Unternehmen sollen für die Beseitigung aller Formen von Zwangsarbeit eintreten.
Unternehmen sollen für die Abschaffung von Kinderarbeit eintreten.
Unternehmen sollen für die Beseitigung von Diskriminierung bei Anstellung und Erwerbstätigkeit eintreten.
Unternehmen sollen im Umgang mit Umweltproblemen dem Vorsorgeprinzip folgen.
Unternehmen sollen Initiativen ergreifen, um größeres Umweltbewusstsein zu fördern.
Unternehmen sollen die Entwicklung und Verbreitung umweltfreundlicher Technologien beschleunigen.
Unternehmen sollen gegen alle Arten der Korruption eintreten, einschließlich Erpressung und Bestechung.
Einmal jährlich veröffentlichen die Mitgliedsunternehmen des United Nations Global Compact einen Fortschrittsbericht über die Umsetzung dieser Vorgaben. Die Publikation ist verbindlich, wird jedoch nicht überprüft. Erklärtes Ziel der Initiative ist die ständige Weiterentwicklung der Standards im Unternehmensalltag. Die Prinzipien sind eine freiwillige Selbstverpflichtung. Dafür bietet das Netzwerk in allen Bereichen Informations- und Lehrangebote für die Praxis.
Je nach Intensität der Nutzung und der Unternehmensgröße bezahlen die Mitglieder einen Beitrag. Kleine Firmen können das Angebot kostenlos oder mit einer Spende nutzen.
Die meisten frei erhältlichen Informationen über die Nachhaltigkeit von Unternehmen stammen von diesen selbst und lassen sich nicht ohne Weiteres überprüfen. Eine eigene Recherche kann dennoch hilfreich sein, wenn Sie beispielsweise in einem von Ihnen favorisierten Fonds Anteile eines Ihnen unbekannten Unternehmens finden.
Ein erster Schritt führt auf die Webseiten der Firmen. Alle großen Unternehmen veröffentlichen Nachhaltigkeitsberichte, oft als Teil des Geschäftsberichts. Dort stellen die Unternehmen ihre Aktivitäten im Hinblick auf ökologische und soziale Ziele dar und erläutern ihre Strategien für weitere Verbesserungen. Weltweit hat sich der GRI-Standard für die Nachhaltigkeitsberichterstattung etabliert. Das Kürzel steht für „Global Reporting Initiative“. Die in den Niederlanden ansässige Organisation will Unternehmen bei der Kommunikation mit Aktionären, Staaten, Lobbygruppen, unterstützen. 40 Kriterien erfüllt ein idealer Nachhaltigkeitsbericht nach diesem Standard, die Palette reicht vom Umweltmanagement über den Umgang mit Arbeitnehmern bis hin zum Ressourcenverbrauch.
Suchen Sie außerdem im Internet nach Berichten über das Unternehmen, zum Beispiel mit Hilfe von Stichworten wie „Umwelt“, „Bestechung“, „Kritik“, „Steueroase“, „Nachhaltigkeit“, „Ausbeutung“ „Rüstung“ oder „Greenwashing“. Sollte das Unternehmen in zweifelhafte Geschäfte verstrickt sein, wurde darüber vermutlich schon einmal irgendwo etwas berichtet. Doch Vorsicht: Achten Sie darauf, dass entsprechende Hinweise aus seriösen Quellen wie angesehenen Medien stammen.
,Sie können sich schließlich mit konkreten Fragen auch direkt an das Unternehmen wenden. Die Aktiengesellschaften führen auf ihren Webseiten in der Regel unter der Rubrik „Investor Relations“ Kontaktdaten für Aktionärsanfragen auf.
