Müllerstraße. Sie ist 3,5 Kilometer lang. Im Fernsehen sagen die Omis, sie war mal der Kudamm des Westens. Ein Fachgeschäft berührte mit den Schultern ein anderes Fachgeschäft. Heute berühren sich nur die Schultern der betenden Männer beim Freitagsgebet in der Moschee. Die Opis ergänzen, dass alles jetzt in türkischer Hand sei. Sie finden diesen Umstand doof. Dabei haben sie bis heute nie das Geld gehabt, um in den teuren Fachgeschäften einzukaufen. Die Zugezogenen, die mit Geld und Status ihrer Väter nach Wedding ziehen, interessiert das nicht. Sie wünschen sich Vielfalt und verstehen darunter, dass man die verschiedenen Hautfarben, die sie von den Pantone-Hautfarbenfächer kennen, auf der Straße wiederfinden kann. Bunt soll es sein. Also sollen die türkischen Supermärkte weg. Stattdessen wünschen sich die Zugezogenen Bio-Supermärkte. Das ist natürlich nicht mit den Omis und Opis abgesprochen. So wünschen sich diese wieder die türkischen Supermärkte zurück. Die waren zwar nicht deutsch, aber wenigstens preisgünstig. Manchmal steht der Ali dem Kevin in der Einkaufsschlange näher, als der Konstantin tut.

Von der Bäckerei bis zum U-Bahn-Eingang ist es ein Kasino weit. Die Kasinos auf der Müllerstraße sollten weg. Doch sie bleiben da, während das Geld dort gewaschen wird und der Berliner, der dort rauskommt mit gesenktem Kopf und leeren Händen auf dem Bahnsteig mit o wartet. Dort im Untergrund gibt es dann doch Afrika. Auf dem Bahnhof sind Bilder von Tieren zu sehen, die man in Deutschland in Zoos sehen kann oder in Dokumentationsfilmen über Afrika. Nollywood-Filmstars und Ghana-Must-Go-Beutel sucht man auf den Bildern dieses Bahnhofs vergeblich. Dafür kommt die U-Bahn an und fährt Richtung Alt-Mariendorf. U-Rehberge ist die nächste Station. Dort hat o bereits die Schrebergärten der Deutschländer entdeckt. Man erkennt sie daran, dass sie als erstes in den Schrebergärten die Gartenzwerge entsorgen. Sieht man einen Gartenzwerg neben der Biotonne, aus dem Kartoffelschalen herausragen, dann weiß man, ein Deutschländer hat einen Schrebergarten gekauft. Die Schrebergärten lassen ihre Besitzer erkennen. Die Schrebergärten der Deutschländer haben Blumen mit Paprika und Tomaten ersetzt. O hat hier auch das legendäre Schwein der Rehberge entdeckt. Es ist das Haustier einer Anwohnerin. Sie meint, als sie sich damals dieses Tier zulegte, wollte sie sich vor dem Klingelstreich der Nachbarskinder schützen. Kurz darauf hatten die meisten Kinder Smartphones und stellten die Notwendigkeit des Schweins in Frage. Als o das erste Mal von der Station hörte, wusste o nichts von all dem. O stellte es sich oben unschuldig mit Rehen, Hügeln und einer Eisdiele vor. In der U-Bahn lauscht er jetzt dem Gespräch einer Frau, die aufgeregt am Telefon erzählt, dass die Schule, an der sie arbeiten wird, nach dem Typen benannt sei, der in der Rehberge die Ausstellung von Tieren und Menschen aus den deutschen Kolonien geplant hatte. Dann wäre der Krieg dazwischengekommen. Glück im Unglück. Die Unschuldsaura der Rehberge geht in dem Moment verloren und im gleichen Moment steigt ein Deutschländerjunge mit seiner vollen Unschuld ein. O hört den Frauen zu, die neben ihm sitzen und über den Jungen tuscheln. Seine Mutter hatte einen Schlaganfall. Seitdem ist sie ein Pflegefall und ihr ältester Sohn am Brennen. Die Frauen sagen, damals hat er Alkohol auf dem Spielplatz getrunken. Alkohol und dann noch in der Öffentlichkeit, ist eine Kombination, die für die Deutschländer im Wedding nicht üblich ist. Als sei das Alkoholverbot in der Öffentlichkeit aus Polen nach Berlin übergeschwappt. Die Routine des Jungen hat sich geändert. Er steht seit diesem Jahr stundenlang vor der City-Toilette oder vor Kaufland. Manchmal auch vor dem Friedhof, neben dem Institute Français, auf dem die Gastarbeitergroßeltern des Jungen am Wochenende gearbeitet hatten. Heute wird er seine Stunden in der U-Bahn verbringen. Ohne nach Geld zu fragen, ohne zu singen, ohne zu reden, ohne ein Spiel auf dem Smartphone zu spielen. O hört den Hunger in seinem Magen so laut schreien und denkt, dass deswegen sogar die tuschelnden Frauen ihn kurz anblicken und aufhören, über den Jungen zu reden. O überlegt, ob er aussteigen und im Gözleme-Laden frühstücken soll. Die Schlange dort ist kurz, seitdem Menschen mit mehr Geld, mehr Bildung, Bürgschaften und einem merkwürdigen Selbstverständnis in der Gegend selbstverständlich bevorzugt Wohnungen bekommen. Die Gözleme-Ladies erfuhren von einem jungen Studierenden, wieviel Miete er zahlt und wie er sich darüber freute, weil es so billig war und fortan stiegen die Gözleme-Preise mit den Mietpreisen zusammen und die Schlange wurde immer kürzer, das Lächeln der wartenden Kunden immer breiter.

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