Wie im Laufe der vorangegangenen Erläuterungen deutlich geworden ist, ist die Umsetzung mehrsprachigkeitsfördernder Ansätze noch immer keine Selbstverständlichkeit in den fremdsprachlichen Klassenzimmern. Hier müsste die Lehrerbildung ansetzen – in der die Mehrsprachigkeitsdidaktik auch noch nicht überall fest verankert ist. Dies ist Gegenstand der letzten Sektion des Bandes, Hochschuldidaktische Aspekte – Lehrerbildung: Mehrsprachigkeit und Ausbildung fremdsprachlicher Lehrkräfte . Die beiden Beiträge der Sektion stellen – bei jeweils sehr unterschiedlicher theoretischer Ausrichtung – Projekte vor, die als Initiativen der Autorinnen entstanden sind, ohne bislang curricular verankerte Maßnahmen innerhalb des Studiums darzustellen. Giulia Pelillo-Hestermeyer und Ute von Kahldenpräsentieren ein interdisziplinäres Projekt (zwischen Fachwissenschaft und Fachdidaktik) zu transkulturellen Austauschprozessen durch Medien, das darauf abzielt, die daran teilnehmenden Studierenden zunächst mit Fragen der sprachlichen und kulturellen Vielfalt aus kulturwissenschaftlicher Sicht zu konfrontieren, bevor sie diese Überlegungen direkt im Anschluss in den Entwurf von Lernszenarien überführen. Im Projekt Mehrsprachige Kompetenzen erforschen und ausbilden , welches im Kern des Beitrags von Jacquelin Gutjahrund Andrea Bognersteht, werden ebenfalls mehrsprachigkeitssensible Szenarien von den Studierenden entwickelt, wobei hier nicht die konzeptionelle Ebene, sondern die Analyse und Reflexion in den Mittelpunkt gerückt werden. Der Beitrag verdeutlicht, wie anhand einer intensiven und detaillierten Auseinandersetzung mit einem komplexen Ensemble von selbsterhobenen mehrsprachigen Daten (Sprachenbiografien mehrsprachiger Schülerinnen und Schüler, Videoausschnitte aus ihren selbstkonzipierten Unterrichtsstunden mit Fokus auf Mehrsprachigkeit) die Studierenden sich von den eigenen Sprachideologien und Annahmen über Sprachen bewusst werden können. Somit erleben die Studierenden Mehrsprachigkeit nicht nur als theoretischen Begriff, sondern als eine Realität, die den Schulalltag prägt und bereichert.
Letzteres ist gleichzeitig Grundannahme und Ausgangspunkt aller festgestellten Desiderata, die alle Autorinnen und Autoren dieses Buches teilen.
Göttingen / Essen, im Oktober 2019
Abel, Fritz. 1971. „Die Vermittlung passiver Spanisch- und Italienischkenntnisse im Rahmen des Französisch-Unterrichts“, in: Die Neueren Sprachen , 70, 355-359.
Allgäuer-Hackl, Elisabeth / Brogan, Kristin / Henning, Ute / Hufeisen, Britta / Schlabach, Joachim (ed.). 2015. MehrSprachen? – PlurCur! Berichte aus Forschung und Praxis zu Gesamtsprachencurricula . Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren.
Bär, Marcus. 2009. Förderung von Mehrsprachigkeit und Lernkompetenz. Fallstudien zu Interkomprehensionsunterricht mit Schülern der Klassen 8 bis 10 . Tübingen: Narr.
Bär, Marcus. 2012. „English – Español – eine Sprachkombination im Aufwind. Ist und Soll der Verzahnung im Unterricht“, in: Eva Leitzke-Ungerer / Gabriele Blell / Ursula Vences (ed.): English-Español: Vernetzung im kompetenzorientierten Spanischunterricht. Stuttgart: ibidem, 35-51.
Bahr, Andreas et al. 1996. Forschungsgegenstand Tertiärsprachenunterricht. Ergebnisse eines empirischen Projekts . Bochum: Brockmeyer.
Barrera-Vidal, Albert. 1972. „Französisch“, in: Hessisches Institut für Lehrerfortbildung (ed.): Probleme – Prioritäten – Perspektiven des fremdsprachlichen Unterrichts . Frankfurt am Main / Berlin / München: Diesterweg, 65-77.
Baur, Rupprecht S. / Chlosta, Christoph. 2010. „Sprachlernvoraussetzungen: Nachbar- und Herkunftssprachen“, in: Wolfgang Hallet / Frank G. Königs (ed.): Handbuch Fremdsprachendidaktik . Seelze: Kallmeyer, 245-248.
