Hvor skal annars hefna bratt.
ef holdar deyda. 72
Unmittelbar danach legt Haraldr seinen Kopf auf Hertryggrs Knie und gibt sich als eben jener Haraldr zu erkennen, der Hermóðr erschlagen hat. Hertryggr, in dessen Hand nun die Macht über das Leben desjenigen gelegt ist, den er zu töten beabsichtigte, verschont Haraldr und lädt ihn ein, mit ihm in den Kampf zu ziehen. Dies ist ein besonders schönes Beispiel für die unwiderrufliche Gültigkeit des (fóst)brœðralag.
Saxo Grammaticus: Asmund und Aswit
Im Zusammenhang mit der Egils saga einhenda ok Asmundar berserkjabana habe ich darauf hingewiesen, daß sich eine ganz ähnliche Erzählung auch bei SAXO GRAMMATICUS findet: die berühmte Geschichte von Asmund und Aswit. 73
Asmund ist der Sohn des Herrschers von Hethmarchia, 74Aswit der Sohn des Königs von Wik. Eines Tages verirrt sich Asmund auf der Jagd. Nachdem er lange in der Wildnis herumgestreift war, gelangt er zufällig zum Hause des Königs Biorno, des Vaters von Aswit. Nachdem die beiden Königssöhne einige Zeit miteinander verbracht haben, bestärken sie ihre Freundschaft durch ein höchst eigentümliches Gelübde: derjenige von ihnen, der den anderen überlebt, soll sich mit dem anderen begraben lassen.
Prætera ipse filiusque regis, convictu paulisper
habito, ad confirmandum inter se amicitæ cultum
omnibus coniuravere votis, quemcumque eorum vita
prolixior excepisset, mortuo contumulandum fore.
Tantus enim societatis eorum atque amicitæ vigor
exstabat, ut neuter, altero fatis absumpto, lucem
progorare statueret. 75
Aswit wird von einer Krankheit dahingerafft und mit seinem Hund und seinem Roß bestattet. Asmund läßt sich, dem Gelübde getreu („ob amicitæ iusurandum“), lebendig mit Aswit begraben („vivus contumlari sustinuit“).
Zufällig kommt der Schwedenkönig Erik mit seinem Gefolge zum Grab. Da er Schätze darin vermutet, wird einer der Schweden in einem Korb, den sie an einem Seil befestigen, in die Tiefe hinuntergelassen. Asmund wirft den Schweden aus dem Korb und läßt sich an seiner Stelle hinaufziehen. Sein entsetzliches Aussehen treibt die Schweden in die Flucht; Aswit war nämlich bei Nacht wieder lebendig geworden und hatte ihm in einem harten Kampfe das linke Ohr abgerissen. Zuvor hatte er schon das Pferd und den Hund verschlungen.
Der Verfasser der Egils saga einhenda ok Ásmundar berserkjabana hat den Freundschaftsbund der beiden Königssöhne offensichtlich als eine tatsächliche Blutsbrüderschaft aufgefaßt. Bei SAXO jedoch wird nur gesagt, daß Asmund und Aswit „ad confirmandum inter se amicitæ cultum omnibus coniuravere votis …“, die Betonung liegt ganz auf dem ungewöhnlichen Gelübde. Auch in der Haddingsage ist es der rechtliche Aspekt des Bundes, der sich in der Terminologie widerspiegelt. 76
Die Hervorhebung des sozial-rechtlichen Aspektes steht zum Ritual der Blutmischung sicherlich in keinem Widerspruch, bezieht sich allerdings nur auf einen Bereich des Ganzen, den juristischen, der dem gelehrten Historiker SAXO am nächsten lag.
Auch wenn sich über die tatsächliche Natur des Bundes zwischen Asmund und Aswit aufgrund der spärlichen Hinweise keine Sicherheit gewinnen lassen wird, scheint es mir doch gerechtfertigt, diesen Beleg zu den anderen Beschreibungen von fóstbrœðr-Verbindungen zu stellen.
