Ja schon, er hat auch eine Schwester. Aber die hat ein eigenes Schlafzimmer. Und beim Waschen macht die genauso viel Theater wie er mit seinem Unterkörper. Außerdem ist das ja nicht seine Schwester, sondern ein fremdes Mädchen, das vor ihm steht, direkt vor seinen Augen. Das ist natürlich etwas ganz anderes. Es ist ihm unheimlich, was er da sieht. Er schaut direkt auf den kleinen Hügel und hätte am liebsten seinen Augen befohlen, wieder für Ordnung zu sorgen. Doch er ist hilflos.
Killy bemerkt schließlich seinen starren Blick. Sie erkennt das Unglück, schiebt den Halter wieder hoch und schnappt ein. Sie ist beleidigt. Da rutscht ihr der Halter runter, entblößt sie, und der Kerl hat nichts Besseres zu tun, als sie zu begaffen! Peinlich! Killy wendet sich ab, schwimmt zur nächsten Badeleiter und verlässt das Becken in Richtung ihres Handtuches oben an der Hecke.
Und Hans? Was macht der nun? Er geht nicht hinterher. Er schwimmt noch eine Bahn, ärgert sich über sein Schicksal, den unglücklichen Umstand und das Mädchen. Als er aus dem Wasser geklettert ist, mag er auch nicht zu ihr gehen. Das wäre ihm zu peinlich. Und so endet die erste Begegnung für beide unglücklich.
Abends fährt Hans mit dem Fahrrad von der Kupfermühle nach Hause, normalerweise eine gute halbe Stunde. Sein Gesichtsausdruck ist mürrisch. Seinen Unwillen bekommt das Fahrrad zu spüren. Zu dem Zeitpunkt ist Killy schon lange zu Hause. Sie wohnt nur zehn Minuten Fußweg vom Bad entfernt und Hans fährt unter dem Fenster ihres Jungmädchenzimmers vorbei, ohne es zu wissen. Hätte sie hinausgesehen und er es bemerkt, hätte vielleicht eine ganz kleine Handbewegung gewagt, nur das Zeichen eines Erkennens, wäre die Sache zwischen den beiden sicherlich ganz anders gelaufen. Aber das geschah nicht. Was kam, war eine Pause, durch die alles nur verlängert wurde, unnötig verlängert!
„Du bist ungerecht! Das ist doch ganz normal, dass nicht alles glatt abgeht.“
Aber es stört. So wie du! Jetzt brichst du mein Bild ab.
„Da bist du wieder ungerecht. Nur weil du ungeduldig bist. Weil dir die Geschichte der beiden gefällt, weil sie dir gefallen, die beiden Menschenkinder, weil du ihre Gedanken mitfühlst und ihre Empfindungen wie die eigenen spürst. Du möchtest gerne bei ihnen, noch besser zwischen den beiden sein. Am liebsten würdest du ihnen sagen, was sie tun sollen. Das wollen die aber gar nicht. Das ist dein Egoismus, der dich jetzt ungeduldig macht.“
Wieso? Für die wäre manches besser gelaufen, wenn sie auf mich hören würden.
„Was soll daran besser sein? Den Ratschlägen eines alten Mannes folgen? Den süßlichen Geschmack des zögerlichen Probierens verpassen? Das spannende Tasten überspringen? Die prägenden Erlebnisse beim Bäumchen-wechsel-dich auslassen? Zugegeben, das liefe auf eine Abkürzung hinaus. Aber nimmt nicht gerade die Verlängerung die Schärfe aus der Suppe, macht sie genießbarer, als der konzentrierte Sud von sich behauptet?“
Jede Verlängerung ist unnütz! Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist die Gerade! Ich zeig es dir! Das ist ja das Gute. Man kann das wegzappen. Einfach in die andere Zeit springen!
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