Benholz, Claudia / Reimann, Daniel / Reschke, Maren / Strobl, Jan / Venus, Theresa. 2017. „Sprachbildung und Mehrsprachigkeit in der Lehrerbildung – eine Befragung von Lehramtsstudierenden des Zusatzzertifikats ,Sprachbildung in mehrsprachiger Gesellschaft‘ an der Universität Duisburg-Essen“, in: Zielsprache Deutsch , 44/1, 5-36.
Bonvino, Elisabetta et al. 2011. EuRom5. Ler e compreender 5 línguas románicas. Leer y entender 5 lenguas románicas. Llegir i entendre 5 llengües romàniques. Leggere e capire 5 lingue romanze. Lire et comprendre 5 langues romanes . Milano: Hoepli.
Brehmer, Bernhard / Mehlhorn, Grit / Yastrebova, Maria. 2017. „Die Herkunftssprache Russisch als Ressource im Sprachunterricht“, in: Kai Witzlack-Makarevich / Nadja Wulff (ed.): Handbuch des Russischen in Deutschland. Migration – Mehrsprachigkeit – Spracherwerb . Berlin: Frank & Timme, 657-669.
Caddéo, Sandrine / Jamet, Marie-Christine. 2013. L’intercompréhension. Une autre approche pour l’enseignement des langues . Paris: Hachette.
Candelier, Michel. 2008. „Approches plurielles, didactiques du plurilinguisme: le même e l’autre“, in: Cahiers de l’ACEDLE , 5, 65-90.
Christ, Herbert (ed.). 1985. Französischunterricht mit jungen Erwachsenen. Beiträge zum auf der Klassenstufe 11 neu beginnenden Fremdsprachenunterricht . Tübingen: Narr.
Ernst, Gerhard. 1975. „Zur Fehleranalyse in einer Spätfremdsprache: Italienisch“, in: Werner Hüllen / Albert Raasch / Franz Joseph Zapp (ed.): Lernzielbestimmung und Leistungsmessung im modernen Fremdsprachenunterricht . Frankfurt am Main u.a.: Diesterweg, 84-104.
Fäcke, Christiane / Meißner, Franz-Joseph (ed.). 2019. Handbuch Mehrsprachigkeits- und Mehrkulturalitätsdidaktik . Tübingen: Narr.
Fernández Ammann, Eva Maria / Kropp, Amina / Müller-Lancé, Johannes (ed.). 2015. Herkunftsbedingte Mehrsprachigkeit im Unterricht der romanischen Sprachen . Berlin: Frank & Timme.
Fischbach, Sigrid. 1981. „Latein und Französisch. Möglichkeiten und Grenzen der Verwendung von Französischkenntnissen im Lateinunterricht“, in: Der Altsprachliche Unterricht , 24/1, 51-59.
García García, Marta. 2019a. „Herkunftssprache Spanisch im Bilingualen Unterricht: Aus und Wechselwirkungen“, in: Charlotte Falkenhagen / Hermann Funk / Marcus Reinfried (ed.): Sprachen lernen integriert – global, regional, lokal. 27. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Fremdsprachendidaktik in Jena . Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, 357-368.
García García, Marta. im Druck. „Schulische und lebensweltliche Mehrsprachigkeit: Synergieeffekte einer Verbindung“, in: Beatrice Kreß / Nawal Msellek (ed.): Brücken schlagen: Mehrsprachigkeit, Interkulturelle Kommunikation und Sprachvermittlung . Frankfurt am Main: Peter Lang.
Granados, Diana / Siems, Maren. 2014. „Migrationsbedingte Mehrsprachigkeit als Ressource“, in: Hispanorama , 145, 31-39.
Große, Maria. 2017. Pons Latinus – Modellierung und empirische Erforschung eines sprachsensiblen Lateinunterrichts . Berlin et al.: Peter Lang.
Heyder, Karoline / Schädlich, Birgit. 2014. „Mehrsprachigkeit und Mehrkulturalität – eine Umfrage unter Fremdsprachenlehrkräften in Niedersachsen“, in: Zeitschrift für interkulturellen Fremdsprachenunterricht , 19/1, 183-201.
Heyder, Karoline / Schädlich, Birgit. 2015. „Herkunftsbedingte Mehrsprachigkeit und Fremdsprachenunterricht: Eine Befragung von Lehrern in Niedersachsen“, in: Eva Maria Fernández Amman / Amina Kropp / Johannes Müller-Lancé (ed.): Herkunftsbedingte Mehrsprachigkeit im Unterricht der romanischen Sprachen. Akten zur gleichnamigen Sektion auf dem XXXIII.Romanistentag ( 22.-25. September 2013, Würzburg) . Berlin: Frank & Timme, 233-251.
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