52 Ein Wundermaterial
Kierspe: Bakelitmuseum
53 Wilde Schönheit rund ums Staubecken
Kierspe-Volme: Jubachtalsperre
54 Waldboden, der die Welt bedeutet
Lüdenscheid: Waldbühne
55 Augenschmaus und Ohrenweide
Lüdenscheid: Integrative Kulturwerkstatt Alte Schule
56 Zündeln für die Forschung
Lüdenscheid: Phänomenta
57 Das größte Automuseum der Welt
Lüdenscheid: Siku//Wiking Modellwelt
58 Märkisches Gespür für Draht
Lüdenscheid: Drahthandelsweg ab Lüdenscheid
59 Kemenate mit Flussblick
Altena: Burg
60 Vom Kettenhemd zum Supraleiter
Altena: Deutsches Drahtmuseum
61 Eine Burg für die Bürger
Altena: Burg Holtzbrinck
62 Auf der Spur alter Handwerke
Iserlohn: Fabrikanlage Maste-Barendorf
63 Tronje von Hagen reift in Iserlohn
Iserlohn: Dechenhöhle
64 Ein Leben – randvoll
Iserlohn Schmiedemuseum Eduard Balbach
65 Helau und Alaaf im Sauerland
Menden: Westfälisches Karnevalsmuseum Teufelsturm
66 Unter dem Kreuz vereint
Menden: Kreuztracht im Städtischen Museum Menden
67 Adelige Industriegeschichte
Menden-Lendringsen: Industriemuseum Menden Gut Rödinghausen
68 Goldrausch im Zwergenland
Hemer: Felsenmeer
69 Blumenpracht statt Marschkolonnen
Hemer: Sauerlandpark Hemer
70 Glühende Begeisterung
Balve: Luisenhütte Wocklum
71 Schützen und Theaterdonner
Balve: Balver Höhle
72 Göttliche Geometrie
Balve: Kirche St. Blasius
73 Blaupause für New York
Neuenrade: Spaziergang durch die Altstadt
74 Hier kommt die Kultur zum Zug
Werdohl: Kulturbahnhof Werdohl
Rund um Soest
75 Die Macht der Hanse lässt grüßen
Soest: Stadtrundgang
76 Eldorado für Bücherwürmer
Soest: Rittersche Buchhandlung
77 Grün wie die Hoffnung
Soest: Grünsandsteinmuseum
78 Langer Kampf um das Wasser
Möhnesee: Möhnesee
79 Galgenvögel im Rot der Abendsonne
Möhnesee: Skulpturenpfad
80 Salz liegt in der Luft
Bad Sassendorf: Gradierwerk
81 Handwerksgesellen zeigen ihr Können
Rüthen: Handwerkerdorf
82 Zeugnisse aus finsteren Zeiten
Rüthen: Hexenturm
83 Ewige Ruhe im Haus der Gräber
Rüthen: Jüdischer Friedhof
84 Sommererinnerungen und Wasserspiele
Rüthen-Kallenhardt: Schloss Körtlinghausen
85 Viel mehr als heiße Luft
Warstein: Ballonfestival Montgolfiade
Karte
Ein Herz für Wasser, Metall und allerhand Abseitiges
Vorwort: Auftakt
»Sauerland, mein Herz schlägt für das Sauerland, vergrabt mein Herz im Lennesand« – so dichtete die Iserlohner Band Zoff im Jahre 1982 die Hymne, die noch heute von Winterberg bis Lennestadt bei Partys und Festen geschmettert wird – mit Freude und Inbrunst. Und auch wenn hier keine Palmen wachsen und stattdessen – ganz unromantisch – die Misthaufen qualmen: Im Sauerland lässt es sich gut leben. Wir Sauerländer meinen sogar: sehr gut!
Hier bei uns leben Schollenverbundene und Zugereiste – wobei Erstere stolz darauf sind, schon immer hier gewesen zu sein. Mancher rühmt sich einer Ahnenreihe, die sich bis in die Zeiten Annos II., des Erzbischofs von Köln, zurückverfolgen lassen – also bis ins 11. Jahrhundert! Und das äußern sie auch. Die Frage »Was bist du für eine Geborene?« ist die Steigerung von »Sind Sie von hier?«, die sich eher an die Gruppe der Zugereisten und Gäste richtet. Die erste Frage stellt die Balverin oder Hemeranerin, um zu erkennen, ob sie nicht doch eine Dame aus Iserlohn oder dem ach so fernen Menden vor sich hat.
