Geschichte atmet auch die Stadtmauer, an der Sie entlangwandern sollten. Erhalten sind leider nur Überreste der Befestigungsanlage – dafür aber der Engels- und der Hexenturm. Letzterer kann für Versammlungen gemietet werden. Ob die Hexe je auftauchte, ist nicht bekannt. Weiter geht es vorbei an der Gedenkstätte für die Kriegsopfer und einem Mahnmal für die Lebenden. Und auch dem Jagdhund zollt Olpe seinen Tribut – 1996 wurde das Brackendenkmal errichtet.
Zum Verweilen laden die Bänke rund um das Wasserrad ein, das im Weierhohl am Fuße der Stadtmauer zu finden ist. Wer weitergeht, kommt auf die Bleichwiese. Im Jahr 2002 setzte die Stadt den Waschfrauen ein Denkmal. Die Finnentroper Künstlerin Anneliese Schmidt-Schöttler schuf vier Frauen, die ihrer Arbeit nachgehen. Das, was früher Schwerstarbeit war, kommt heute in Bronze leicht und fröhlich daher.
Gaumenfreuden und Cocktailspaß bietet die Cosmo:Lounge am Markt. Hier treffen sich die Olper und Besucher der Stadt zum Schlemmen und Plauschen.
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Gegenüber der Kirche St. Martinus finden Sie den
Geschichtsbrunnen
Kurkölnerplatz
57462 Olpe
www.olpe.de
Cosmo:Lounge
Am Markt 6
57462 Olpe
02761 8367346
www.cosmo-lounge.de
2 Dauerfehde rund ums Gotteshaus
Drolshagen: Pfarrkirche St. Clemens
Eine alte Stadtmauer, hübsche Fachwerkhäuser, nostalgische Straßenlaternen, ein Zisterzienserinnenkloster und mittendrin eine romanische Basilika – das ist Drolshagens altes Zentrum. Und tatsächlich kann ich den Charme des mittelalterlichen Stadtkerns noch spüren, wenn ich durch die Gassen rund um die St.-Clemens-Pfarrkirche flaniere.
Beschaulich ist das Wort, das mir als erstes einfällt, wenn ich an Drolshagen denke. Eingebettet in den Naturpark Ebbegebirge wirkt die Stadt mit ihren 57 Ortschaften herrlich unaufgeregt. Das war nicht immer so. Die Stadtchronik erzählt von Dauerfehden zwischen der Stadt und dem von dem Grafenpaar von Sayn gestifteten Zisterzienserinnenkloster, regem Handel in Zeiten der Hanse und einem verheerenden Brand im Mai des Jahres 1838. Er legte die Stadt fast gänzlich in Schutt und Asche. Das Wahrzeichen der Stadt, der große, wuchtige Kirchturm stand und steht noch heute unbeeindruckt von den Zeichen der Zeit da. In früheren, bewegteren Zeiten diente er als Wach- und Wehrturm.
Es heißt, dass Erzbischof Anno von Köln die St.-Clemens-Pfarrkirche im 11. Jahrhundert gründete – urkundlich belegen lässt sich dies jedoch nicht. Der Fund einer alten Silbermünze mit der Umschrift »Otto Imperator Augustus« sorgte bei Restaurierungsarbeiten für Aufruhr. Offenbar bezieht sich die Münze auf Kaiser Otto III. – damit liegt es nahe, die Entstehungszeit des Gotteshauses rund um das Jahr 1000 anzusiedeln.
Kenner wissen eines sicher: Der Betonglockenstuhl, der sich seit 1993 in der Kirche befindet, bietet nach Soest und Minden das musikalisch anspruchsvollste Geläut in ganz Westfalen. Mit 18 Tonnen und der größten Stahlglocke im Erzbistum Paderborn, der Christus-König-Glocke, ist das Geläut mehr als imposant.
Im Gewölbekeller des alten Klostergebäudes finden regelmäßig Kunstausstellungen statt. Das Dachgeschoss des Hauses dient als Musiksaal.
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St.-Clemens-Pfarrkirche
Kirchplatz
57489 Drolshagen
02761 71124
www.kirchspiel-drolshagen.de
3 Geduldsspiel mit Hecke
Drolshagen: Labyrinth
Was haben die Städte Drolshagen, Siena und Chartres gemeinsam? Richtige Antwort: ein Labyrinth! Seit die Mitglieder des Heimatvereins im April 2007 mehr als 2.000 Rotbuchenheckenpflanzen auf einem Hügel im Ortsteil Stupperhof in die Erde gebracht haben, verfügt die Stadt damit über ein Wahrzeichen, das gleichzeitig ein Alleinstellungsmerkmal ist – weitere Heckenlabyrinthe findet man in Nordrhein-Westfalen nämlich nicht.
