Mirjam Aggeler - FLEXEN

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Flex|en, das, – kein Pl.: 1. trennschleifen 2. biegen 3. Sex haben 4. das Variieren der Geschwindigkeit beim Rap 5. die Muskeln anspannen 6. seine Muskeln zur Schau stellen 7. Flâneuserie
In 30 verschiedenen Texten mit 30 verschiedenen Perspektiven auf Städte, alle geschrieben und erlebt von Frauen*, PoC oder queeren Menschen. Texte, die beweisen, dass das Flexen, die Flâneuserie endlich ernst genommen werden muss. Die Figuren in der Anthologie streifen durch Berlin, Paris, Jakarta, Istanbul und Mumbai. Sie erzählen uns u.a. davon, wie eine Frau mit Kinderwagen die Großstadt erlebt, eine Frau eine Großdemonstration in Dresden miterlebt, wie Flanieren in Indien schon Aktivismus bedeutet, wie sich die Geschichte in den Ort einschreibt und manchmal wird die Stadt sogar selbst zur Figur.

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Der U-Bahnfahrer, der davon träumt der Busfahrer der Buslinie 100 zu werden, kontrolliert die Bahn vom ersten bis zum letzten Waggon. »Endstation, der Ersatzverkehr fällt aus, wird nicht ersetzt. Aussteigen. Hab nicht ewig Zeit hier.« O steigt mit den Pfandflaschensammlern aus, die vormittags auf der Müllerstraße Pfandflaschen sammeln und am Nachmittag am Flughafen Tegel, um Alkohol kaufen, die Familie in den zurückgelassenen Ländern unterstützen oder um Pilgerfahrten nach Mekka finanzieren zu können.

O nimmt die Treppe in Fahrtrichtung hinten, die geradeaus zur Tramhaltestelle der einzigen Tramlinie im Westteil der Stadt führt, dann nach links zum Café mit Watson-Glühbirnen und Flaggen der WM-Länder, dem Kiosk mit Zigarren und Messern, dann nach rechts zum Dönerrestaurant Saray. Kiosk und Saray stehen sich so seit Jahren royal auf der Müllerstraße gegenüber. Auf den Treppen sieht o einen Mann in Weiß. Es ist der Syrer, der kaum Türkisch oder Deutsch kann und für wenig Geld im Folienkartoffel-Geschäft eines Deutschländers Tandoori-Brot backt. Der Deutsche zahlt dem Deutschländer wenig, der Deutschländer zahlt dem Syrer wenig und der Syrer zahlt davon seine teure Wohnung an den deutschen Vermieter aus dem Schwabenland. In diesem Bezirk haben alle so ihre Kreislaufprobleme.

Während o an dem Juweliergeschäft des Mardiner Christen vorbeiläuft, schaut o sich den Jesus-is-Lord-Imbiss, den Bismillah-Baklava-Laden, die AOK-Filiale, die Graffitis »No borders« und »Wohnraum ist keine Warte« an. Angekommen an der Ampel blickt o auf ein Gebäude mit Studierendenapartments. In Heidelberg wäre so ein Gebäude eine Hand des Stadtkörpers, auf der Müllerstraße hingegen hinterlässt es den Eindruck, ein Prothesefinger zu sein. Vollkommen im Vergleich zum Rest der Straße. Im Erdgeschoss soll laut einem Plakat am Fenster ein Bio-Supermarkt öffnen. Es ist grün. O läuft über die Kreuzung und schaut sich die restlichen Räume im Erdgeschoss an. Er blickt auf Menschen, die teilnehmende Beobachter in Wedding sein möchten, die mit Wörtern wie »echt« und »ehrlich« das Wort »arm« ersetzen. »Select a name« steht auf dem Klingel­display. Ein Arbeitsraum mit einer tapezierten Wand, auf dem Monstera-Pflanzenblätter abgedruckt sind. Ein Versammlungsraum mit eingerahmten Aphorismen: »You always have a choice.«, »Kindness is always free.«, »Never stop believing in yourself.«

