Unter Caesars Namen sind wenigstens fünf Werke bekannt, die man für die Historiographie in Anspruch nehmen kann, wovon drei mit größter Wahrscheinlichkeit nicht aus seiner Feder stammen dürften. Sein bekanntestes Werk sind, wie bereits erwähnt, ohne Zweifel seine Ausführungen über den Gallischen Krieg , die die Ereignisse der Jahre 58-52 v. Chr. umfassen. Caesar erweist sich darin als eine Art Kriegsberichterstatter, der in diesem Werk, das in acht Büchern überliefert ist, Jahr für Jahr gegenüber dem römischen Senat Rechenschaft über sein Tun ablegen will. Der Zweck dieser Schrift ist also in erster Linie kein historiographischer. Vielmehr will der Autor auf diese Weise seinen eigenen Zeitgenossen – und damit natürlich auch seinen politischen Gegnern – sein Wirken und vor allem auch seine militärischen Erfolge vor Augen halten, um damit die eigenen Machtansprüche zu unterstreichen. Erst in der späteren Rezeption lässt sich das Werk somit für die Geschichtsschreibung in Anspruch nehmen. Jedes Buch hat – mit Ausnahme von Buch III, das bereits Ende 56 v. Chr. einsetzt – die Ereignisse eines Jahres zum Inhalt. Caesar gibt hier in erster Linie seine militärischen Erfolge wieder, beschreibt aber auch den Wert bestimmter Gegenden für die Landwirtschaft oder äußert sich über die Tapferkeit seiner Feinde, womit das römische Interesse an den betreffenden Gebieten begründet wird, aber auch die Schwierigkeiten angesprochen werden, auf die Rom dort ggf. stößt. Buch VII endet mit der endgültigen Unterwerfung der Gallier und ihres Anführers Vercingetorix. Caesars sprachlicher Stil ist dabei knapp und präzise, was dem Charakter des gesamten Textes entspricht, der ja ganz bewusst kein literarisch ausgestaltetes Werk sein will. Der Berichterstattung führte auch dazu, dass er von sich selbst nur in der dritten Person spricht, was dem Werk eine Authentizität und Zuverlässigkeit verleihen soll, die es in der Tat aber nur mit Einschränkungen besitzt. Buch VIII mit den Jahren 51 und 50 v. Chr. hat in ganz ähnlichem Stil Aulus Hirtius verfasst, der in Caesars Heer diente und sich in der Vorrede auch persönlich zu erkennen gibt. Inhaltlich leitet es zum römischen Bürgerkrieg über, der im Jahr 49 v. Chr. begann.
In seinen letzten Lebensjahren hat Caesar seine Drei Bücher Erläuterungen zum Bürgerkrieg ( Commentariorum libri tres de bello civili ) verfasst. Darin beschreibt er seine Kriege gegen die Truppen des römischen Senats und seinen früheren Verbündeten Pompeius in den Jahren 49-48 v. Chr. Die Schrift ist unvollendet, besitzt aber denselben literarischen Charakter wie der Gallische Krieg , und dient ganz propagandistisch seiner persönlichen Aufwertung gegenüber seinen Zeitgenossen.
Von den zweifelhaften bzw. unechten Schriften stammt De bello Alexandrino , das zeitlich unmittelbar an den Bürgerkrieg anschließt und das Caesars Auseinandersetzungen mit seinen innenpolitischen Gegnern bzw. den Ptolemäern bei Alexandria (Sept. 48 – Jan. 47 v. Chr.) zum Inhalt hat, höchstwahrscheinlich von Aulus Hirtius. Möglicherweise bei diesem Krieg brannte auch die berühmte Bibliothek der Ptolemäer in Alexandria nieder, was zum Verlust zahlreicher älterer historiographischer Texte führte. Keinem bestimmten Autor zuordnen lassen sich hingegen die Schriften De bello Africano sowie De bello Hispaniense . Das erstgenannte Werk beschreibt Caesars Erfolg in Nordafrika gegen die Senatstruppen unter dem Kommando seiner Gegner Cato dem Jüngeren und Metellus Scipio im Jahr 46 v. Chr., das andere schildert seine spanischen Erfolge und seinen Sieg über die Söhne des Pompeius als mögliche zukünftige Gegner (45 v. Chr.).
Echte Werke:
C. Iulius Caesar, Der Gallische Krieg. Lateinisch-deutsch. Hrg. v. O. SCHÖNBERGER. München 1990 (Sammlung Tusculum).
C. Iulius Caesar, Der Bürgerkrieg. Lateinisch-deutsch. Hrg. v. O. SCHÖNBERGER. München 1984 (Sammlung Tusculum).
Zweifelhafte Werke:
C. Iulius Caesar, Commentarius De bello Alexandrino recensuit B. KÜBLER; Commentarius De bello Africo recensuit E. WÖLFFLIN. Editio maior. Leipzig 1896.
C. Iulii Caesaris bellum Hispaniense. Introduzione, testo critico e commento a cura di G. PASCUCCI. Florenz 1965.
Weiterführende Literatur:
E. BALTRUSCH, Caesar. Darmstadt 2007.
W. DAHLHEIM, Julius Caesar. Die Ehre des Kriegers und die Not des Staates. Paderborn 2005.
K. CHRIST, Von Caesar zu Konstantin. Beiträge zur römischen Geschichte und ihrer Rezeption. München 1996.
Chr. MEIER, Caesar. Berlin 1982.
