Maxim Ossipow - Kilometer 101

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Maxim Ossipows zweite deutschsprachige Veröffentlichung versammelt Essays, Geschichten und Novellen. Egal welches Genre der Autor wählt, egal wo seine Erzählungen spielen (die russischen Provinzen, Westeuropa, die USA), sein Focus gilt den Erwartungen, Ambitionen und Ängsten seiner Protagonisten. Was diese teilen, ist eine existentielle Einsamkeit; ein schmerzhafter Zustand, der bisweilen aber auch produktive Kräfte freisetzt. Ossipows Charaktere leben voll und ganz im 21. Jahrhundert, sind jedoch getrieben von elementaren zeitlosen Fragen, die endgültige Antworten erfordern, denen sie sich in der Regel entziehen. Der Blick des Autors auf die beschriebenen Verhältnisse ist klar und gänzlich unsentimental, ja gnadenlos, und doch immer getragen von großer Empathie für die handelnden Personen. Ihm gelingt das Kunststück, uns an der Offenbarung plötzlicher Glücksmomente dieser Menschen teilhaben zu lassen.

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Die Woche war stürmisch, sogar weniger als eine Woche: vier Tage, das Telefon klingelte pausenlos, nur nachts wurde es leichter, und aufgrund des Charmes der Raserei, die uns gepackt hatte (Siegen! – und fragt nicht „zu welchem Zweck“), wurde unser eigentliches Anliegen aus den Augen verloren: die Patienten. „Jetzt könnt ihr die Beamten besser verstehen, bei denen ist das ständig so, deshalb haben sie keine Zeit für die Menschen“, sagte der Wohltäter. Eine ähnliche Hektik gibt es zwischen einem Todesfall und der Beerdigung – du machst da in zwei, drei Tagen sehr viel mehr durch als sonst. Leute kommen, drücken ihr Beileid aus, das ist notwendig, der eine fährt die Sterbeurkunde holen, die andere bäckt das Totenfeierbrot.

Sein Mitgefühl kann man auf unterschiedliche Weise ausdrücken, aber selbst ungesundes Mitgefühl ist besser als gesundes Fehlen von Mitgefühl, also danke, vielen Dank allen, inklusive S. Einst war er mein Freund, wir hatten uns seit acht Jahren nicht mehr gesehen. S. war erfolgreich, trinkt aber manchmal und schreibt mir dann sensible Briefe mit Zitaten von Wittgenstein und Saint-Exupéry. Folgenden Brief erhielt ich am Mittwochmorgen, den 5. März: „Mit Trauer und Schmerz im Herzen verfolge ich, was geschieht. Ich würde dir sehr gerne helfen und die Ereignisse von einem ganz anderen Standpunkt betrachten … Ruf mich doch einfach an. Das wird für dich einen großen Sieg im metaphysischen Sinn bedeuten. Wenn dir das aber vorläufig nicht möglich ist, nimm dieses Muster als Geschenk: Es wird dir Erfolg bringen, selbst wenn du es nur hin und wieder betrachtest. Die letzten drei Jahre, da ich mich fast ganz von den Geschäften zurückgezogen habe, verbringe ich damit, Muster zusammenzustellen. Ich umarme dich“, Unterschrift. In der angehängten Datei: ein schönes Muster (Streifen, Sterne). Ein Kollege, dem ich vorschlug, ihm eine Diagnose zu stellen, schloss eine psychische Störung aus: „Das ist irgendeine spirituelle Krankheit.“

„What a mess!“ – schreibt mein amerikanischer Coautor begeistert, er hat in der „Washington Post“ etwas über uns gelesen. Lange hatte er nichts von sich hören lassen: Er sollte die Kapitel unseres Buches für die amerikanische Ausgabe redigieren und ergänzen und war völlig von der Bildfläche verschwunden, aber jetzt ist er eben wiederaufgetaucht.

Auch unerwartete Ratschläge treffen ein. Mein ehemaliger Moskauer Nachbar, ein Biologe und Inhaber eines Lebensmittelgeschäfts, der, wie sich herausstellt, jetzt in Sachalin lebt, schreibt: „Früher oder später werden Sie die Vergeblichkeit Ihrer Bemühungen einsehen und sich aufmachen, die Äthiopier oder Philippiner zu behandeln – sie werden sehr viel dankbarer sein für das, was Sie für sie tun. Ich habe lange in beiden Ländern gelebt, sie sind von wunderbaren Menschen bevölkert.“

„Unösterliche Freude“ – diese Bezeichnung kam mir fast auf Anhieb, gemeint ist nicht die Freude über eine Begegnung oder ein erhaltenes Geschenk, die Berührung von etwas Höherem. Dasselbe muss Napoleon empfunden haben, als er in das leere Moskau einmarschierte. Die Abwesenheit von Widerstand: wie ein Messer, das in Butter fährt, oder nicht einmal in Butter, sondern in Öl. Die Hand, die den Schlag ausführt oder zum Händedruck ausgestreckt ist, bleibt im Leeren hängen.

