In mein Herz zusammenlas,
Das bethörte mir den Sinn:
So fiel mein Herz ihm zum Gewinn.
In Wahrheit, das bestrickte mich;
Der Zauber wars, durch welchen ich
Mein selbst vergaß seit dieser Zeit.
Er selber that mir nichts zu Leid,
Der liebe Mann, um den ich klage,
Um den ich Grund zur Klage trage;
Mein junger, meisterloser Muth,
Der ist es, der mir Leides thut,
Der meinen Schaden will ist Der.
Er will und will nur allzu sehr
Was er nicht wollen sollte,
Wenn er bedenken wollte
Was Ehr und Zucht verlange;
Doch sieht er schon zu lange
Nichts als sein Begehren an
Nach diesem wonnevollen Mann,
Dem er in so kurzer Frist
So ganz anheimgefallen ist.
Und so mir Gott, ich wähne schier,
Erlaubt den Wahn die Ehre mir
Und muß ich mich von Magdthums wegen
Nicht schämen solchen Wahn zu hegen,
So dünkt mich, daß die Herzensklage,
Die ich um ihn im Herzen trage,
Nichts anders ist als Minne.
Ich werd es daran inne,
Daß mich verlangt nach seiner Nähe.
Wie es immer damit stehe,
So fühl ich, daß mein Herz beschleicht
Ein Ding, das Mannesliebe gleicht;
Denn was ich noch all meine Tage
Von verliebter Frauen Klage,
Von Minne je vernommen,
Das ist mir ins Herz gekommen.
Ja, der süße Herzensschmerz,
Der so manches edle Herz
Quält mit süßen Schmerzen,
Der liegt in meinem Herzen.«
Da nun die Höfsche, Gute,
Mit ungeteiltem Muthe
Ihr Herz erschloß zu dem Entschluß,
Wie ein jeder Minner muß,
Daß Riwalin ihr Geselle,
Ihres Herzens Freudenquelle,
Ihr Trost sein müße und ihr Leben,
Sie begann ihm Augentrost zu geben,
Sah ihn, wo sie ihn mochte sehn:
Ließ es die Schicklichkeit geschehn,
So suchte sie mit Blicken
Ihm süßen Trost zu schicken.
Sie ließ oft mit Verlangen
Die Augen an ihm hangen,
Und sah ihn lang und lieblich an.
Als das der minnende Mann,
Ihr Freund, begann zu merken,
Da begann ihn erst zu stärken
Die Minne, die so hold ihm war:
Sein Herz entbrannt ihm nun erst gar,
Und ersah er jetzt sein holdes Glück,
Blickt' er viel süßer noch zurück
Als er sonst sie angesehn,
Ließ es Zeit und Ort geschehn,
War sein Blick, sein Gruß ihr nah.
Als die schöne Magd nun sah,
Daß er sie minne wie sie ihn,
Ihre große Sorge schwand dahin.
Sie hatte stäts gedacht bisher,
Er trage nicht nach ihr Begehr;
Nun sah sie aber wohl, so gut
Und so getreu sei ihr sein Muth
Als je den Freund die Freundin fand;
Das war auch ihm von ihr bekannt.
Dieß schürte ihre Flammen:
Da begannen sie zusammen
Sich zu meinen und zu minnen
Mit Herzen und mit Sinnen;
Sie hatten Kunde wohl empfangen,
Wo Blick' an Freundesblicken hangen,
Das sei dem Minnefeuer
Eine nährende Steuer.
Das Hofgelag war aufgehoben
Und all die Ritterschaft zerstoben,
Da hörte Mark die Märe:
Ein fremder König wäre,
Sein Feind, geritten in sein Land,
Mit so kraftvoller Hand,
Möge man nicht bald ihm wehren,
Werd er das ganze Reich verheeren,
So weit ers überreite.
Alsbald entbot zum Streite
König Mark ein mächtig Heer,
Zog wider ihn mit starker Wehr
Und focht bis er den Sieg gewann,
Und erschlug und fieng so manchen Mann,
Daß Der die Gunst des Himmels pries,
Den er ledig oder leben ließ.
Auch Riwalin, der werthe Held,
Ward von einem Sper gefällt;
In der Seite saß die Wunde.
Die Seinen trugen ihn zur Stunde
Als einen halbtodten Mann
Aus dem Kampfgewühl hindann
Gen Tintajöl mit großem Jammer,
Da lag er todsiech in der Kammer.
