Aber auch nur uns. Antiken, chinesischen, russischen Sozialismus in diesem Sinne gibt es nicht.
Im Innern dieses mächtigen Gesamtbewusstseins aber herrschen Feindschaft und Widerspruch. Denn die Seele jeder einzelnen Kultur leidet an einem einzigen, aber unheilbaren Zwiespalt. Die Geschichte jeder Kultur ist ein nie beendeter Kampf zwischen Völkern, zwischen Klassen, zwischen Einzelnen, zwischen den Eigenschaften eines einzelnen – immer um ein und dieselbe schwere Frage. Ein Gegensinn regt sich, sobald eine Schöpfung ans Licht tritt. Seit Nietzsche kennen wir den großen, in immer neuer Gestalt fortwirkenden Gegensatz im antiken Dasein: Apollo und Dionysos, Stoa und Epikur, Sparta und Athen, Senat und Plebs, Tribunat und Patriziat. Bei Cannä stand in Hannibal der epikuräische Hellenismus dem stoisch-senatorischen Rom gegenüber. Bei Philippi erlag dies spartanische Element Roms dem athenischen der Cäsaren. Und noch im Muttermorde Neros triumphierte der dionysische Geist des »panem et circenses« über die apollinische Strenge der römischen Matrone. In der chinesischen Welt knüpfen sich die Gegensätze aller Epochen, in Leben und Denken, Schlachten und Büchern an die Namen Konfuzius und Laotse und die unübersetzbaren Begriffe des Li und Tao. Und ebenso ist es ein und derselbe Zwist in der faustischen Seele, der in Gotik und Renaissance, Potsdam und Versailles, Kant und Rousseau, Sozialismus und Anarchismus unser Schicksal bestimmt und bis in die letzten Zeiten bestimmen wird.
Trotzdem ist dies Schicksal eine Einheit. Der Widerspruch und Gegensatz dient einer höhern Wirklichkeit. Epikur ist eine andere Form der Stoa, Äschylus hat Apollo und Dionysos, Cäsar hat Senat und Plebs zusammengeführt. Der Taoismus des Laotse hat das konfuzianische China mitgeschaffen. Die abendländischen Völker mit anarchischem Instinkt sind sozialistisch im größeren Sinne des Faustisch-Wirklichen.
Engländer und Preußen
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