Forschend betrachtet der alte Klaus seinen Enkel, indes er gewaltig mit dem Kopfe wackelt. „Kannst du schweigen?“
„Ja, das kann ich.“
„Komm heute nacht um die zwölfte Stunde hierher in meine Kammer. Vielleicht kann ich dir doch noch weiter helfen.“
Um Mitternacht schlich der alte Klaus mit Werner in den hintersten Winkel des tiefsten Kellers, hob ein paar Steine aus der Mauer und schob ihn in die verborgene Werkstatt. Und da lagen also die Platten und Zeichnungen, eine kleine Presse, Papier und andere Dinge.
„Du bist ja ein Maler und Künstler und alles“, begann der alte Klaus mit unsicher schwankender Stimme. „Dann kannst du sicher auch das da machen.“
Werner hielt eine der Platten gegen das Licht und stotterte ängstlich: „Damit kann man Fünfzigfrankenscheine machen.“
„Siehst du. Du verstehst die Sache ...“
„Aber dann ist es falsches Geld.“
„Sie sind so gut gemacht wie die echten.“
„Aber sie sind doch falsch.“
„Dir und mir, uns allen wäre damit geholfen, auch Konrad“, sagte der alte Klaus ernst. „Farbe ist da, Papier ist da, alles ist da. Man wird nie erfahren, dass du sie gemacht hast. Umsetzen will ich sie schon allein.“
Werner verschlägt es den Atem. Jäh geht ihm eine Erkenntnis auf. „Daher stammt also dein Reichtum? Aber du hast die Scheine doch nicht selber ...“
„Leider nein. Das kann ich nicht. Dazu sind meine Augen zu schlecht, es fehlt mir auch sonst alle Wissenschaft. Du aber hast geschickte Hände.“
„Es wäre böses Geld, Grossvater.“
„Alles Geld ist böse oder gut — je nachdem.“
„Weisst du denn nicht, dass eine hohe Strafe darauf steht?“ fragt Werner bang.
„Freilich. Aber wir brauchen das Geld so nötig. Nun weiss ich noch einen anderen Rat: Wenn du mich morgen bei der Polizei anzeigst, bekommst du dafür eine hohe Belohnung. Es sind zweitausend Franken ausgeschrieben. Wahrscheinlich sperren sie mich dann ein für den Rest meines Lebens. Mir ist das gleichgültig. Aber euch wäre geholfen für lange Zeit.“
In massloser Verwunderung starrt Werner auf den alten Klaus. „Ich — dich anzeigen ...“
„Ob ich hier herumgehe und hungere oder im Gefängnis hocke, das kommt auf ein und dasselbe heraus. Die Belohnung wenigstens solltest du dir verdienen.“
Schnell legt Werner die Platte auf den Tisch zurück. „Lass uns gehen“, sagt er nur.
Aber der alte Klaus fasst ihn hart am Arm, seine kleinen Augen funkeln befremdlich im Schein der Laterne.
„Grossvater!“
„Willst du nicht?“
„Ich kann nicht. Nein. Ich weiss nicht, wie das gemacht wird. Und ich will es auch nicht wissen.“
„Du bekommst von mir kein Geld mehr.“
Klaus lässt Werners Arm los. Ohne ein weiteres Wort gehen sie miteinander ins Haus.
In dieser Nacht hörten die Frauen noch einmal das Gespensterpoltern auf der Tiefe und erschraken. Aber sie hörten es nur noch dieses eine Mal.
Hierauf ging das Geld aus, und die Not wuchs.
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