Ein altes Ärgernis: Unternehmen schummeln sich sauber
Unabhängig von den Ergebnissen dieser Recherche haben Sie vielleicht aus Erfahrung bereits einen eigenen Eindruck über das Geschäftsverhalten gewonnen, etwa durch den Auftritt des Unternehmens in der Öffentlichkeit, Äußerungen des Vorstandschefs oder auch Medienberichte über Unzulänglichkeiten. Womöglich passen Ihre Erkenntnisse am Ende auch partout nicht zu dem Bild, das vom Unternehmen selbst vermittelt wird. Dann handelt es sich vielleicht um einen Fall von Greenwashing.
Das kommt nicht nur bei Lebensmitteln, Kosmetik oder angeblichen Superdiäten vor. Auch die Anbieter von Geldanlagen werben gerne mit grünen oder sozialen Werten. Denn das Trendthema verspricht gute Geschäfte. Damit steigt auch der Anreiz, zu schummeln, wie der Chef des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG), Volker Weber, feststellt.
Oft sind es schon Kleinigkeiten, die ein erstes Indiz für die Ernsthaftigkeit zum Thema Nachhaltigkeit dokumentieren. Da werden Produktunterlagen auf Hochglanzpapier und nicht auf umweltfreundlichem Papier aufgelegt. Plastikkugelschreiber als Giveaways überreicht.
Volker Weber, Vorstandsvorsitzender Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG)
Längst nicht alle Akteure an den Finanzmärkten seien plötzlich zu Freunden ethisch-ökologischer Geldanlagen geworden. Es seien vor allem die Wachstumsraten von 40 Prozent im Jahr, die Produkte mit grünem Anstrich für den konservativen Teil der Branche attraktiv hätten werden lassen. Er beobachtet, dass sich konventionelle Anbieter das Know-how zur Beurteilung von Nachhaltigkeitsstrategien hinzukaufen, indem sie Firmen mit entsprechender Expertise übernehmen und danach in der Werbung auf eine langjährige Erfahrung mit der Thematik verweisen.
Mit Hilfe verlässlicher Informationsquellen lässt sich aber die Spreu vom Weizen trennen. Einen schnellen Überblick bekommen Sie mit der Nachhaltigkeitsbewertung von Finanztest. Näheres dazu ab Seite 57.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!
Beinahe täglich kommen neue nachhaltige Geldanlagen auf den Markt – zumindest locken Anbieter mit diesem Anspruch. Ob die Werbung stimmt, sollten Sie überprüfen.
Mogelpackungen gehörenleider zu den Alltagsärgernissen für Verbraucher. Oft versprechen schöne Bilder auf der Verpackung und in aufwendigen Werbespots mehr, als tatsächlich drin ist. Das wissen inzwischen viele Konsumentinnen und Konsumenten. Sie haben gelernt, mit einem kritischen Blick auf die Zutatenliste, auf Herkunfts- oder Gewichtsangaben irreführenden Angaben auf die Spur zu kommen. Bei Finanzprodukten kommt man aber nur mit großem Aufwand zu einer Bewertung der „Zutaten“. Leicht lässt sich zwar herausfinden, welche Unternehmen in einem Aktienfonds oder dem Basisindex eines ETF vertreten sind. Die Nachhaltigkeit der Unternehmen und die Anlagekriterien eines Fonds zu überprüfen, bedarf schon eines recht großen zeitlichen Aufwands.
Verlässliche Informationen sind bei Geldanlagen die Basis für gute Entscheidungen. Eine erste Orientierung darüber, ob eine Geldanlage tatsächlich so nachhaltig ist, wie sie verspricht, bieten einige Siegel und Logos. Es handelt sich dabei jedoch nicht um eine von unabhängigen Dritten erstellte qualitative Analyse von Fonds oder Unternehmen. Herausgeber derartiger Kennzeichnungen sind meist Netzwerke von Unternehmen, die sich nachhaltigen Zielen verpflichtet haben. Auf jeden Fall verspricht das Engagement der Mitglieder ein vergleichsweise hohes Maß an Transparenz hinsichtlich ihrer Geschäftspolitik, auch wenn deren Angaben in der Regel freiwillig sind.
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