Maxim Ossipow - Kilometer 101

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Maxim Ossipows zweite deutschsprachige Veröffentlichung versammelt Essays, Geschichten und Novellen. Egal welches Genre der Autor wählt, egal wo seine Erzählungen spielen (die russischen Provinzen, Westeuropa, die USA), sein Focus gilt den Erwartungen, Ambitionen und Ängsten seiner Protagonisten. Was diese teilen, ist eine existentielle Einsamkeit; ein schmerzhafter Zustand, der bisweilen aber auch produktive Kräfte freisetzt. Ossipows Charaktere leben voll und ganz im 21. Jahrhundert, sind jedoch getrieben von elementaren zeitlosen Fragen, die endgültige Antworten erfordern, denen sie sich in der Regel entziehen. Der Blick des Autors auf die beschriebenen Verhältnisse ist klar und gänzlich unsentimental, ja gnadenlos, und doch immer getragen von großer Empathie für die handelnden Personen. Ihm gelingt das Kunststück, uns an der Offenbarung plötzlicher Glücksmomente dieser Menschen teilhaben zu lassen.

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Ein paarmal musste ich die „Brüderchen“ mit den toten Augen behandeln.

Ich frage unschuldig: „Woher stammen die Tätowierungen? Was bedeuten sie?“

„Warum willst du das wissen, Doktor?“

Wozu sind sie denn da? Ein Erkennungszeichen (wie statt „bei der Flotte“ „in der Flotte“ zu sagen), damit wir uns schweigend vor ihm verneigen. Mitwisser niederträchtiger Geheimnisse. Im Flugzeug erzählte mir mal mein Sitznachbar, ein Psychiater (der vier Jahre abgesessen hatte): wie man sich im heutigen Gefängnis oder Lager benehmen muss, um es zu überstehen. Das schien mir vor allem langweilig.

Zum Glück besteht unser Provinzleben in etwas ganz anderem. Es gibt viel Einzigartiges, Rührendes. Da fährst du morgens zur Arbeit, es dämmert noch, und überholst einen winzig kleinen Jungen, der sich mit einer Riesentasche zur Schule schleppt. Das ist Filipók, so etwas siehst du sonst nirgends.

Oder, ein Glückstag, etwas Neues (für mich Neues natürlich) ist dir gelungen und gut ausgegangen, und dann noch einmal, und dann befindest du dich im Zentrum ähnlicher Fälle und wirst von allen gebraucht wie Jewgraf Schiwago. Oder ein Patient (besonders, wenn er nicht sehr krank ist) sagt etwas so Lustiges, dass du schon überlegst, wie du es einem Freund erzählen, wie du es niederschreiben kannst, und du möchtest das schnellstens tun. Während der Anamnese eines sehr erfolgreichen und, wie ich denke, unbegabten Regisseurs frage ich: „Rauchen Sie?“ Und er macht eine einladende Geste mit der Hand: „Nein, aber Sie können ruhig rauchen, wenn Sie wollen.“

Es ist eine Freude, eine bestimmte Perfektion zu erreichen, etwas nicht schlechter zu machen als im Westen. Darin liegt das Wesen unseres Berufs: im ärztlichen Verhalten. Gogols Doktor verhält sich übrigens durchaus arztgerecht: er lügt, dass er die Nase wieder anbringen kann (damals log man ununterbrochen, weshalb Tschechow den Arzt auch Byzantiner nennt), und rät dann: „Waschen Sie die Stelle öfters mit kaltem Wasser …“ – so behandelte man damals: die Hydropathie war eine fortschrittliche Methode. Heute heißt sich arztgerecht benehmen, etwas gemäß den westlichen medizinischen Lehrbüchern tun, sie schützen den Patienten vor der Genialität des Arztes. Wir sind keine Heiler und Retter wie der Seemann aus dem populären Zeichentrickfilm („Was könnte ich denn mal so an Gutem tun?“). „Leute, seid ihr Arzt, weil euer Vater Arzt ist, oder aus Berufung?“ „Weil wir dafür ausgebildet wurden.“

Übrigens behaupten die Spezialisten, Gogol meine nicht die Nase, sondern ein anderes Körperteil. Ich finde, sie haben unrecht, so sehr bin ich nach der Bekanntschaft mit den russischen Beamten von der buchstäblichen Wahrheit dessen überzeugt, was Gogol über sie geschrieben hat.

Viele Menschen und Begegnungen, jeder steht für sein eigenes Russland.

Hier ein dreißigjähriger Programmierer aus der Nachbarstadt: ordentlich, gepflegte Sprache, er erinnert sich, was wann war, womit man ihn behandelt hat, fester Händedruck. Bittet, ihm Literatur zu seiner Krankheit zu geben – er wird schon klarkommen. Äußerst angenehmer Eindruck: man sieht, er braucht dasselbe, was wir brauchen – Freiheit und Ordnung.

Es gibt natürlich auch Kummer, in gewissem Sinn aber auch tröstlichen – weil er zum Leben gehört. Alexander Pawlowitsch ist gestorben, ein zäher, listiger Siebzigjähriger. Ich habe ihn nicht dazu überreden können, seine Aortenklappe auswechseln zu lassen. Genauer: Ich habe es geschafft, aber zu spät. Weder Angsteinjagen noch freundliche Worte, nichts half. Wenn wir einander auf der Straße begegneten, blinzelte er ein bisschen (Sie haben mir umsonst Angst gemacht, Doktor, ich lebe immer noch), dann, als es doch bergab ging, fuhr er nach China (chinesische Medizin), nach einem Lungenödem willigte er in die Operation ein, doch seine Tochter aus Magadan pöbelte mich verzweifelt an (Wer soll sich um ihn kümmern? Was für Garantien können Sie geben, wenn wir einwilligen?). Und so hat es nicht geklappt.

