Walther von Hollander - Der Granatapfelbaum

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Henri Wyndthausen, der vielgerühmte Schauspieler, schenkt seiner jungen Kollegin Christine Meßwarb zu Beginn ihrer Begegnung, aus der bald eine tiefe Liebe wird, einen Granatapfelbaum – Symbol der Liebe, der Vergänglichkeit und des Todes. Der Roman erzählt die Geschichte dieser Liebe, die unbedingt und vorbehaltlos ist, eine zeitlose Leidenschaft, ernst und heiter zugleich. Zugleich wird in diesem Buch der antike Mythos von Persephone, die im Winter in der Unterwelt weilt und nur im Sommer zu ihrem irdischen Gemahl aufsteigen darf, auf doppelter Ebene neu erzählt: Denn den Rahmen des Geschehens bildet eine Reisebühne, die mit dem antik-modernen Stück «Persephone» durch die Lande zieht. Ein zugleich heiteres und besinnliches Spätwerk eines großen deutschen Erzählers.-

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4

Christine holte sich im Speisesaal einen Orangensaft. Essen konnte sie nicht. Als sie mit dem Glas langsam die Treppe hinaufging, holte Wyndthausen sie ein. Auch er trug ein Glas Orangensaft mit einem Strohhalm drin. Er ging mit ihr im Gleichschritt die glatten, nach der Mitte zu gemuldeten Stufen hinauf. Er war frisch, vergnügt, kein bißchen angestrengt. »Ihnen bekommt das Probieren gut«, sagte sie neidisch. Er blieb stehen, saugte an seinem Orangensaft und nuschelte: »Es ist mein Beruf, gnä’ Frau. Ein Künstler, der über seinen Beruf stöhnt, soll gefälligst Trambahnschaffner werden, Schalterbeamter oder Gerichtsschreiber. Das strengt lange nicht so an.« Christine prostete ihm zu: »Großen Dank. Ich werde mich bei der Straßenbahndirektion bewerben.« Er sah sie mit schiefem Kopf listig-lustig an: »Ich wollte Sie nicht kränken. Aber Sie spielen doch nur ›zuweilen‹.« – »Ich habe anderthalb Jahre nicht gespielt ... das ist alles.« – »Was macht man eigentlich, wenn man nicht spielt?« fragte er. »Kann mir das überhaupt nicht vorstellen. Ich würde ... ja, was würde ich? Ersticken oder platzen oder ... Sie haben doch auch ’ne Menge Kraft. Was haben Sie bloß derweil damit gemacht?«

Christine ging ein paar Stufen weiter. Sie schaute sich nach ihm um. Er war stehen geblieben und schaute fragend zu ihr hinauf. Sie sagte lustig: »Derweil? Derweil war ich verheiratet.« – »So? Sie waren verheiratet? Oder sinds ... aber das hat nichts damit zu tun. Ich bin auch verheiratet. Meine Frau tut mir leid, wenn ich nicht spiele.«

»Treppengeständnisse«, stellte Christine vergnügt fest. Er stieß mit ihr an. »Drunten bei Pluto trinken sie doch Granatapfelsaft. Hat Ihnen der geschmeckt?« Christine verstand seine Anspielung nicht. »Ach so ... Sie lernen auch bloß Ihre Rolle, und damit hat sich’s. Ich habe alles gelesen, was ich über Triptolemos und Persephone, über Pluto, Psyche und Zeus ergattern konnte.« – »Deshalb kennen Sie den Granatapfelsaft, aha.« – »Ja ... aha! ein fades Getränk. Aber weil Persephone von Pluto den Saft angenommen hat, muß sie in der Unterwelt bleiben. Verstehen Sie das? Dies fade Zeug soll Unwiderruflichkeit bedeuten? Diedrichsen hat’s so hingeschrieben. Aber ob er weiß, was er geschrieben hat?« – »Orangensaft ist also weniger gefährlich?« fragte Christine. »Ganz ungefährlich«, lachte Wyndthausen. »Sonnenwelt-Saft ›sunkist‹.«

Er stellte sein Glas auf die Treppe, sprang die letzten Stufen hinauf und verschwand in seinem Zimmer. Christine machte eine spöttische Verbeugung. Ein ungezogener Knabe. Lief einfach weg. Grußlos, lautlos. Sie stellte ihr leeres Glas neben seins. Sie drehte sein Glas so, daß die Strohhalme sich berührten. Sie fand das sehr komisch. Warum eigentlich?

