Allerdings mischen sich einige Fondsmanager und -managerinnen gar nicht gerne in die Geschäftspolitik ein und reden sich mit unterschiedlichen Argumenten aus der Verantwortung heraus. Einige Manager wählen nach eigenen Angaben nur Werte für ihr Portfolio aus, die kein weiteres Engagement erfordern. Andere verteidigen die Beteiligung an weniger nachhaltigen Geschäftsmodellen. So könnten sie die betreffenden Unternehmen bei ihrem Transformationsprozess begleiten. Beide Aussagen können zutreffen, etwa bei einem sehr strengen Nachhaltigkeitsfonds, der nur die besten Titel auswählt. Aber es können auch Ausreden für ein nur geringes Interesse an einer Verbreitung nachhaltiger Wirtschaftsweisen sein.
ESG: Unternehmen geraten unter Zugzwang
Gerade für Großanleger spielt die Einhaltung von ESG-Kriterien eine wichtige Rolle. Diese Gruppe stellt auch den weitaus größten Anteil an nachhaltigen Investments. Dahinter stehen rationale Analysen. Nachhaltige Unternehmen sind in Krisen widerstandsfähiger, die Geschäftsmodelle zukunftsträchtiger. Auch große Konzerne sind wiederum auf die Gunst des Kapitalmarktes angewiesen. Sie stehen unter Zugzwang, wenn sie Investoren gewinnen wollen. Nicht zu unterschätzen ist auch der immaterielle Wert eines nachhaltigen Images in der Öffentlichkeit. Die Verwicklung in Skandale, etwa durch Umweltschäden oder Kinderarbeit, führt schnell zu erheblichen wirtschaftlichen Einbrüchen, weil sich Kundinnen und Kunden abwenden und der Unternehmenswert sinken kann. Man denke an die Ölplattform Brent Spar, die Shell 1995 im Meer versenken wollte. Greenpeace startete eine Kampagne, die unter anderem zu einem Boykott von Kraftstoff des Konzerns führte.
Anleihen: Die Transformation unterstützen
Staaten und Unternehmen geben inzwischen grüne Anleihen heraus. Die Einnahmen aus den Emissionen fließen in Investitionen in den Klimaschutz oder die Bewältigung des Klimawandels. Mit dem Kauf von nachhaltigen Rentenfonds können Sie so zum Beispiel die Transformation unterstützen.
Anreize: Vorstände haben auch Kinder
In Gesprächen räumt der eine oder andere sonst knallharte Manager schon mal ein, dass er zu Hause bei der Familie unter einem gewissen Rechtfertigungsdruck stehe. Die Kinder drängen auf eine vegetarische Ernährung und haben Angst vor den Folgen der Erderwärmung. In der jüngeren Managergeneration stößt das heimische Plädoyer für den Erhalt einer lebenswerten Welt nicht zuletzt deshalb zunehmend auf offene Ohren.
Dennoch regieren in der Wirtschaft weiterhin die Zahlen, also der Profit. Daher haben sich viele Unternehmen etwas einfallen lassen. Die Vergütung der Vorstände wird zunehmend nicht mehr nur an den kurzfristigen Erfolg, sondern an langfristige Perspektiven gekoppelt. Die Vergütung richtet sich dann beispielsweise auch nach einer wachsenden Energieeffizienz oder einer hohen Zufriedenheit der Beschäftigten, nicht nur der Kunden. So setzen die Unternehmen ihren Vorständen finanzielle Anreize für mehr Nachhaltigkeit. In manchen Unternehmen hängen die Boni davon ab, ob der Titel in einen Aktienindex aufgenommen wird.
Banken: Anleger können mitbestimmen
Ethisch-ökologische Banken knüpfen die Vergabe von Darlehen an Nachhaltigkeitskriterien. So stellen sie sicher, dass etwa mit dem Geld auf einem Girokonto Umweltoder Sozialprojekte finanziert werden. Bei einigen Banken ist es sogar möglich, ganz konkrete Branchen für die Verwendung der Giro- oder Spareinlage vorzugeben.
Crowdfunding: Wie die Umwelt profitiert
Im Internet werben viele einzelne soziale oder ökologische Projekte um Investoren, zum Beispiel auf Plattformen für das Crowdinvestment. Hier können Sie mit Ihrer Anlage direkt einzelne Vorhaben mitfinanzieren, vom Solarpark über energieeffiziente Immobilien bis hin zur Elektromobilität oder einer biologischen Landwirtschaft. Manche Vorhaben sind vielleicht sogar in Ihrer Heimatregion angesiedelt. Der Impact wird dann auch vor Ort sichtbar. Leider sind die Rechtskonstruktionen dieser Investments in der Regel für Privatanleger und -anlegerinnen nachteilig gestaltet, sodass das Verlustrisiko bei einer Anlage beträchtlich ist.
