Gertrud Wollschläger - Mai-Schnee

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Ein Parasit hatte sich in meine Gedanken eingenistet. 1972 war das, vor ziemlich genau 42 Jahren. Lange Zeit konnte ich gut mit ihm leben. Er war sozusagen zwar da, aber nicht wirklich mein Problem. Er meldete sich vor allem dann, wenn ich in die Gegend meiner Kindheit fuhr, um Verwandte und Freunde zu besuchen. Wenn ich nachfragte: Haben sie den Täter? Wenn ich ihre unglaubliche Wut erleben musste, die sie auf den Mörder des Mädchens hatten. Genaueres wussten sie nicht. Es gab viele Gerüchte. Das hartnäckigste und übelste – bis auf den heutigen Tag – wurde immer in gleicher Weise erzählt: Ja, man weiß, wer es war. Aber man will nicht, dass es herauskommt. Kann man sich das vorstellen? Zwölf Jahre alt war sie. Auf dem Heimweg von der Schule war sie. Erstochen wurde sie! Mit vielen Messerstichen …

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„Setz dich, Bub! Also was ist los?“ Sprechen kann der Bub nicht, bringt kein Wort heraus, es schüttelt ihn ein Weinkrampf. Er heult laut, wie kleine Kinder heulen, wenn ihre Furcht besonders groß ist, wenn sie Aufmerksamkeit und Trost brauchen.

Jürgen fängt an, Worte zu stammeln. Unzusammenhängende Wortfetzen, die zwischen den Stößen von Schluchzern hervorbrechen. „Der kommt wieder – vom Kurtle – Messer – und – sterben – ich der Nächste – bald sind alle tot.“ Verzweifelt legt er den Kopf auf den Tisch. Nur noch leises Weinen, das sich wie ein unaufhörliches, leierndes Summen anhört, kommt aus dem Kind. „Was erzählst du da? Von was und von wem redest du? Hat der Kurtle ein Messer und wer stirbt?“ Erschrocken blickt Arthur auf seinen Neffen hinunter. Sieht auf den empfindsamen, schlanken Kinderhals und spürt ein tiefes Mitleid mit dem Jungen. Ihm ist sofort klar, mit was das gestammelte Wörtergemisch zusammenhängen muss. Ihm wird abwechselnd heiß und kalt. Jetzt nur keinen Fehler machen und nix Falsches sagen! Ratlosigkeit überflutet ihn wie eine Riesenwelle und lässt ihn hilflos und schwach werden. „Ich muss was sagen. Etwas das überzeugt, was die Furcht von dem Kind nimmt!“ Er spürt, wie ihn eine große Wut zu überwältigen droht, was er aber nicht zulassen kann. Arthur hat plötzlich einen dicken Brocken im Hals, an dem er einige Male heftig schlucken muss, bis er seine Sprache wiederfindet. Wut und Hass sollen sein Leben nicht bestimmen, auch nicht das Leben der Kinder. Dann hätten sie schon verloren. Allesamt!

„Komm, red! Beruhig dich, was ist denn los?“ Arthur zieht einen Stuhl vom Tisch her und setzt sich Jürgen gegenüber. Der Junge wird stiller. Nur noch einzelne Schluchzer sind zu hören. Er hebt den Kopf, blickt den Onkel an und fängt an zu reden. Stockend erst, dann fließt es aus ihm heraus, das Entsetzen und die Todesfurcht. Von seinem nahen Sterben und dass sie alle dran sind. Warum das bei ihnen so ist. Wenn einer mal den Anfang gemacht hat, gehe es der Reihe nach ganz schnell. Vor allen Dingen, dass der Kurtle alles ganz genau weiß.

„Du lieber Himmel, was tut man dem Buben noch alles an?“ Das mühsame Verdrängen der Geschehnisse in den letzten Wochen, sein „Alles wird wieder gut!“ zu den Kindern, alles vergeblich und umsonst? „Ich muss ihm helfen!“ Nichts anderes denkt Arthur in diesem Moment. „Nicht der Kurtle ist wichtig. Heut der Kurtle, der so schwätzt, morgen ein anderer. Dem Bub das Richtige sagen ist wichtig, ihn muss ich stark machen! Es wird noch mehr kommen, bis der Täter gefasst ist. Selbst dann ist noch nicht Schluss. Dann werden Fragen nach dem Warum kommen. Ich muss ihm helfen, stark zu werden, das ist es. Verdammt, was sag ich nur?“ Krampfhaft sucht Arthur nach den richtigen Worten.

Automatisch geht er zum Schrank, bedächtig. Viel langsamer als sonst bewegt er sich, holt ein Glas heraus und lässt es voll Sprudel laufen. Zitrone, den mag der Junge am liebsten. Den hatte der Onkel stets parat. Das wussten die Kinder und nutzten es gründlich aus. Da hieß es dann schon mal: „Trink nicht im Unverstand, sonst kriegst du jetzt Hahnenwasser.“ Heute hätte der Bub von ihm aus eine ganze Kiste Zitronensprudel trinken können, wenn er gewollt hätte. Am liebsten hätte Arthur gesagt: „Weißt, ich versteh dich, ich habe doch selber Angst. Dieses freilaufende Ungeheuer belastet mein Leben genauso wie deines.“ Das hätte er in Wirklichkeit gerne zu Jürgen gesagt, aber das ging gar nicht. Beruhigung und Trost mussten her.

