Gertrud Wollschläger - Mai-Schnee

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Ein Parasit hatte sich in meine Gedanken eingenistet. 1972 war das, vor ziemlich genau 42 Jahren. Lange Zeit konnte ich gut mit ihm leben. Er war sozusagen zwar da, aber nicht wirklich mein Problem. Er meldete sich vor allem dann, wenn ich in die Gegend meiner Kindheit fuhr, um Verwandte und Freunde zu besuchen. Wenn ich nachfragte: Haben sie den Täter? Wenn ich ihre unglaubliche Wut erleben musste, die sie auf den Mörder des Mädchens hatten. Genaueres wussten sie nicht. Es gab viele Gerüchte. Das hartnäckigste und übelste – bis auf den heutigen Tag – wurde immer in gleicher Weise erzählt: Ja, man weiß, wer es war. Aber man will nicht, dass es herauskommt. Kann man sich das vorstellen? Zwölf Jahre alt war sie. Auf dem Heimweg von der Schule war sie. Erstochen wurde sie! Mit vielen Messerstichen …

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Später kam noch Sonjas Mutter mit ihrem Mann Vinzenz dazu. Seltener Arthur, den alle nur den Häusler nannten. Arthur war ledig und hatte immer ein wenig andere Gedanken als andere, die er hartnäckig zum Besten gab, auch wenn es keiner hören wollte. „Der mit seinem obergescheiten G’schwätz“, hieß es da oft, „muss dauernd beweisa, dass er auf der Oberschul war.“

Oft hatte Edelgard, Sonjas Mutter, ihre liebe Not mit ihm, ihrem Bruder, wenn der allzu sehr den Hofbauern herauskehrte und ihrem Mann Vinne damit den Tag verdarb. Er wohnte im Anbau am Haupthaus, den er sich als Wohnstätte gerichtet hatte. Jeden Mittag saß er mit der Familie am Tisch und langte kräftig zu. „Wer recht schafft, der hat au Hunger.“ Geschafft hat er fleißig, als Familienknecht und nebenher noch als Waldarbeiter, denn Geld war knapp, man musste schon noch „was dazu macha, sonst langt’s net“. Auf jeden Fall war er der Meinung, dass er ein wichtiges Wörtle mitzureden hatte, denn er hatte schließlich den Traktor gekauft von seinem Waldgeld. Damit war er für die Familie ein unentbehrlicher Mann geworden.

Es war mit der Zeit auf dem Hof zu einem ungeschriebenen Gesetz geworden, dass nicht mal Vinzenz, Sonjas Vater, ihm was zu sagen hatte. Der war doch bloß a „Herramale“, mit seinem wichtigtuerischen Gehabe als Vertreter für Bettwäsche und Vorhänge. „Das ist man nicht, wenn man einen Bauernhof zu Hause hat.“ Sowas dachte nicht allein der Arthur über seinen Schwager. Also wurde er, Arthur, mit der Zeit der heimliche Herr auf dem Hof.

Die Spannungen zwischen den ungleichen Schwägern wurden im Laufe der Zeit für jedermann spürbar. Besonders schlimm war es bei den gemeinsamen Mahlzeiten, wenn die ganze Familie um den großen Tisch in der Küche saß. Dann gab ganz schnell ein Wort das andere. Bestimmend der Arthur, angriffslustig der Vinne. Dann konnte man deutlich sehen, wie Edelgard den Kopf einzog. Ihr Hals wurde förmlich kürzer, die Schultern fielen nach vorn, sie bediente dann noch emsiger, aber ihr Gang wurde schlurfig und müde. Vier Kinder hielten den Atem an und wünschten sich an einen anderen Fleck auf der Erde.

So saß die sonntägliche Hofrunde draußen in der beginnenden Dämmerung, wann immer es das Wetter erlaubte. Das Abendprogramm konnte beginnen. Wir Kinder versuchten stets, uns unsichtbar zu machen, denn was da alles erzählt wurde, ließ uns staunen oder gruseln. Das meiste war für Kinderohren nur bedingt geeignet und verfolgte uns noch lange bis unter die Bettdecke, die man sich ganz fest über den Kopf ziehen musste, wenn die Angst mit ins Zimmer schlüpfte. Je ruhiger wir Kinder waren, desto mehr konnten wir erfahren. Und wir verhielten uns ruhig. Mucksmäuschenstill waren wir! Wenn wir uns weit in den Abendschatten zurückzogen, vergaßen die Erwachsenen, dass wir da waren. Bis es jemandem bei einem besonders heiklen Thema wieder einfiel: „Schwätzet net so Zeugs, die Junge spitzet d’ Ohra!“ Dann war es schlagartig ruhig. Der letzte angefangene Satz stand förmlich in der Abendstille. Wenn uns dann noch energisch mitgeteilt wurde: „Ihr g’höret scho lang ens Bett“, waren wir förmlich nicht mehr zu sehen.

Es gab damals nichts Interessanteres für uns als diesen Dorfklatsch. Manch einer aus dem Flecken wurde von uns Kindern in der nächsten Zeit besonders intensiv angeschaut. Mal scheu, mal nachdenklich. In besonders bedenklichen Fällen starrten wir den Leuten hinterher, mal mit Herzklopfen, mal mit Gekicher. Irgendwann am späten Abend kam der letzte energische Befehl von unserer Mutter: „Jetzt aber ab und glei ens Bett! Morgen isch Schul, dann wollet ihr wieder net aufstehen und ich hab mei liebe Not mit euch!“ Diesem Ton wagte keiner mehr zu widersprechen. Wir drückten uns noch ein bisschen in den Ecken herum, denn jede zusätzliche Minute aufbleiben zählte als Sieg über die Eltern. Spannend und unvergessen waren sie, diese Sonntagabende auf dem Hof mit unseren Nachbarn.

