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»The Trend is Your Friend«
Sie als Anleger können – umweltengagiert oder nicht – also fast nichts falsch machen, wenn Sie auf diesen Trend setzen.
Ein Trend liegt vor, wenn sich der Kurs eines Wertpapiers tendenziell in eine bestimmte Richtung entwickelt. Das heißt aber nicht, dass es zwischendurch nicht auch zu massiven Schwankungen kommen kann.
Es gibt kurz-, mittel- und langfristige Trends. Nachhaltigkeit zählt zweifelllos zu letztgenannten. Eine Trendumkehr, also dass sich Investoren vom Thema Nachhaltigkeit wieder abwenden, scheint aus momentaner Sicht nicht wahrscheinlich. Dennoch kann es in Folge zu rasch steigender Kurse zu Bubbles und zu zwischenzeitlichen Kursschwankungen und Verlusten kommen.
Wenn Märkte überhitzt sind, also zu viele Investoren gleichzeitig auf ein Thema setzen, entstehen sogenannte Bubbles – der Albtraum aller Investoren.
Eine Bubble, zu Deutsch Spekulationsblase, beschreibt eine Lage am Finanzmarkt, bei der die Kurse von Aktien über eine längere Zeitspanne durch irrationale Käufe weit über ihren eigentlichen inneren Wert hinaufgetrieben werden.
Der innere Wert einer Aktie basiert auf dem wahren Unternehmenswert. Errechnet wird er, indem dem Nettovermögen die stillen Reserven zugerechnet werden und das dann durch die Anzahl der Aktien dividiert wird. In Gegensatz dazu reflektiert der Börsen- beziehungsweise Marktwert eine Erwartungshaltung der Investoren, die ja auch auf die kurzfristige Entwicklung des Wertpapieres spekulieren und nicht immer die langfristige Unternehmensentwicklung – also den inneren Wert – im Fokus haben.
Eine Kursexplosion ist also eine Folge davon, dass Marktteilnehmer nicht mehr auf die fundamentalen Daten von Unternehmen achten, sondern nach dem Motto »wenn alle mitmachen, will ich auch« blind steigenden Kursen »nachlaufen« und darauf vertrauen, dass der Trend ungebrochen anhält. Genau dann steigen echte Finanzprofis aber oft wieder aus – und sei es nur kurzfristig, um Gewinne mitzunehmen. Alte Finanzhasen nutzen diese Kursrückschläge dann, um wenig später billig nachzukaufen. Solche Gewinnmitnahmen sind am Börsenparkett nichts Ungewöhnliches – im Gegenteil.
Selbst wenn – wie bei Megatrends – Kurse konstant ansteigen, folgen zwischendurch so gut wie immer Marktkorrekturen. Erfahrene Anleger nutzen Kursspitzen zur Gewinnmitnahme.
Gutes Market-Timing, also den besten Zeitpunkt zu erwischen, um bei Tiefstständen zu kaufen und bei Höchstkursen zu verkaufen, schaffen auch Finanzprofis nur sehr selten. Wenn Sie auf den »besten Zeitpunkt«, um in Aktien zu investieren, warten, werden Sie nie starten, denn wer weiß schon, wie die Kurse am nächsten Tag aussehen. Wenn Sie investieren wollen, dann tun Sie es! Nachhaltigkeit ist ein Megatrend, von dem Sie als Aktieninvestor profitieren werden, denn der Trend wird – selbst im Fall zwischenzeitlicher Korrekturen – langfristig anhalten. Obwohl schon jetzt sehr viel Geld in den »grünen Markt« fließt, ist das erst der Anfang einer echten Trendwende hin zum »Investieren mit Gewissen«.
Setzen Sie bloß nicht auf nur ein Thema oder gar nur ein Unternehmen. Diversifikation, also Streuung im Portfolio – sprich viele unterschiedliche Branchen und Finanzinstrumente (Erneuerbare Energien, Recycling, bezahlbares Wohnen, Wasseraufbereitung, nachhaltige Landwirtschaft, …) und eine Vielzahl an Investmentprodukten verringern das Risiko. Möglichkeiten, Ihr Geld »gut« anzulegen, gibt es also genug.