Ein schwerstkranker Oberst a. D. lebt im Dorf. Er hat einen heftigen Infarkt, begegnet den Ärzten mit begründetem Verdacht, lässt sich aber überreden. Ich untersuche ihn zusammen mit einem Kollegen, und wir tauschen kurze englische Stichworte aus – in der dummen Hoffnung, dass der Patient uns nicht versteht. Als wir ihm dann den Sensor aus dem Mund nehmen, sagt der Oberst auf einmal: „How did you manage to get such a piece of equipment?“

Man brachte auch einmal einen echten Amerikaner (er lebt seit ein paar Jahren in unserer Stadt, ist mit einer Ortsansässigen verheiratet) – bewusstlos, er hatte ein Kühlmittel getrunken. Das tut man nicht zum Vergnügen, sondern, um sich umzubringen. Den Tätowierungen nach zu schließen ein einfacher Mann – und zudem ein Trotzkist. Wie sich später herausstellte, spricht er kein Russisch. Warum wollte er sterben? Hat er sich im Jahrhundert vertan? Wir haben es nicht erfahren – wir behandelten ihn mit Äthylalkohol und schickten ihn zur Dialyse. Wieder ein anderes Russland: In Moskau leben anscheinend siebzigtausend Amerikaner.

Ein Wojuross, sprich: ein wohlhabender junger Russe, der sich langweilte, kam aus Moskau. Kerngesund. „Was machen Sie beruflich?“ – „Ich habe ein Business“ (also Arbeit). Nachzufragen traut man sich nicht.

Es gibt in unserer Stadt auch sehr reiche Menschen, die manchmal ebenfalls plötzlich erkranken. Mit einem kamen wir ins Gespräch (der Verdacht auf einen Infarkt bestätigte sich nicht). Er hat Angst zu sterben, und zwar nicht die adrenalinhaltige Angst, die einen nachts weckt und nach Luft ringen lässt, sondern eine ganz rationale: Es gelingt ihm nicht, will ihm doch partout nicht gelingen, sein Lieblingsspielzeug mitzunehmen. Solche, so glaube ich, lassen sich nach dem Tod einfrieren – der Gipfel der Taktlosigkeit dem Schöpfer gegenüber: Ich kümmere mich selbst um mich. Ich reagierte auch gereizt auf die Frage, ob er mir mit etwas dienen könne, war schon drauf und dran, das klassische „Geh mir aus der Sonne“ zu sagen, bat aber um einen weiteren Apparat. Ein dicker, gieriger Junge mit einer schönen Brille, so einer gibt schwerlich jemandem ein Bonbon ab oder lässt einen mit seinem Fahrrad eine Runde drehen. „Nicht mit Fisch füttern, sondern lehren, Fisch zu fangen“, ist das christlich? Hat der Erlöser gelehrt, wie man Fisch fängt, und ihn nicht zu essen gegeben?

Dagegen gibt es Menschen, die von allen zur hinterletzten Sorte gezählt werden: die tadschikischen Arbeiter. Man vergisst schon, dass wir alle in einem Land gelebt, dass sie und wir in der Schule ein und dasselbe gelernt haben. Mühsam rufst du dir in Erinnerung, dass der Komfort unseres Lebens zu diesem Preis gekauft ist, aber es gelingt dir nicht besonders gut: Sie sind Tadschiken, anders, fremd.

Die Nachbarin hält Vieh und interessiert sich für die Ereignisse in der Welt auf ihre Weise. Sie gießt im Gemüsegarten: „Hätten wir doch so einen Schlauch wie der, mit dem man in Europa die Demonstranten auseinanderjagt.“ Auf den Putsch von 1991 reagierte sie folgendermaßen: „Was für Ereignisse es in unserem Land doch gibt, und der arme Gorbatschow ist krank.“ Ihr tun alle leid: Michail Sergejewitsch ebenso wie jeder kranke Mensch und das Kälbchen oder Ferkel, das sie verkauft: „Borja, Ringelschwänzchen“, murmelt sie vor sich hin und sofort danach: „Wollen Sie nicht das Fleisch haben und Schaschlik machen?“

Die Nachbarin erinnert sich ein bisschen an den Krieg, an die Dreißigerjahre erinnert sich niemand mehr. Vor kurzem habe ich (aus zweiter Hand) erfahren, wie man den Trotzkismus in unserer Stadt ausgerottet hat. Der Vorsitzenden der Kolchose – einer Frau mit einer interessanten Biografie und dem Ruf einer Hexe – schickte man die Order: Fünf Trotzkisten enttarnen. (Nach der lokalen Legende zeichnete sich die Vorsitzende durch seltene Schönheit aus. Im Ersten Weltkrieg wurde sie von ihrem Bräutigam, einem Flieger, also zur damaligen Elite gehörig, verlassen, und zwar zugunsten ihrer Schwester. Um die Schwester ins Grab zu bringen, stellte sie Kerzen auf, schrieb Zettel für ihr Seelenheil – ein altes Volksmittel. Mit Erfolg, die Schwester starb, aber den Bräutigam bekam sie nicht zurück.)

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