Jan Mohnhaupt - Auf der Kippe

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Der frühere Stürmer Michael Tönnies litt jahrelang an einer unheilbaren Lungenkrankheit. Erst der ausdauernde Einsatz zahlreicher MSV-Fans konnte ihn dazu ermutigen, sich einer überlebenswichtigen Lungentransplantation zu unterziehen. Der Journalist Jan Mohnhaupt hat nun in enger Zusammenarbeit mit Michael Tönnies dessen ungewöhnliche Lebensgeschichte aufgeschrieben. Michael Tönnies hat eine Profikarriere gelebt, wie es sie heute nicht mehr gibt. Samstags in der Bundesliga Fußball spielen, anschließend 'steil gehen': 'Ich bin in Kneipen groß geworden', sagt Tönnies. Von Ernährungsplänen hielt er nichts. In die Geschichte der Bundesliga ist er dennoch eingegangen, als er im August 1991 beim 6:2-Sieg des MSV Duisburg gegen den Karlsruher SC drei Tore in fünf Minuten schoss. Nach seiner Karriere ist Tönnies abgestürzt: Kneipe, Scheidung, 80 Zigaretten am Tag, Lungenemphysem. Heute ist er Stadionsprecher beim MSV und hat den Weg zurück ins Leben gefunden, auch dank der MSV-Fans.

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Eine Welt von 22 Schritten

Zwanzig Minuten dauert es, bis er oben ist, manchmal auch länger. Vor den letzten beiden Stufen hat er noch mal einige Minuten verschnaufen müssen. Jetzt schleppt er sich in sein Reich, seine beiden Zimmer, die zusammen kleiner sind als der Fünfmeterraum auf einem Fußballfeld. Im hinteren Zimmer steht sein Bett. Im vorderen stehen ein Fernseher, ein Tisch, davor zwei Sessel.

Er sackt in den nächsten Sessel und schaltet den Fernseher ein. Der Hundeprofi erklärt einer Frau im rosafarbenen Trainingsanzug, warum ihr Dackel nicht knurren darf, wenn sie sich aufs Sofa setzen will. Vor Hunden hat er panische Angst. Wenn er irgendwo hinkommt, wo Hunde sind, merken sie sofort, dass er sich vor ihnen fürchtet, und drehen völlig durch. Deshalb schaut er diese Sendung. Er hofft, dass er dadurch lernen kann, wie Hunde ticken. Früher hat er selber welche gehabt, erst einen Mischling und dann einen Bobtail. Den Bobtail wollte seine Frau haben. »Der Karl-Heinz Riedle hat auch so einen«, hat sie gesagt. Der Karl-Heinz Riedle hat wahrscheinlich auch keine Angst vor Hunden, hat er gedacht, aber der Bobtail war wirklich lieb. Joy hieß er. Als Michael Tönnies’ Frau sich von ihm getrennt hat und mit den beiden Söhnen abgehauen ist, haben sie den Hund weggegeben. Das hat er nicht verkraftet und ist gestorben. Kurz darauf ist er zurück zu seinen Eltern gezogen.

Nebenan liegt das Schlafzimmer seiner Eltern. Wenn er nachts wach wird, weil er keine Luft mehr bekommt, ruft er seine Mutter, und wenn die Luft dazu nicht mehr reicht, haut er mit dem Handballen gegen die Wand. Dann kommt sie herüber und setzt sich zu ihm auf die Bettkante. Sie redet ruhig mit ihm, versucht, ihm Mut zu machen, aber oft macht sie ihn nur wütend.

»Überleg dir das doch noch mal mit der Operation«, sagt sie leise zu ihm. »Der Roland Kaiser hat das auch geschafft, und jetzt singt er wieder.«

Das hat Michael gerade noch gefehlt, er bäumt sich auf, poltert los: »Ich möchte in meinem Beisein den Namen Roland Kaiser nie wieder hören, verstanden?«

Wenn er wütend wird, dann kann er noch richtig losbrüllen, dazu reicht die Kraft noch. Aber für diesen einen Ausbruch – das weiß er schon in dem Moment – lässt ihn seine Lunge wieder tagelang büßen.

Der Hundeprofi verabschiedet sich von der Frau im rosafarbenen Trainingsanzug, der Dackel liegt in einer Ecke und schaut aufs Sofa. Wieder einmal hat der Hundeprofi eine Hundebesitzerin glücklich gemacht und ihr gezeigt, wie sie ihr verzogenes Tier in den Griff bekommt. Michael Tönnies schaltet den Fernseher aus. Für heute hat er genug gegen seine Ängste getan. Er glaubt, dass er sich mit dieser Sendung selbst therapieren könnte, aber eigentlich versucht er sich nur abzulenken. Von der Angst zu ersticken. Manchmal geht es ihm stundenlang gut, doch in der nächsten Sekunde kann der Atem aussetzen, und er kriegt keine Luft mehr. Bei jedem Einatmen, bei jedem Ausatmen bangt er. Einatmen, ausatmen – so vergehen ganze Tage. Langsam drückt er sich aus dem Sessel hoch und schleicht zum Fenster. Ihm kommt das alles wie im Zeitraffer vor: hell, dunkel, hell, dunkel – Frühling, Sommer, Herbst, Winter – jetzt ist gerade wieder Winter. Nackt stehen die Bäume da; durch die kahlen Äste hindurch kann er bis hinüber zur Anlage sehen. So haben seine Schwester und er das verwilderte Gelände auf der anderen Straßenseite genannt, als sie noch Kinder waren. Wo mittlerweile ein Fahrradweg entlangführt, waren damals Schienen, über die die Kohlenzüge von den Zechen zu den Kokereien rollten. Während seine Schwester im Unterholz Buden baute, spielte er mit den Jungs aus der Nachbarschaft Fußball, überall traten sie gegen den Ball, auf der Wiese, auf der Straße. Damals konnten sie noch auf der Straße Fußball spielen, nur alle paar Stunden kam ein Auto vorbei, wenn überhaupt. Und dann war das schon eine kleine Sensation, für die es sich lohnte, das Spiel kurz zu unterbrechen.