Sie zog ihren hellblauen Tages-Pyjama an, gurgelte ausgiebig, sprühte sich mit Kölnisch Wasser ein, legte sich ins Bett, nahm ihre Rolle vor und schlief sofort fest ein. Sie träumte von Granatapfelsaft, der aus einem griechischen Krug wie aus einer Quelle hervorströmte, ohne Ton auf den Tisch plätscherte und auf der Holzplatte versprühte, verschwand. Unablässig, ein Bach von trübem, süßlichem, duftlosem Saft. Eine Hand nahm den Krug auf. Sie hörte die dunkle, die plutonische Stimme ihres Mannes. (Ja ... er, ihr Mann Carl Magnus war Pluto. Im Traum wußte sie das genau. Im Wachen vergaß sie es immer wieder.) Er sprach. Sie verstand seine Worte nicht. Der Traum versank in die Unterwelt. Die Sonne fiel ins Fenster, wanderte über ihr schlafendes Gesicht. Sie spürte in den Schlaf hinein die rosa Helligkeit, die Wärme der Oberwelt. Sie wachte erst auf, als die Sonne verschwunden war, als ein sanfter Regen gegen die Scheiben zischelte, als die Traufe, die neben ihrem Fenster herniederging, zu gluckern begann. Sie schaute sich unlustig im Zimmer um. Eine staubige, plüscherne Ungemütlichkeit! Das rote Sofa roch muffig. Die Stühle standen stökkerig wie 13jährige Mädchen, die nicht wissen, wohin mit den dünnen Beinen. Gemütlich sitzen konnte man nirgends. Und schreiben auch nicht. Der kleine Tisch stand natürlich in der dunkelsten Ecke, ohne Beleuchtung drüber. Die mit Blumenranken bedruckten Vorhänge konnte man nicht vorziehen. Der Wasserbahn am breiten Waschbecken tropfte tuckernd, eilig. Atemlos wie eine Uhr, die die Zeit nicht ermessen, sondern verjagen will. Nein. Hier konnte sie nicht bleiben. Sie zog sich eilig an. Im roten Regenmantel, die Kapuze über den Kopf gezogen, verließ sie den Gasthof.

5

Sie ging einen Waldweg, der, durch Birken getrennt, neben der Chaussee herlief. Es roch nach Frühling. Der sanft rauschende Regen ging ganz gerade herunter. Nur wenn die Autos auf der Chaussee vorbeibrausten, wenn sie den sprühenden Schmutzregen über den Fußweg warfen, spürte sie die Nässe. Weich schwingende Sandwege lockten. Aber sie fürchtete sich vor der Dämmerung. Merkwürdig: sie kannte sonst keine Waldangst.

In den letzten Wochen hatte sie bei Schnee und Schneegestöber manchen Nachtritt gemacht, auf Flora, ihrer nervösen Apfelschimmelstute, die vor jedem Hasen erschreckte, vor den Rehen, die über die Mondscheinwege wechselten und selbst vor Brombeerranken, die im Winterwind wehten. Keine Angst ... und jetzt ... hier im Riedinger Forst fürchtete sie sich. »Du wirst verdammt allein sein«, hatte Carl Magnus, ihr Mann, gesagt. Ja – sie war allein. Ob das eine Verdammnis war oder ein Glück, das würde man sehen. Sie blieb stehen. Sie hatte – zum erstenmal in diesem Jahr – den Ruf der Waldtauben gehört. Das lockende, kehlige »Gurru«. Sie stand unter einer riesigen Birke. Der Regen setzte aus. Der Himmel im Westen erhellte sich, und die schon tief abgestiegene Sonne blitzte für ein, zwei Minuten über die regenblanke Chaussee. Ihr wurde in diesem Augenblick klar, daß sie das großherzige Angebot ihres Mannes annehmen würde, daß sie sich scheiden lassen mußte. Eine ihrer Gaben war ein sehr feines Ohr. Sie konnte aus Stimmen die verborgenen Herzenszüge eines Menschen herausspüren. Ihr Gehör bewahrte auch, getreu wie eine Schallplatte, längst verronnene Gespräche auf, Lautstärke und Klanggehalt der Stimmen von Menschen, die ihr nahestanden. Jetzt, hier im Wald, sprach die dunkle Stimme ihres Mannes: »Du kannst es machen, wie du willst. Mit mir zusammenbleiben. Dich zeitweise von mir trennen, solange du willst. Oder dich scheiden lassen, damit wir beide wieder allein sind.« Sie sah sein schmales Gesicht mit dem breiten Kinn. Die üppigen, schwarzen Haare, korrekt gescheitelt. Die schmalen Lippen zusammengepreßt. »Ich verspreche wenig«, sagte seine Stimme. »Aber ich halte jedes Versprechen.« Wann hatte er das gesagt? An dem Tage, als sie beschlossen zu heiraten. In Paris – vor anderthalb Jahren. Auf dem Flohmarkt, an einem sehr sonnigen Tag. Er saß mit ihr vor dem kleinen Laden eines Altwarenhändlers. Er feilschte gerade um ein Barocksofa. Er schlug mit seinem Ebenholzstock auf die Polster, daß der Staub herausdampfte und im Mittagslicht glänzte. Er setzte sich und zog sie auf »sein« Sofa. Er nahm das Möbel in Besitz. Er ergriff ihre Hand und steckte ihr einen Ring an den Finger, den er eben gekauft hatte.