Im Sauerland kann man lernen, was es mit gefühlten Distanzen auf sich hat – und dass man nicht immer viele Worte machen muss, um dem anderen seine Sympathie zu zeigen. »Schweigen ist Gold« – das kann den Sauerländer meinen. Er macht nicht viele Worte. Aber auf sein Wort kann man sich verlassen. Vielredner und Berufslustige wie die Menschen aus Köln sind uns suspekt. Und doch ist auch im Sauerland der Karneval zu Hause – wie sehr, zeigt das Museum des Westfälischen Karnevals in Menden.
Ja, wir mögen es abseitig und bizarr. Das belegen auch unsere Museen, die sich neben Frühgeschichte und dem Bergbau auch gern mit einem ganz anderen Werkstoff, dem Bakelit, mit Grünsandstein, mit Skiern und Rodelschlitten, mit alten Klostergartenpflanzen oder Galgen und Folterwerkzeugen beschäftigen. Einige dieser Orte zum Staunen finden sich in diesem Buch – zugegebenermaßen nur eine Auswahl, aber immerhin.
Und auch sonst lohnt sich ein Besuch bei uns. Ob es nun die Bruchhauser Steine sind, die auf den Höhen im Herzen des Hochsauerlandes majestätisch aufragen, die Golddörfer Assinghausen und Gevelinghausen, die Atta-Höhle in Attendorn, das Hemeraner Felsenmeer, der Jüdische Friedhof in Rüthen oder die »Großstädte« des Sauerlandes, Soest und Arnsberg – zu sehen, zu bestaunen, zu genießen gibt es vieles. Nicht zuletzt unsere Talsperren. Sie prägen das Sauerland wie nichts anderes. Sorpe, Möhne und Bigge sind nur die größten Stauseen. Doch auch ihre kleineren Geschwister haben ihre Reize – und den Vorteil, dass sie bei nur einem Spaziergang umrundet werden können.
Das andere prägende Element unserer Region ist das Metall. Kernig, erdig, handfest – hier wird seit Jahrhunderten mit dem gearbeitet, was später auch das Ruhrgebiet groß machte. Wer auf dem Drahthandelsweg von Lüdenscheid über Altena nach Iserlohn wandert, der unternimmt eine Zeitreise und kann erahnen, wie schwer Leben und Arbeit in früheren Zeiten hier im Sauerland waren. Lebendig werden die alten Handwerke bei einem Besuch des Bremecker Hammers in Lüdenscheid, in der Besteckfirma Hesse in Schmallenberg, der Fabrikanlage Maste-Barendorf in Iserlohn oder dem Handwerkerdorf in Rüthen. Wer dann zum Abschluss noch das Altenaer Drahtmuseum besucht, der ist, buchstäblich, »auf Draht«!
Sie merken: Ein Besuch lohnt sich – oder auch zwei, drei oder vier! Bei einem Ihrer Ausflüge zu meinen Lieblingsplätzen sollten Sie versuchen, mit Einheimischen eine interessante Frage zu klären: Was ist das Sauerland? Wo fängt es an? Wo hört es auf? Sie werden überrascht sein, wie vielfältig die Antworten sind, die Sie erhalten. Viel Spaß also beim Fragen und beim Nachdenken über die Antworten! Und natürlich beim Besuch Olpes, Drolshagens, Attendorns …
Maike Förster
Geschichtsbrunnen vor der St.-Martinus-Kirche in Olpe
1 Stelldichein mit der Hexe
Olpe: Rund um den Geschichtsbrunnen
Der erste Eindruck ist nicht für jeden einladend. Die Luftangriffe in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges haben bleibende Spuren hinterlassen. Wie in vielen anderen Städten in Westfalen begann der Wiederaufbau in Olpe mit viel Elan und nicht mit dem Schwerpunkt auf städtebaulicher Ästhetik. Aber wer den Weg zum Kurkölner Platz gefunden hat, der kann ein anderes Olpe entdecken.
Einen Schnellrundgang durch die Geschichte sollte jeder Besucher machen. Und nichts ist einfacher zu bewerkstelligen. Steht doch am Kurkölner Platz im Schatten der Pfarrkirche St. Martinus ein Brunnen, der nicht nur Kunstliebhaber, sondern auch Hobbyhistoriker beglückt. Der Bildhauer Karl-Heinz Klein schuf aus Bronze einen Reigen, der seinen Anfang mit der Verleihung der Stadtrechte im Jahre 1311 nimmt, die Feuersbrunst im April 1795 zeigt und mit einem Bild des heutigen Olpe endet. Vier Wappen und sechs Tafeln mit berühmten Olper Persönlichkeiten komplettieren den Geschichtsbrunnen.
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