Denn wieder zwang ihn Riwalin
Mit Schaden sich zurückzuziehn,
Und trieb das mit ihm alsolang
Bis er ihn völliglich bezwang,
Daß er am Sieg verzagte
Und keinen Kampf mehr wagte
Als noch aus seinen Vesten,
Den stärksten und den besten.
Vor denen lag dann Riwalin
Und zog mit Obmacht wider ihn
Zu Stürmen und zu Streiten.
Er trieb ihn auch allzeiten
Siegreich wieder in das Thor.
Auch hielt er manchesmal davor
Turnei mit voller Ritterschaft.
So lag er stäts ihm ob mit Kraft
Und haust in seinem Lande
Mit Raub und mit Brande
Bis ihn um Frieden bat Morgan
Und mit aller Noth von ihm gewann,
Daß getagt ward und zuletzt
Ein jährger Friede festgesetzt.
Dem Frieden ward von Beiden
Mit Bürgen und mit Eiden
Volle Gültigkeit verliehn.
Froh und reich zog Riwalin
Mit den Seinen heim zu Land,
Belohnte sie aus milder Hand
Und belud sie all mit Gaben;
Ließ sie dann Urlaub haben
Und wohl nach seinen Ehren
Zu ihrer Heimat kehren.
Als es Kanelen so gelang,
Darnach so währt' es nicht mehr lang,
Bis er einer neuen Fahrt
Sich zu ergetzen schlüßig ward.
Er beschickte sich zur Reise
In so glänzender Weise
Wie der Ehrbegierge thut.
All das Geräth und all das Gut,
Dessen binnen Jahresfrist
Solch ein Herr benöthigt ist,
Das ward ihm in ein Schiff getragen.
Oftmals hatt er hören sagen,
Wie höfisch, reich an Ehre
Der junge König wäre,
Mark, vom Lande Cornewal;
Des Preis vernahm man überall.
Cornewal und Engelland,
Die dienten beide seiner Hand.
Durch Erbschaft war er Cornwals froh;
Um England aber stand es so:
Es war ihm zugewachsen,
Als die galischen Sachsen
Die Briten dort vertrieben
Und des Landes Herrn verblieben;
Daher es auch den Namen kor:
Es hieß Britannien zuvor;
Doch anders ward es jetzt genannt:
Nach den Galen Engelland.
Da Die das Land besaßen
Und unter sich vermaßen,
Da wollten Alle Königlein
Und ihre eignen Herren sein.
Das schlug zu Aller Schaden aus:
Mit Mord und blutigem Strauß
Brachten sie sich selbst zu Falle.
Zuletzt befahlen sie Alle
In Markes Schutz sich und das Land.
Der hielt es mit so starker Hand
Nun in seiner Macht beschloßen,
Kein König hat noch je genoßen
Ergebnern Dienst von seinem Reich.
Die Geschichte meldet uns zugleich,
Daß in aller Länder Kreiß,
So weit gedrungen war sein Preis,
Kein Fürst geehrter war denn Er.
Dahin war Riwalins Begehr:
Bei Marke wollt er bleiben,
Ein Jahr mit ihm vertreiben
Und üben seine junge Kraft,
Daß er lerne neue Ritterschaft
Und der feinern Sitte Brauch.
Sein edles Herze sagt' ihm auch:
Wer fremder Lande Sitten weiß,
Verbeßert so der eignen Preis
Und erwirbt sich Ruhm und Lob.
Das wars, warum er sich erhob.
Er befahl die Leute wie das Land
In seines Marschalles Hand,
Eines Herr in seinem Reich:
Weil er getreu war ohne Gleich
Hieß er Rual li foitenant.
So hob sich Riwalin zu Hand
Mit zwölf Gesellen über Meer:
Er brauchte zum Geleit nicht mehr;
Mit diesem Volk begnügt' er sich.
Da nun der Zeit so viel verstrich,
Daß er zum Lande Cornwal kam,
Und auf dem Meere schon vernahm,
Daß König Mark, der hehre,
Zu Tintajöle wäre,
Da wandt er seine Fahrt dahin.
Er stieß ans Land: da fand er ihn
Und ward von ganzem Herzen froh.
Sich und die Seinen schmückt' er so,
Daß er Lob erwarb bei Jedermann.
So zog er an den Hof heran.
Da kam mit fürstlichem Prangen
Der Fürst ihn zu empfangen
Und all die Seinen so wie ihn.