Sein Blick streunt die Straße entlang – heute könnte er dort nicht mehr spielen, selbst wenn er es wollte. Am Straßenrand parken Autos. Kein Kind spielt mehr dort, und auch die Anlage wuchert verlassen vor sich hin – nur ein paar Eichhörnchen jagen über den Rasen, die Bäume hinauf, und lassen ein Lächeln über sein Gesicht huschen.

Als Kind war das seine Welt. Sie reichte von der Anlage bis zum Käfig, einem kleinen Ascheplatz, ein paar Minuten zu Fuß die Straße rauf. Jetzt bemisst sich seine Welt nur noch aus Atemzügen und Schritten. 22 Schritte braucht er vom Bett bis zum Klo. 13 Stufen sind es nach unten, wo sich das Familienleben abspielt. Aufs Klo geht er erst, wenn der Druck auf seiner Blase größer wird als die Enge in seiner Lunge. Nach unten geht er immer seltener, und schon bald wird er gar nicht mehr hinuntersteigen. Die Atemzüge werden immer kürzer.

Als er noch ein Bundesligaspieler war, hat man über ihn geunkt, er habe einen Bewegungsradius wie ein Bierdeckel. Aber das hat schon lange keiner mehr über Michael Tönnies gesagt.

Auf der Straße nach Schalke

(1960er bis 1981)

»Wir sind die letzten Helden des 20. Jahrhunderts, nach uns kommen nur noch Spieler aus Kunststoff.«

Horst Szymaniak, um 1965

Drinnen hat er es nie lange ausgehalten. Deswegen ist er auch nur kurz im Kindergarten gewesen. Weil er dort aber ständig geweint hat, wenn er nicht raus durfte, haben ihn seine Eltern bald wieder zu Hause gelassen. Mit drei oder vier Jahren haben sie ihn dann zum ersten Mal eine Zeitlang auf der Straße vor dem Haus spielen lassen. Michael wird zum Straßenkind; er will immer nur raus und mit den Jungs aus der Nachbarschaft Fußball spielen, eine Straße gegen die andere, jeden Tag. Anpfiff ist, wenn die Schule vorbei ist – und Schlusspfiff, wenn die Laternen angehen. Zum Glück hat er in der Schule nur selten Hausaufgaben zu erledigen, zumindest sagt er seiner Mutter das, damit er schnell nach draußen kann. Und das geht meistens so schnell, dass die anderen noch gar nicht da sind. Er rennt dann von Tür zu Tür, trommelt sie zusammen – und muss meistens warten. Die anderen haben Hausaufgaben bekommen.

Fußball spielt er überall, ob auf der Straße, auf der Wiese an der Anlage oder im Käfig. Der Käfig ist zwanzig mal vierzig Meter groß. Grauer Ascheboden, zwei Handballtore, umrandet von einem Gitterzaun. Dorthin geht er auch alleine, wenn sonst keiner Zeit hat zum Fußballspielen. Ohne Gegenspieler muss er sich selbst herausfordern. Er dribbelt los und versucht, den Ball besonders schön ins Tor zu schießen, mal genau in den Winkel, mal so, dass er vom Innenpfosten hineinspringt. Meistens gehorcht ihm der Ball. Wenn er geschossen hat, eilt er mit dem Ball am Fuß zum anderen Tor. Hin und her. Stundenlang macht er das. Im Käfig fühlt er sich wohl.

An der Straße vor dem Käfig ist eine Bushaltestelle. Auch wenn dort niemand ein- oder aussteigt, wartet der Busfahrer manchmal und beobachtet diesen Jungen, der wie ein Irrer alleine über den staubigen Platz rennt, immer von einem Tor zum anderen.

»Manchmal hat der Busfahrer schon mit dem Kopf geschüttelt, wenn er mich nur gesehen hat, und wohl gedacht, der hat auch nicht mehr alle Latten am Zaun. Einmal hatte ich einen nagelneuen Ball dabei. Der war weiß mit grünen Flicken und kostete damals 50 Mark. Wochenlang habe ich ihn mir im Schaufenster eines Sportgeschäfts angesehen und immer wieder gebettelt, bis meine Eltern ihn mir endlich gekauft haben. Mit dem Ball unterm Arm bin ich von Tür zu Tür gerannt und habe ihn meinen Kumpels gezeigt. Als wir dann auf dem Platz waren, hat es nicht lange gedauert, bis einer von denen den Ball über den Zaun geschossen hat. Der Ball rollte die Straße runter, genau auf den Bus zu, der dort stand. Vor einem der beiden Vorderreifen ist er liegen geblieben. Wir haben dem Busfahrer noch gewunken und zugerufen. Er muss das gesehen haben, aber er ist einfach losgefahren. Dann hat’s geknallt und der Ball war hin. Nur weil irgend so ein Amateur den über den Zaun gepöhlt hat.«

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