Siegel und Logos können bei der Auswahl helfen
Seriöse nachhaltig wirtschaftende Unternehmen oder Fonds sorgen für ein großes Maß an Transparenz und stellen von sich aus umfangreiche Beschreibungen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie zur Verfügung. Darüber hinaus haben sich Finanzfirmen oder Unternehmen anderer Branchen zu Netzwerken im Sinne der ESG-Kriterien der Vereinten Nationen zusammengeschlossen. Diese verpflichten auf freiwilliger Basis zu einem nachhaltigen Wirtschaften. Auch das Gütesiegel des Forums Nachhaltige Geldanlage (FNG) kann Ihnen die Qual der Wahl erleichtern.
Die Mitglieder der Netzwerke sind Vorreiter für das nachhaltige Wirtschaften. Die Aussagekraft der entsprechenden Logos bezieht sich vor allem auf die Glaubwürdigkeit der Selbstverpflichtungen. Die Maximen selbst sind vergleichsweise schwammig formuliert. Die konkrete Ausgestaltung obliegt den einzelnen Mitgliedern.
Mit dem Siegel des Forums Nachhaltige Geldanlage (FNG-Siegel) werden seit 2015 nachhaltige Fonds ausgezeichnet. Es soll private und professionelle Anleger, die Wert auf nachhaltige Finanzprodukte legen, bei der Auswahl unterstützen. Das FNG wurde 2001 als Fachverband für nachhaltige Geldanlagen gegründet und zählt nach eigenen Angaben über 170 Mitglieder, vor allem Banken und Investmentgesellschaften.
Die Kriterien des Siegels basieren auf den zehn Prinzipien des Global Compact, gehen aber darüber weit hinaus. Anhand von 80 Fragen an die Fondsgesellschaften werden die Fonds auf ihr Maß an Nachhaltigkeit hin überprüft. Ausschlusskriterien sind Investitionen in Atomkraft, Kohlebergbau, Kohleverstromung, wenn sie mehr als 30 Prozent des Umsatzes einbringt, außerdem der Einsatz von Fracking, Ölsande, Uranbergbau sowie Waffen und Rüstung. Bei Staatsanleihen sind die Einhaltung der Menschenrechte, der UN-Biodiversitätskonvention sowie die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags und der Kampf gegen Korruption Bedingungen.
Principles for Responsible Investment (PRI)
Eine Initiative der UN für verantwortungsbewusstes Wertpapiermanagement. Rund 2 600 institutionelle Investoren – Banken, Fondsgesellschaften oder Pensionsfonds – sind der 2005 ins Leben gerufenen Gruppe inzwischen beigetreten. Sie stehen für über 90 Billionen US-Dollar Anlagekapital. Die Mitglieder verpflichten sich auf sechs Prinzipien verantwortungsvoller Investitionen:
ESG-Themen sollen in die Analyse- und Entscheidungsprozesse im Investmentbereich einbezogen werden.
ESG-Themen sollen in der Investitionspolitik und -praxis aktiv berücksichtigt werden.
Unternehmen und Körperschaften, in die investiert wird, sollen zu einer angemessenen Offenlegung in Bezug auf ESG-Themen angehalten werden.
Die Mitglieder sollen die Akzeptanz und die Umsetzung der Prinzipien in der Investmentbranche vorantreiben.
Die Mitglieder sollen zusammenarbeiten, um ihre Wirksamkeit bei der Umsetzung der Prinzipien zu steigern.
Über die Aktivitäten und Fortschritte bei der Umsetzung der Prinzipien soll Bericht erstattet werden.
Darüber hinaus überprüft die zum FNG gehörende Qualitätssicherungsgesellschaft Nachhaltiger Geldanlagen (QNG) auch das Engagement der Fonds und deren Anlagestrategie. Je nachhaltiger ein Fonds ist, desto mehr Sterne erhält er. Bis zu drei Sterne vergibt das FNG-Siegel. Für die Bewerbung müssen die Fondsgesellschaften eine Gebühr entrichten, in der Regel 3 100 Euro. Es gab in der Vergangenheit auch Kritik am FNG-Siegel, weil Anbieter, deren Fonds das Siegel nicht bekamen, nicht genannt wurden und weil Fonds angeblich in umstrittenen Geschäften engagiert waren. Dies wies das FNG zurück. Die Auditberichte werden jedoch nicht veröffentlicht. Die Verschlossenheit begründet das Forum mit der Wahrung von Geschäftsgeheimnissen der betreffenden Anbieter.
Die Finanztest-Nachhaltigkeitsbewertung
Sie können sich auf eigene Faust kundig machen oder einen ganz einfachen Weg zu guten Anlageentscheidungen wählen. Dafür hat Finanztest eine Nachhaltigkeitsbewertung entwickelt.
Der Anlageerfolg von Fonds wurde lange nur nach deren Wertentwicklung gemessen. Diese Zeiten sind inzwischen vorbei. Die Anleger wollen zunehmend auch auf Nummer sicher gehen, dass sie mit ihrem Investment sinnvolle Geschäfte unterstützen. Das haben viele Fondsanbieter begriffen. Sie geben Auskunft über ihre Anlagestrategie, wenn sie danach gefragt werden. Auf diese Informationen ist auch Finanztest angewiesen. Sie bilden die Grundlage für die noch junge Nachhaltigkeitsbewertung.
Dafür wurden die Anbieter nach ihren Auswahlkriterien für Aktien befragt, den Ausschlusskriterien für Branchen oder Geschäftspraktiken. Auch nach der Relevanz einzelner Nachhaltigkeitsaspekte für die Gesamtbewertung und nach dem Engagement der Gesellschaften als Aktionär im Sinne dieser Ziele wurde gefragt. Es gibt für die Fonds zwei vorrangige Methoden der Auswahl.
Ausschluss: Geschäfte oder Geschäftspraktiken, die man nicht finanzieren will, werden nicht in den Fonds aufgenommen oder bekommen keine Kredite von der Bank. Konkret bedeutet dies, dass ein Fonds, der nach nachhaltigen Prinzipien anlegt, beispielsweise nicht in Firmen investiert, die Kohle fördern oder verstromen, Waffen produzieren oder von Kinderarbeit in Schwellen- und Entwicklungsländern profitieren.
Best in Class: Nachhaltigkeit kann nicht nur über Ausschlüsse erzielt werden, sondern auch auf dem umgekehrten Weg: Beim Best-in-Class-Prinzip nehmen Fonds oder Nachhaltigkeitsindizes nur diejenigen Unternehmen auf, die innerhalb ihrer Branche bei bestimmten Nachhaltigkeitsaspekten führend sind. So kann durchaus auch ein Energiekonzern infrage kommen, der Kohlekraftwerke betreibt oder Öl fördert, sich aber zugleich stark in erneuerbaren Energien engagiert.
Ökologische, soziale und Governance-Faktoren (ESG) liefern unter Umständen wichtige Hinweise auf die Effektivität des Managements und somit auf die langfristigen Aussichten eines Unternehmens.
Larry Fink, CEO des größten Vermögensverwalters der Welt, Blackrock
Wie die Nachhaltigkeitsbewertung genau funktioniert, erfahren Sie ab Seite 57.
Wie sieht die Rendite aus?
Für die meisten Sparerinnen und Sparer ist das wichtigste Merkmal einer Anlage die Höhe des Ertrags. Nachhaltige Sparformen müssen sich in dieser Hinsicht nicht verstecken.
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