Bernard Gotfryd - Anton der Taubenzüchter

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Anton der Taubenzüchter: краткое содержание, описание и аннотация

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Abwechselnd haarsträubend und hoffnungsvoll, beginnt diese Sammlung von achtzehn wahren Geschichten über das Leben während des Holocausts in der Beschaulichkeit von Ferien auf dem Lande in Polen. Der Krieg zeichnet sich drohend am Horizont ab, aber Bernard Gotfryds Großmutter muss sich mit den Enkeln um einen gestohlenen Tisch kümmern. Gleichzeitig zutiefst persönlich und verankert in der Weltgeschichte, zeichnen die Erzählungen Gotfryds ein Bild des Alltags der jüdischen Menschen in Polen während des zweiten Weltkriegs und der Nachwirkungen des Holocausts. Er beschreibt seine Arbeit als Fotograf im Ghetto, seine ersten Liebesbeziehungen und die schwierige Zeit in verschiedenen Konzentrationslagern. Dabei vereinen seine Erzählungen häufig die Beschreibung der Ereignisse während der Kriegszeit und ihre Auswirkungen auf das Leben Gotfryds etliche Jahre später. Durch diese Zeitsprünge gelingt es Gotfryd, den Holocaust mit der Gegenwart in Verbindung zu setzen und so einerseits die heutige Relevanz einer Auseinandersetzung mit dem Krieg zu verdeutlichen und sich andererseits der Frage zu stellen, was es bedeutet, den Holocaust zu überleben.
Das Buch enthält ein Nachwort seines Sohnes Howard Gotfryd.

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Großmutter war eine fromme, gottesfürchtige Frau, die sorgfältig auf uns drei achtgab. Ich erinnere mich, wie sie die kranken Kinder eines Nachbarn pflegte, während deren Mutter auf den Markt ging. Großmutter war wohltätig, geduldig und selbstlos.

Als wir das Häuschen bezogen, brachten wir neben anderen Gegenständen auch einen Tisch aus massivem Hartholz mit, der in die Mitte der Veranda gestellt wurde. Dieser Tisch diente als Versammlungsplatz für die ganze Familie. An ihm aßen wir und verrichteten unsere täglichen Arbeiten. Er diente auch als Abladeplatz für die meisten unserer gerade nicht gebrauchten Siebensachen. In seiner Schublade bewahrte ich meine hölzernen Soldaten, das Malpapier und Buntstifte auf. Zwischen den Mahlzeiten nutzte Großmutter den Tisch, um Wäsche zu falten, zu nähen und auch allgemein als Ablage. Wenn jemand nach irgendetwas suchte, konnte er es je nach der Natur des Gegenstands wahrscheinlich auf oder unter dem Tisch finden. Wenn niemand zugegen war, nutzten ihn Tauben und andere Vögel als Treffpunkt. Dies waren die einzigen Male, an denen meine Großmutter sich über das Vorhandensein des Tischs ärgerte.

Eines Morgens, kurz nachdem wir uns im Häuschen eingerichtet hatten, hörte ich Großmutters Stimme in höchsten Tönen fragen: „Wo ist der Tisch? Hat jemand den Tisch gesehen? Er war gestern Abend doch noch da...“ Wir krochen alle aus unseren Betten, schauten umher und sahen, dass die Veranda leer war. Der Tisch war weg. Wer würde sich damit abmühen, solch einen schweren Tisch zu stehlen, fragten wir uns. Genau wie wir stand auch Herr Joseph vor einem Rätsel und ritt hoch zu Pferde davon, um die Polizei zu benachrichtigen. Es war noch früh, und der Morgentau lag auf dem Gras; die Sonne ging langsam auf, und der Nebel fing an zu steigen. Man konnte die feuchte Luft sehen, wie sie in Wellen über die Felder und die Straße zog und allmählich den blauen Himmel enthüllte. Es gelang uns zwar, ohne den Tisch zu frühstücken, aber nur, indem wir einander die Not klagten, die seine Abwesenheit uns bereitete.