Am Freitag, dem Tag nach dem Gespräch mit der Bedeutenden Persönlichkeit, nach der Abreise der Journalisten und dem Aufhören der Anrufe machte sich eine erschreckende Leere breit. Die Schlüssel vom Büro der Chefärztin wurden uns von niemandem gebracht, den Mitarbeitern wurden schwarz-weiße Kopien der Gratulationskarten zum achten März mit der Unterschrift des Polizeimeisters ausgegeben, der Gratulant selbst hatte sich in unbekannter Richtung verabschiedet. Offizielle Erklärungen zu den Rücktritten gab es nicht („Rufen Sie nach den Feiertagen an“), es wurde klar, dass die Burschen das Schwert nicht aus der Hand gäben, sondern – hast du nicht gesehen – mich für verrückt erklären und zwangsweise in die „Buschmanowka“, das psychiatrische Regionalkrankenhaus, stecken würden: Der Doktor hat einen schizophrenen Anfall oder was auch immer, sie würden sich schon was einfallen lassen. In diesem Zustand trifft er sich mit Präsidenten und Ministern, ruft Journalisten zusammen, setzt Beamte ab.

Doch erhielten wir gerade noch ein Fax (am siebten März, einem verkürzten Arbeitstag): die Antwort der Bedeutenden Persönlichkeit an die Regierungszeitung. Erleichterung trat ein, sie stecken mich nicht in die „Buschmanowka“. Die Gegenwart brach an – eine erschreckende Leere, der Zustand, in dem wir jetzt leben.

Die Leere materialisiert sich, und es heben sich einzelne Gestalten ab: ein paar Geschäftsleute, sehr mittelmäßig, und der Spiritus Rector unserer Stadt, die Konfidentin des Polizeimeisters, wir kennen sie schon lange. Sie leitet mehrere städtische Einrichtungen, in ihren Regalen stehen religiöse Bücher neben einem „Lehrbuch für Buchhaltung“ und dem „Gesetz zur örtlichen Selbstverwaltung“. Die Konfidentin hat großes Leid hinter sich, verfügt über angenehme Umgangsformen, eine Engelsstimme und macht aktiven Gebrauch von der Kirchensprache: Unsere Geschichte „führt sie in Versuchung“, „hindert sie daran, friedlich zu bleiben“. „Sie fürchten Gott nicht“, sage ich zu ihr. Und wirklich, sie fürchtet ihn nicht, sie findet vielmehr, er schulde ihr etwas für ihre Qualen: Lesen der geistlichen Literatur, stundenlanges Stehen in der Kirche, Einhalten der Fastenzeiten. Der Vorrat der Konfidentin an Bosheit ist frappierend. Sie war es, die in die Welt gesetzt hatte, wir stellten Versuche mit Menschen an, gebrauchten verbotene Präparate und probten die orange Revolution („sie kenne sich mit deren Methoden aus“). Auch die Journalisten halfen. Unsere Gegner erinnern sich wohl kaum an die „Dämonen“, selbst wenn sie sie gelesen haben, aber die Journalisten erinnern sich: Junge Leute tauchen in einer ruhigen Provinzstadt auf, um sie in die Luft zu sprengen. Da gibt es Benefizbälle, Damen der Obrigkeit, einen schwadronierenden Literaten und sogar einen Aristokraten – unseren Förderer („Wenn der Aristokrat für die Demokratie eintritt, ist er bezaubernd“).

Sie reden über uns im Fernsehen: Krankenzimmer Nr. 6, das Volk verharrt schweigend, Basmannyj-Justiz. Es ist einfacher, das Interessante zu übergehen: Die Chefärztin hat schon zweimal mit dem Polizeimeister prozessiert und beide Male gewonnen, die Ortsbewohner haben einen Brief geschrieben und sammeln Unterschriften. So eine Parteipresse – entschieden schlimmer als die Regierungszeitung. Man vergleicht uns mal mit Soros, mal mit YUKOS – was für eine Grundlage für Angriffe! Dazu steht etwas im „Iwan Denissowitsch“: „Aber nach dem Krieg schickte mir der englische Admiral, hol ihn der Teufel, ein denkwürdiges Geschenk. Zum Zeichen der Dankbarkeit. Ich wunderte mich und verfluchte ihn! …“

Es ist bekannt: Wenn man eine Million Affen an die Schreibmaschine setzt, wird bei einem von ihnen irgendwann ein Meisterwerk herauskommen. Die Affen haben den Vorteil: Sie drücken per Zufall auf die Tasten. „Soll ich mich mit allem auskennen?!“, ruft die junge Journalistin aus. Na klar, wenn du über alles schreiben willst. Einige Redaktionen schlugen uns vor, alles selbst darzustellen: „Sie haben einen guten Stil“ – das ist von dem, der es vorschlägt, nicht böse gemeint, sondern wie „Du bist groß, wechsle die Glühbirne aus“. Wir lehnten jedes Mal ab, nicht aus Arroganz – wir hatten schlicht keine Kraft dazu.

Viel dummes Zeug ist geredet worden über das, was bei uns los ist, trotz der einfachen Sachlage. Wir kämpfen nicht gegen die „Kräfte des Bösen“, gegen „Beamtenwillkür“ und so weiter – sondern nur gegen die, die uns an der Arbeit hindern. Wofür kämpfen wir? Für die Rückkehr der Chefärztin zur Arbeit. Sie lässt uns das machen, was wir wollen – die Patienten behandeln. Das hat keine politischen und fast keine wirtschaftlichen Gründe. Es gibt die Obrigkeit: ihr darf man nicht widersprechen, und das hat sie getan. Warum haben die Unterstützer scheinbar keine Angst? Oh doch, sie haben Angst, große sogar, aber sie kämpfen für dasselbe wie wir: für das Recht, ihr Leben zu leben. Zum Schlachtfeld wurde das Krankenhaus, das ist ihr Borodino – ein Dörflein, das niemandem etwas bedeutet außer uns, den Bewohnern dieses Borodino.

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