Bettina Ehrsam - Rosa-weiße Marshmallows

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Rosa-weiße Marshmallows: краткое содержание, описание и аннотация

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Nach einem traumatischen Erlebnis hofft Lisa, auf einer Farm in Wisconsin wieder auf die Beine zu kommen. Ihre Heilung beginnt am Lagerfeuer mit dem Schamanen BigWam. Eines Tages ist sie verschwunden. Ist sie tot oder lebt sie noch? Wird ihre Schwester Caroline sie finden und das Rätsel lösen?

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„Komm.“ Er führte ihre Hände zum geschwollenen Leib des Tieres, verschränkte seine Finger mit den ihren und drückte sie an Ernas dicken Bauch.

Ihr Herz hämmerte gegen ihre Brust. Sie fühlte den Puls im Hals und in den Ohren, fühlte seinen Kopf an ihrem Nacken, seinen Atem an ihrem Ohr, nahm die Wärme seines Körpers an ihrem Rücken wahr. Sie schluckte.

„Pst.“

„Wieso pst? Ich habe doch gar nichts gesagt.“ Ihre Stimme flatterte bei jedem Wort.

„Spürst du das Ungeborene?“

Sie spürte vor allem seine Wange an ihrem Hals und ihr Herz, das viel zu schnell schlug.

Er verlagerte das Gewicht auf seinen anderen Fuß. „Warte. Da. Es bewegt sich. Da. Hast du es auch gefühlt?“

Der Hut rutschte ihr ins Gesicht, als seine Wange ihr Haar berührte. Seine Lippen streiften leicht ihr Ohr.

Lisas Nackenhaare stellten sich auf, sie konnte kaum atmen. „Der Hut“, sagte sie. Dabei war es ihr egal, dass er ihr vom Kopf glitt.

Er ließ sie los. Seine Fingerspitzen glitten über ihren Arm, und alles war vorbei. Sie hätte sich ohrfeigen können, überhaupt etwas gesagt zu haben. Es hatte sich alles so richtig angefühlt. Warum hatte sie sich nicht auch nur einen Millimeter an ihn gelehnt, statt nur steif dazustehen? Sie griff den Hut vom Boden, setzte ihn wieder auf und zog ihn sich tief ins Gesicht; dann legte sie die Hände wieder an Ernas Leib. Tom kam nicht wieder. Sie konzentrierte sich. Nichts. Sie schüttelte den Kopf, rieb ihre Hände kurz an der Hose ab, sah aus den Augenwinkeln, dass er sie beobachtete und hielt die Hände nochmals an den Bauch des Tieres. „Ja, ja, ich fühle es“, sagte sie mit so viel Begeisterung, wie ihr möglich war. Dabei hatte sie wieder nichts gespürt. Mit festen Schritten ging sie um Erna herum, stellte sich breitbeinig vor sie hin, schob einmal mehr den Hut aus dem Gesicht und beugte sich nach vorn. Die Kuh reckte sich, kam einen Schritt näher und schnaubte sie feucht an. Lisa wich zurück und stolperte.

Er hielt sie fest. „Sie tut dir nichts“, sagte er und lachte leise. Seine Finger berührten seitlich ihre Brust. Und obwohl sie wusste, dass die Berührung ganz harmlos war, fühlte sie, wie ihr die Röte ins Gesicht schoss.

Sie befreite sich aus seinem Griff und machte einen Schritt auf Erna zu, riss sich zusammen und streichelte sie mit weit ausgestrecktem Arm zwischen den Augen.

„Jetzt mal ehrlich: Siehst du nicht, wie traurig sie ist?“

Tom schnippte ihr den Hut vom Kopf und fing ihn mit der anderen Hand auf. Er setzte ihn auf sein zotteliges Haar und lachte noch immer, als er auf eine andere Kuh zuging, die am Boden lag und mit großen Augen und ihren langen Wimpern zu ihnen herüberschaute. Gleichzeitig schob sie ihren Unterkiefer hin und her, als würde das Geschehen um sie herum sie langweilen.

„Warum lachst du mich aus?“, rief Lisa ihm hinterher.

„Dort drüben, das ist Zazah, die tut dir auch nichts. Schau ihr in die Augen und sag mir, was du siehst.“

Lisa strich sich mit der Hand über den Arm und schrie auf. Irgendetwas Grünes hüpfte davon.

„Hast du Angst vor Heuschrecken?“ Tom hob seine linke Braue.

„Sie hat mich halt erschreckt. Sei nicht so ein Idiot und lach mich nicht ständig aus.“ Mit festem Schritt ging sie an ihm vorbei und kauerte sich mit einem Meter Abstand vor Zazah hin. „Hm“, sagte sie, kroch etwas näher heran und hielt sofort inne, als Zazah den Kopf zu ihr drehte. So viele Fliegen in den Augen – das musste doch den ganzen Tag kitzeln ...

„Na, was siehst du?“, rief er ihr zu.

„Fliegen“, sagte sie.

„Was?“ Er näherte sich ihr.