Gefolgt von Herrn Joseph auf seiner schnaubenden, schwitzenden Stute, traf auf einem Fahrrad bald ein Polizeibeamter ein. Er sprach kurz mit meiner Großmutter und machte sich sofort an die Arbeit. Unweit des Häuschens fand er ein paar Fußspuren, die auf dem noch feuchten Boden gut erhalten waren. Vom verstreut umher liegenden Stroh schnitt er sich einen Halm ab, maß damit den Fußabdruck und untersuchte jeden Zentimeter der eingedrückten Stelle peinlich genau. Jedes Mal wenn er sich hinunterbückte, rutschte seine Ledertasche von seiner Schulter und war ihm im Weg. Langsam rückte er sie dann zurück an ihren Platz und fluchte leise.

Der Polizist war ein großgewachsener Mann. Er hatte schon grau werdende Haare und trug hohe, glänzend schwarze Stiefel sowie eine marineblaue Uniform mit einem Cape darüber. Um das Cape herum sah man einen breiten Ledergürtel; damit verbunden war quer über seinen Brustkorb ein schmalerer Gurt. Auf dem Rücken trug er an einem Riemen ein Gewehr mit massiver Kammer und glänzend poliertem Schaft. Ein großer metallener Adler, das Wappen der Republik Polen, war mitten auf seine runde marineblaue Mütze geheftet.

An diesem Morgen war Tzytzek, der Freund meines Bruders, zu Besuch gekommen, und ehe ich mich’s versah, lief ich schon mit Schwester, Bruder und Freund dem Uniformierten hinterher. Der hatte nichts dagegen, gebot uns aber, absolut still zu sein. Sein Fahrrad zerrte er über schmale Pfade durch die Gerste- und Kartoffelfelder mit sich. Ab und zu schnellte ein Fasan oder ein Hase hinter einem Busch hervor und erschreckte uns. Immer wenn der Beamte stoppte, um eine Fußspur zu untersuchen, setzte er seine Drahtgestell-Brille auf, die er regelmäßig mit einem gepunkteten Taschentuch putzte. Ich fragte mich, warum er jeden Fußabdruck nachmessen musste. Konnte er sie nicht durch bloßen Augenschein identifizieren? Tzytzek sagte auf Jiddisch – damit nur meine Schwester und ich ihn verstanden –, der wolle sich nur wichtigmachen, weil er nichts Besseres zu tun habe.

Der Polizist wiederum war es bald leid, das staubige Fahrrad mitzuschleppen, und er bat Tzytzek, es zu übernehmen. Sowie Tzytzek das Fahrrad schob, probierte er erst einmal die Klingel aus, was ein paar Vögel aufstörte, die nahebei nisteten. Der Ordnungshüter schrie Tzytzek an. Ich hatte Angst, er würde ihn erschießen, wenn Tzytzek sich unterstünde, die Klingel noch einmal zu benutzen.

Es wurde heiß, und unser Befehlshaber fing an zu schwitzen. Er nahm das Cape ab, schnallte die Gurte an die Uniform und fragte mich, ob ich das Cape für ihn tragen würde. Eifrig bejahte ich und nahm das zusammengerollte Cape unter den rechten Arm. Es war schwer und hinderlich, und es roch nach Desinfektionsmittel, jedenfalls nach Chemie, so dass ich niesen musste. Jedes Mal wenn der von seinem Cape Befreite anhielt, um wieder einen Fußabdruck zu prüfen, war ich versucht, das schwere Stück dort liegenzulassen, doch ich fürchtete, ihm würde das nicht gefallen. Tzytzek schlug vor, ich könne das Cape gern über den Fahrradlenker legen, aber ich lehnte sein Angebot stolz ab und schleppte es selber weiter.