Christine, jetzt unter der Birke im Riedinger Forst, Christine schaute auf den Ring an ihrer Hand. Es war der Turmalinring aus Paris. Sie zog ihn ab und steckte ihn in ihre Tasche. Eilig ging sie weiter. Die Autos auf der Chaussee vermehrten sich. Sie zogen bei beginnender Dämmerung lange Leuchtspuren. Einige fuhren schon mit hellen Lichtern. Ein Suchlicht blitzte über den Weg. Sie zog ihre rote Kapuze über den Kopf. Das sah sehr komisch aus. Ein großer, roter Zwerg im farblosen Wald. Wyndthausen zog ihr die Kapuze ab. »Keine gute Tarnkappe«, sagte er. »Man sah Sie kilometerweit.« Christine fragte: »Wen wollten Sie mit Ihrem gräßlichen Suchlicht im Walde aufstöbern?« – »Es ist gar nicht so leicht, ’ne Nadel in einem Heuhaufen zu finden«, sagte er. Er hakte sie unter und führte sie zu seinem Wagen. »Das ist er«, sagte er stolz, »mein Traumwagen ... einen schnelleren findst du nicht.« Er öffnete die Tür und verbeugte sich. Er verwandelte sich in einen herrschaftlichen Chauffeur, mit Schirmmütze unter dem Arm. Er knallte die Tür zu und lief mit zackigen Bewegungen diensteifrig um den Wagen herum. »Gnä’ Frau hatten im Hotel hinterlassen, daß ich gnä’ Frau hier abholen sollte.« Christine holte den Turmalinring aus ihrer Tasche und setzte ihn wieder auf. Wyndthausen erzählte: »Man hat Ihre Flucht beobachtet. Ein Rentner mit Schirmmütze und Spazierstock hat mir die Richtung gezeigt.« – »Mein Rentner«, sagte Christine. »Gestern, als ich ankam, hat er mich eingewiesen.« – »Ihr Rentner«, lachte Wyndthausen, »er hat keine Ahnung von Ihnen. Grad, daß er Ihren Mantel kannte. Knallrot. Lieben Sie sowas?« Christine nickte. »Kleinmädchentraum?« fragte er weiter. »Mama erlaubte nur schlichte Regenmäntel, grau oder beige. Stimmt’s?« – »Stimmt«, lachte Christine, »und kanariengelbe Pullis durfte ich auch nicht tragen.« – »Die trage ich nun für Sie«, sagte Wyndthausen. Sie flogen mit 120, 130 Kilometern über die Chaussee. Im Lichte der entgegenkommenden Autos blitzte das weiße, verchromte Plexiglas-Ungeheuer wie eine Erscheinung auf. »Der geflügelte Zauberwagen des Triptolemos«, sagte Christine. »Ach so, ein bißchen wissen Sie doch schon über Triptolemos, Ihren irdischen Gemahl?« – »Nur ein bißchen.« Sie schaute ihn von der Seite an. Im Licht des großen Armaturenbrettes glänzte das Antlitz des Triptolemos durchscheinend. Klar, im Feuer gehärtet. Aber Wyndthausen war nicht Triptolemos. Warum fuhr sie eigentlich mit ihrem Bühnenpartner in die Stadt? – Nun – warum nicht? Da waren auch schon die ersten Stadtlichter, die über die Straßen gebogenen Neonlaternen. Als Landkind liebte sie die blumige Buntheit der Stadt. Die lichtüberschütteten Schaufenster: Porzellane, Konserven, Wein, Blumen. Da war ein Kleiderkaufhaus, zehn Fenster, starre Figuren mit hölzernem Lächeln, Sommerkleider tragend, Herrenanzüge, Burschenjacketts. Sie fuhren auf einen Kinopalast zu. Auf einem scheunentorbreiten Plakat, hell angestrahlt, war Wyndthausen zu sehen, Wyndthausen, der Backfischtraum, mit einem schönen Frack und einem Gentleman-Lächeln. Sie fuhren schnell vorbei. Er schien sich nicht entdeckt zu haben. Dunklere Gassen kamen, Kirchen, deren Türme sich in den unsichtbaren Himmelsabend verloren. In der Nähe des alten Rathauses hielten sie. Wyndthausen hakte Christine wieder unter. Er führte sie auf ein spitzgiebeliges, altes Haus zu, die »Altdeutschen Weinstuben«. Man mußte eine altertümliche, scheppernde Zugglocke läuten. Die Tür wurde von einem als Küfer verkleideten Kellner aufgeschlossen. Sie stiegen zwölf Stufen hinab, an bunten Glaslaternen vorbei. Sie betraten ein Tonnengewölbe mit holzverschalten Wänden. Sie waren die ersten Gäste. Wyndthausen nahm ihr den roten Mantel ab. »Den müssen Sie immer tragen«, sagte er, »sonst könnte ich Sie mal verfehlen, und das wäre doch schade.«

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