Bjarnar saga hítdœlakappa
In der Bjarnar saga hítdœlakappa, deren Handlung kurz nach der Jahrtausendwende (Bj
rn hítdœlakappi starb im Jahre 1024; vgl. Ausgabe R.C. BOER, S. 106) im Hítardalr im Gebiet des Borgafjords spielt, wird geschildert, wie Björn und Þorstein Kuggason Brüderschaft schließen.
Björn spricht den Wunsch aus, daß sie verpflichtet sein sollten, den anderen zu rächen, wenn er durch Waffengewalt ums Leben käme:
Nú vilda ek til Þess mæla, at hvárr okkarr hefndi annars,
sá er lengr lifði, ef vit h
fum líflát af vápnum eða mannav
ldum. 77
Þorstein ist einverstanden, doch hinsichtlich dessen, was Björn von der Rachepflicht sagt, ist er für eine Abänderung der Bestimmung; zumal – seiner Ansicht nach – die Männer nun genauer als früher wüßten, was sie zu tun hätten („Þviat nú vita menn gørr en fyrr, hvat gøra skulu“), und weil sich das besser für Christen gezieme („ok somir Þat betr kristnum m
nnum“), solle kein Totschlag stattfinden (eigi sé manndráp“), sondern die Rache sollte in Friedlosigkeit oder Mannbuße umgewandelt werden:
Þorsteinn kvað sér Þykkja í hvern stað jafnboðit, er
hann bauð sitt vinfengi; ‚en gørum Þar á grein n
kkura,
er Þu rœðir um hefndirnar, Þviat nú vita menn gørr en
fyrr, hvat gøra skulu, ok vil ek Þat um mæla, at hvárr
okkar taki eindœmi eptir annan eða sektir ok fébœtr,
Þótt eigi sé manndráp, ok sómir Þat betr kristnum m
nnum‘. 78
Tatsächlich treffen sie darauf die feste Abmachung, daß jeder von ihnen den anderen rächen oder nach ihm klagen solle, als wenn sie leibliche Brüder wären:
Nú tóku Þeir Þetta fastmælum, at hvárr Þeira skal hefna
annars eða eptir mæla, svá sem Þeir sé sambornir brœðr. 79
Wie in der Fóstbrœðra saga wird auch hier die Unvereinbarkeit der Rachepflicht mit dem Christentum besonders hervorgehoben, aber während in der Fóstbrœðra saga die beiden Blutsbrüder noch bewußt an der heidnischen Sitte festhalten, haben sich Björn und Þorstein Kuggason schon so weit vom Heidentum entfernt, daß sie keinen Totschlag auf sich nehmen wollen – nicht einmal dann, wenn es um die Wahrung der Integrität des fóstbrœðralag geht.
Die Bjarnar saga hítdœlakappa erwähnt nichts von einem Ritual der Verbrüderung; es ist nur von einem „Gelübde“ die Rede, das die beiden ablegen. Auch der Ausdruck „fóstbrœðralag“ findet sich in diesem Zusammenhang nicht. Am Ende der Schilderung dieser Szene wird jedoch betont, daß die Rachepflicht – wenn auch in diesem Falle in etwas abgewandelter Form – derjenigen von Brüdern gleichkomme („svá sem Þeir sé sambornir brœðr“). Den anderen wie einen Bruder zu rächen („annars hefna sem bróður síns“) ist in der Gísla saga die hauptsächliche Folge der Blutsbrüderschaft und die Wendung „sem Þeir se sambornir brędr“ findet sich – gewissermaßen als Kommentar des Verhältnisses der Blutsbrüder Sigurd, Gunnar und Högni – wörtlich gleichlautend in der Völsunga saga. Daraus könnte man immerhin schließen, daß es sich bei der Brüderschaft Björns und des Þorstein Kuggason um ein „fóstbrœðralag“ gehandelt habe.
Þorsteins saga Víkingssonar
Im Kapitel 7 der Þorsteins saga Víkingssonar in der sich das Motiv der fóstbrœðralag ganz besonders häufig findet, wird von der Verbrüderung Víkíngs und Njörfis erzählt.
Víkíngr fragt Njörfi:
… viltu at við gerum félag með okkr?“ 80
Der Königssohn Njörfi stimmt dem Vorschlag zu, doch besteht er auf einer besonderen Abmachung: es soll ihm der Königstitel ungeteilt vorbehalten bleiben:
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