Bettina Ehrsam - Rosa-weiße Marshmallows

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Rosa-weiße Marshmallows: краткое содержание, описание и аннотация

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Nach einem traumatischen Erlebnis hofft Lisa, auf einer Farm in Wisconsin wieder auf die Beine zu kommen. Ihre Heilung beginnt am Lagerfeuer mit dem Schamanen BigWam. Eines Tages ist sie verschwunden. Ist sie tot oder lebt sie noch? Wird ihre Schwester Caroline sie finden und das Rätsel lösen?

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„Beruhige dich, das wirst du nicht. Was genau hat Lilly dir vorgeworfen?“

„Unsere Freundschaft sei nie echt gewesen.“

„Siehst du, unsere Freundschaft ist echt. Sonst würden wir jetzt nicht darüber sprechen.“

Maude lehnte sich an Lisas Schulter.

Das Feuer knackte, die Flammen tanzten. Lisa hielt Maude in ihren Armen und dachte an Tom. Er hatte nie von einem Kind gesprochen. Wie alt war es jetzt wohl? So alt wie Roy? Fuhr er gar nicht zu einer Frau, sondern zu seinem Kind? Diesen Gedanken verwarf sie gleich wieder. Es war schon reichlich spät gewesen, als er losgefahren war.

„Ich wusste nicht, dass er ein Kind hat.“ Sie ließ ihre Freundin los, nahm das Bier vom Boden und spülte damit ihre trockene Kehle. Es schmeckte schal, aber das war ihr gleich.

„Hat er nicht“, sagte Maude.

„Sie hat es abgetrieben?“ Lisa rieb sich kräftig die Wangen, damit Maude ihre Erleichterung nicht sehen konnte.

„Sie hatte eine Fehlgeburt“, sagte Maude.

„Oh, wie schrecklich ... War sie lange im Krankenhaus?“

„Nein, es ist auf der Toilette bei ihr zu Hause passiert.“

„Maude, schau mich an.“ Lisa wartete, bis Maude ihr in die Augen blickte. „Ich denke, Lilly O’Brien war gar nie schwanger. Sie ist ein ganz durchtriebenes Miststück.“

„Du kennst sie nicht. So was hätte sie nie getan.“ Maude spielte mit ihrem Verlobungsring.

„So was hätte sie nie getan? Ach komm, hör doch auf! So, wie sie dich behandelt hat? Maude, du bist einfach viel zu gutmütig für diese Welt.“

Maude zuckte traurig mit den Schultern.

„Maude, was soll das? Du hast doch sonst immer den Durchblick. Was hat Tom damals gesagt?“

„Er sagte, es sei andersrum gewesen, sie hätte von ihm Dinge verlangt, die er nicht machen wollte.“

„Was für Dinge?“ Tom hatte also Erfahrung mit unmoralischen Angeboten, dachte sie.

„Hat er nicht gesagt. Ich solle Lilly fragen, meinte er nur.“ Maude wirkte erschöpft.

„Und?“

„Sie sprach ja nicht mehr mit mir.“

„Warum denkst du immer noch an sie?“

„Ich habe seit Jahren nicht mehr an sie gedacht. Es ist nur – ich will einfach nicht ... Du weißt schon.“

Lisa legte den Kopf in den Nacken. Erstens war sie nicht Lilly, und zweitens wollte sie selbst entscheiden, mit wem sie ins Bett ging. Über ihr funkelten Millionen von Sternen am dunklen Firmament. Wie unbedeutend doch alles war. „Es ist schon eigenartig, dass du Lilly mehr glaubst als deinem Bruder“, sagte sie zu den glitzernden Punkten. Was hatte Lilly von ihm verlangt, das so schrecklich war, dass er sie abservierte? Neben ihr schlang Maude die Arme eng um ihren Körper. „Sag mal, ist dir kalt?“

Maude schwieg und Lisa blickte wieder zu den Sternen. Vom Haus her drangen gedämpfte Stimmen. Sie hörte Grillen zirpen und Tiergeschrei. Wie laut es ist, wenn man still ist, dachte sie.

„Du glaubst mir nicht“, sagte Maude nach einer Weile. „Du denkst, Tom sei nicht so. Er hat mir immer alles kaputt gemacht.“

„Warum hast du mir nicht schon früher davon erzählt?“ Der Nachthimmel nahm sie so lange in den Bann, bis Maude etwas ins Feuer kickte, das hell entflammte und wieder erlosch.

„Er hat an meinen Zöpfen gezogen, allen Puppen die Haare abgeschnitten.“ Maude schluckte. „Hat in meine hübschen Gummistiefel gepisst und später die Freundschaft mit Lilly zerstört.“

„Er hat in deine Stiefel gepinkelt?“ Lisa hielt den Atem an, um nicht loszuprusten. „Sorry Maude, aber das ist wirklich zu komisch.“ Sie konnte ihr Lachen nicht länger zurückhalten.

