Hauptsache Klimaschutz
Fast zwei Drittel der Verbraucher können sich eine nachhaltige Geldanlage vorstellen. Das ergab eine Umfrage der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Bei den Motiven steht der Klimaschutz an erster Stelle.
Quelle: Bafin Journal 6/2019
Was viele nicht wissen: Die Wurzeln des Begriffs Nachhaltigkeit reichen weit zurück. Schon in der Bibel wird auf eine Bewahrung der Schöpfung gedrungen. Bäuerlich geprägte Gesellschaften legten seit je her Wert auf den Erhalt ihrer natürlichen Lebensgrundlagen. Jäger und Sammler prägten schließlich im deutschsprachigen Raum die Bezeichnung „Nachhalt“ für Vorräte, die sie für mögliche Notlagen zurückhielten.
Die modernere Verwendung des Wortes entspringt der Holzwirtschaft des 18. Jahrhunderts. Der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz forderte in einer 1713 veröffentlichten holzwirtschaftlichen Schrift eine Baumzucht, bei der immer nur so viele Bäume geschlagen werden, wie nachwachsen können. Diese Anweisung hatte übrigens wohl weniger mit dem Schutz der Umwelt zu tun als vielmehr handfeste ökonomische Motive. Der Bergbau war auf eine langfristig verlässliche Versorgung mit Holz für den Bau der Schächte angewiesen.
Mitunter wird auch der Naturforscher Alexander von Humboldt als Begründer der Nachhaltigkeitsbewegung angesehen, weil er auf seiner Südamerikareise ebenfalls auf eine nachhaltige Forstwirtschaft drängte. Doch auch Humboldt hatte dabei vermutlich eher die Interessen der ihn finanzierenden Bergbauunternehmen im Sinn, als dass ihn die Sorge um die Endlichkeit der Ressourcen antrieb.
Was passiert mit meinem Geld?
Ein Aspekt bleibt bei der Diskussion um die persönliche Nachhaltigkeitsbilanz häufig unberücksichtigt: die Geldanlage. Dabei geht es hier um enorme Summen! Im Durchschnitt legen die Deutschen laut Statistischem Bundesamt 219,33 Euro pro Monat auf die Seite, das heißt, sie sparen oder investieren in Geldanlagen. Die gewaltige Gesamtsumme des privat angelegten Vermögens in Deutschland betrug Mitte 2020 6 630 Milliarden Euro.
Investiert ist das Anlagevermögen der Deutschen überwiegend in Sparguthaben oder Lebensversicherungen und Bausparverträgen. Doch etwa jeder fünfte Euro des Ersparten landet direkt oder indirekt am Aktienmarkt, vor allem über Investmentfonds. Und das bedeutet, dass die persönlichen Rücklagen mitunter auch in Aktien von Firmen und Konzernen fließen können, die etwa Atomkraft- oder auch Kohlekraftwerke betreiben, Rüstungsgüter und Waffen herstellen und exportieren oder über Firmengeflechte in fragwürdige Geschäftspraktiken bis hin zu Menschenrechtsverletzungen verstrickt sind. Selbst wer etwa Atomkraft, Waffenhandel oder Kinderarbeit ablehnt und entsprechende Produkte boykottiert, unterstützt also zumindest indirekt oft Unternehmen, deren Profit ganz oder teilweise darauf beruht. Denn Hand aufs Herz: Wer weiß schon exakt, wie sich sein Aktienfonds zusammensetzt? Und wie viele Privatanlegerinnen und -anleger sind genau über die Firmen und Konzerne informiert, deren Aktien Bestandteile ihres ETF sind oder wissen, wo ihre Hausbank das ihr anvertraute Geld reinvestiert?
Anlegen mit gutem Gewissen
Dass es nachhaltige Geldanlagen gibt, war sechs von zehn Befragten einer repräsentative Studie der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) 2019 überhaupt nicht bekannt. Das ändert sich allerdings nach und nach, wie das steigende Volumen der Investments in diesem Bereich zeigt. 62 Prozent der potenziellen Anleger konnten sich in der Befragung eine Anlage in grüne oder soziale Investments vorstellen, fast 40 Prozent wollten dies konkret in Angriff nehmen.