„Wir sind im Mainstream angekommen.“
Der Wirtschaftsforscher Professor Timo Busch befasst sich mit Nachhaltigkeit im Finanzsektor. Der Betriebswirt lehrt am wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Institut der Universität Hamburg und ist Senior Fellow am Center for Sustainable Finance and Private Wealth der Universität Zürich. Auf der Rio +20 Conference on Sustainable Development war er Delegierter der UN. Buschs Studien belegen, dass die nachhaltige Geldanlage auch etwas bewirkt und rentabel ist.
Sind Veränderungen der Finanzströme hin zu nachhaltigen Investments bereits auf breiter Front spürbar?
Wir sind mit nachhaltigen Geldanlagen im Mainstream angekommen. Sie können es als Phase 3.0 bezeichnen. In den Anfängen waren es einzelne, meist institutionelle Investoren, die bestimmte Geschäfte aus ihren Anlagen ausschlossen. Das war zu Zeiten des Vietnamkriegs und der Apartheid in Südafrika. In den späten 80er Jahren begann die Phase 2.0. Die Investoren gingen über reine Ausschlusskriterien hinaus und entwickelten neue Ansätze wie das Best-in-Class-Prinzip oder die Integration von ESG-Kriterien in unternehmerisches Handeln. Es gab auch erste Themenfonds. Gleichzeitig wurden Ratings für nachhaltige Unternehmen entwickelt und der Dow Jones Sustainability Index als nachhaltiger Aktienindex zusammengestellt. Heute kennen wir uns gut genug mit Nachhaltigkeitsanalysen aus. Entsprechende Finanzprodukte sind normal geworden und verzeichnen enorme Wachstumsraten. Ich habe für die letzten Jahre den Marktbericht für die Schweiz mit erstellt. Der Markt ist dort zuletzt um über 60 Prozent gewachsen. Das ist ein deutlich höheres Wachstum als bei konventionellen Geldanlagen.
Sie haben in einer Auswertung von über 2 000 Studien herausgefunden, dass sich nachhaltiges Wirtschaften für Unternehmen bei einer großen Mehrheit der Firmen lohnt. Warum ist das so, und warum setzt sich diese Erkenntnis so langsam durch?
Ausgangspunkt der Metastudie war die Frage, ob Unternehmen, die in puncto Nachhaltigkeit besser sind als der Durchschnitt, sich auch wirtschaftlich gut entwickeln. Über 50 Prozent der Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Nachhaltigkeit einen positiven Einfluss auf die Rendite und die Performance hat.
Mit Blick auf die Herausgeber von Green Bonds drängt sich der Verdacht auf, dass Unternehmen oder Staaten den Klimaschutz als Feigenblatt vor sich her tragen. Wie ernst meint es die Wirtschaft damit?
Wie überall gibt es auch hier Trittbrettfahrer. Die wachsende Nachfrage nach grünen Geldanlagen ist ein Anreiz zum Greenwashing. Es gibt auf der anderen Seite inzwischen genügend Informationen über die einzelnen Anbieter, um die Spreu vom Weizen zu trennen. So hat beispielsweise der Chef des größten Vermögensverwalters der Welt die Unternehmen zu nachhaltigem Handeln aufgefordert. Bei Analysen über das Engagement als Aktionär landet seine Firma aber auf einem der hinteren Ränge. Da ist schon eine große Divergenz zwischen dem, was angekündigt wird, und dem, was umgesetzt wird.
Wie ernst können Anleger zum Beispiel Green Bonds von Autofirmen nehmen, die mit Verbrennungsmotoren ihr Geld verdienen?
Da gibt es für Sie als Anleger zwei Möglichkeiten. Wenn Sie nur hundertprozentig grüne Projekte unterstützen wollen, bleibt Ihnen nur eine geringe Auswahl an Anlagen. Wenn Sie vor allem den Transformationsprozess hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft unterstützen wollen, können Sie auch in ein Autounternehmen investieren. Voraussetzung ist, dass Ihr Geld dort in neue Antriebstechnologien oder eine saubere Fertigung investiert wird. Wenn Sie die notwendige Transformation mitfinanzieren, ist es eine sinnvolle und nachhaltige Geldanlage.
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