Viel später, nach dem Tod ihrer Eltern, hatte sie im Internet ein Riemensystem ersteigert, wie es noch manchmal in medizinischen Institutionen verwendet wurde. Von Magnetschlössern bewachte Schlaufen umfassten Julies Hand- und Fußgelenke sowie ihren Leib und fesselten sie so ans Bett, dass sie nur noch ihren Kopf bewegen konnte. Natürlich, die Schlaufe um ihre linke Hand war etwas weiter als die um ihre rechte, damit sie die Hand herausziehen und sich befreien konnte. In diesen Fesseln gewann Julie für einige Stunden die Geborgenheit ihrer Kindheit zurück, und sie stellte sich vor, wie es wäre, wenn sie sich nicht selbst befreien könnte, wenn sie auf die Gnade oder Ungnade eines anderen Menschen angewiesen wäre, vielleicht eines völlig Fremden, der sich von ihrem Flehen nicht beeindrucken ließ. Wie es wäre, stunden- oder gar tagelang hilflos gefesselt zu sein, sich um nichts kümmern zu müssen als um die grundlegendsten Bedürfnisse ihres Körpers. Keine Sorgen zu haben. Keine Angst vor dem Leben draußen .
In einer anderen Phantasie – einer, die sie nicht allein realisieren konnte – hockte Julie in einer Gummizelle und trug eine Zwangsjacke, die ihre Arme bewegungsunfähig unter ihren Brüsten verschränkte. Zwei- oder dreimal täglich bekam sie Wasser und etwas zu essen in einem Napf. Da sie ihre Hände nicht gebrauchen konnte, musste sie auf dem Boden robben und aus dem Napf fressen wie ein Hund. Und doch war sie glücklich, denn die weichen, aber letztlich doch unnachgiebigen Wände der Gummizelle schützten sie vor der Welt und den Problemen, die das Leben mit sich brachte.
Aber es wäre Julie niemals eingefallen, sich dabei Schmerzen zuzufügen. Im Gegenteil: Julie hatte panische Angst vor Schmerzen. Wenn sie sich wieder einmal in der Küche die Finger verbrannte, kamen ihr stets die Tränen wie einem kleinen Kind, was dazu führte, dass anfängliches Mitleid ihrer Arbeitskollegen rasch in Verachtung umschlug. »Führ dich doch nicht so auf!«, hieß es dann.
Ja, der Urlaub , den sie bei S & M Dreams Inc. gebucht hatte, hätte so schön sein können … Sie hatte sich gewünscht, eine Woche lang in einer Gummizelle eingesperrt zu sein, bekleidet lediglich mit einer Zwangsjacke. Dreimal am Tag würde man ihr zu essen und zu trinken bringen, man würde sie füttern und ihr ein Fläschchen geben wie einem Baby – einem Baby, das sich um nichts zu kümmern brauchte, das keine Sorgen kannte. Und am Abend würde man sie aus der Gummizelle holen und ihr die Zwangsjacke abnehmen. Man würde sie nackt zu einem Bett führen. Dann würde man ein Geschirr aus Lederriemen um sie legen und so befestigen, dass sie sich nicht aus eigener Kraft davon befreien konnte. Sie hatte zwar eine gewisse Bewegungsfreiheit, konnte das Bett jedoch nicht verlassen. So würde sie die Nacht verbringen: in Geborgenheit.
Man würde …
Sie könnte …
Mitten in diesen Gedanken schlief sie ein oder verlor das Bewusstsein.
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