9. Nachträglicher Abschluss eines Maklervertrages
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In der höchstrichterlichen Rechtsprechung227 ist anerkannt, dass ein Maklervertrag auch dann noch abgeschlossen werden kann, wenn der Makler seine Nachweis- oder Vermittlungsleistung bereits erbracht hat. Mit dieser praxisrelevanten Fragestellung hat sich der Bundesgerichtshof228 mit Urteil vom 3.7.2014 anhand einer vom Maklerkunden unterzeichneten Nachweisbestätigung näher befasst.
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Enthält eine Objektnachweisbestätigung ein hinreichend deutliches Provisionsverlangen gegenüber dem Maklerkunden,229 so kann der Kunde das darin liegende Angebot auf Abschluss eines Maklervertrages durch die Unterzeichnung der Bestätigung annehmen.230 Der Umstand, dass zu diesem Zeitpunkt bereits Maklerleistungen erbracht worden sind, steht dem nicht entgegen. Denn ein Maklervertrag kann auch noch nach erfolgter Maklerleistung abgeschlossen werden.231 Zwar ist in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen, dass ein Makler, der sein Wissen ohne eindeutiges Provisionsverlangen oder zeitgleich mit dem Provisionsverlangen vorzeitig preisgibt, auf eigenes Risiko handelt und allein (ohne weitere Maklerleistungen) die Ausnutzung dieses Wissens durch den Kunden keinen Provisionsanspruch des Maklers begründet.232 Soweit der Kunde deshalb regelmäßig keinen Anlass hat, noch nach Erhalt des Nachweises eine Vergütung zu übernehmen,233 steht dies bei der vorliegenden Fallgestaltung der Annahme eines Maklervertrages nicht entgegen. Es ist Sache des Kunden, bei einem bereits voreilig erteilten Nachweis den anschließenden Abschluss des ihm angetragenen Maklervertrages zu verweigern.234 Dies hat in der zu entscheidenden Fallgestaltung der Geschäftsführer der Kunden-Gesellschaft gerade nicht getan, sondern in eindeutiger Weise – durch Abgabe einer schriftlichen Erklärung – eine Provisionsverpflichtung für die Gesellschaft übernommen.235
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Im Übrigen gilt aber, dass an die Auslegung einer Willenserklärung, mit der ein Käufer nachträglich – insbesondere nach Abschluss des Kaufvertrages – eine Provision verspricht – strenge Anforderungen zu stellen sind.236 Gleichwohl ist es in der Praxis keineswegs selten, dass derartige Abreden vereinbart werden.237
227BGH, Urt. v. 18.9.1985 – IVa ZR 139/83, WM 1985, 1422, 1423; Urt. v. 10.10.1990 – IV ZR 280/89, NJW 1991, 490; Urt. v. 6.2.1991 – IV ZR 265/89, NJW-RR 1991, 686, 687; Urt. v. 6.3.1991 – IV ZR 53/90, NJW-RR 1991, 820, 821; Urt. v. 12.10.2006 – III ZR 331/04, NJW-RR 2007, 55 Rn. 12; Urt. v. 14.6.2016 – XI ZR 483/14, NJW-RR 2016, 1138 Rn. 32 (Bankenrechtssenat); ferner OLG Koblenz, Beschl. v. 19.12.2013 – 5 U 950/13, BeckRS 2014, 12970; Palandt/Sprau, § 652 Rn. 2; Mutschler, Maklerrecht, S. 71. 228BGH, Urt. v. 3.7.2014 – III ZR 530/13, NJW-RR 2014, 1272 Rn. 14. 229Vgl. zur diesbezüglichen Auslegung eines Objektnachweises auch BGH, Urt. v. 4.11.1999 – III ZR 223/98, NJW 2000, 282, 284; ferner BGH, Urt. v. 3.5.2012 – III ZR 62/11, NJW 2012, 2268 Rn. 13. 230BGH, Urt. v. 3.7.2014 – III ZR 530/13, NJW-RR 2014, 1272 Rn. 14. 231BGH, Urt. v. 3.7.2014 – III ZR 530/13, NJW-RR 2014, 1272 Rn. 14 unter Bezugnahme auf BGH, Urt. v. 18.9.1985 – IVa ZR 139/83, WM 1985, 1422, 1423; Urt. v. 10.10.1990 – IV ZR 280/89, NJW 1991, 490; Urt. v. 6.2.1991 – IV ZR 265/89, NJW-RR 1991, 686, 687; Urt. v. 6.3.1991 – IV ZR 53/90, NJW-RR 1991, 820, 821. 232BGH, Urt. v. 3.7.2014 – III ZR 530/13, NJW-RR 2014, 1272 Rn. 14 unter Bezugnahme auf BGH, Urt. v. 25.9.1985 – IVa ZR 22/84, NJW 1986, 177, 178; Urt. v. 6.12.2001 – III ZR 296/00, NJW 2001, 817, 818. 233OLG Karlsruhe, Beschl. v. 7.7.2004 – 15 U 7/03, NZM 2005, 72, 73. 234BGH, Urt. v. 3.7.2014 – III ZR 530/13, NJW-RR 2014, 1272 Rn. 14; D. Fischer, NJW 2014, 3281, 3283. 235BGH, Urt. v. 3.7.2014 – III ZR 530/13, NJW-RR 2014, 1272 Rn. 14. 236OLG Düsseldorf, Urt. v. 18.4.1997 – 7 U 170/96, NJW-RR 1998, 564, 565; OLG Karlsruhe, Beschl. v. 7.7.2004 – 15 U 7/03, NZM 2005, 72, 73; Palandt/Sprau, § 652 Rn. 2; Hamm/Schwerdtner, Maklerrecht, Rn. 141ff.; Mutschler, Maklerrecht, S. 71. 237Dehner, Maklerrecht, Rn. 36.
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