Man erwies da Riwalin
So viel Ehre beim Empfang,
Daß es ihm sein Leben lang
Zu keiner Zeit, an keinem Ort
So wohl geboten ward als dort.
Darüber flog ihm hoch der Muth,
Der Hofbrauch deucht ihn schön und gut.
Oft gedacht er auch bei sich:
»Fürwahr, der Himmel selbst hat mich
Zu diesem Volke hergebracht!
Mich hat das Glück gar wohl bedacht.
Was je zu Markes Ruhme mir
Noch ward gesagt, das find ich hier.
Gar höfisch lebt er und gut.«
Da sagt' er Marken seinen Muth,
Und warum er wär gekommen.
Als Marke nun vernommen
Hatte, was er suche hier,
»Willkommen«, sprach er, »Gott und mir!
Leib und Gut und was mein eigen
Soll sich zu euerm Willen neigen.«
Riwalin der war da voll
Des Hofs, der Hof war seiner voll.
Liebgewonnen ward er gleich
Und werthgeschätzt von Arm und Reich,
Daß nie ein Gast geliebter war.
Das verdient' er auch fürwahr:
Der tugendreiche Riwalin,
Der war und wies auch fernerhin
Sich mit Leib und Gute
In geselligem Muthe
Zu ihrer Aller Dienst bereit.
So lebt' er in der Würdigkeit
Und in der rechten Güte,
Die er in sein Gemüthe
Mit neuem Wachsthum täglich nahm,
Bis Markes Hofgelage kam.
Zu diesem Hoffest waren
Beschieden ganze Scharen
Durch Gebot und Bitte.
Auf seine Ladung, das war Sitte,
Kam die Ritterschaft zuhand
Aus dem Königreich zu Engelland
Jedes Jahr zu Einem Mal
Gefahren hin gen Cornewal.
Da sah man auch in ihrer Schar
Viel schöne Frauen süß und klar
Und manch andre Herrlichkeit.
Nun war des Hofgelages Zeit
Verkündet und gesprochen
In die blühnden vier Wochen,
Von des süßen Maien Anbeginn
Bis seine Wonne schwindet hin.
Bei Tintajöl wars auf dem Plan,
Wo die Gäste sich ersahn
In der wonnigsten Au,
Die jemals eines Auges Schau
Erlugt in ihrer Lieblichkeit.
Die sanfte süße Sommerzeit
Hatte die süße Schöpferhand
Mit süßem Fleiß auf sie gewandt.
Die kleinen Waldvögelein,
Die der Ohren Freude sollen sein,
Gras, Blumen, Laub und Blüthenpracht,
Und was die Augen selig macht
Und ein edles Herz erfreuen soll,
Des war die Sommeraue voll.
Man fand da, was man wollte,
Daß der Frühling bringen sollte:
Den Schatten bei der Sonnen,
Die Linde bei dem Bronnen;
Die sanften, linden Winde,
Die Markens Ingesinde
Scherzend entgegen fächelten;
Die lichten Blumen lächelten
Aus dem bethauten Grase.
Des Maien Freund, der grüne Wase,
Der hatt aus Blumen angethan
Ein Sommerkleid so wohlgethan,
Daß sie dem Gast aus Mienen
Und Augen wiederschienen.
Die süße Baumbluth sah den Mann
Mit so süßem Lächeln an,
Daß sich das Herz und all der Muth
Wieder an die lachende Bluth
Mit spielenden Augen machte
Und ihr entgegen lachte.
Das sanfte Vogelgetöne,
Das süße, das schöne,
Das Ohren und Muthe
So lieblich kommt zu Gute,
Scholl aus den Büschen überall.
Die selige Nachtigall,
Das liebe, süße Vögelein,
Das immer selig müße sein,
Das sang aus der Kühle
Mit solchem Hochgefühle,
Daß den edeln Herzen all
Gab Freud und hohen Muth der Schall.
Nun hatte die Gesellschaft sich
In hohen Freuden lustiglich
Gelagert auf den Anger hin;
Ein Jeglicher nach seinem Sinn.
Wie Jedes Laun und Lust bestellt,
Darnach beschafft' er sich ein Zelt:
Die Reichen lagen reichlich,
Die Höfschen unvergleichlich;
Die lagen unter Seide,
Die unterm Schmuck der Haide.
Vielen gab die Linde Schatten;
Andre sich gehüttet hatten
Mit laubgrünen Aesten.
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