Alsbald erscholl die Märe,
Kanelengres der wäre
Todwund und in dem Streit erschlagen.
Da hob sich bald ein kläglich Klagen
So am Hofe wie im Land.
Wem sein Werth nur war bekannt,
Dem war sein Schade herzlich leid.
Sie klagten seine Mannheit,
Seinen schönen Leib und süße Jugend,
Seine hochgelobte Fürstentugend:
Sollten die sobald zergehn
Und ein so frühes Ende sehn.
Der König selber auch, Herr Mark,
Beklagte seinen Freund so stark,
Daß er um keinen andern Mann
So bittern Kummer je gewann.
Ihn weinte manches edle Weib,
Viel Jungfraun klagten seinen Leib;
Jedem, der ihn je gesehn,
War an seinem Leide Leid geschehn.
Doch so groß ihr Erbarmen
Auch war mit dem Armen,
So war es doch alleine
Seine Blanscheflur die reine,
Die höfische, die gute,
Die aus ganzem Muthe
Mit Augen und mit Herzen
Des Herzgeliebten Schmerzen
Weinte mit bitterm Jammer.
In einsamer Kammer,
Wo sie zu klagen Raum gewann,
Da fiel sie sich mit Händen an
Und schlug dahin sich tausendmal,
Wo der Sitz war ihrer Qual:
Der Stelle, wo das Herze lag,
Der gab die Schöne manchen Schlag.
So marterte das süße Weib
Den jungen schönen süßen Leib
In so jämmerlicher Noth:
Sie hätte jeden andern Tod,
Der nicht von Minne war gekommen,
Für ihr Leben gern genommen.
Sie wär auch wohl verdorben
Und in dem Leid erstorben,
Hätte sie nicht den Trost gehabt,
Sich nicht an Einem Wunsch gelabt
Wie es immer möcht ergehn,
So wollte sie ihn wiedersehn,
Und wenn sie ihn nur sähe,
Was ihr darnach geschähe,
Da wollte sie sich drein ergeben.
So fristete sie sich das Leben
Bis sie zu Sinnen wieder kam,
Und ernstlich in Berathung nahm
Wie sie zum Liebsten käme,
Daß sie den Schmerz bezähme.
Darüber kam ihr in den Sinn
Ihre gute Meisterin,
Die sie stäts und allewege
Hielt in treuer Lehr und Pflege
Und ihr immer gab Geleit.
Die zog sie eines Tags beiseit
(Sie waren Beide ganz allein),
Und klagt' ihr all die herbe Pein,
Wie sie allzeit thun und thaten,
Die sich um Liebesnoth berathen.
Ihre Augen überquollen,
Die heißen Thränen rollen
Sah man im vollen Drange
Über die lichte Wange.
Dabei die Hände gefalten,
Flehend empor gehalten:
»Ach meines Leides«, sprach die Maid;
»Ach«, sprach sie, » welch ein Herzeleid!
Ach, herzgeliebte Meisterin,
Nun sei die Treue mein Gewinn,
Die ohne Ende bei dir ist;
Und da du selbst so selig bist,
Daß nur Seligkeit und Heil
Von deinem Rath mir wird zu Theil,
So klag ich dir mein Herzeleid
Bei aller deiner Seligkeit:
Hilfst du mir nicht, so bin ich todt.« –
»Nun Fräulein, was ist eure Noth
Und euer klägliches Klagen?« –
»Ach, Traute, darf ich dir es sagen?« –
»Ja, liebes Fräulein, sagt mirs an.« –
»Mich tödtet dieser todte Mann,
Von Parmenie Riwalin;
Gar zu gerne sah ich ihn,
Wüst ich, wie ichs erwürbe,
Bevor er ganz erstürbe,
Denn leider kann er nicht gedeihn:
Willst du dazu mir Hülfe leihn,
So versag ich nie dir eine Gabe,
So lang ich bin und Leben habe.«
Da sprach bei sich die Meisterin:
Wenn ich ihr gefällig bin,
Welch großer Schaden ist es dann?
Dieser halbtodte Mann
Stirbt morgen oder heute noch:
So hab ich meinem Fräulein doch
Aus Noth geholfen und aus Leid;
Hernach vertraut sie jederzeit
Vor allen andern Frauen mir.
»Lieb Fräulein«, hub sie an zu ihr,
»Euer Kummer ist mir herzlich leid,
Und wenn ich eurer Traurigkeit
Mit meinem Leben steuern kann,
So thu ichs, zweifelt nicht daran.
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