Während Theseus bei der Suche nach dem Minotauros auf den Ariadne-Faden angewiesen war, kann der Besucher des Drolshagener Labyrinths völlig entspannt sein. Wie bei den großen Vorbildern in den Kathedralen des Mittelalters geht es auch hier um Geduld und Meditation. Und das Konzept der Planer funktioniert.
Ich betrete das Rund der Blutbuchenhecken an einem strahlenden Sommertag und glaube, dem Ziel ganz nah zu sein. Nur gut 14 Meter beträgt der Radius – das habe ich nachgelesen. Doch der Weg ist weiter. Denn kurz vor dem letzten Schritt zum Mittelpunkt hält mich eine Hecke auf. Dann beginnt der Weg, der erst viele Minuten und 390 Meter später ins Zentrum führt. In die Mitte vorstoßen zu wollen und sich von dieser immer weiter zu entfernen – ich spüre die Ungeduld in mir wachwerden. Doch je länger ich gehe, desto ruhiger werde ich. Ich beginne, mich auf die einzelnen Schritte zu konzentrieren. Erst im Herzen des Labyrinths angelangt, nehme ich wieder die Geräusche um mich herum wahr. Lange verweile ich nicht, sondern mache mich auf den zweiten Teil des Weges, der mich in immer größer werdenden Kreisen wieder an den Ausgangspunkt meiner Wanderung führen wird.
Am Ende steht eines fest: Ich werde wiederkommen. Um die Hecken im Farbenspiel der Jahreszeiten und immer höher in den Himmel wachsen zu sehen. Und um wieder einmal Ruhe und Besinnung in der Hektik des Alltags zu finden.
Am Wochenende und an Feiertagen kann man sich nach dem Besuch des Labyrinths in der benachbarten Scheunenwirtschaft Op’m Stupper stärken.
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Drolshagener Labyrinth
Stupperhof
57489 Drolshagen
02761 9700
www.heimatverein-
drolshagen.de
Op’m Stupper
Stupperhof 1
57489 Drolshagen
02763 212480
4 Sauerlandlinie des Mittelalters
Drolshagen: Schlüsenlehrpfad Junkernhöh
Wer mit offenen Augen durch die Wälder im Drolshagener Land streift, findet sie überall – die Hohlwege, die hier mundartlich »Schlüsen« heißen. Aber in Junkernhöh, wo der Schlüsenlehrpfad beginnt, gibt es nicht nur einen einzelnen Hohlweg zu bestaunen, sondern ein »Schlüsenbündel«, einen ganzen Verbund. Warum die so spannend sind und mich in ihren Bann ziehen? Machen wir doch eine kleine Zeitreise ins Mittelalter.
Handel betrieben die Menschen damals schon – auch die Sauerländer. Erz, Kohle und viele andere Waren galt es zu befördern. Aber wie? LKW und die Sauerlandlinie gab es ja noch nicht. Die höre ich zwar, wenn ich die Ohren spitze – aber wenn ich die Augen schließe und mich zurückversetze in vergangene Jahrhunderte, dann sehe ich Pferdekarren und – Hohlwege! Die engen und holprigen Waldwege waren die Hauptverkehrsadern, auf denen Waren transportiert wurden.
Die Tafeln am Rande des Schlüsenlehrpfades erzählen mir, dass die Beförderung nur in zweirädrigen Karren möglich war. Das machte die Wege für die Händler sehr beschwerlich. Mehr als 30 Kilometer pro Tag waren für sie nicht zu schaffen. Wollte ein Drolshagener Waren ins Siegerland bringen, brauchte er zwei Tage für die Hin- und Rückfahrt. Neben den Zweiradkarren waren Lasttiere auf den Schlüsen unterwegs – und Menschen, die Waren für den täglichen Gebrauch mit der Tragestange beförderten. Noch beschwerlicher wurde es, wenn der Regen die Wege aufweichte und sie mit ihren Steigungen in Rutschpisten verwandelte. Groß muss die Freude gewesen sein, als die Preußen die sogenannte Kunststraße brachten, die wir Sauerländer heute als B 54 kennen. Mit ihr wurde der Handel leichter und schneller. Die Schlüsen aber verloren nach und nach ihre Bedeutung.
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