„Und vergiss nicht, er hat an meinen Zöpfen gerissen, und zwar so!“ Maude packte Lisas Haar und zog daran.

„Au!“ Lisa rieb sich die Kopfhaut und ließ sich rückwärts auf den Boden fallen. Sie presste die Faust auf ihren Mund und lachte weiter. „Maude, ich kann nicht anders.“ Sie rang laut um Luft. „Es tut mir wirklich leid“, kicherte sie und biss sich auf die Hand, was nicht viel nützte. Sobald sie an Gummistiefel dachte, wurde sie von einer neuen Lachsalve geschüttelt. „Oh, Maude, so sind wohl Brüder.“

„Nein, Lisa, nicht Brüder – Tom. Dave hat mich immer in Schutz genommen.“

„Dann waren du und Dave gegen den armen Tom?“ Lisa wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.

„Nimm ihn nur in Schutz. Du kennst ihn eben nicht.“ Maude machte eine Pause. „Gegen Dave hatte er keine Chance. Deshalb war er gemein zu mir. Und manchmal hat Dave ihn deswegen verdroschen.“

„Ihr seid doch jetzt alle erwachsen. Das ist doch Schnee von gestern.“

„Im Normalfall würde ich dir zustimmen. Hast du nicht bemerkt, dass er vorhin kein Wort mit mir gewechselt hat? Er ist aufgestanden und einfach gegangen.“

Lisa erschrak. Sie hatte Trauer in Maudes Stimme gehört. War Tom bewusst, wie sehr seine Schwester unter dieser alten Geschichte litt? „Das stimmt nicht“, beruhigte sie ihre Freundin. „Er hat nichts gegen dich. Zu deiner Information: Er sagte bereits, als er herkam, dass er nicht lange bleiben würde. Ehrlich. Und er gab dir den brüderlichen Rat, die Marshmallows nicht verkohlen zu lassen.“

„Hat er das?“

Lisa nickte und klopfte mit der Hand neben sich auf den Boden. „Von hier kannst du die Sterne sehen.“

Maudes Gesicht verfinsterte sich wieder. „Er war immer der Störenfried“, sagte sie und stieß einen groben Lacher aus. „Hat auch in der Schule nichts als Probleme gemacht.“

„Was hackst du nur so auf ihm rum? Das hast du doch früher nie gemacht.“

„Er konnte mich noch nie leiden“, fing Maude von Neuem an.

„Komm her.“ Lisa klopfte wieder auf den Boden. „Kennst du die Sternbilder?“, fragte sie.

„Nur den Großen und den Kleinen Wagen.“ Maude legte sich neben sie und zeigte mit der Hand in die Luft. „Siehst du dort den hellen Stern? Das ist der Polarstern.“

Für Lisa waren alle Sterne hell. Dann kicherte sie erneut und biss sich in den Finger, um nicht laut loslachen zu müssen.

„Hör endlich auf. Das ist nicht lustig.“

Lisa versuchte nicht einmal, ihr Lachen zu unterdrücken.

„Lisa, hör jetzt auf, das ist nicht lustig!“ Maude knuffte sie in die Seite.

Sie konnte nicht anders, sie musste weiterlachen.

„Pscht, Lisa!“ Maude presste ihr die Hand auf den Mund. „Pscht, nicht so laut! Sonst kommt am Ende noch Agnes und schimpft uns aus.“

Lisa bekam kaum Luft und stieß Maudes Hand weg. „Oh, die hätte uns gerade noch gefehlt“, japste sie.

Nun lachte auch Maude, und beide hörten sich an wie die gackernden Hühner auf dem Hof, wenn Lisa mit dem Eimer kam. Die schmale Mondsichel hoch am Himmel spendete kaum Licht. So bemerkten die beiden Frauen den Schatten nicht, der einige Meter hinter ihnen, mit zum Himmel gerichtetem Gesicht und ausgebreiteten Armen, still dastand.

„Ist extrem heiß, so nah am Feuer.“ Maude rieb sich die nackten Stellen an den Beinen. Sie war offenbar so damit beschäftigt, sich die Haut zu reiben, dass sie die Welt um sich herum vergaß.

Lisa stupste ihre Freundin an „Ich bin nicht Lilly“, wiederholte sie.

„Das weiß ich doch.“ Maude musste ein paarmal ansetzen, bevor sie den Faden fand und weitersprach. „Glaub mir, er würde trotzdem irgendwie zwischen uns stehen. Er kann das gut, und das will ich einfach nicht. Ich kenne ihn, er wird dir das Herz brechen.“

„Du brauchst dich deswegen nicht zu sorgen. So viel Macht hat er nicht über mich. Es ist doch ganz anders.“ Lisa berührte Maudes Arm. „Und wenn du nicht ausflippst, erzähle ich dir auch, was sich zwischen uns abgespielt hat.“

„Na, mach schon“, sagte Maude, als Lisa keine Anstalten machte, mit der Geschichte herauszurücken.

„Versprich mir, dass du nicht ausflippst.“

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