Die Kleine hob diensteifrig den Kopf.
„Ich hab’ mir nur mitstenographiert, was Herr Doktor eben so schön und edel von der Liebe und der Lieblosigkeit sagten. Solche Worte dürfen doch nicht verlorenjehn! Das wäre Sünd’ und Schande!“
„Meinen Sie, Fräulein Zwicknagel?“
„Herr Doktor sehen mich janz erjriffen!“
„So . . . so . . .“, sprach Gotthold Bartuschke verwirrt.
„Nee — war das schön!“ Fräulein Zwicknagel richtete die kecken Berliner Augen seelenvoll zur Decke und fügte als praktisches Kind vom grünen Strand der Spree hinzu: „Wenn Herr Doktor so mit’s Gefühl anfangen, dann kriegen Sie bei der Wahl alle Frauenstimmen jlatt wie Öl. Uns muss man doch am Jefühlszipfel packen — nich? Können Sie jrossartig, Herr Bartuschke!“
Dr. Bartuschke ging erheitert und erfrischt durch das Zimmer. Ihm war siegessicher zumut. Er rieb sich laut lachend die Hände und nickte vor sich hin.
„Sie können recht haben!“ sagte er befriedigt. „Improvisationen sind oft das Beste!“
„Bei Herrn Doktor — das is wie in der Kirche! Herr Doktor spricht so wunderbar aus, was wir anderen uns so ungeschickt denken!“
„Endlich mal ein vernünftiger Mensch . . . den ich da in Ihnen kriege . . .“ Gotthold Bartuschke sah geschmeichelt in das bildhübsche, eifrige Mädchengesicht. „Ich bin meinem Bruder August wirklich dankbar, dass er Sie mir . . . Die Gehaltsverhältnisse regeln wir noch . . .“
„Bin ich unbesorgt, Herr Doktor!“
„Sie stehen sich jedenfalls bei mir bedeutend besser als jetzt. Aber Sie müssen bald kommen, Fräulein Zwicknagel — sobald wie nur irgend möglich . . .“
„Wann befehlen Herr Doktor, dass ich morgen früh antreten soll? Um neun oder zehn?“
„Ja, können Sie denn so mir nichts, dir nichts aus Ihrer bisherigen Stellung . . .?“
„Wo doch der Sarg mit Troddeln schon vor der Tür steht? Ich lasse die Hydrag glatt schwimmen! Man muss nicht zu gemütvoll sein!“
„Nun . . . Wenn Sie meinen . . .“
„Mein Dezernatschef dort . . . na . . . Tinnef. Der faule Kopp kann mir überhaupt was husten! Nein — bei dem Betrieb, das ist die wahre Liebe nicht! Hier, bei Herrn Doktor, werde ich erst zeigen, was ich kann. Selbsttätig. Pünktlich. Zuverlässig. Und treu wie Jold!“
Alwine Zwicknagel stand nett und flott in ihrer neckisch lächelnden Weiblichkeit vor Dr. Bartuschke und reichte ihm zutraulich die kleine Hand zum Abschied.
„Nu will ich Herrn Doktor aber nicht weiter stören! Also denn auf morgen . . .“
„. . . Um neun — wenn ich bitten darf, Fräulein Zwicknagel! Schon um neun! Ich hoffe, wir werden noch recht gute Freunde werden . . .“
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.