Waschen vor dem Zubettgehen entfiel regelmäßig. Einmal in der Woche richtig abseifen war genug. Am Morgen ein paar Spritzer Wasser ins Gesicht und Zähne putzen, das genügte! Der Zuber mit dem Badewasser, der samstags in der Küche aufgestellt wurde, sah nach den drei Kindern zwar aus wie das Spülwasser nach einem guten Sonntagsessen, fettig und trüb, manchmal sogar mit diversen Stückchen drin, aber wirklich gestört hat sich daran keiner. Wir stiegen, stets überzeugt von unserem sauberen, blanken, neuen Lebensgefühl, aus der Wanne und schlüpften in frische Wäsche. Wohlgemerkt nur am Wochenende. Fand das Badevergnügen zwischendurch statt, musste man bestimmt zum Doktor, aber auch dann war es nicht so wichtig. Der Spruch von unserem alten Hausarzt Dr. Eberwein ist mir bis heute in Erinnerung geblieben: „Mir ist ein Bauernbub mit Mist zwischen den Zehen lieber als so ein Herrenbübchen aus der Stadt mit seinen Käsfüßen und einem Pilzgewächs dazwischen.“

Das Ratta-ta, Ratta-ta kommt wieder lauter an mein Ohr. Ich habe Durst. Eine Thermosflasche steckt in meinem Rucksack, den ich in der Gepäckschale über meinem Kopf verstaut habe. Nach ein paar tiefen Zügen aus dem abgeschraubten Deckel wird mir wohler. Ich merke, wie mir die Gedankenpause guttut. Seit Stunden sitze ich schon im ICE Berlin – Stuttgart. Meine Gedanken beschäftigen sich so intensiv mit zu Hause, als würde ich über meine Kindheit in einem spannenden Buch lesen. Spannend und belastend! Die Mitreisenden in meinem Abteil habe ich glatt vergessen. Eine ältere Dame, die mit ihren Zeitschriften beschäftigt ist, und eine junge Frau, die unentwegt auf ihrem Smartphone herumtippt und zwischendurch telefoniert. Zum Glück so leise, dass es mich nicht stört. Nach anfänglich einigen freundlichen Bemerkungen, die von mir recht einsilbig beantwortet wurden, schweigen beide.

Das Ratta-ta, Ratta-ta dringt in Wellen zu mir, mal lauter, mal leiser. Nach jeder Weiche, die der Zug passiert, werde ich in die Gegenwart zurückgeholt. Dann drücke ich mich tiefer in meine Ecke am Fenster. Hinter mir am Haken hängt mein leichter Sommermantel, in den ich mich bei Bedarf einkuschle und wo ich dann auch mal die Augen zumachen kann.

Sobald das Ratta-ta gedämpfter wird und mich einlullt, treten die Bilder und Erinnerungen an die schrecklichen Tage des Jahres 1972 glasklar vor meine Augen. Wieder steht die Mutter vor mir mit ernstem Gesicht. Sie hat damals ihr Möglichstes getan, um in unsere Familie ein Stück Normalität zurückzubringen. Heute sehe ich, wie begrenzt ihre Möglichkeiten waren. Auch sie hatte niemanden zum Reden. Allein gelassen waren damals die Menschen mit ihren Nöten. An wen hätten sie sich auch wenden sollen? Den Pfarrer, den Lehrer, den Doktor? Sie alle waren sprachlos, wussten keine Antworten, kämpften um die eigene Fassung. Ihr ganzes Leben lang schwärte es in ihnen, wie eine Wunde, die nie abheilt.

Wieder sehe ich mich zuhause, am Backtag in unserer Küche. „Geh schon, Barbara, lass dir nicht alles zweimal sagen! Ich brauche die Kirschen jetzt, ich möchte endlich anfangen zu backen. Sonst werde ich heute überhaupt nicht mehr fertig.“ Ich versuchte erst gar nicht zu widersprechen. Diesem energischen Ton der Mutter war einfach nur zu gehorchen. Ich fühlte mich hilflos und ausgeliefert. „Warum tat Mutter das? Mich allein rausschicken zum Kirschenholen. Sie wusste doch, was ich für eine grauenhafte Angst davor hatte, alleine in die Obstanlagen zu gehen.“ Ich spürte wieder, wie mir das Entsetzen den Rücken hoch kroch. Es machte meinen Nacken steif und in meinem Kopf und in den Ohren fühlte sich in diesem Augenblick alles unnatürlich wattig an.

Als es damit bei mir begonnen hatte, sagte der Doktor zur Mutter: „Ihre Seele ist eingefroren, ihr Körper steht still. Aber das wird schon wieder, es braucht halt seine Zeit.“ Dabei sah er mich mitleidig an: „Gell Barbara, mir schaffen das.“ Zur Mutter gewandt meinte er noch: „Man muss des Mädle halt ablenken von der ganzen Sache. So schlimm das auch alles ist, sie kann ja doch daran nichts ändern.“ Die Stimme von Dr. Eberwein klang aber wenig überzeugend in meinen Ohren. Auch dass er meinen Augen unsicher auswich, bemerkte ich instinktiv.

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