Das könnte bedeuten …
»Professor!« Manohar und Maya Jervois liefen auf mich zu. Sie hatte ihr Kostüm gegen ein paar dunkle Baumwollhosen und eine kurze Kurta eingetauscht. Ihr Haar war zu einem Pferdeschwanz gebunden, der die Konturen ihres Gesichts vorteilhaft betonte.
»Ich bin bereit«, verkündete sie. »Ich hab Ihnen ja gesagt, es dauert nicht lange.«
»Gut gemacht«, sagte ich, nicht ohne einen Hauch Sarkasmus.
Sie bemerkte es nicht und fragte stattdessen: »Also, wohin geht die Reise?«
»Mumbai«, war meine Antwort.
Die unermüdliche Miss Jervois wollte sicherlich noch fragen, warum, aber Manohar schüttelte den Kopf, um deutlich zu machen, dass jetzt nicht die Zeit für Fragen war. »Okay«, er begann damit, unsere nächsten Schritte zu planen, »wir müssen zum Flughafen. Um sechs Uhr früh geht eine ganze Reihe an Flügen.«
»Ihr beiden fahrt sofort los. Nehmt die Thunderbird, dann habt ihr das ganze Gepäck dabei. Fahrt nach Hazrat Nizamuddin, aber nicht auf direktem Weg – fahrt um die Baoli bei Nizamuddin und dann in Richtung des Bahnhofs. Lasst das Motorrad auf dem öffentlichen Parkplatz zurück und fahrt mit dem Taxi zum Taj Palast in der Mansingh Road. Wartet dort ein paar Stunden am Coffee Shop. Bleibt da, wo euch jeder sehen kann. Von dort aus könnt ihr ein Taxi an der Rezeption des Hotels rufen lassen, das euch zum Flughafen bringt. Kauft Tickets für den ersten Flug nach Mumbai an dem Schalter ganz vorn und wartet auf mich.
»Und Sie?« Maya Jervois konnte sich die Frage nicht verkneifen.
»Ich werde euch die ganze Zeit beobachten. Ich gehe sicher, dass euch niemand folgt, und komme dann auch zum Flughafen.«
Manohar nickte und schwang sich auf den Sattel der Thunderbird. Er lächelte traurig, als er sie startete, denn ihm war klar, dass keiner sagen konnte, ob wir die Motorräder wiederbekommen würden, sobald das alles vorbei war. Maya Jervois war unser lautloser Austausch entgangen und sie stieg hinter ihm auf, ihr Rucksack baumelte von einer Schulter.
»Alles okay?«, fragte ich, während sie zu kämpfen hatte, ihr Bein zwischen den großen Seesack und den Rahmen des Motorrads auf die Fußstütze zu bekommen. Ohne eine Antwort abzuwarten, kniete ich mich neben die Maschine, um den festgeschnallten Seesack zu verschieben. Ich roch einen Hauch billiger Karbolseife und stellte fest, dass ich nur Zentimeter von ihrem linken Arm entfernt war, den sie nach unten hängen ließ. Sie schien zu denken, dass sie im Weg war, murmelte ein »Sorry« und legte ihren Arm auf ihren Oberschenkel. Ihre Finger waren zierlich und elegant und ihre Fingernägel kurz geschnitten.
Vorteilhaft für eine Agentin im Einsatz.
Die mentale Notiz diente nur als Ablenkung von dem Bild ihrer Hände auf meiner nackten Haut, das ich plötzlich vor Augen hatte. Ich lachte lautlos über meine eigene Schwäche, hörte auf, den Seesack günstiger zu positionieren, und richtete mich auf.
»Danke, Professor«, sagte sie. »Seien Sie vorsichtig. Nicht dass Sie in Schwierigkeiten geraten, wenn wir nicht da sind.« Trotz all der Täuschungen und Lügen, die zwischen uns standen, zeigte ihr Gesicht echte Sorge. Ich konnte nicht anders, als das schmeichelhaft zu finden.
»Werde ich nicht. Wir sehen uns in ein paar Stunden.«
Die Thunderbird fuhr davon. Ich wartete ein paar Sekunden, nahm dann eine Zigarette heraus und zündete sie an. Der Wachmann war weg. Ich überlegte, ob er wohl instruiert war, sich außer Hörweite zu begeben, wenn seine Arbeitgeber sich unterhielten. Aber vermutlich war er nur mal pinkeln gegangen.
Allein im Dunkeln ließ ich meine Gedanken wandern und dachte an Maya Jervois' wunderschöne Augen, die langen, üppigen Wimpern, ihre vollen Lippen, die so einladend gewirkt hatten, als sie ihre Warnung ausgesprochen hatte. Wie verführerisch es war, in diese Worte mehr hineinzulesen, sich vorzustellen, dass diese Frau mich am Haken hatte und nicht eine andere, süßere Verführung.
Ich trat den Zigarettenstummel aus, schwang mich auf die Bullet und startete den Motor. Ein paar Mal ließ ich ihn aufheulen, damit jeder, der zusah, auch wusste, dass ich losfuhr. Mit moderater Geschwindigkeit folgte ich der Route, die Maya Jervois und Manohar wohl genommen hatten, und wartete, bis sie in Sichtweite kamen. Dann drehte ich voll auf, raste an ihnen vorbei und verschwand in der Nacht.
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