Bettina Ehrsam - Rosa-weiße Marshmallows

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Rosa-weiße Marshmallows: краткое содержание, описание и аннотация

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Nach einem traumatischen Erlebnis hofft Lisa, auf einer Farm in Wisconsin wieder auf die Beine zu kommen. Ihre Heilung beginnt am Lagerfeuer mit dem Schamanen BigWam. Eines Tages ist sie verschwunden. Ist sie tot oder lebt sie noch? Wird ihre Schwester Caroline sie finden und das Rätsel lösen?

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Tom nahm die Schürze vom Stuhl und band sie sich selbst um. „Machen wir Hamburger“, sagte er und berührte kurz ihre Schulter als er zum Kühlschrank ging.

„Ich dachte, du kannst nicht kochen.“

„Komm her und hilf mir.“ Tom öffnete das Tiefkühlfach, holte Hackfleisch heraus und taute es in der Mikrowelle auf. Dabei ging er so routiniert vor, dass Lisa ihm das Nicht-kochen-Können kaum mehr abnahm.

Lisa schnitt Zwiebelringe, bis sie weinen musste. Tom würzte das Fleisch, und Dave stand auf einmal wieder in der Küche und schaute den beiden zu. Dann setzte er sich wortlos auf die Bank und hob den verletzten Finger in die Luft. Das Pflaster war mit Blut getränkt. Tom formte Pattys, legte sie auf einen Teller, bestäubte alles mit Mehl. Dann begann er, die restlichen Kartoffeln zu vierteln.

„Wenn du so weitermachst, hackst du dir noch den Finger ab“, bemerkte Dave.

Tom grinste und schüttelte den Kopf. „Es haben nicht alle zwei linke Hände wie du.“

„Ich rede aus Erfahrung und sehe, wie gefährlich nah du am Finger vorbeischneidest.“

„Aus deiner Perspektive mag es gefährlich aussehen. Keine Sorge, ich hab alles im Griff.“

Schließlich schnitt sich Tom doch noch in den Finger, und Lisa, die kein Blut sehen konnte, musste ihn verarzten. Er stützte sie, als sie ihm das Pflaster auf die Wunde klebte. Dann wollte er auch noch, dass sie ihm den Arm desinfizierte.

„Selber schuld“, meinte er, „jetzt musst du schauen, dass alles wieder in Ordnung kommt.“ Sie wusste nicht, was genau er meinte, und fragte auch nicht nach.

Jeder wollte den Hamburger anders gebraten haben, und Roy heulte, weil es keine Pommes dazu gab.

Dave und Tom beugten sich über ihre Teller und hörten sich die Geschichten der Kinder an. Roy meinte, eines der Hühner sei krank, und Kevin zeigte ihnen auf seiner Kamera die neusten Bilder. Mit den erhobenen Zeigefingern sah es aus, als wollten Dave und Tom sich wie in der Schule zu Wort melden. Doch sie blieben stumm und hörten aufmerksam zu. Und sie sagten auch dann nichts, als Roy die Kartoffeln liegen ließ und sich kein Gemüse auf den Teller schöpfte. Er war als Erster fertig mit dem Essen. Ungeduldig zappelte er mit den Beinen und seufzte übertrieben lang, als sein Vater sich als Einziger noch einen Nachschlag Gemüse holte.

Tom erzählte von der traurigen Erna und der neugierigen Zazah. In dem Moment, als alle anderen lachten und zu Lisa blickten, fiel Daves Fassade. Für den Bruchteil einer Sekunde erschien ein Ausdruck auf seinem Gesicht, der Lisa verstörte. Sie hatte Wut und Trauer erwartet, sah jedoch blanke Hoffnungslosigkeit.

„Lisa.“

„Was?“ Eines der Kinder hatte ihren Namen gerufen.

Kevin legte die Hand auf seine Kamera und lächelte sie an. „War es anstrengend, den Zaun zu reparieren?“, fragte er unschuldig.

„Ja, sehr“, gestand sie.

„Wärst du nicht einfach verschwunden, hätte ich nicht Lisa fragen müssen“, mischte sich Tom ein.

„Ich wusste nicht, dass du den Zaun reparieren wolltest“, erwiderte Kevin und schaute seinen Onkel frech an.