Vielleicht wollen Sie nur ganz bequem und ohne großen Aufwand Ihr Vermögen in ethisch-ökologisch verlässliche Hände geben und sich nicht weiter darum kümmern? In diesem Falle bieten sich Konten bei einer der nachhaltigen Banken an, die wir ab Seite 91vorstellen. Diese Institute vergeben Ihr Geld als Kredite nur für sozial oder ökologisch sinnvolle Vorhaben. Hohe Zinsen für Festgeld dürfen Sie ebenso wie bei herkömmlichen Instituten dort derzeit aber leider nicht erwarten.
Aber auch, wenn Sie Ihr Geld am Aktienmarkt anlegen möchten, kann sich nachhaltiges Investieren in mehrfacher Hinsicht lohnen. Denn Sie können mit Ihrem Geld beides erreichen: Gesellschaftlich positive Entwicklungen fördern und zugleich eine ansehnliche Rendite erzielen. Denn das früher einmal vorherrschende Vorurteil, dass verantwortungsvolle Geldanlagen wenig abwerfen, ist längst widerlegt.
Grundsätzlich gilt: Damit Ihr Erspartes eine ansehnliche Rendite abwirft, sollten Sie es auf verschiedene Anlagen verteilen und dabei auch nachhaltige Aktienfonds oder ETF (Exchange Traded Funds) beimischen. Wie diese Fonds funktionieren und was sie von Ihnen erwarten können, erklären wir Ihnen ab Seite 47. Wir stellen Ihnen in Frage kommende Fonds vor und verhelfen Ihnen ab Seite 127zu einer für Sie geeigneten Strategie.
HÄTTEN SIE’S GEWUSST?
… Steckten die Sparer in Deutschland 2017 erst 8,5 Milliarden Euro in nachhaltige Fonds, waren es 2019 schon 18,3 Milliarden Euro.
… Vier von fünf nachhaltig angelegten Euro stammen von Profis: Banken, Versicherungen, Pensionsfonds sowie kirchliche Einrichtungen und Wohlfahrtsorganisationen.
… Insgesamt 269,3 Milliarden Euro waren in Deutschland 2019 in nachhaltigen Geldanlagen angelegt.
… Trotz des Booms liegt der Marktanteil nachhaltiger Fonds erst bei fünf Prozent, doch mit steigender Tendenz.
… Die wichtigsten Ausschlusskriterien der Anleger waren 2019 Korruption und Bestechung, Arbeitsrechtsverletzungen, Umweltzerstörung, Menschenrechtsverletzungen und Kohle.
Quelle: FNG, Marktbericht 2020
Wer kann, sorgt zusätzlich zur gesetzlichen Rentenversicherung privat für das Alter vor. Mit der Pantoffel-Rente von Finanztest geht das auch mit ethisch-ökologischen Anlagen. Doch auch die gesetzliche Rentenversicherung bietet über 50-jährigen eine Möglichkeit, durch freiwillige Beiträge ein höheres Alterseinkommen zu erreichen.
Reizvoll mag einigen Anlegern und Anlegerinnen auch ein Direktinvestment erscheinen, zum Beispiel in einen Solarpark oder einen Wald. Der Vorteil scheint auf der Hand zu liegen: Sie können sich sogar vor Ort vergewissern, wofür Ihr Geld eingesetzt wird. Doch Vorsicht ist geboten. Denn das Risiko dieser Investments ist hoch. Am Ende könnte auch ein Totalverlust Ihres Geldes stehen.
Wie findet man Finanzprodukte, in die man mit gutem Gewissen investieren kann? Ein kurzer Blick ins Internet oder auch nur auf die Angebote der eigenen Bank zeigt, dass sich zahllose Investments mit Zusätzen wie „Green“, „Sustainable“, „Fair“ und ähnlichen wohlklingenden Vokabeln schmücken. Doch beim Investieren in Unternehmen, zum Beispiel über einen Aktienfonds, ist es nicht anders als beim Einkauf im Supermarkt. So, wie es verschiedene Abstufungen von „Bio“ gibt, warten auch Fonds mit unterschiedlichen Nachhaltigkeitsgraden auf. Von hellgrün bis dunkelgrün ist alles dabei. Manche wenden nur ein paar wenige Ausschlusskriterien an, andere gehen sehr streng zu Werke, geben nur Unternehmen eine Chance, die sich aktiv an der Veränderung der Gesellschaft zum Beispiel weg von fossilen Energien beteiligen, und lassen die Kandidaten für den Fonds regelmäßig von einem Beirat unabhängiger Experten überprüfen. Und wie überall gibt es auch bei nachhaltigen Finanzprodukten schwarze Schafe.
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