Die junge Frau ließ sich nicht von den Worten ihres Chefs abschrecken. Stattdessen suchte sie nach noch mehr Gründen, die ihn überzeugen sollten. „Sie sagten Hauptkommissar Heilmeyer leitet den Fall? Das ist der Chef von der Kripo, in dessen Kommissariat ich zum Praktikum angemeldet bin. Ich würde gern mein Praktikum um zwei Wochen vorziehen. Wenn Sie einwilligen, könnte ich praktisch sofort mit dem Praktikum bei der Kripo beginnen.“ Es sprudelte wieder aus Lisa raus und sie nannte gleich weitere Gründe: „Das macht ja auch Sinn vor meinem Studium an einem richtigen Fall mitzuarbeiten. Unterstützen Sie mich bitte! Ich kannte Sarah gut. Vielleicht kann mein Wissen nützlich sein.“
Ihr Chef schaute vom Terminkalender auf Lisa und wieder auf seinen Plan. Er ließ sich Zeit. Endlich löste sich sein Blick von den Daten. Zu Lisas Erleichterung sagte er schließlich: „Meinetwegen. Die paar Tage, die sie nur noch hier wären, werden wir auf Sie verzichten können. Ich telefoniere gleich mit Heilmeyer und kündige Ihren Besuch schon mal an.“
„Danke! Das vergesse ich Ihnen nie!“
„Freuen Sie sich aber nicht zu früh. Natürlich weiß ich nicht, ob Heilmeyer Sie schon jetzt dabeihaben will. Das ist eben was anderes als ein Taschendiebstahl! Aber das entscheidet allein der Hauptkommissar. Am besten klären Sie das direkt vor Ort.“
„Okay, ich werde ihn sofort aufsuchen.“
„Was Sie mit Ihrem Urlaub tun, ist Ihre Sache. Aber eines verrate ich schon mal. Auch Heilmeyer kann Alleingänge nicht ausstehen. Denken Sie daran, falls es klappen sollte. Wie ich Heilmeyer kenne, hat er gegen eine gute Spürnase nichts einzuwenden. Und die haben Sie, das bescheinige ich Ihnen schon mal.“
Lisa gewann ihre Fassung zurück. So viel Verständnis hatte sie von ihrem Vorgesetzten gar nicht erwartet. Sein Lob? Das war überhaupt nicht seine Art. Plötzlich hatte es Lisa eilig. Sie drehte sich an der Tür kurz um und sagte: „Ich halte Sie auf dem Laufenden, versprochen. Und bevor es zum Studium geht, melde ich mich noch einmal. Dann gebe ich meinen Ausstand. Stellen Sie schon mal den Prosecco kalt. Nach Feierabend, versteht sich! Danke noch einmal für alles!“
Unter dem Vorwand mir vorlesen zu wollen, suchtest du mich jeden Abend mit einem Buch in der Hand auf. Die ersten Male freute ich mich, lauschte gespannt deinen Geschichten. Schon bald hattest du gar kein Buch mehr dabei und sagtest nur noch, dass du mir richtige Geschichten erzählen willst. Ich wusste bald, dass es nicht mehr um die Geschichten ging. Stattdessen wurde ich mit deinen seltsamen Spielen konfrontiert. Das Ganze führte später immer mehr zum Gegenteil eins Spieles. Wie konnte ich als Kind wissen, was das zu bedeuten hatte? Ich schämte mich immer häufiger dafür, und wäre am liebsten vor Abscheu im Boden versunken.
Einmal in der Woche musste ich deine Hände auf meinem Körper ertragen und jedes Mal bist du ein Stück weitergegangen. Meine stillen Tränen hielten dich nicht ab, hast einfach meine Gefühle ignoriert. Irgendwann hatte ich keine Tränen mehr.
Am Anfang wollte ich den Schmerz laut rausschreien. Aber das schaffte ich nicht mehr. Deine aufgerissenen Augen flößten mir viel zu viel Furcht ein, selbst wenn du mich nur streicheln wolltest. Widerlich wurde es, wenn dein Körper meinen berührte. So stark, dass es mir weh tat. Wie habe ich mich vor dir geekelt und blieb meist nur verwirrt zurück. Irgendwie gewöhnte ich mich später daran. Ich hätte ja nichts ändern können. Du meintest, dass sei der besondere Ausdruck deiner Liebe zu mir.
In all den Jahren blieben Scham und Ekel bei mir zurück. Anfangs dachte ich wirklich, das muss stimmen! Die besondere Nähe zu mir kann nur der Ausdruck deiner besonderen Liebe zu mir sein. Aber warum hattest du mir denn wehgetan? Mit starker Stimme mahntest du mich oft: „Sprich mit niemanden. Nur, wenn ich ganz sicher sein kann, dir zu vertrauen, weihe ich dich in ein noch größeres Geheimnis ein.“
Alles begann an meinem achten Geburtstag. Ich erinnere mich, wie stolz du warst. Du zeigtest mir jeden Winkel in deinem Versteck. Offenbar hattest du schon lange auf diesen Moment gewartet. Und ich lernte eine ganz andere neue Seite von dir kennen. „Das hier wird uns ewig verbinden“, sagtest du damals stolz und fast feierlich. Ich merkte sofort, wie wichtig es dir war, mich in dein Geheimnis einzuführen. Doch diese Welt blieb mir noch lange Zeit fremd.
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