„Doch, das wusstest du.“ Tom zeigte mit dem verletzten Finger auf seinen Neffen. „Du hast dich verkrochen. Wie jedes Mal, wenn es was zu tun gibt. Ich frage mich, wo du dich die ganze Zeit herumtreibst.“

„Du hast mir nichts zu sagen. Du bist nicht mein Vater“, blaffte Kevin.

„So spricht man nicht mit Erwachsenen. Willst du, dass ich dir die Kamera wegnehme?“ Daves Stimme donnerte über den Esstisch.

Kevin presste die Kiefer zusammen.

„Willst du das?“, bohrte Dave nach.

„Nein“, sagte Kevin kleinlaut und ließ den Kopf hängen.

Die Stimmung war gekippt. Keiner sprach mehr eine Silbe. Alle starrten in ihre Teller, nur Dave aß verbissen weiter. Roy warf seinem Vater immer wieder Blicke zu, und als dieser nie hochschaute, nur mit grimmigem Gesicht weiterkaute, begann er, die Kartoffel in seinem Teller klein zu schneiden. Das Messer auf dem Teller war das einzige Geräusch in der Küche.

Plötzlich schob Dave den Stuhl krachend zurück, stand auf und verließ die Küche.

„Was hat Dad?“, fragte Roy leise.

Lisa drückte ihn an sich. „Roy, du hast noch kein Gemüse gegessen.“ Sie strich ihm mit kreisenden Bewegungen über den Rücken.

„Lass ihn doch.“ Tom stand auf. „Hast du nicht von einem kranken Huhn gesprochen? Komm, wir schauen mal nach ihm.“ Tom streckte seinem Neffen die Hand entgegen.

Als die beiden weg waren, rutschte Kevin vom Stuhl und verließ mit hängendem Kopf die Küche. Lisa schaute ihm nach und sah ihn ganz allein draußen stehen. Er stellte die Kamera vor eine welke Blume. Dann sah er sich um, griff nach etwas Kleinem und setzte es auf die Pflanze. Es war wohl lebendig, denn es wollte nicht still sitzen: Immer wieder versuchte Kevin vorsichtig, das Insekt zum Bleiben zu bewegen.

Lisa löste sich von der Szenerie und machte sich daran, die Küche aufzuräumen. Sie erledigte den Abwasch, putzte den Herd und war gerade mit dem Aufräumen der Pfannen beschäftigt, als die Tür leise aufging und Tom hereinkam.

Bist du noch nicht fertig?“, fragte er und trat hinter sie.

Sie schüttelte den Kopf und verstaute die letzte Pfanne. „Statt mich zu hetzen, was du sehr gut kannst, solltest du mir lieber helfen.“

„Was gibt es noch zu tun? Du hast bereits alles gemacht“, sagte er.

„Der Tisch muss noch abgewischt werden.“ Sie hielt ihm den Lappen hin.

Er legte ihr die Hände auf die Schultern und fing an, sie zu massieren. Sie schloss die Augen und atmete zufrieden aus.

„Du bist ganz schön verspannt.“ Tom drückte seinen Daumen fest in die harte Stelle.

„Au!“ Lisa zuckte zusammen.

Tom entschuldigte sich. Seine Hände lagen weiter auf ihren Schultern. „Warum hat Rufus mitten in der Nacht gebellt?“, fragte er leise.

Sie drehte sich zu ihm und sah ihn mit den gleichen Augen an, mit denen sie ihre Mutter oftmals angeschaut hatte. „Was meinst du genau?“, fragte sie.

„Du weißt genau, was ich meine.“

Was wusste er? Sein Gesicht war ruhig und ernst, der Mund diesmal nicht zu einem spöttischen Grinsen verzogen.

„Vielleicht war ihm zu heiß?“, sagte sie und hielt seinem forschenden Blick stand. Langsam strich sie sich eine Strähne hinters Ohr. „Mir war es auf jeden Fall zu heiß.“ Erst als sie sein anzügliches Grinsen wahrnahm, wurde ihr bewusst, was sie soeben gesagt hatte. Auch ohne Spiegel war ihr klar, dass ihr Gesicht rot glühte. Fluchtartig verließ sie die Küche. Tom rief ihr hinterher, doch sie hastete weiter die Treppen hoch und verschanzte sich in ihrem Zimmer. Sie ließ sich aufs Bett sinken. Ich wollte doch noch in den Garten, dachte sie. Sie blieb in ihrer Kammer.

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