Weniger Risiko und mehr Rendite oder doch umgekehrt?
Megatrend hin oder her – auch heute gibt es noch Stimmen, die sagen, wer nachhaltig investiert, lässt Rendite liegen. Es ist noch gar nicht allzu lange her, da wurden entsprechende Anlagemöglichkeiten mitunter als »Ökofonds« belächelt und als Anlageklasse für »Gutmenschen, denen Rendite halt nicht so wichtig ist«, abgestempelt.
Tatsächlich gibt es einige Studien, die behaupten, dass Investoren mit der Nische Nachhaltigkeit Rendite liegen gelassen hätten. Und ja – natürlich gibt es immer Zeitfenster, in denen die eine Strategie besser läuft als die andere. Aber frei nach dem Motto: »Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast« lassen sich die Daten auch ganz anders interpretieren. Hier einige Argumente, die sich wunderbar zum Fachsimpeln rund ums Thema »Chancen und Risiken beim nachhaltigen Investieren« eignen.
Drei Argumente, warum »Ökofonds« Rendite kosten könnten
Der Filter von Nachhaltigkeitskriterien schrumpft das Anlageuniversum und schränkt die Titelauswahl ein.
Dieser Ausschluss wichtiger Markteilnehmer führt langfristig betrachtet zu mehr Risiko und Renditenachteilen.
Je nach Strenge der Auswahlkriterien leidet damit die Diversifikation, was zu einem Klumpenrisiko führen kann.
Ein Klumpenrisiko entsteht, wenn in einem Portfolio ein Übergewicht an bestimmten Wertpapieren besteht. Das kann sich auf Branchen, Länder und Währungen bei Aktien, Anleihen oder auch anderen Anlageklassen, wie Immobilien, Erneuerbare-Energie-Projekte oder auch Waldinvestments beziehen.
Drei Argumente, warum »Ökofonds« besser performen sollten
Mit dem Megatrend Nachhaltigkeit können Anleger nicht falsch liegen (»The Trend is Your Friend«).
Staaten, aber auch Unternehmen, die mit ESG punkten, sind weniger krisenanfällig und bessere Schuldner. Während bis dato vor allem Governance-Kriterien dabei geholfen haben, betrügerische Firmen zu identifizieren und so Verluste zu vermeiden, gewinnen nun auch die sozialen und umweltrelevanten Aspekte an Bedeutung.
Da institutionelles Geld großteils in nachhaltige Unternehmen fließt, können sich diese am Markt über bessere Konditionen leichter finanzieren und haben dadurch einen Wettbewerbsvorteil.
Der Lackmustest in der Realität
In aller Kürze: Der Großteil der aktuellen Studien belegt, dass sich nachhaltig ausgerichtete Finanzprodukte bei Krisen insgesamt als widerstandsfähiger erweisen als ihre traditionellen Pendants ohne ESG-Approach. Nicht nur nachhaltige Aktien, auch ESG-Anleihen performen besser als Wertpapiere, die diese Kriterien nicht berücksichtigen. Staaten und Unternehmen, die ESG-Themen ernst nehmen, sind – wen wundert's – erfolgreicher als solche mit fragilen, korruptionsanfälligen Strukturen. Unternehmen, die sich anständig verhalten, erhalten einen Vertrauensbonus, was wiederum bewirkt, dass selbst im Krisenfall Gelder weniger panisch abgezogen werden und Börsenkurse daher weniger schwankungsanfällig sind.
Hier noch zwei weitere logische Gründe, die erklären, warum ESG-Fonds relativ besser performen:
An Nachhaltigkeit orientierte Fondsmanager agieren generell weniger aggressiv und ihre Fonds sind daher eher defensiv positioniert.
Megatrendthemen verbuchen mehr Zuflüsse, was sich positiv auf die Aktienkurse auswirkt.
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