O. SEEL, Hirtius – Untersuchungen über die pseudocaesarischen bella und den Balbus-Brief. Leipzig 1935 (Klio-Beiheft, Neue Folge 22).
Mit dem am 31. Okt. 86 v. Chr. geborenen Sallust begegnen wir einem Autor, dessen literarische und historiographische Tätigkeit erst nach dem endgültigen Scheitern seiner politischen Ambitionen einsetzte. Sein Leben ist stark durch den römischen Bürgerkrieg der Jahre 130-31 v. Chr. geprägt, einer Phase des politischen und gesellschaftlichen Umschwungs, von dem Sallust auch persönlich stark profitieren konnte. Er stammte aus der ca. 125 km östlich von Rom gelegenen sabinischen Stadt Amiternum (heute L’Aquila) in den Abruzzen, wo er dem lokalen Ritteradel angehörte. Wann Sallust nach Rom kam, ist nicht bekannt. Allerdings wird er dort als junger Mann die rhetorische Ausbildung absolviert haben, die Voraussetzung für eine politische Laufbahn war. Im Jahr 54 v. Chr. wurde er zum Quaestor gewählt, um durch diese Funktion auch in den römischen Senat zu gelangen. Zwei Jahre später belegen ihn die Quellen als Volktribun. Damit hatte er ein Amt inne, in dem er seinen großen politischen Gegner Marcus Tullius Cicero bekämpfen konnte. Später berichtet Sallust selbstkritisch über diese Zeit, die von dem enormen Gegensatz der sog. homines novi , d.h. der politischen Emporkömmlinge auf der einen und dem senatorischen Adel auf der anderen Seite bestimmt war, dass auch er sich zu Luxus und Verschwendungssucht habe hinreißen lassen. Ihm persönlich brachte dies große finanzielle Verluste ein, jedoch relativiert er sein eigenes Verschulden insofern, als er darauf hinweist, dies sei ein Charakteristikum jener Epoche gewesen. Nicht ganz klar ist, was zu seinem Ausschluss aus dem Senat im Jahr 50 v. Chr. führte. Jedenfalls wurde Sallust beim Ehebruch mit der Frau des Quaestors Titus Annius Milo ertappt, der seinerseits dem senatorischen Adel zuzurechnen war und zuvor schon die Rückkehr Ciceros aus dem Exil ermöglicht hatte. Nach einem daran anschließenden Ehrenprozess wurde Sallust jedenfalls öffentlich bestraft. Ob nun sein moralisches Verhalten oder seine offene Parteinahme für den beim damaligen Senat unbeliebten Caesar zu jenem Ausschluss führte, ist unklar. Gleichwohl bedeutete dies noch nicht das Ende von Sallusts politischer Laufbahn. Denn Caesar erwies sich ihm in der Folgezeit dankbar, indem er ihm zu verschiedenen militärischen Kommandos verhalf. Im Jahr 48 v. Chr. wurde er erneut Quaestor, um damit in den Senat zurückzukehren. Historisch greifbar ist Sallust dann wieder als Praetor während Caesars Bellum Africanum , was ihm im Jahr 46 v. Chr. das Amt des Statthalters der Provinz Africa nova (heute Tunesien sowie das nordwestliche Libyen) einbrachte. Nach Ablauf der Amtszeit sollte ihm der Prozess wegen wirtschaftlicher Ausbeutung dieser Provinz gemacht werden, was jedoch Caesar verhindern konnte. Der Tod seines Gönners im Jahr darauf setzte aber sämtlichen Ambitionen Sallusts ein jähes Ende. Gezwungenermaßen zog er sich daraufhin in das Privatleben zurück, um nunmehr seine schriftstellerische Tätigkeit aufzunehmen. Er starb am 13. Mai 34 v. Chr.
Zu Recht gilt Sallust als der erste bedeutende römische Geschichtsschreiber, da ja Caesars Schriften von ihrer ursprünglichen Intention her einen anderen literarischen Charakter besaßen. Mit Sicherheit ist Sallust der Verfasser von drei historiographischen Werken, von denen sein Buch De coniuratione Catilinae (Über die Verschwörung Catilinas) an erster Stelle zu nennen ist. Der Text entstand um das Jahr 42 v. Chr. Beschrieben wird darin der nach literarischem Zeugnis im Umkreis des Lucius Sergius Catilina entstandene Aufruhr und politische Umsturzversuch der Jahre 64-62 v. Chr. Da es sich dabei um denselben Konflikt zwischen dem angestammten Adel Roms und den eher vom Volk unterstützten homines novi handelt, der auch das Leben Sallusts bestimmte, kann der Autor in seinem Text gewissermaßen auch das eigene Leben und die eigenen politischen Erfahrungen verarbeiten. In diesem Grundkonflikt dürfte auch Sallusts Gegnerschaft zu dem selbstgefälligen, natürlich auf seinen eigenen Vorteil bedachten Cicero ihren tieferen Grund haben. Gleichwohl lehnt auch er den Gedanken einer Rebellion gegen die bestehende staatliche Ordnung ab, schweigt jedoch über eine mögliche Beteiligung von Marcus Licinius Crassus und Caesar an jenem Konflikt, der mit der Hinrichtung der Verschwörer endete.
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