Binnen kurzem gelangten wir an Eisenbahngleise, die von den Fußspuren gekreuzt wurden. Unsere Suche setzten wir auf der anderen Seite in derselben Weise fort: Der Polizist ging voraus, und wir folgten ihm auf Schritt und Tritt, unsere Augen die ganze Zeit auf ihn geheftet. Es war fast Mittag, und der Himmel war tiefblau. Hinter einer Baumgruppe bemerkten wir eine ausgebrannte Hütte ohne Dach; daneben stand eine strohgedeckte Scheune. Auf diese Stelle steuerte unser Anführer zu. Keine Menschenseele war zu sehen. Ein streunender Hund trottete herbei, schnüffelte am Fahrrad und an Tzytzeks Fuß und verschwand wieder. Tzytzek versuchte noch, nach ihm zu treten, doch er verpasste ihn.

Der Polizeibeamte marschierte zur Scheune, stieß die Tür auf und ging hinein. Ich hörte eine Frau weinen und um Vergebung flehen. Kurz darauf erschien der Beamte wieder und führte einen Mann und eine Frau mittleren Alters mit sich. Sie waren barfuß. Die Frau bekreuzigte sich und weinte immerfort; der Mann blieb still. Er trug eine schwere, grob gewebte Hose und ein kragenloses Hemd mit vielen Löchern. Sein Haar war zerzaust, sein Gesicht voller Bartstoppeln, und seine Stirn wurde von einer Warze beherrscht, die die Größe eines Manschettenknopfs besaß. Die Frau war genauso schäbig angezogen; kleine Strohhalme steckten in Haar und Kleidung. Nicht einen Moment hörte sie auf, sich zu bekreuzigen.

Der Wachtmeister befahl dem Paar, den Tisch aus der Scheune zu holen. Sie brachten erst die Tischplatte, dann die Beine; sie hatten ihn wohl auseinandergenommen, damit er leichter zu verstecken war. Es wurde der Beschluss verkündet, der Mann habe die Platte auf dem Rücken zum Bauernhof zurückzutragen, festgezurrt mit einem schweren Seil, und wir würden die Beine tragen helfen. Der Verkünder selbst übernahm wieder das Fahrrad und gab Tzytzek im Austausch dafür ein Tischbein. Tzytzek gefiel das gar nicht, er sagte zu uns Kleineren, wenn das Paar in der Lage gewesen sei, den Tisch mitgehen zu lassen, könne es ihn auch genausogut wieder zurücktragen. Zu meinem Bruder hörte ich ihn auch noch sagen, dass man in einigen Ländern Diebe bestrafe, indem man ihnen die Hände abschneide. Er hielt das für eine gute Idee und sagte: „Wie sonst kann man Leute davon abhalten zu stehlen?“

Wir begannen den Rückmarsch; der Polizist führte die Prozession an, den Mann mit der Tischplatte direkt hinter sich. Die Frau folgte, immer noch weinend; wir Kinder bildeten die Nachhut. Unser Anführer nahm wieder sein Cape an sich, so dass ich viel schneller gehen konnte. Ungefähr auf halbem Weg zurück rief er zur Pause und verschwand mitten in einem Feld hinter einem großen Baum. Wir konnten ihn Wasser lassen hören; mit lauter Stimme befahl er uns, selber auch eine Rast zu machen. Der Dieb setzte die Tischplatte ab. Er sah müde aus und ängstlich und sagte kein Wort. Er starrte auf seine nackten Füße und atmete schwer. Nach mehreren Minuten des Ausruhens nahmen wir unseren Marsch wieder auf. Als wir an unserm Häuschen eintrafen, kamen alle zu unserer Begrüßung heraus; Großmutter sagte, sie habe sich schon Sorgen um uns gemacht, obwohl Herr Joseph sich alle Mühe gegeben hatte, ihr zu versichern, dass er uns zusammen mit dem Schutzmann über die Felder weggehen sah.

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