„Ich sehe Neugier in ihren Augen.“ Sie stand auf und stand direkt vor ihm. Sein Mund war wieder zu einem spöttischen Lächeln verzogen. Sie verschränkte ihre Arme und hob ihr Kinn. Um nichts auf der Welt hätte sie zugegeben, auch in Zazahs Blick eine gewisse Melancholie wahrgenommen zu haben.

13

Lisa wartete draußen vor der Scheune, während Tom den Stacheldraht und das Werkzeug verstaute. Sie rührte auch keinen Finger, als er das alte Holz neben BigWams Feuerstelle aufschichtete. Sie verstand nicht, warum ihr Rücken so steif war und schmerzte. Schließlich arbeitete sie im Garten auch in gebückter Haltung. Sie rieb sich das Kreuz und schaute sich um. Erst jetzt bemerkte sie, dass niemand zu sehen war. Der Hof wirkte verlassen. Rufus war weg, die Kette achtlos hingeworfen.

„Wo ist Rufus?“, fragte sie, ohne eine Antwort zu erwarten.

„Die Kinder sind vermutlich mit ihm spazieren gegangen. Den ganzen Tag angekettet zu sein, macht jeden depressiv.“

Lisa lachte. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Rufus dep ressiv ist. Der ist agg ressiv.“

„Viele sind wütend, wenn sie traurig sind. Wut ist besser als Trauer.“ Tom begann, das Holz umständlich umzuschichten.

„Wie kann man wütend sein, wenn man traurig ist?“

„Warst du noch nie wütend?“

„Natürlich. Was soll die Frage?“

„Dann weißt du, dass Wut oft die Folge von Trauer ist.“

„Hat dir das BigWam beigebracht?“, fragte sie schnippisch.

Tom legte das letzte Stück Holz auf den Stapel und klopfte sich dann die Hände an der Hose ab. „Wer sonst?“

Auf einmal ging ihr ein Licht auf. BigWam hatte ihm auch schon geholfen. Darum hatte Tom also gewusst, dass BigWam auch ihr würde helfen können. Beinahe hätte sie sich bei ihm dafür bedankt und wusste im Nachhinein nicht, warum sie es nicht getan hatte.

Vom Flur aus hörte sie das Wasser in der Küche rauschen. Agnes, dachte sie, doch es war Dave, der in der Küche vor der Spüle stand und Zucchini wusch. Er trug die Schürze mit den vielen bunten Tupfen. Erst jetzt bemerkte sie, dass die Tupfen Kinderhände waren. Auf Brusthöhe prangten zwei große dunkle Hände. Auf dem Teller neben Dave lagen gewürfelte Tomaten und Peperoni.

„Hast du den Indianer gesehen? Ich hab ihm Holz für sein Lagerfeuer gebracht“, sagte Tom.

„Nein, habe ihn schon eine Weile nicht zu Gesicht bekommen“, gab Dave missmutig von sich.

„Was machst du da?“ Tom schaute seinem Bruder über die Schultern.

„Wie du siehst, putze ich das Gemüse.“

„Hast du das schon mal gemacht?“, fragte Tom.

Dave brummte irgendetwas.

„Wo ist Agnes?“, fragte Lisa.

„Sie hat Migräne“, antwortete Dave.

„Sie hatte doch noch nie Kopfschmerzen. Sie wird doch nicht krank werden?“, sagte Tom.

Dave schwieg, zuckte nur mit den Schultern und putzte weiter das Gemüse.

Lisa setzte sich auf die Bank und stöhnte leise. Das gebückte Arbeiten hatte ihrem Rücken nicht gutgetan. Sie legte sich der Länge nach auf die harte Sitzfläche, zog beide Beine an und drückte sie gegen ihre Brust. Die Dehnung auf der festen Unterlage brachte Erleichterung.

„Was gibt es denn zu essen?“, fragte Tom.

Lisa kreiste die Beine. Ihr war es egal, was es zu essen gab. Sie hatte keinen Hunger, war einfach nur müde und sehnte sich zum ersten Mal seit sehr langer Zeit wieder nach einem heißen Bad.

„Was wohl? Gemüse. Ich soll es einfach mal putzen und klein schneiden.“

„Ich wusste nicht, dass du kochen kannst“, sagte Tom.

„Wusste ich auch nicht. Ist laut Agnes kinderleicht.“ Dave lachte grob.

„Sag mal, muss das so unregelmäßig sein?“

„Sie hat gesagt, ,ungefähr gleich groß‘. Hast du das schon desinfiziert?“, fragte Dave und wies mit dem Kinn auf Toms Wunde.

„Ja, mach ich noch. Das dauert ja eine Ewigkeit, bis du das Gemüse fertig geschnitten hast.“

„Du darfst gern übernehmen“, brummte Dave.

Die Unterhaltung hatte aufgehört. Lisa zog die Beine abwechselnd Richtung Brust. Die Dehnung löste die Verspannung im Kreuz. Sie schrie auf, als plötzlich die Schürze auf ihrem Kopf landete und zu Boden glitt.

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