O läuft schnell weiter, möchte das Gesehene auf dem Weg verlieren, wie Äpfel, die einem aus einer gerissenen Tüte fallen. Auf os linken Seite ist Risa-Chicken, der KFC á la halāl. Auf seiner Rechten ist der Coffee-Shop, vor dem möchtegern-open-city Psychiater ihren Espresso trinken und ihre zukünftigen Patienten beobachten. O schaut nach links zu einem Café mit einem englischsprachigen Namen, nach rechts zum Simit-Haus, der Stadtbibliothek und dem Graffiti »Hartz Vier essen Seelen auf« am Ärztehaus. O ist vor Karstadt angekommen. Jedes Mal, wenn o an dieser Kreuzung steht, schaut o auf die andere Seite der Straße und denkt an Frau Vogel. Frau Vogel kam aus der westdeutschen Provinz nach Berlin. Sie ist weder Favela noch Heidelberg. Aufgrund ihres mittelmäßigen sozio-ökonomischen Status bekam Frau Vogel nur eine Zusage für eine Wohnung in Wedding. Wenigstens sind mein Therapeut und meine Eismanufaktur fußläufig, tröstete sie sich. Bei Manufaktur-Eis lernten o und os deutschländische Freundin Frau Vogel sich zwischen Mango-Sorbet und Matcha-Eis kennen. Frau Vogel bestand darauf, die beiden auf ihrer Geburtstagsparty dabei zu haben. Frau Vogel, Herr Vogel, eine Heidelbergerin, eine Düsseldorferin und eine Frau Stern aus dem Osten saßen am Tisch mit o und der deutschländischen Freundin. Das Abendmahl von Wedding. Das Symposium der Fremden. Jeder Schluck Moscow Mule hatte die Wirkung eines Spa-Wochenendes. Das Gefühl von Wellness ging schnell zu Ende. Frau Vogel meinte: »Am Leopoldplatz steige ich nicht aus. Das ist mir zu viel Ghetto.« Sie klärte auf: »Ich meine die betrunkenen Menschen.« Die Deutschländerin fragte dann: »Was ist der Unterschied zwischen dir, die jetzt Alkohol trinkt, und denen? Ich hab’s. Du hast Geld und sie nicht.« Frau Vogel und alle anderen am Tisch wünschten sich in dem Moment Vögel zu sein, um aus der Wohnung, aus Wedding raus fliegen zu können.