Mit etwas wackliger Stimme fängt Arthur an zu reden: „Was der Kurtle gesagt hat, stimmt doch überhaupt nicht. Der hat ein großes Maul und hat sich nur wichtig gemacht. Weißt, gerade auf dich und deine ganze Familie passt jetzt die Polizei besonders gut auf. Du siehst die bloß nicht, weil sie das im Geheimen machen. Sogar nachts sind sie in Verstecken auf dem Hof, im Wald und im ganzen Dorf. Alle Leute passen jetzt aufeinander auf. Die wollen den doch alle fangen, der die Sonja tot gemacht hat. Du wirst sehen, bald haben sie ihn! Und wenn der bis nach Amerika abgehauen ist, kriegen sie den!“

Beim Hinweis ‚Amerika‘ ruckt der Kopf von Jürgen hoch. Die Aussicht, dass das Böse nach Amerika verschwunden sein könnte, ist überzeugend gut. „Nach Amerika“, flüstert er zum Onkel hoch, „das ist ganz weit weg.“ Arthur sieht die Hoffnung in den Augen des Buben. „Ja was glaubst denn du? Der wartet doch nicht hier in einer dunklen Ecke, bis man ihn findet. Der weiß genau: Wenn sie mich erwischen, muss ich mein Leben lang ins Gefängnis. Also nichts wie weg!“ Jürgen trinkt seinen Sprudel mit wenigen Schlucken leer. „Noch eins?“, fragt der Onkel. Das leere Glas wird energisch über den Tisch geschoben. „Ja, voll!“ Nie im Leben vorher, wie Arthur später erzählte, war er mehr als erleichtert gewesen, dass er an diesem Tag die richtigen Worte gefunden hatte.

„He, was ist? Muss man euch eine Extra-Einladung schicken? Die Oma hat schon ein paar Mal zum Essen gerufen. Auf jetzt!“, ruft die Mutter von der Haustür her. „Los, Jürgen, wasch dein Gesicht!“, schickt ihn der Onkel an den Schüttstein. „Dann machen wir, dass wir an den Tisch kommen. Nimm einfach das Geschirrtuch zum Abtrocknen“, weist er den Jungen noch mit einem Blick über die Schulter an, während er schon zur Tür hinausgeht.

Es herrscht, wie jetzt an jedem Tag, eine sonderbar gedrückte Stimmung am Mittagstisch. Seitdem der eine Stuhl leer bleibt, ist es so. Oma Mechthild stellt gerade den großen Topf mit der Gemüsesuppe in die Mitte, als Arthur und Jürgen in die Küche kommen. Dicke Scheiben Brot stapeln sich im geflochtenen Brotkorb. Das Stoffdeckchen darin gibt es schon so lange, wie es den Korb gibt. Keinem wäre jemals eingefallen, ein anderes hineinzulegen. Ab und zu ausschütteln genügte. Brot macht nicht dreckig. Etwas Mehlstaub bleibt drauf, mehr nicht.

Mechthild bemüht sich redlich, jeden Tag aufs Neue, Alltag zuzulassen. Mit kleinen Bemerkungen wie „Esst nur, es ist genug da!“ oder „Ist die Suppe salzig genug?“ versucht sie, das schmerzliche Thema ‚Sonja‘ auszuklammern. Es weiß auch so jeder, an was der andere denkt. Wie viel einfacher wäre es für alle gewesen, offen darüber zu reden! Das hartnäckige Schweigen, das Nicht-Nachfragen-Dürfen, konserviert den Schmerz, macht alle noch verletzlicher. Die aufgenommene Angstsaat wird in der Seele festgedrückt, nein, festgestampft, geht auf für die folgenden Jahre.

Der Kampf um ihr Überleben hatte erst begonnen. Es war der Anfang eines langen schmerzvollen Weges, den sie noch zu gehen hatten. Gut, dass Onkel Arthur da war! Gut, dass jeder neue Tag einen neuen Anfang versprach. Auf dieses Versprechen gingen sie alle gerne ein, auch wenn sie bis zum Abend feststellten, dass sich nicht viel verändert hatte. Anders heute, als Jürgen erfahren durfte, dass der Schreckliche vielleicht, sogar höchstwahrscheinlich, nach Amerika abgehauen war. Für Jürgen wurde es zu einer gewünschten Gewissheit. „Der ist weg, weit weg“, hatte Onkel Arthur gesagt, „und der hat Recht, der weiß das!“ Ein anderes Weiterleben in seinem gewohnten Umfeld wäre für den Bub auch gar nicht möglich gewesen.

Jürgen war heute schneller mit dem Essen fertig als die anderen. Er wollte raus, hinter die Scheune, sich auf die Holzbeuge setzen und nachdenken. Die Schwüle in der Küche machte ihm zu schaffen. Oma hatte, wie jeden Tag, sommers wie winters, das Feuer im Beistellherd angezündet. Das war schon immer so. Was in der kalten Jahreszeit höchst willkommen war, wurde im Sommer zur Plage. Es standen immer Kochtöpfe und der ewig gleiche Wasserkessel darauf. Ihr leises Zischen und Summen war das gewohnte Geräusch in der Küche. Kleine Schweißperlen bildeten sich auf der Stirn von Jürgen. Er merkte, wie seine Anspannung wuchs. Seine aufgeregten Gedanken brauchten dringend ein Ventil. „Ich muss raus!“ Mit diesem Hinweis schob er den Stuhl zurück und verließ eiligst die Küche. „Was hat denn der?“ Oma Mechthild schaute die Runde fragend an. „Lass ihn laufen, er muss nachher noch eine Menge Hausaufgaben machen“, nahm Arthur seinen Neffen in Schutz. „Wahrscheinlich ist es ihm hier drin einfach zu warm.“

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