O läuft weiter, vorbei am Hakiki-Döner-Stand, dem Tipster-Wettbüro und dem Job-Center, das regelmäßig frische Farbe, meistens Rot oder Braun, von Unbekannten verpasst bekam. Die nächstgelegenen U-Bahnhof- und S-Bahnhof-Stationen waren hier nach dem Bezirk benannt und stellten eine erste Grenze dar. Jene, die innerhalb des S-Bahnrings wohnten, deklarierten die Zone außerhalb des Rings als weniger angesagt. Jene, die außerhalb des Rings wohnten, wussten nichts davon. »Armes Mexiko, so nah an den USA« – bekommt bereits hier eine neue Dimension, wenn man weiter Richtung Mitte schaut. Die nächste Station der U-Bahn-Linie Sechs ist innerhalb des Rings, doch immer noch Wedding zugehörig. Als o das erste Mal mit der Bahn hier vorbeifuhr, freute er sich über das Werbeplakat eines Pharmakonzerns. Auf dem Plakat waren zwei Menschen zu sehen: ein Wissenschaftler und eine Wissenschaftlerin. Beim zweiten Mal freute sich o, weil der Wissenschaftler weiße Haut und die Wissenschaftlerin schwarze Haut hatte. Beim dritten Mal, als o davon ausging, dass das Bild ihm keine große Freude bereiten würde, wurde er überrascht. Diesmal fiel o auf, dass die schwarze Wissenschaftlerin dem weißen Wissenschaftler etwas zu erklären schien. Beim vierten Mal entschied o, das letzte Mal auf das Plakat geschaut zu haben. Die schwarze Wissenschaftlerin hielt Baumwolle in der Hand und schien ihren Kollegen – beide mit Blick Richtung Baumwolle, sie mit offenem und er mit geschlossenem Mund – darüber aufzuklären. Die U-Bahn fährt wieder ab dieser Station. O läuft trotzdem bis zur nächsten. Die Satellitenschüsseln, die Panke, die unter der Mettalbrücke vor dem Häuserblock fließt, passt noch zum Wedding. Im Gegensatz zur Fashion Week, die hier jährlich im Erika-Hess-Eisstadion stattfindet und exklusiv für Menschen ist, die in Mitte schlafen und sich so kleiden wie Kinder im Wedding angezogen sind, die als letztes Geschwisterkind die Kleidung der Älteren bekommen. Gated Communitys, die an Südafrikaurlaube erinnern, Häuser, über die Kinder von Stararchitekten behaupteten, ihre Väter hätten sie gebaut und Kinder von Weddinger Bauarbeitern, ihre Väter hätten sie gebaut, reihen sich an Häuser, in denen es Vegetarier und Jagdvereine Wohnungen als Mieter gibt. Die REWEs und Edekas mit prostitutionsartigem Smalltalk führenden Verkäufern, die von emotional verwahrlosten Kunden besucht werden, ebenso wie von heimlichen Paybackpunktesammlern, quetschen sich in die Chausseestraße ein. Eine Form von Kolonialismus erreicht die Straße, auf der Gesundheit, neben Reisen, die Hauptsäule des guten Lebens ist. Ein Supermarkt-LKW hält vor dem denkmalgeschützten Haus an. O nimmt heimlich einen Bergpfirsich aus der Delivery-Box. O isst den Bergpfirsich schnell auf, weil die Kinder, die im überteuerten Hostel gegenüber wohnen, sich frisches Obst nicht leisten können und o auf dem Bahnhof anstarren würden, um sich besser vorstellen zu können, dass sie diesen Bergpfirsich in dem Moment essen. Auf dem Bahnhof Schwartzkopffstraße steht o neben zwei Frauen, die sich Bergpfirsiche leisten können und sich auf Englisch unterhalten. Vermutlich lebt die eine Frau seit Jahren in Deutschland und hat nie Deutsch lernen müssen, da alle um sie herum, bis auf die Mitarbeiter der Ausländerbehörde, Englisch gerne als ihre zweite Muttersprache betrachten. Eine dritte Frau, die mit o die ganze Strecke bis hierherlief, läuft an den beiden Frauen vorbei und schreit »Gringo.« Während die deutsche Frau tröstet: »Darling, don’t bother, they call us Kartoffel, potatoes. There is all over the world racism.« Sie steigen alle vier in die Bahn, fahren am Naturkundemuseum vorbei. Die beiden Frauen bemitleiden, laut genug, so dass alle es hören können, all die armen Lehrerinnen, die in Wedding wohnen müssen. O ist eine weitere Station Ohrgast der beiden Frauen. Mittlerweile sind sie beim Thema Faltencreme angekommen und fragen sich, ab wann man von »reiferen Haut« spricht. Sie einigen sich beim Aussteigen auf siebenunddreißig Jahre. O fährt neben der Notfallbremse stehend eine Station weiter mit geschlossenen Augen und steigt am U-Bahnhof Friedrichstraße aus. Die Treppen, die Montag bis Samstag gefüllt sind mit Dussmanntüten, mit Staatsbibliothekstüten, Karls Erdbeeren Liebhaberinnen und Studierenden, die vor dem Grimm-Zentrum warten, um in der Universitätsbibliothek einen Sitzplatz zu ergattern. O gähnt die Leere auf dem Bahnhof an und in dem Moment entdeckt er einen Bildschirm auf dem Bahnhof: »Die BVG wünscht Ihnen einen schönen Sonntag.«

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